Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 30 (22.7.1904)
- Date
- 1904-07-22
- Page
- Seite 4 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Sprache, Dr. Alexander Marmorek (Paris), Prediger Dr. Lewin (Wilna), Rechtsanwalt Akalay (Belgrad) in spanischer Sprache, Schriftsteller Adolf Stand (Lemberg) in polnischer Sprache. Für die Studentenschaft sprach Oskar Frankl (Kremsier). Den Beschluß machte Nathan Groß (Wien), der Herzl namens der jüdischen Handelsangestellten und jüdischen Arbeiter pries. — Seitens der Kultusgemeinde wurde auch eine Trauerfeier am 14. d. M. im Leopoldstädter Tempel abgehalten. — In Wodnian (Böhmen) starb am 1. d. M. der k. Major R. S. Edler von Lederer. Zum Begräbnis war aus dem nächsten Garnisonsort eine Offiziersdeputation erschienen, ferner wohnten dem Leichenbegängnisse Staatsbeamte, die Stadtvertretung, die Direktoren der Schulen u. s. w. bei. Vor dem Trauerhause hielt Rabbiner Kraus eine tiefergreifende Leichenrede. Den Trauerzug eröffnete der Vetranenverein, dessen Ehrenmitglied der Verblichene war. Frankreich. r. Paris, 14. Juli. Am 3. d. M. fand im Hause der Verwaltung der I. C. A. die ordentliche Generalversammlung der Aktionäre dieser Gesellschaft statt. Anwesend waren: Narcis Leven, Präsident, und Franz Philippson-Brüssel, Vize-Präsident des Verwaltungsrats der I. C. A. Ferner: Die Verwaltungsräte Leonhardt, Cohen und Herbert, G. Lusada aus London, S. Reinach-Paris, Charles L. Hallgarten-Frankfurt a. M. und P. A. Paul Errera-Brüssel. Endlich die Vertreter der Gemeinden: Iustizrat Eduard Lachmann für Berlin, Rechtsanwalt Dr. I. Blau für Frankfurt a. M. sowie der Granb . Rabbin Zadoc Kahn als Vertreter der Pariser Alliance. Von den Beamten der Gesellschaft wohnten der Generalversammlung Sie Direktoren Dr. S. Sonnenfeld und Emil Meyerson sowie der Sekretär Dr. E. Schwarzschild bei. Präsident Narcis Leven eröffnete die Versammlung. Der vorgelegte Jahresbericht sowie die Bilanz für das verflossene Jahr 1903 wurden genehmigt und der Verwaltung Decharge erteilt. Darauf ergriff Herr Charles L. Hallgarten, der mit den amerikanischen Verhältnissen vertraut ist wie mit den deutschen, das Wort, um den kürzlich verstorbenen Richter Jsaacs aus Newhork einen warmen Nachruf zu widmen. Der Verblichene hat seine ganze freie Zeit dem Judentum gewidmet und noch kurz vor seinem Tode eine Reise nach New-Jersey unternommen, um da die jüdische Stadt Woodbine, die ihm sehr viel zu verdanken hatte, zu besuchen. Präsident Narcis Leven schloß sich diesem Nachruf an. Richter Jsaacs besaß ein warmes Herz und glühende Liebe zum Judentums. Er war stets ein treuer Mitarbeiter der I. C. A. gewesen. Es schmerzt einen zu sehen, wie ein treuer Mitarbeiter'nach dem andern abgerufen wird. Nebst Richter Jsaacs hat die Gesellschaft und mit ihr das gesamte Judentum den Verlust zweier weiteren treuen Mitarbeiter zu beklagen. Ich meine die Herren Alfred Louis Cohen und Julius Plotke. Alfred . Cohen war stets mit ganzem Herzen bei der Sache, der er sich einmal gewidmet hatte. Selbst die tödliche Krankheit, der er zum Opfer fiel, konnte ihn nicht davon abhalten, für die I. C. A. tätig zu sein. Rechtsanwalt Julius Plotke starb im besten Mannesalter, bedauert und beweint von allen, die ihn bei der Arbeit gesehen haben. Voller Güte und Sanftmut und großmütig im edelsten Sinne des Wortes, war er voller Enthusiasmus für das Judentum, dem er sich fast gänzlich gewidmet hatte. Er arbeitete Tag und Nacht ohne mit seiner Gesundheit zu rechnen, bis seine Kräfte ganz aufgezehrt waren. Das Judentum wird ihm auch stets ein treues Andenken bewahren, uns allen wird es aber zum Trost gereichen, daß das Werk, dem Julius Plotke sein Leben geopfert hatte, weiter leben und stets neue Männer zur frischen Arbeit anfeuern werde. Amerika. H. Newyork, 8. Juli. Am 28. v. M. starb in Savannah, Georgia, der frühere Rabbiner der dortigen Mikweh Israel-Gemeinde, Isaac P. Mendes, im 52. Lebensjahre. Geboren am 13. Januar 1853 in Kingston auf der Insel Jamaika, als Sprößling einer alten portugiesischen Chasanimfamilie, erhielt er seine Erziehung in London, hauptsächlich unter seinem Oheim A. P. Mendes, kam 1873 nach Amerika, wo er vier Jahre „Minister" der inzwischen aufgelösten portugiesischen Gemeinde war. Seit 1877 war er in Savannah, einer der ältesten jüdischen Gemeinden der Vereinigten Staaten, die in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts von Sesardim aus England gebildet wurde, und die Mendes, so gut er konnte, im konservativen Geiste leitete. Im vorigen Jahre erblindete er völlig und mußte von seinem Amte zurücktreten. Die Versammlung orthodoxer russisch-polnischer Rabbiner, welche am 3. Juli hier zusammentrat, nahm Resolutionen an, in welchen das hiesige Jewish theological Seminary als ketzerisch verurteilt wurde. Von Msh und jfrrn. --- Der Magistratsassessor Dr. Meyer wurde zum Magistratsrat gewählt. — Der Privatdozent an der Technischen Hochschule in Berlin, Professor Dr. Galland in Charlottenburg, hat das Ritterkreuz des Niederländischen Ordens von Oranien-Nassau erhalten. — Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund eröffnet mit dem Wintersemester 1904/05 wiederum Vorbereitungskurse für solche akademisch gebildete Damen und Herren, die sich dem Unterricht in der jüdischen Religion an den höheren Schulen widmen wollen. Diese Kurse sind unentgeltlich. Nähere Auskunft erteilt das Bureau des Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes, Steglitzerstraße 85. — Die Eheleute Raban feierten am 12. d. M. im Kreise ihrer zahlreichen Familie das Fest der goldenen Hochzeit. Die Einsegnung des Jubelpaares, das sich trotz hohen Alters (74 bezw. 70 Jahre) noch recht guter Gesundheit und geistiger Frische erfreut, wurden durch Rabbiner Dr. Stier in der Lindenshnagoge vorgenommen. — Am 18. d. M. feierte die in der Bülowstraße 78 wohnhafte Frau Lina Jacoby ihren hundertsten Geburtstag. Die Matrone, die eine einzige, jetzt siebzigjährige, unverehelicht gebliebene Tochter hat, ist seit fünfzig Jahren Witwe. Die Greisin erfreut sich noch einer unverminderten Geistesfrische. — Die Kosten des Koni tzer Krawalls hat der preußische Fiskus nunmehr endgültig auf den Polizeifonds übertragen. Sie belaufen sich auf 125 000 Mark. Es handelt sich dabei um die Kosten, die dem Staate durch Sendung der Garnison nach Könitz erwachsen sind, und die, wie eine Zeitlang gefürchtet wurde, die Stadt Könitz tragen sollte. — Am 6. d. M. ist Herr Nathan Lewinski gestorben, der jahrelang Mitglied des Gemerndevorftandes in Christburg gewesen ist. — Der Geheime Kommerzienrat Pinkus in Neustadt O.-S. hat den Noten Adlerorden IV. Klasse erhalten.— In Mülheim a. d. Ruhr soll mit dem Neubau eines der Neuzeit entsprechenden Gotteshauses Ernst gemacht werden. Der Plan ist von dem Professor Klebsattel in Düsseldorf gemacht worden. —. Der Kaiser von Oesterreich hat dem Präsidenten des „Oesterreichischen Fachschriftstellerverbandes" Adolf Lichtblau in Wien den Titel eines kaiserlichen Rates verliehen. — Im Alter von 78 Jahren ist der Oberrabbiner Dr. L. Landsberg in Limburg gestorben. Der Verstorbene war einige Jahre in Limburg Mitglied der Zentralkommission. 42 Jahre lang hatte er sein letztes Amt verwaltet. Ehre seinem Andenken. — Bei der Volkszählung im Königreich Italien (1901) ist zum erstenmal auch die Stärke der verschiedenen Konfessionen festgestellt worden. Man zählte 31^ Millionen Katholiken, 65 509 Protestanten, 35 600 Juden, 794000 „Religionslose" und 36100 Atheisten. Zu der großen Zahl der „Religionslosen" ist zu bemerken, daß diese Rubrik ausschließlich alle diejenigen aufzählt, die keine Erklärung über ihre Konfession abgegeben haben. Unter ihnen dürfte sich jedenfalls auch eine Anzahl Juden befinden, so daß die restliche Anzahl italienischer Juden wohl größer ist als 35 600. — In Odessa starb plötzlich am 11. d. M. im Alter von 32 Jahren der bekannte russische Publizist Michael Tultschinski. Er war der Begründer und eine Zeitlang Chefredakteur der Odessaer „Nowosti" und gab später in Paris die erste russische Zeitung „Paris. Gazeta" heraus, die mit großem Eifer für das Zustandekommen des "Zweibundes eintrat. Er war auch der Begründer des Odessaer jüdischen Unterstützungsvereins für kaufmännische Angestellte. — Am Hofe des Kaisers von Japan ist ein österreichischer Arzt Dr. Emil Nothmann zum Leibarzt des Kronprinzen Joschibito aufgerückt und wegen seiner Verdienste um die Gesundheit des Kronprinzen und der Prinzessin zum Marquis ernannt worden. Dr. Rothmann, der aus Wien stammt und im Alter von 25 Jahren steht, erfreut sich eines großen Ansehens beim Mikado, der ihm zu Ehren für die Errettung einer Prinzessin aus lebensgefährlicher Krankheit eine Plantane pflegen ließ, deren Stamm auf silberner Platte den Namen Dr. Rothmanns trägt. Es ist dies eine Ehrung, die nur den verj dientesten Männern zuteil wird.