Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 29 (15.7.1904)
- Date
- 1904-07-15
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
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Ausnahme geringer Aenderungen in der.Kommissionsfassung angenommen. Auch die Aenderungen des Vereinsstatuts werden genehmigt. Zum Schluß dankt der Vorsitzende, Graf-Essen, der Gemeinde Krefeld und den Ortskollegen für ihre Tätigkeit und schließt^ die Versammlung mit einem begeistert aufgenommenen Kaiserhoch. Dublon-Dülmen, Kaiser-Mülheim (Ruhr). L. Stuttgart, 3. Juli. Am 20. v. M. fand aus dem israelitischen Kirchhof hier die Beerdigung des praktischen Arztes Dr. Gustap 'Rosenfeld statt. Ein außergewöhnlich großes Trauergesolge, da? runter diele Angehörige des ärztlichen Standes, umstand die Gruft. Bezirksrabbiner Dr. Stößel schilderte in warmen Worten die Bedeutung, die der Verstorbene in mehr als 30jährigem Aufenthalt hier durch , seine seltene Begabung uud sein umfangreiches Wissen für die Kranken nicht bloß der Stadt, sondern des ganzen Landes erworben habe, und beklagte den Verlust, den die Familie wie die Freunde erleiden. Hofrat Dr- Distler und Dr. Weinberg legten namens ärztlicher Vereinigungen Kränze nieder, Rechtsanwalt Dr. Erlanger namens des Stuttgarter Volksvereins, dem der Verstorbene seit Beginn der 70er Jahre angehört und mit dessen Mitgliedern ihm mannig^- fache treue Freundschaft verbunden habe. Unter der Menge prächtiger Vlumenspenden befand sich ein von der Prinzessin Olga zu Schaumburg-Lippe gesandter Kranz. König und Königin hatten den Hinterbliebenen telegraphisch ihr Beileid ausdrücken lassen. Ergriffen trennten sich die Trauernden von dem Grabe eines Mannes, der so vielen Leidenden ein treuer Helfer gewesen war. Der Verstorbene war Schüler und Assistent des berühmten Heidelberger Klinikers Friedreich, und wie dieser hatte er sein Hauptinteresse der Behandlung und Erforschung der Herzkrankheiten zugewendet. Aber nicht nur die Pflege dieses Spezialfaches beschäftigte ihn, Rosenfeld war vielmehr ein vielseitig gebildeter Arzt, in allen Gebieten der praktischen Medizin zu Hause, in vielem Meister, bewandert besonders, in den komplizierten Untersuchungsmethoden der Neuzeit und im Besitz des eigentümlichen ärztlichen Instinktes, der nicht erworben werden kann, sondern vielmehr den echten Jüngern der heilbringendest Wissenschaft angeboren ist. Dabei von geradezu verblüffender Arbeitskraft, vom Morgen bis zum Abend im Dienste seines Berufes in den Wohnstätten der kleinen Leute wie den Palästen der Reicherst bereit, jedem Rede zu stehen, der ihn in seinen ungewöhnlich stark besuchten Sprechstunden um Rat fragte. Er war reich an originellen. Einfällen in der Therapie und ließ neben den neuesten naturwissenschaftlichen Errungenschaften seiner Kunst gern alte vergessene Me< thoden und Heilmitteln ihr Recht widerfahren. Im rüstigen Mannes-- alter starb er nach kurzen: Unwohlsein. Ein Riß der verkalkten großen Schlagader durchriß auch den Faden seines Lebens. Wie sm oft erlag auch hier der Spezialist einer Erkrankung gerade desjenigen'^ Organes, dessen Erkrankungen ihn vor allen anderen beschäftigt^ hatten. Ehre seinem Andenken! ( GesterretH-Ansarn. | □ Wien, 11. Juli. Der Tod Theodor Herzls hat in weiten^ Kreisen tiefe Bewegung hervorgerufen. Das Leichenbegängnis sand^ am Donnerstag in der von dem Heimgegangenen gewünschten einfachen Weise statt. Nur Direktor Wolfsohn-Köln sprach einige Worte! am Grabe. Beileidstelegramme liefen von allen Seiten ein. Ve-H sonders bemerkenswert sind die vom Großherzog von Baden und vom^ König von Italien. — Bei der internationalen Konkurrenz um dieE große Synagoge in Triest, zu der 46 Prospekte aus allen Ländern Europas einliefen, erhielten den 2. Preis im Betrage von 5000 Kronen die Wiener Architekten Ernst Lindner und Theoder Schreier. Der er ste^ Preis wurde mangels eines zur Ausführung geeigneten Projektes nichts verliehen. — Anläßlich der letzten Ernennungen für Mittelschulen^ wurden auch zahlreiche jüdische Professoren ernannt, so Professor Alfred ß Koppelmacher, der an das Maximilian-Gymnasium in Wien berufen^, wurde, außerdem die Profefforen Storch, Werner, die Supplanten^ Salomon, Sennek u. a. — Der Kaiser hat dem Oberinspektor der^ österreichischen Staatsbahnen Kaiserlichen Rat Ludwig Freund zumff Direktor des Wagendirigierungsamtes der österreichischen Staatsbahnen, unter Verleihung des Titels und Charakters eines Regierungs-1 rates, ernannt. f. Von MH und ssern. — Die Berliner Akademie der Wissenschaften hat den Preis der Diezstiftung Herrn Professor Emil Levy in Freiburg i. B. zugesprochen. — Der „Verband deutscher Juden" hat beschlossen, an Reichstag und Bundesrat eine Eingabe zu richten mit dem Ersuchen, daß bei der bevorstehenden gesetzlichen Regelung des Schlachthauswesens eine Bestimmung eingeschaltet werde, die dem gegenwärtigen Zustand ein Ende macht, wonach es im Belieben jeder Kommune liegt, durch ihre Schlachthansordnung das rituelle Schächten zu verbieten. — Der Hilfsverein der deutschen Juden. hat für die Abgebrannten in Wilkomir (Rußland) fünfhundert Rubel telegraphisch überwiesen. — In Filehne ist in der Synagoge ein Einbruchsdiebstahl verübt worden. Der Dieb sprengte gewaltsam zwei in die Wand eingelassene Opferbüchsen, seine Arbeit war aber ohne Erfolg, da die Opferbüchsen leer waren. — In Schwerin a. W. ist am 30. v. M. der Kaufmann Ludwig Cohn im 72. Lebensjahre gestorben. Er war über 30 Jahre Mitglied des Gemeindevorstandes daselbst und acht Jahre dessen Vorsitzender. — Nach 52^ jähriger Dienstzeit trat dieser Tage der Kanzleirat Josef Hirsch in Essen in den Ruhestand. Anläßlich seines Ausscheidens aus dem Dienst fand im großen Schwurgerichtssaale eine kleine Feier statt. Landgerichtspräsident Büscher hielt eine Ansprache an den Scheidenden und überreichte ihrn in Anerkennung seiner Dienste den Kronenorden dritter Klasse. —In Krefeld wurde der Provinzialrabbiner Dr. Levy- Alzai einstimmig zum Rabbiner gewählt. — Der Großherzog von Baden richtete anläßlich des Todes Dr. Herzls aus St. Blasien an die zionistische Parteileitung in Wien eine Depesche, in der es heißt: „Mit aufrichtiger Teilnahme vernehme ich die schmerzliche Nachricht vom Ableben Dr. Herzls. Ich würdige mit Ihnen die hohe Bedeutung des Verlustes und bewahre dem Verstorbenen ein dankbares Angedenken." — Am 2. d. M. hat König Viktor Emanuel die neue Synagoge am Tiber in Rom besucht. Dem König wurden von den zahlreich Versammelten herzliche Huldigungen dargebracht. — Der Departementschef im italienischen Unterrichtsministerium Vi ttorio Ravä hat den Orden der Ehrenlegion vom Präsidenten Loubet erhalten. — In der am 13. und 14. v. M. zu Amsterdam stattgefundenen Versammlung der holländischen Rabbiner wurde bezüglich des Zionismus folgende Resolution, einstimmig angenommen: „Die Rabbinerv'ersammlung erklärt, daß sie die von orthodoxer Seite gegen den Zionismus erhobenen überzeugenden Beschwerden als berechtigt anerkennen muß." — Aus London wird vom 7: d. M. gemeldet: Die Negierung hat endgültig beschlossen, das Fremdengesetz für diese Session des Parlaments fallen zu lassen. — Der untergegangene norwegische Dampfer „Norge" hatte nach einer Meldung aus London neben 301 Norweger, 79 Dänen, 58 Schweden auch 236 polnische Juden an Bord, die mit Ausnahme eines einzigen sämtlich bei dem schrecklichen Unglück umkamen. — Wie die „Kiewskije Otliki" melden, wurde am 10. d. M. vor der Gerichtskammer in Mohilew über die dreizehn Juden verhandelt, welche unter der Anklage standen, im September 1903 einige jüdische Arrestanten, welche von Polizisten zum Bahnhof in Orscha eskortiert wurden, unter Anwendung von Gewalt befreit zu haben. Die Verhandlung wurde aus Befehl des Justizministers geheim durchgeführt. Die Gerichtsverhandlung ergab die völlige Schuldlosigkeit der Angeklagten. Sämtliche Angeklagten wurden daher von der schweren Beschuldigung freigesprochen, aber wegen Beleidigung der Polizisten zu drei Monaten Kerker verurteilt. — Die Nachricht eines Newyorker Blattes, daß der frühere amerikanische Gesandte bei der Pforte Oscar Strauß der Nachfolger Theodor Herzls im zionistischen Aktionskomitee sein werde, ist eine fette Ente. - Der bekannte Philanthrop Adolf Lewisohn in Newyork hat der Kolumbia-Universität 250 000 Dollars zur Errichtung einer Schule für Minenbau gespendet. — Für das Hebrew Union College in Cincinnati wird ein neues Gebäude errichtet werden, das mit Einschluß des Baugrundes 100 000 bis 150 000 Dollars kosten soll. Der Neubau soll in der Nähe der Universität stehen und ein ansehnlicher Teil davon soll . für ein Museum jüdischer Altertümer reserviert werden, — Zum Dozenten am Hebrew Union College in Cincinnati ist Dr. Schlesinger von der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums berufen worden.