Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 31 (29.7.1904)
- Date
- 1904-07-29
- Page
- Seite 367 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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von 3000 Lire zugesprochen wurde. Da einige Veränderungen der Zuerst bestimmten Pläne notwendig waren, wurde eine neue Konkurrenz ausgeschrieben, bei dem die Architekten Armanni und Costa Sieger waren, welchen auch später die Leitung des Baues übertragen wurde. Die Arbeiten begannen im Jahre 1901 und wurden während eines Zeitraumes von genau drei Jahren vollendet. Der architektonische Stil äußert, sich in Anklängen an die assyrische und griechische Kunst, die harmonisch miteinander verschmolzen sind. Wir enthalten uns für jetzt jeder ästhetischen Würdigung und beschränken uns aus eine einsache Beschreibung des Gebäudes. Dieses ist von einem eisernen Gitter und Pfeilern von weißem Stein umgeben. Der Flächenraum ist 3000 Quadratmeter, von dem 1300 vom dem Bau bedeckt sind, während der Rest durch eine Gartenanlage eingenommen wird. Die Höhe erreicht 46 Meter. Die Hauptfassade weist ein Vestibül mit einer Säulenstellung im dorischen Stile auf, zu welchem eine kurze, an ihrem oberen Ende durch zwei große Kandelaber geschmückte Freitreppe führt. Beiderseits vom Vestibüle sind die Garderoben. — An der Front befindet sich in hebräischer Sprache die Aufschrift: „Gesegnet seiest du beim Eintritt und gesegnet beim Austritt". Als Eingang dienen drei rechteckige Türen. Beim Ueberschreiten der Türschwelle sieht man an den Seiten zwei große, verzierte Türen, welche den Zugang zu den Stiegen für die Emporen der Herren vermitteln. Jede der Emporen wird durch vier dorische Säulen aus Botticino- Marmor gestützt, die Fenstergesimse, ebenfalls im dorischen Stile 'gehalten, sind aus demselben Stein verfertigt. Die Galerie ist von dem Saale durch eine zweite Säulenstellung getrennt. An den Seiten finden sich noch zwei andere Eingänge, die einerseits gegen den Lungotevere und andererseits gegen den Portico d'Ostavia gekehrt sind. Die großen Pfeiler von Botticino, die die jonische Kuppel tragen, welche letztere mit reichverzierten Kaneluren versehen ist, sind in zwei Abteilungen vermittels Schildern gegliedert, auf welchen sich die folgenden hebräischen Verse befinden : „Und ich durch deine unendliche Güte werde eintreten in deinen Tempel, werde mich hinwerfen vor deinem heiligen Altäre, mit der Ehrfurcht, die ich dir schulde." „O, Gott, leite mich in deiner Güte, damit meine Gegner ' zu schänden werden, ebne vor mir deinen Weg." „Adonai ist König, — Adonai hat regiert,— Adonai wird regieren — in Ewigkeit!" Dem Eingänge gegenüber befindet sich die Bundeslade. Ueber dem Mosaikpflaster, welches mit Sechsecken, Meandern und geometrischen Figuren geschmückt ist, erheben sich zwei Stufen, die in einem oberen Treppenabsätze endigen, der als Basis der Lade dient. Die Balustrade wird aus achtzehn Pfeilern gebildet, welche durch schwarze und vergoldete Metallverzierungen miteinander verbunden sind. Der Stilobat bildet die Basis für eine Reihe von jonischen Säulen, welche eine große, reichverzierte und mit den Gesetzestafeln geschmückte Attica tragen; alles wird von einer mit Edelsteinen geschmückten Krone überragt. Die biblischen Worte, die in Holz und Stein eingelassen sind, besagen: „Preiset den Herrn, — Verherrlichet ihn mit mir!" Der Rabbiner Professor Castiglioni hat hebräisch die folgenden Verse dediziert : „Ewiger Gott, neige dein Ohr und vernimm die Stimme des Menschen, der dich hier anfleht, in diesem Tempel, den dir deine Söhne errichten. Mit deinem Volke und allen habe der Himmel Mitleid." In den Feldern des Vogens ist geschrieben: „Am dritten Tage des Monats Tevet des Jahres 5661 wurde mit großer Freude der Grundstein zum Bau dieses heiligen Hauses gelegt. Beendet wurde das Gebäude mit vieler Freude, mit Gesängen und Danksagungen am ersten Tage des Monats Ab im Jahre 5664." Den Hintergrund bilden sechs große Kandelaber von traditioneller Form, siebenarmig, Reliesverzierungen mit Schildern, Bänder und Silbernetze, endlich zwei vergoldete Gitter, welche die Sängertribüne abschließen. Der Saat wird von neun großen, Fenstern beleuchtet welche sich in der Höhe der Galerien befinden. Andere sechs erheben sich über den Seitengalerien, während zwölf kleinere Fenster im Tambur der Kuppel angebracht sind. Die Fenster sind mit Glasmalereien in Eisenstäben und Verbleiungen verziert. Der Fond ist mit Ornamenten verziert und mit Bordüren eingefaßt. In demselben Stil ist auch die Decke der Hauptgalerie gemalt, während die Decken der seitlichen Galerien himmelblau und mit weißen Sternen verziert sind. In der Absis zeigen sich auf rotem Grunde Reben künstlich miteinander verschlungen, mit zahlreichen Trauben und vergoldeten Ranken. Inmitten dieser Ornamente ist die Bundeslade in archaischer Form mit dem rituellen Leuchter abgebildet. Die Kuppel ist aus Alumium angefertigt; sie ist mit großen Zweigen von Patinen und Zedern vom Libanon verziert und bemalt und weist auch in den Ecken Palmzweige auf. Die ersteren erheben sich auf einem Hintergründe von sieben Reihen metallischer Schuppen, während ein goldener Strahlenkranz sich darüber erhebt, welcher gleich der Sonne die Kuppel von oben beleuchtet, über welche er goldige Strahlen mit prächtiger Wirkung ausbreitet. Die an den Saal anstoßenden Räume sind sehr bequem und elegant. Schöne Kanzleien, das Gemach sür den Oberrabbiner und endlich der Sitzungssaal für den Vorstand, welcher in rechteckiger Form gebaut und auf drei Seiten von Säulenreihen umgeben ist. Alles das ist musterhaft gemacht. Auch dieser letzte Saal besitzt rote bemalte und mit vielfarbigen Blumen reichverzierte Wände. Die offizielle Einweihung des Tempels ist für den 27. d. M. bestimmt. Ich habe denselben so ausführlich beschrieben, weil ich annahm, daß es für Ihre Leser von Interesse sein dürfte, diesen Bau kennen zu lernen. Es bleibt doch ein Ereignis von historischer Bedeutung, daß neben der Antike und dem Christentum nun auch das Judentum in der ewigen Stadt eine würdige Stätte der Andacht besitzt. J.T. Dir jüdische Jfrau im Lrwrrbslebm. Von Henriette Fürth. I. er kennt nicht die herzbewegenden Bilder, in denen der Maler Oppenheim das jüdische Familienleben verherrlicht hat? Der Frau, der getreuen Schaffnerin und Gefährtin des Mannes, der sorgend-liebevollen Hausmutter ist ein Ehrenplatz auf diesen Bildern zugewiesen, so wie sie ihn von jeher in der jüdischen Familie einnahm. Sie ist es, die mit heiligender Hand dem Sabbat den Willkommengruß, entbietet, indem sie segnend die Sabbatlampe anzündet, so wie sie es ist, die, ein