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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-07-22 · Heft 30 (22.7.1904) · p. Seite 353

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 30 (22.7.1904)
Date
1904-07-22
Page
Seite 353 (sequence 5)
Language
German
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353 freundeten Ländern zu reisen und daselbst zu verweilen und wir erklären, nach besten Kräften alle Schritte fördern zu wollen, welche zu diesem Ziele führen können." So lautet einer der Paragraphen, welcher in Chicago am 22. v. M. von den Vertretern der republikanischen Partei der Vereinigten Staaten angenommen wurde, als bieselben versammelt waren, um einen Präsidenten und einen Vizepräsidenten der Republik zu wählen. Die Wichtigkeit dieser Tatsache kann schwerlich überschätzt werden. Ein solcher Erfolg würde einen unmittelbaren Einfluß auf die Stellung der amerikanischen Juden in Rußland ausüben, die. rechtmäßiger Weise der ihrer andersgläubigen Mitbürger gleichen sollte. — Der Beschluß wurde dem Komitee vom Senator Joseph B. Foraker von Cincinnati mitgeteilt und zur Annahme empfohlen. Diese Handlungsweise des republikanischen Senators hat ihre Ursache in einem offiziellen Schreiben des Generals Seasougood in Cincinnati, der an Mr. Foraker im Aufträge des „Exekutivkomitees des Delegiertenkollegiums für privates und religiöses Recht der amerikanisch-jüdischen Gemeinden" offiziell sich gewendet hat. Es würde natürlich den Verfechtern dieser Sache von großem Nutzen sein, wenn ein gleicher Beschluß auch von dem Konvent in St. Louis, von den Prohibitionisten und den kleineren politischen Parteien angenommen würde. Der einstimmige Wille des Volkes würde endlich einmal da seinen Ausdruck finden, und in so kräftiger Weise müßte dies geschehen, daß sogar die Verwaltung, welche nur die finanziellen Interessen der Fabrikanten und Exporteure verfolgt, gezwungen wäre, diesen Volkswillen zu berücksichtigen. Die amerikanischen Republikaner haben den ersten Schritt in der rechten Richtung getan. Mögen dem einen noch viele weitere folgen! lbriek aus Lnglsnd. Von Red. Dr. Chotzner. n Nr. 14 dieser Zeitschrift erschien .ein Leitartikel über die jüngst im englischen Unterhaus in zweiter Lesung angenommene Fremdenbill/) worin letztere wohl in politischer Weise besprochen, aber zugleich auch recht strenge getadelt wurde. Nun möchte ich hier keineswegs behaupten, daß der in dem besagten Artikel ausgedrückte Tadel über die fragliche Bill nicht ganz, oder wenigstens teilweise, berechtigt sei, nur ist es höchst auffallend, warum denn einige jüdische Mitglieder des englischen Parlaments zugunsten dieser Bill gestimmt haben? Allem Anschein nach ist man in einflußreichen jüdischen Kreisen in England zur Einsicht gelangt, daß eine mäßige Beschränkung des freien Zuzuges von jüdischen Immigranten aus Rußland, Rumänien rc. nach England, und besonders aber nach dem Osten von London, den gesamten Interessen der bereits in England ansässigen Juden viel dienlicher sein würde, als wenn die ganze Affäre, wie zuvor, von der englischen Regierung unberücksichtigt geblieben wäre. Bedenkt man, daß im östlichen Teile der englischen Metropole bereits etwa 100 000 Juden wohnen, und erwägt man ferner, daß immer neue jüdische Einwanderer jahraus, jahrein sich daselbst festsetzen, wo die Grenzen des bereits bestehenden jüdischen Ghettos sich 0 Obwohl die Fremdenbill inzwischen zurückgezogen wurde, halten wir diese Mitteilungen doch für beachtenswert, da der englische Premierminister Balfour ausdrücklich erklärt hat, die Regierung beabsichtige, in der nächsten Session die Vorlage über die Einwanderung von Fremden wieder einzubringen. Die Red. immer weiter ausdehnen, so muß auch dem auswärtigen Beschauer die Schwierigkeit der Sachlage klar und deutlich erscheinen. Außerdem darf man nicht vergessen, daß die Fremdenbill, wie der englische Premierminister jüngst schriftlich erklärt hat, auch aus nichtjüdische Einwanderer bezug hat, und daß daher ihre Entstehung keineswegs dem englischen Antisemitismus zuzuschreiben ist. Wenn ein solcher aber wirklich in England besteht, so ist es Unsinn, zu erwarten, daß eine unmäßige und endlose Einwanderung nach hier von Juden, die meist in halbzivilisierten Ländern geboren und erzogen worden sind, viel dazu beitragen wird, um denselben zu zügeln und in Schranken zu halten. Deutliche Spuren von einer antisemitischen Agitation zeigen sich bereits in Limerick in Irland, einem Lande, wo niemals zuvor ernste Judenverfolgungen stattgefunden haben, und solche unliebsamen Beispiele sind den kleinen Funken gleich, die zuweilen unversehens einen gewaltigen Feuerbrand verursachen und herbeiführen, der, wenn er einst losgelaffen, sich nicht leicht zügeln läßt. — Die in Deutschland vor einiger Zeit aufgetauchte und in Gang gesetzte Kontroverse hinsichtlich Babel und Bibel hat auch unter verschiedenen englischen Gelehrten einen anhaltenden Widerhall hervorgerusen. Jüngst veröffentlichte Professor Sayce in Oxford ein Buch, das einige Paragraphen enthält, worin die fragliche Kontroverse in höchst interessanter Weise besprochen wird, und die daher in gedrängter Kürze hier wiederholt zu werden verdienen. Wenn man, sagt Professor Sayce, die religiöse Literatur der alten Babylonier mit genauer .Einsicht liest, findet man, daß sie eine beträchtliche Anzahl von Hymnen und Anrufungen an die Gottheit enthält, die von einem tiefen und innigen religiösen Gefühl durchhaucht sind. Ja, noch mehr. Die Sprache und die Ausdrucksweise dieser Literatur erinnern gar lebhaft an die Psalmen Davids und die begeisterten Reden Jesajas, und man ist daher beim ersten Anblicke geneigt zu glauben, daß der Geist, wovon die' Bibel inspiriert ist, auch die alten Babylonier damals beseelt habe. Und doch, inmitten der ergreifendsten Seelenergüffe, die in der babylonischen religiösen Literatur zum Vorschein treten, kommen da plötzlich und ganz unerwartet auch Sätze und Redensarten einem entgegen, die voll von kindischem Aberglauben sind, die Vielgötterei preisen und befürworten, und somit das Erhabene mit dem Lächerlichen in höchst herabwürdigender Weise vermengen. Während nun ein solcher kurioser Vorgang uns, die wir in moderner Zeit leben, ganz komisch vorkommt, erachteten ihn die alten Babylonier als ganz natürlich, da sie dem vielgötterischen Aberglauben und der geheimen Zauberei stets huldigten und sie aufrecht hielten. Wie verschieden aber ist demgegenüber das alte Religionsbuch der Juden, die Bibel! Diese kennt nur einen Gott, den Schöpfer der Welt, und das Gesetz, welches er proklamiert, beruht auf Recht und Gerechtigkeit, welcher Umstand auf eine göttliche Inspiration hinweist, die keine andere Literatur irgend eines semitischen Volkes des Altertums, außer der jüdischen, besessen zu haben scheint. — Vor einiger Zeit sind in London zwei Bücher auf jüdischreligiösem Gebiete erschienen, die hier und in Amerika eine wohlverdiente Aufmerksamkeit erregt haben. Die Titel dieser Bücher sind „liberal Judaism“ und „Judaism as Creed and Life“, und sie haben hezugsweise Mr. Claude M o n t e f i o r e, den bekannten Mitredakteur der „Jewish Quarterly Review“, und Rev. Mr. Morris Joseph, Prediger der Londoner Reform-Synagoge, zu Verfassern. Mr. Montefiore drückt in seinem Buche klar und deutlich seine Ideen über den Inhalt des alten Testaments

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