Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 30 (22.7.1904)
- Date
- 1904-07-22
- Page
- Seite 3 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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3 Im Laufe des Tages begaben sich zahlreiche Deputationen nach der Wohnung des Jubilars, um ihre Glückwünsche darzubringen. Die Angestellten der Firma überreichten dem Jubilar eine künstlerisch ausgeführte Ergebenheitsadresse, die von diesem in tiefster Bewegung entgegengenommen wurde. Hieran schloß sich eine große Gratulationscour. Die Spitzen der Behörden, nicht nur der Stadt und Provinz Posen, unter ihnen der Herr Polizeipräsident von Hellmann, ließen es sich nicht nehmen, teils brieflich und durch Telegramme, teils persönlich zu gratulieren. Der Magistrat sandte in Vertretung des Herrn Oberbürgermeister, der setzt in Berlin weilt, Herrn Stadtbaurat Grüder und Herrn Stadtrat Schweiger. Ersterer hob in längerer Rede die Verdienste des Jubilars um die Stadt hervor. Die Handelskammer gratulierte durch ihren Vorsitzenden, Herrn Geheimrat Herz, eine Anzahl Vereine hatten Deputationen gesandt. Gratulationen des fetzigen Oberpräsidenten und die ganz besonders herzliche und ergreifende des Grafen Zedlitz, des Oberpräsidenten von Schlesien, seien erwähnt, nicht minder die des Regierungspräsidenten, des Landeshauptmanns rc. Nachmittags fanden sich bei einem Diner im Hotel de Rome im engsten Kreise die Angestellten und ihre Angehörigen mit dem Jubilar und dessen Familie zusammen, unter ihnen der erste Lehrling, der 1854 eintrat, heute ein angesehener Bürger unserer Stadt ist. Auch einige Kunden und Fabrikanten erschienen rc." Zu erwähnen wäre noch, daß Herr Kommerzienrat Kantorowicz Inhaber des Roten Adlerordens und des Kronenordens ist. b. Chemnitz, 16. Juli. Der Verwaltungsbericht der hiesigen jüdischen Gemeinde ist soeben erschienen. Die Gemeinde zählt 1136 Seelen, selbständige Haushaltungen 260, Gemeindemitglieder 416; von letzteren waren fünf auswärts wohnhaft (freiwillige Mitglieder). Verstorben. sind acht Erwachsene und zwei Kinder. Infolge des Urteils des Königlichen. Oberverwaltungsgerichts gegen die Gemeinde Plauen, durch welches die Rechtsverhältnisse der jüdischen Gemeinden im Königreich Sachsen erschüttert wurden, haben die Gemeinden des Königreichs im Jahre 1902 eine gemeinsame Petition an das -Königliche Ministerium beziehungsweise die Ständekammern um Regelung der rechtlichen Verhältnisse der Gemeinden auf dem Wege der Gesetzgebung gerichtet. Infolgedessen ist den Ständekammern des Königreichs Sachsen eine Gesetzesvorlage, die israelitischen Religionsgemeinden Sachsens betreffend, zugegangen. Seitens der Dresdener Gemeinden wurden den Gemeinden des Königreichs Sachsen derVorschlag zur Gründung eines Gemeindeverbandes unterbreitet. Die Gemeinde steht diesem Plan durchaus sympathisch gegenüber. Als eine wichtige Aufgabe eines solchen Verbandes betrachten sie die Gründung eines israelitischen Waisenhauses für das Königreich. Von der Konkursverwaltung der Leipziger Bank, durch deren Zahlungseinstellung im Jcchre 1901 die Geineinde einen Verlust erlitten hatte, wurde die Restquote im Betrage von 1570,40 Mark ausgezahlt. Für das Guthaben, welches 9238,50 Mark betrug, hat die Gemeinde demnach im ganzen 6935,30 Mark zurückgezahlt erhalten. Für das Amt des vierten Religionslehrers, mit welchem gleichzeitig das Amt des Rabbinerstellvertreters verbunden ist, wählten die Gemeindekollegien Rabbiner Dr. Julius Zimels aus Danzig. Derselbe hat seine Stellung wieder verlassen. Die Anzahl der Schüler der Religionsschule betrug 164 (80 Knaben und 84 Mädchen). Das Lehrerkollegium der Religionsschule bestand aus dem Schulleiter Dr. Mühlfelder und den Lehrern S. Sommerfeld, Kantor N. Goldberg und Dr. I. Zimels. . Die Religionsschule umfaßt drei Knaben- und drei Mädchenklassen mit je zwei Abteilungen und eine kombinierte Klasse. Den Bemühungen des Schulleiters verdankt die Religionsschule die Errichtung einer Schulbibliothek. Der Vorstand der Gemeinde war im Jahre 1903 folgendermaßen zusammengesetzt: Max Bergmann, Vorsitzender; Bernhard Kupferberg, stellvertretender Vorsitzender; (Hugo Oppenheiin) A. I. Kalitzki, Schriftführer; Markus Bernstein, stellvertretender Schriftführer; Willy Lippmann, Kassierer; L. I. Joachimsthal, stellvertretender Kassierer. Das Gemeindeverordneten-Kollegium besteht aus den Herren: Moritz Fränkel, Vorsitzender; Felix Frank, stellvertretender Vorsitzender; Max Grünberg, Schriftführer; Josef Wolfs, stellvertretender Schriftführer; Eduard Becker, Jakob Bloch, Dr. meä. Emil Fröhlich, Hermann Großmann, A. I. Kalitzki (Hermann Schiel), Bernhard Roos, Salomon Seidler, Julius Simon, Gotthold Schreiber, Salomon Schulen, Theodor Wangenheim. — Bremen, 17. Juli. Das Bremer Komitee für hilfsbedürftige durchreisende Juden sendet uns den folgenden beherzigenswerten Aufruf: Infolge überaus starker Inanspruchnahme seitens der armen galizisch-russischen Aus- und Rückwanderer, sieht sich das „Bremer Komitee für hilfsbedürftige durchreisendeJuden" veranlaßt, um Geld-, Kleidungs- und Stieselsendungen dringend zu bitten. Geldsendungen sind freundlichst -zu richten an Herrn I. Aschendorff. Grünenstraße 13, Kleidungsstücke sind zu richten an den Norddeutschen Lloyd für das jüdische Komitee. Rabbiner Dr. Rosenak, Vorsitzender. Jülich, 15. Juli. Aus Anlaß der feierlichen Einweihung der hiesigen Pfarrkirche durch den Kardinal und Erzbischof Dr.- Antonius Fischer aus Köln fand, im Glareminschen Saale ein Festmahl statt, an welchem sich die Spitzen der Zivil- und Militärbehörden beteiligten. Wie die „Kölner Volkszeitung" berichtet, hielt Herr Kardinal ' Fischer die erste Tischrede und dankte zunächst der Bürgerschaft und den Vertretern der Stadtverwaltung für den ihm zuteil gewordenen herrlichen Empfang. Er freue sich, daß die Katholiken; Protestanten sowie die Israeliten in Jülich so einmütig Zusammenarbeiten, und hoffe, daß ein solch schönes Verhältnis immer in Jülich herrschen werde. L. Stuttgart, 10. Juli. Vorgestern waren es 50 Jahre, daß <der Senior der Stuttgarter Anwaltschaft Rechtsanwalt Max Kaulla als Advokat verpflichtet wurde. Der Jubilar, einer der angesehensten und populärsten Israeliten Süddeutschlands, der augenblicklich mit seiner Familie in- Freudenstadt (Schwarzwald) in der Sommerfrische weilt, wurde an seinem Ehrentage durch eine Abordnung seiner Stuttgarter Kollegen überrascht, die ihm ihre Glückwünsche darbrachten. Der Stuttgarter Anwaltsverein, als dessen Vertreter die Rechtsanwälte Dr. Schall, Mainzer und Dr. Kielmeier erschienen waren, ließ eine künstlerisch ausgeführte Adresse überreichen; für die Württembergische Anwaltskammer widmete deren Vorsitzender, Rechtsanwalt und Stadtrat Levi, dem Jubilar herzliche Worte. Der Gefeierte entstammt der rühmlichst bekannten alten Familie Kaulla, die Ende des 18. und Anfangs des 19. Jahrhunderts in Hechingen (Hohenzollern) ihren Stammsitz hatte. Eine große Anzahl von Stiftungen zeugen noch von dem menschenfreundlichen Sinn und von der aufrichtigen Anhänglichkeit der damaligen Familienhüupter und deren Frauen an den väterlichen Glauben. Rechtsanwalt Kaulla, der Jubilar, scheint diese Tugenden seiner Vorfahren ererbt zu haben; denn überall, wo es die geistigen und materiellen Interessen des Judentums zu Pflegen und zu verteidigen gilt, ist er mit anerkennenswertem Mannesmut auf dem Plan; ihn haben Reichtum und Ansehen nicht verführt, fahnenflüchtig zu werden. Seine großen Verdienste, die er sich in der israelitischen Landes- und Gemeindevertretung erworben hat, haben ihm dauernde Anerkennung verschafft. Ein Sohn des Jubilars ist Dozent an der hiesigen technischen Hochschule; eine Tochter ist in Berlin glücklich verheiratet. Möge der Gefeierte sich noch eines langen, ungetrübten Lebensabends erfreuen. Oesterretch-Ansarn. LH Wien, 17. Juli. Eine große Trauerfeier für Theo der Herzl hat das zionistische Aktionskomitee im großen Musikvereinssaale veranstaltet. Die Feier begann mit einem Choral, den der Tempelchor unter Leitung des Oberkantors Bela Guttmann vortrug. Dann hielt Gemeinderabbiner Dr. Feuchtwang die Trauerrede. Feuchtwang charakterisierte die große Bewegung, welche Herzl durch seine öffentliche Tätigkeit hervorgerufen hatte, seinen Freimut, seine Selbstlosigkeit, die allgemeine Liebe, die er sich erworben hatte, die große Trauer, die sein Tod hervorgerufen hat, und forderte die Anwesenden aus, das Andenken Herzls, eines der edelsten Menschen, für alle Zeiten hochzuhalten. Nach einem abermaligen Träuerchor folgte eine Reihe von Ansprachen. Architekt Oskar Marmorek gab den: großen Schmerze Ausdruck, den das Judentum durch Herzls Tod erlitten habe. Herzls kühner Geist bäumte sich über die Verfolgung und Niederdrückung der Juden auf, und er schritt an die Ausführung des Gedankens, daß es nicht immer so bleiben könne. Es sprachen noch Fabrikant Wolffsohn (Köln), Sokolow (Warschau) in hebräischer Sprache, Direktor Dr. Krenberger, Josef Cowen (London) in englischer Sprache, Dr. Alfred Klee (Berlin), Ingenieur Michael Ussischkin (Jekaterinoslaw) in russischer %