Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 29 (15.7.1904)
- Date
- 1904-07-15
- Page
- Seite 347 (sequence 11)
- Language
- German
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WWW 317 Eltern und Großeltern geleistet haben. Als ein vornehmer Mann das ihm gegebene Versprechen, ihm ein Schweinchen zum Geschenk zu machen, unter dem Vorwände zurückzog, daß er kaum Christ geworden wäre, schrieb er ihm: „Wissen Sie denn nicht, wie ich den Taufschein erlangte? Sie zudringlicher Herr, versprachen mir sogleich-eins von den Tieren zu schicken, welche der Rabbi verpönt". Montoro blieb Jude sein Lebelang. In einem Gedichte an die Königin Jsabella beklagte er sich darüber, daß trotz der Jahre, welche er bereits im christlichen Glauben verbringe,'er noch immer als Jude betrachtet werde; „er könne nicht sühnen den sündigen Streich, er heiße noch jetzt und heiße noch immer der alte verwerfliche Jud'." Dieses Gedicht, das er als Siebzigjähriger schrieb, zeigt recht deutlich, wie wenig Ernst es ihm mit dem neuen Glauben gewesen ist. Aber auch im Herzen blieb er Jude; seiner unglücklichen verfolgten Glaubensgenossen nahm er sich stets warm an. Nach der Plünderung der Neu-Christen in Carmona im Jahre 1474 wendete sich der siebzigjährige Montoro mit einem Wehruf an den König. Den marranischen Dichter Rodrigo Cota aus Toledo, der sehr fromm tat und, wie Montoro in -bitterer Ironie ihm vorhielt, seine Verwandten an einem Sabbat einlud, ein Schwein abzustechen, züchtigte er, weil er statt mit seinen ehemaligen Glaubensgenossen es mit deren Verfolgern hielt. Von Sevilla, wohin er sich nach dem Tumulte in Cvrdova geflüchtet hatte, kehrte er bald nach Cordova zurück." Hier machte er, schwach und leidend, den 31. März 1477 sein Testament, aus dem hervorgeht, daß der Trödler und Troubadour ein wohlhabender Mann war. Der tzshn im Sorbe. Humoreske von Anna Friedmann. III. Leo bat Deborah, vorsichtig zu gehen und legte ihre Schlittschuhe mit den seinen über den Arm. „Ich sollte Ihnen von Rechts wegen böse sein, Herr Berger, Sie sind nun schon eine Woche hier und haben es noch nicht für nötig gehalten, uns zu besuchen." „Mein liebes Fräulein, ich hatte wirklich so viel zu tun." „Nun! Ich will Ihnen glauben und hoffen, daß Sie sich bald bessern. So habe ich Sie eigentlich um das heutige Vergnügen des Laufens gebracht?" „Eigentlich ja; trotzdem ich mich glücklich schätze..." „Bitte, keine Phrasen. Sie brauchen mir gegenüber die konventionellen Höflichkeitsphrasen nicht festzuhalten. Wie wäre es, wenn wir einander nur die Wahrheit sagten?" Er ergriff entzückt ihre Hand. „Mit anderen Worten, wenn wir Freunde würden? —Ein junger Beamter bedarf ja in seiner neuen Heimat mehr als jeder andere der Freundschaft, die ihn leitet!" Sie errötete ein wenig, „Meinetwegen. Aber doch nur wahre Freunde, denn was sich so im allgemeinen oft als Freundschaft zeigt, das ist nichts weniger als ein reiner, wahrer Bund. Es ist wirklich interessant, die Grenzen der Freundschaft zu bemerken, wie sie sich oft im Leben und in der Gesellschaft zeigen. Denken Sie sich beispielsweise ein Mädchen, welches sich ihrer Freundin in einer ganz neuen, modernen Toilette vorstellt und ihr bewunderndes Staunen erregt; dieses selbe Mädchen aber wird boshaft, wenn sie nach einiger Zeit ihre Freundin, ebenso modern und noch schöner aufgeputzt sehen muß. Oder wenn es sich um die Verehrung seitens eines Herrn handelt. Dann gerät die sogenannte ewige Mädchenfreundschaft in den natürlichen Weltlauf der Dinge, — sie stirbt. Aber noch im Sterben zeigt sie die Zähne, wetzt ihr Messer und bohrt es, so tief sie kann, in das unschuldige Herz des Opfers. Lachen Sie nicht?" „Nein, ich lache diesmal nicht. Alles, was Sie sagen, ist zu wahr — und traurig." . „Jawohl, gewiß! Es wundert mich nur, daß ich Ihnen so viel erzähle, Ihnen, der Sie genug Freundschaften anspinnen können und vielleicht bereits haben!" „Ich, verehrtes Fräulein, — ich?" „Nun ja. Sie sind doch jetzt gewissermaßen „Hahn im Korbe". Sie wollte noch weiter reden, als ein kräftiges Lachen ihres Begleiters sie unterbrach. Verwundert sah sie ihn an, dann stimmte sie mit ein. „Ich glaube fast. Sie haben recht. Es ist zu köstlich, — ich „Hahn im Korbe".' Darum begegnet man mir seitens der jungen Damen mit so ausgesuchter Liebenswürdigkeit, darum werde ich in Kreisen ausgenommen, in welchen sonst ein Kantor kaum verkehrt. Und dies alles habe ich dem Herrenmangel chier zu verdanken. Ja, nun ist mir alles klar. Sie haben recht. — Und ich bin Ihnen dankbar für Ihre Offenheit, Sie weises, kluges Mädchen." Sie drohte ihm schelmisch lächelnd mit dem Finger. „Wird von einer angestellten und geprüften Religions¬ und Handarbeitslehrerin gar nicht anders erwartet. Aber Sie schmeicheln wieder und wir wollten doch wie zwei sehr vernünftige Leute uns die Wahrheit sagen. Also: Sie wären jetzt sehr gern auf der Bahn geblieben und hätten mit Magda Chone über die verschiedensten» weltbewegendsten Dinge und Ereignisse geplaudert, anstatt mit mir langweiligem." „Mein verehrtes Fräulein, ich . . ." „Rrruhe!" kommandierte sie. „Es ist allbekannt, daß gewöhnliche Menschen die nackte, bloße Wahrheit nicht vertragen können. Wenn demnach unser Bund ein ungewöhnlicher, reiner Bund sein soll, muß die Wahrheit, mag sie noch so bitter sein, stets ein aufmerksames, williges Ohr finden. Mir gefällt es sehr gut, wenn man einander Fehler rügt oder Schwächen bessert; ein wenig Scherz und Neckerei gibt die Würze dazu. Ein schöner, inhaltreicher Spruch ist jener über Freundschaft: „Und spricht die Welt von Deinem Freunde schlecht, — Verachte sie und gib' dem Freunde recht!" Uebrigens las ich neulich ein allerliebstes Geschichtchen über das Weib, welches Sie vielleicht ein wenig interessieren wird. Darf ich erzählen?" „Bitte," antwortete er freundlich. Ihre gemütvolle Art machte einen bezaubernden Eindruck aus ihn, der ihr nicht entging. Der Schalk blitzte in ihren braunen, schönen Augen. , „Gut. Wenn ich fertig bin, werden Sie mich wohl los sein. Die Moral aus dieser Geschichte, — denn jede hat eine solche, ebenso wie der Honig seine Süße und die Rose ihre Dornen, manchmal bitter, manchmal süß, — müssen Sie am Schluffe selbst ziehen. — Also: warum schuf Gott die Eva wohl aus einer Rippe des Adam? — Nicht wahr, das wissen Sie nicht, Herr Kantor Berger?! — Sie haben sich ja noch so sehrwenig mit den Evas dieser Erde beschäftigt; darum müssen Sie hier, in unserem Städtchen, Strafe finden." —