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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-07-15 · Heft 29 (15.7.1904) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 29 (15.7.1904)
Date
1904-07-15
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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genannte Gemeindeverband durch die gefaßte 'Resolution von der Ansicht des jüdischen Lehrervereins der Provinz Pommern in Kenntnis gesetzt werden soll. Diese Resolution -lautete ungefähr wie folgt: Der Verein hält eine Inspizierung der jüdischen Schulen der Provinz Pommern für wünschenswert, ersucht aber den Verbandsvorstand, als Inspektoren nur praktisch erfahrene Schulmänner zu wählen und zu den Tagungen des Verbandsvorstandes auch zwei seminarisch gebildete Lehrer einzuladen. Der gedruckt vorliegende Minimallehrplan für Religionsschulen mit einer Lehrkraft, der von einer Kommission im Laufe des Jahres beraten war, fand nicht die Zustimmung der Versammlung. Es wurden folgende Kollegen mit Ausarbeitung eines anderen Lehrplans beauftragt: Saul, Dr. Goldschmidt, Dr. Finkel und Bauer. Auf Anregung von Dr. Vogelstein wurden dieser Kommission einige Direktiven aus der Versammlung heraus gegeben. Bei den freien' Besprechungen beantragte bezw. besprach Kollege Frank-Bütow eine eventuelle einheitliche Regelung bezw. Ausgestaltung der Barmizwafeier. Es wurde aber betont, auch von anwesenden Mitgliedern der Gemeinde Polzin, daß die Ausgestaltung dieser Feier jedem Lehrer und jeder Gemeinde allein überlassen werden müßte. Bei der Vorstandswahl wurden Kollege Saul-Schivelbein (I. Vorsitzender), Bauer-Cöslin(Il. Vorsitzender), Heidenfeld-Schlawe (Schrift- und Kassenführer), Dr. Finkel-Pasewalk per Akklamation wiedergewählt und Kollege Frank-Bütow aus Antrag des Kollegen Baronowitz-Reppin als stellvertretender Schrift- und Kassensührer Per Akklamation neugewählt. Als Ort der nächsten Versammlung wurde Cöslin bestimmt, die Festsetzung der Zeit aber dem Vorstande überlassen. — Ahlem, 1. Juli. Am Sonntag den 26. Juni fand in der Israelischen Erziehungsanstalt Ahlem die Gedächtnisfeier für Herrn Alphons Jacobson statt. Nach einem einleitenden Chor der Anstaltszöglinge hielt das Vorstandsmitglied Herr M. Zuckermann die Gedächtnisrede, die hier in nur gedrängter Kürze wiedergegeben sei: Weit über die Grenzen seines Wohnsitzes hinaus hat dieser edle Tote die Saaten seiner Wohltätigkeit ausgestreut. Er kannte keine Grenzen des Landes, keine Grenzen des Stammes, keine Schranken der Religion, und er gab nicht nur mit opferwilliger Hand, sondern mit fühlendem Herzen. Er litt — nach einem Ausspruche unserer Weisen — mit den Leidenden, er trauerte mit den Trauernden, und daher war sein Herz auch besonders empfänglich.für die große soziale Aufgabe, die unsere Anstalt zu leisten sich gestellt hat. Er stand gemeinsam mit unserem nie ermüdenden Vorsitzenden an der Wiege unserer Anstalt. In den Annalen der Geschichte unserer Anstalt wird für ewige Zeiten als leuchtendes Vorbild den kommenden Geschlechtern dienen der unsterbliche Name Alphons Jacobson. — Nach dieser Ansprache wurde von einem Zögling ein von einem ehemaligen Lehrer der Anstalt verfaßtes Gedicht vorgetragen, in welchem die gemeinnützige, selbstlose Tätigkeit des Dahingeschiedenen beredten Ausdruck gefunden hat. Sodann ergriff Herr Konsul Simon, der Vorsitzende unserer Anstalt, das Wort und beleuchtete in herzlicher Weise das innige Verhältnis zwischen ihm und dem Verstorbenen. Hierauf verrichteten die Waisenknaben der Anstalt das Kaddisch-Gebet. Zum Schluß sprach Herr Apelt aus Halle, der Schwager des Verstorbenen, in tiefer Ergriffenheit noch einige Dankesworte, in welchen er nochmals betonte, mit welcher Liebe und Hingabe der Verblichene die Bestrebungen der Anstalt stets gefördert habe. ' — Krefeld, 3. Juli. Am 23. und 24. v. Mts. fand hier die Jahresversammlung des Vereins israelitischer Lehrer der Nheinprovinz und Westfalens statt. Anwesend waren 69 Lehrer und als Gäste, Vorstand und Vertretung der Synagogengemeinde Krefeld. Um 2 Va Uhr eröffnete der Vorsitzende, Kollege Graf-Essen, mit einer Begrüßung der Vereinsmitglieder und der Gäste die Versammlung. Er rechtfertigt die Tagung der Versammlung in Krefeld statt Düsseldorf. Er hebt weiter hervor, Krefeld sei eine historische Stätte für unseren Verein, da hier 1856 die ersten Statuten zur Konstituierung geschaffen wurden. Er dankt alsdann der Gemeinde Krefeld für das Interesse, welches sie unserer Sache durch einen namhaften Beitrag zur Unterstützungskasse und durch musikalische Darbietungen in der Synagoge bekundet. In warmen Worten gedenkt der Vorsitzende der Vereinsmitglieder, die seit der letzten Hauptversammlung das Zeitliche gesegnet. Es sind dies die Herren: Rosenwald-Jserlohn, Silberberg- Hatten, Blumenau-Hannover, Strauß-Bielefeld, Kronenberg-Bünde, Löbenstein-Düsseldorf und Wallerstein-M.-Gladbach, so daß der Verein heute noch 169 Mitglieder zählt. Von ihnen war Kollege Blumenau sel. And. langjähriger verdienstvoller Vorsitzender vom Verein und Kasse. Zur Ehrung der Verstorbenen erhebt sich die Versammlung. Die Versammlung sendet an den gleichzeitig in Magdeburg tagenden „Verein israel. Lehrer Mitteldeutschlands" zu seinem Silberjubiläum einen Glückwunsch. Darauf nimmt Kollege Meyer-Lünen das Wort zuseinem Vortrage: „Die Poesie der Gebete Israels". Der Vortrag ist lediglich eine Besprechung des bekannten Goldschmidt'schen Uebersetzungswerkes. Eine Diskussion wird, weil Thesen nicht aufgestellt sind und der Vortrag wegen der mehr allgemein gehaltenen Ueberfchrist unerwartet kam, abgelehnt. Stadtrat Max Simon-Elberfeld wird infolge einer Zuwendung von 300 Mk. laut Statut zum Ehrenmitglied der Kasse ernannt. Zu Deligierten für den nächsten Verbandstag werden gewählt: Die Kollegen Andorn-Krefeld, Liepmannssohn-Minden, Ransenberg-Neuwied, zu deren Vertreter: Koll. Baum- Rheine und Fröhlich-M.-Gladbach. Zu Rechnüngsrevisoren für die Vereinskasse werden die Koll. Andorn-Hattingen und Kaiser-Mülheim (Ruhr) gewählt. Als nächster Versammlungsort wird Hagen festgesetzt. Nächstjährige Themata sind: In welcher Beziehung steht der hebräische Unterricht zum übrigen Religionsunterricht? Res. Kaiser- Mülheim, und ein noch näher zu bezeichnendes Thema aus dem Gebiete des Kantorats, Res. Zivi-Elberfeld. In den nun folgenden freien Besprechungen gibt Koll. Livi-Neuß ein Referat über die Verhandlungen auf dem letzten rheinischen Gemeindetag in Köln betreffs der Bildung von Bezirksrabbinaten. In der Diskussion fesselt Koll. Eppstein-Hoppstädten die Versammlung durch Darlegung eigener Erfahrungen. Es wird eine Resolution Zivi-Neuß folgenden Inhalts angenommen: „Die zu Krefeld versammelten Lehrer der Nheinprovinz und Westfalens erklären, daß von den Bezirksrabbinaten keine wirksame Förderung des Judentums zu erwarten ist, daß die Schule nicht in ihrer Fortentwicklung gehoben, wohl aber das Wirken des Lehrers erschwert wird. Aus diesen Gründen spricht sich die Versammlung gegen die Bildung von Bezirksrabbinaten aus, und eine Kommission, bestehend aus den Kollegen: Baum, Eppstein, - Goldschmidt, Ransenberg und Wallach beauftragt, Material in dieser Angelegenheit zu sannneln." Nachdem eine Kommission mit der Vorf beratung des neuen Kassenstatuts betraut worden ist, werden die Verhandlungen um 7 Uhr abgebrochen, und die Versammlung folgt der Einladung zu einem geistlichen Konzert in der Synagoge. Dann, folgte ein gemeinschaftliches Abendessen, gewürzt von frohen und ernsten Reden. Am zweiten Tag wird die Versammlung vom stellvertretenden Vorsitzenden Liepmannssohn eröffnet. Die Thesen des vorjährigen Ransenberg'schen Vortrages über die Schulinspektion sind von einer Kommission durchberaten worden. Die Versammlung beschließt folgende Resolution: Die Generalversammlung des „Vereins israelitischer Lehrer der Nheinprovinz und Westfalens" erklärt einstimmig: 1. „Eine Inspektion des jüdischen Religionsunterrichtes ist als wünschenswert, besonders auch für die höheren Schulen, anzusehen unter der Voraussetzung, daß ein allgemein anerkannter Lehrplan vorliegt und ein Instanzenweg unbedingt vorher geschaffen ist. 2. Nur ein staatlich geprüfter Schulmann, der seine pädagogische Beschäftigung auch durch die Praxis bewiesen hat, kann diese Inspektion ausüben. Kollege Zivi empfiehlt das Friedmannffche Werk den Kantoren dringend zur Anschaffung. Kollege Fröhlich unterzieht die Statuten der Verbandspensionskasse einer scharfen, abfälligen Kritik. Kollege Goldschmidt-Köln klärt die Versammlung über die im Verbandsorgan, erörterte Angelegenheit der Lehrerbildungskommission auf und macht der Jugendschriftenkommission Vorschläge. Ein Kultusbeamter fragt die Versammlung, ob in Rheinland und Westfalen ein Kollege mit seinem außerdienstlichen Einkommen zur Gemeindesteuer herangezogen wird. Mit einer Ausnahme ist dies bei keinem der Fall. Zum Vorstandsmitgliede der Unterstützungskasse wird Kollege Kausmann-Gelsenkirchen gewählt. Der Vorsitzende, Graf, gibt einen Ueberblick über die Tätigkeit der Kasse im verflossenen Jahr. Das Vermögen der Kasse ist trotz großer Anforderungen an sie auf 130120 Mark gestiegen. Er ermahnt die Kollegen zu eifriger Mitarbeit, die möglichst organisatorisch einzurichten sei. In der nun folgenden Statutenberatung wird das neue Kassenstatut mit

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