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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-07-29 · Heft 31 (29.7.1904) · p. Seite 372

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 31 (29.7.1904)
Date
1904-07-29
Page
Seite 372 (sequence 12)
Language
German
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gefallen, daß. dieser Freuden-, nicht etwa Ruster-Ausbruch ihm möglicherweise teuer zu stehen kommen könnte. Da er also einmal mit den Wölfen heulen mußte, würde er als Faust mitheulen, so dem Feste den Stempel der Weihe, des Ernstes aufdrückend. Und wie ein bekanntes Sprichwort treffend sagt: „Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über", tat er seinen, unter Kämpfen und Nachdenken errungenen Entschluß den aufmerksamen Ohren Herrn und Frau Lewins kund, bei welchen er ein gemütliches Abendstündchen verlebte. Von Frau Eva erfuhr er auch, daß Deborah nur zu den Aufführungen am Purim selbst, nicht aber zum Balle nach Purim gehen werde. In drastischer, kurz angebundener Weise machte sie ihn dafür verantwortlich. Sein Einwand, Fräulein Herz halte sich immer von allem zurück, wurde mit verächtlichem Achselzucken beantwortet: E r hätte seinen Einfluß anwenden müssen, um sie zu bestimmen, er hätte schon den Sieg davongetragen. Und dem lieben Mädchen wäre eine Abwechslung wohl zu gönnen, hieß es. Er überlegte. Ob er es noch wagen sollte, den Bann zu durchbrechen? War sein Einfluß wirklich bedeutend, und wie standen die Freunde überhaupt zueinander? Umsonst — er konnte kein Licht in dieses Dunkel bringen. Eins aber stand fest — seine Stimmung war verdorben. Frau Eva, die schlaue Tochter jener ersten Eva, jubelte innerlich. Ihr Plänchen war fertig. Nein, eswar wirklich köstlich, daß dieser verstimmte, ahnungslose junge Mann ihr so mir nichts, dir nichts sein Geheimnis verraten hat. Denn Maskenkostüme sind Geheimnisse! Die Generalprobe ging elend. Mit Zittern und Zagen sah man dem Theaterabend entgegen. Es war naßkaltes, unangenehmes Wetter. Leo ging über den Marktplatz und ärgerte sich noch über Rosas kratzbürstige Stimme', die heute alle Töne eine Oktave zutief gesungen hat. Wie würde es nur morgen gehen! Die Mütter verzweifelt, die Schauspieler niedergeschlagen und der-Regisseur, — o Gott! — Er war absolut nicht in Purimstimmung, denn im allertiefsten Innern seines Herzens empfand er eine Oede, eine Leere! — Ein brennendes Verlangen nach einer geheizten, gemüt- X lichen Stube — und was noch so drum und dran hängt — ließ die Bitterkeit immer ärger werden. Irgend etwas fehlte ihm! Da eilte ein junges Mädchen leichtfüßig, schnell, mit einem ganzen Haufen von Paketen und Paketchen beladen, an ihm vorbei. Er sah ärgerlich aus, zog aber schnell den Hut und grüßte vernehmlich. Ein kaum bemerkbares Nicken des seinen Kopfes dankte ihm. Er ließ sich jedoch nicht einschüchtern, sondern ganz kühn, mit strahlendem Lächeln (er wußte nämlich auf einmal, was ihm fehlte) aus die Dame zu und bot ihr seine Ritterdienste an, die sie — o Wonne — lächelnd akzeptierte. (Fortsetzung folgt.) Literarische Mitteilungen. Die „Allgemeine Hebräische Encyklopädie" schreitet in ihren Vorarbeiten, mit denen im November v. I. begonnen wurde, rüstig vor. In den Redaktionsabteilungen zu Warschau und Berlin wird neben anderem vorzüglich an der Herstellung eines erschöpfenden Stichwörter-Negisters gearbeitet, was natürlich große Sorgfalt erfordert. Alle Zweige der Wissenschaften mit besonderer * Berücksichtigung alles dessen, was Juden und Judentum betrifft, ' werden in den Kreis der äufzunehmenden Artikel einbezogen. Diese Arbeit geht nunmehr ihrer baldigen Vollendung entgegen. Die „Allgemeine Hebräische Encyklopädie" soll ihrer Anlage und ihrem ‘- Hauptzwecke nach nicht bloß ein Nachschlagewerk bilden, sondern; belehrend sein. Dementsprechend werden auch die meisten Gegeni stände nach einer neuen Methode zusammenhängend und umfassend; behandelt, ohne daß dadurch der Uebersichtlichkeit Abbruch geschähe. Eine große Anzahl von hervorragenden Fachgelehrten in allen Kulturländern hat in dankenswerter Weise ihre Mitarbeiterschaft zugesagt. Für den sprachlichen Teil ist eine Kommission von Orientalisten eingesetzt, die den Redaktionen mit ihrem fachmännischen Rat beisteht. In kurzer Zeit dürfte ein umfangreiches Probeheft erscheinen, daß einige größere und kleinere Artikel nebst einer Auswahl aus dem reichhaltigen Jllustrationsmaterial enthalten wird. Auch über Plan und Umfang dieses großen Werkes wird da ausführlich berichtet werden. $ — Dr. M. Poppelauers Berliner Volkskalender für Israeliten auf das Jahr 5665 (1905) ist soeben erschienen. Neben seiner bewährten Korrektheit und Vielseitigkeit zeichnet er sich diesmal auch durch eine Tabelle der wichtigsten Daten für das Jahr 5666 (1906) aus, die als eine willkommene Neuerung bezeichnet zu werden verdient. Speech lml. Geehrter Herr Redakteur!' 3uden werden nicht mit Unrecht beschuldigt, daß sie allen hervorragenden Persönlichkeiten jüdisches Blut vindizieren. Auf der anderen Seite werden alle schlechten Eigenschaften als Zeichen semitischer Abstammung ausgeschrien. Zu den letzteren gehört, mindestens seit Treitschke, „der zersetzende Verstand". Unter diesen Umständen wird es vielen Ihrer Leser interessant sein, zu erfahren, daß Dora M. Jonas, soviel ich weiß,, keine Jüdin — ihr Name fehlt in der Liste jüdischer Zelebritüten, die im Londoner Jewish Yearbook veröffentlicht ist — nicht nur Sudermann zu einem Juden macht, sondern auch seinen bei deutschen Schriftstellern so seltenen anmutigen Stil aus seiner jüdischen Abstammung erklärt. Die Stelle, deren getreue Uebersetzung ich folgen lasse, findet sich in einem Essay unter dem Titel „The plays of Hermann Sudermann“' int Westminster Review, 1900, vol. 94, p. 553—560. Sie lautet: „In „Es war" ist die Handlung vollständig zusammenhängend; eine Situation entwickelt sich naturgemäß aus der anderen, und ein einziger Faden verbindet das Ganze. Es lag darin die sittliche Gedankentiefe, die charakteristische Weltanschauung des Deutschen, aber die Konstruktion der Handlung ist mehr französisch als deutsch. Vielleicht hat das jüdische Blut des Autors den Hang zur Formlosigkeit behoben, welchen Man in den originellen Produkten des „Vaterlands" gewöhnlich wahrnimmt." Cincinnati, 25. Juni 1904. Ergebenst G. Deutsch. $ Sehr geehrter Herr Redakteur! dem Josephschen Artikel über mein Buch.steht bei Angabe des Titels fälschlich (Frankfurt a. M., 1903. I. Kauffmann). Ich bitte, gefälligst in der nächsten Nummer den Irrtum dahin berichtigen zu wollen, daß es heißen müsse: Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirthschen Hofbuchdruckerei 1904. Mannheim, 1. Juli 1904. Hochachtungsvoll Dr. Steckelm ach er. Lriekksltm der Lrdaktion. St. in F. r Wenden Sie sich an das Israelitische Genesungsheim in Lehnitz bei Berlin. Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion Max Bauchwitz in Berlin.

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