Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 29 (15.7.1904)
- Date
- 1904-07-15
- Page
- Seite 345 (sequence 9)
- Language
- German
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betitelt „Intelligenz", die bis zum Ausbruch des Krieges zwischen Dänemark und Deutschland gut gedieh. Jonas folgte nun einem ehrenvollen Rufe, ans Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten nach Kopenhagen und hatte in dieser Stellung mehrmals Gelegenheit, während des Krieges nach Deutschland reisen zu müssen. Durch eine in deutscher Sprache geschriebene Arbeit über das „Ein- und Zweikammersystem" erwarb er sich bereits damals einen klangvollen Namen. Seinen Ruf steigerte eine finanzpolitische Studie „Entwurf zu einem Finanzplan". Diese und ähnliche Schriften lenkten die Aufmerksamkeit des Königs von Dänemark, Friedrich VII., auf ihn und der Monarch zog ihn in seine Nähe und ernannte ihn 1851 zum Kammerafsessor, in welcher Stellung er wiederholt mit diplomatischen Missionen an auswärtige Höfe betraut wurde. 1852 im holsteinischen Ministerium als Hilfsarbeiter angestellt, wurde er von seinem königlichen Beschützer zum Wirklichen Kammerrat ernannt und stand von da an bis zum Tode dieses Monarchen 1863 in königlichem Hofdienst. Mit den Wandlungen, die mit der neuen Regierung zutage traten, vermochte er sich jedoch nicht zu befreunden und zog es vor, sein altes Heimatland wieder auszufuchen.- Er lebt nun seitdem fast ein halbes Menschenalter hindurch in Berlin, wiederholt Reifen nach Dänemark, Schweden und Norwegen unternehmend. Ein besonderer Günstling des Königs Oskar II. von Schweden und Norwegen, dessen Gedichte und Dramen er im Versmaß des Originals übersetzt hat, und des verstorbenen Großherzogs Karl Alexander v. Sachsen-Weimar-Eisenach, wurde er von diesem Monarchen durch zahlreiche Ordensauszeichnungen geehrt. Als er auch die bei vielen Anlässen gehaltenen Reden des genannten gekrönten Dichters Oskar II. herausgab, erfreute ihn dieser Souverän mit mehreren eigenhändigen Zuschriften. Als Oskar II. seinem deutschen Interpreten den Wasa- Orden I. Klasse verlieh, widmete dieser ihm das nachstehende Sonett, das wir zugleich als Probe der Berskunst des Verfassers hier mitteilen wollen: „Als hell erklang des Königs Sang im Norden Zur See hernieder „Sosiero", Da lauschte „Gefion" selbst sangesfroh, Hinaufgelockt von herrlichen Akkorden. Der Wind von Thule trug zu Deutschlands Borden Den hehren Klang, und dort, daß nirgendwo Er unverstanden zu den Sternen floh, Bin seines Sinnes Dolmetsch ich geworden. Mein hoher Herr! Wie soll ich je Dir danken? Mir lohnest Du den Ruhm, den Du erworben, Du selbst der Klang und ich ein Echo nur. Ich bin beschämt! Von Deines Kranzes Ranken Sind beim Transport die schönsten doch verdorben. - — Wer einte auch wie Du Kunst und Natur! Von den mit vielem Erfolg über zahlreiche deutsche Bühnen gegangenen Originalstücken des Verfassers seien nur genannt: „Das Lebensbild", mit Gesang in 3 Akten, „Ein frommer Bruder", ein Sittengemälde in heiterer Form, das Schauspiel „Zwei Söhne" und der Schwank „Unser Taugenichts"; von seinen Reiseschristen: „Illustriertes Reise- und Skizzenbuch für Schweden", „Reise- und Skizzenbuch für Dänemark" und „Kopenhagen und seine Umgebungen", dann seine zahlreichen dänischen, schwedischen und norwegischen Reisehandbücher, sowie dänische, schwedische und norwegische Sprachführer, die in vielen Auflagen erschienen sind. Er schrieb weiter eine vollständige „Geschichte des deutschfranzösischen Krieges 1870/71" und gab „Andersens Briefwechsel mit dem Großherzog von Weimar und anderen Zeitgenossen" heraus. Seine Uebersetzung der- Anbersenffchen Werke, die er mit Biographie, Einleitung und Anmerkungen versah und illustriert herausgab, ist ein sehr wertvoller Schatz unserer eigenen Literatur geworden. Noch im vorigen Jahre hat er eine hochinteressante „Lyrische Anthologie hervorragender skandinavischer Dichter, in den Versmaßen der Originale übersetzt" (Breslau 1903) herausgegeben, die ihn aufs neue für einen Meister virtuoser Uebersetzungskunst erkennen läßt. Mit Recht sagt Professor Dr. Beyer in der Einleitung zu dieser Jönasffchen Uebertragung: „Jonas erstrebt im Gegensatz zu handwerksmäßigen Uebersetzungen und zu dilettantischen Uebersetzerinnen vor allem die Beachtung des deutschen Wortsatzes und Sinnakzents, die Berücksichtigung der Apostrophierung, die korrekte deutsche Wortstellung (Hhbarbaton), die verständnisvolle Anwendung der Ellipse, die Ausschmückung, die Nachahmung, den Stil des Dichters und seine Manier. Daher lesen sich gar viele seiner Uebersetzungen nahezu wie,Originalgedichte, die ebenso den Kunstrichter befriedigen, wie den gelehrten Philosophen und den gebildeten Laien. So ist denn diese Anthologie zugleich zu einem nordischen Musenalmanach im besten Sinne geworden, zu einer verdienstlichen Sammlung lyrischer Geistestaten jener nordischen Dichterfürsten, die unserm deutschen Genius am nächsten verwandt sind." Emil Jonas, der in seiner treuen Lebensgefährtin, mit der er in glücklichster Ehe vermählt ist, seinen ihn mit rührender Sorgfalt hegenden und pflegenden guten Genius gefunden, hat in den letzten Jahren so manche schmerzliche Krankheit durchgemacht, doch erfreut er sich jetzt wieder großer, physischer Frische und so ist zu hoffen, daß ihm von der gütigen Vorsehung noch manche Lebensjahre ungetrübter Daseinssreude beschieden sein werden. Und so rufen wir denn dem Freunde und Kollegen aus voller Seele den Wunsch zu: Ad meah schanah! Der letzte lpomlche Troubadour. Von Dr. M. Kayserling. iner der sympathischsten und über die Grenzen seines Vaterlandes bekanntesten Dichter des 15. Jahrhunderts, dessen Gedichte aus verschiedenen Handschriften und Druckwerken erst vor wenigen Jahren zum ersten Male gesammelt wurden,') war Anton de Montoro. Er wurde im Jahre 1404 in Montors in der Provinz Cordova als Sohn jüdischer Eltern geboren, was ihn in reiferen Jahren veranlaßt hat, sich taufen zu lassen, wissen wir nicht. Er selbst versichert in vorgerücktem Alter: Ich habe Söhne und Enkel, Einen armen, sehr alten Vater, Meine Mutter Dona Iemila, Eine ledige Tochter, eine Schwester, Welche an das Taufbecken nie getreten sind. Wie wir aus seinem Testamente ersehen, war er der Sohn des Fernando Alfonso de Baena und demnach ein naher Verwandter, vielleicht gar ein Vetter des Dichters Juan Alfonso de Baena, welcher, „el Judino" — „der Jude" genannt, als Rentschreiber im Dienste des Königs Don Juan II. von Castilien stand und der Sammler des nach ihm genannten berühmten Cancionero de Baena war. Anton de Montoro, der gefeierte Dichter, der weder Ritter Cancionero de Anton de Montore (el Ropero de Cordoba) poeta del Siglo XV. reunido, ordenado y anotado por Don Emilio Cotarelo y Mori (Madrid 1900).