Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 28 (8.7.1904)
- Date
- 1904-07-08
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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selbe habe nicht genügend agitiert und der Vorsitzende nicht überall rechtzeitig eingegriffen. Referent exemplifiziert auf einige Fälle und stellt zum Schluffe eine Reihe, von Anträgen. Dr. Sternfeldt beantragt, das Referat zü den Akten zu nehmen und die in demselben gestellten Anträge dem C. C. zur Prüfung zu überweisen. Der Antrag wird einstimmig angenommen. Es folgt eine, lebhafte Debatte über das Hamburger Referat. Herr Dorn weist nach, daß die im Referat aufgestellten Behauptungen auf .irrigen Voraussetzungen basieren, und verweist in bezug aus den kleinen Rückgang-, in den Einnahmen des Vereins „Esra" aus die im Jahresberichte gemachten Angaben. Auch Herr Bambus verteidigt die Politik des Zentralkomitees, welches zu einer Zeit, da die Kolonisation Palästinas die bekannte nunmehr glücklich überwundene Krisis durchgemacht habe, sich abwartend verhielt und keine lebhafte Agitation trieb. Die Unterstützung , der Kolonien erfolgt in sehr rationeller Weise, wenn der Verein „Esra" auch die Tatsache keinen, Augenblick aus den Augen läßt, daß er ein Wohltätigkeitsverein ist, der von den Mitgliedern das Geld zu Unterstützungszwecken erhält. Herr Goldschmidt-Hamburg betont in seinem Schlußwort die gute Absicht der Hamburger Herren. Auf Antrag der Revisoren wird dem Schatzmeister Decharge erteilt. Bei den darauf vorgenommenen Wahlen wird Herr Moritz Dorn per Akklamation wieder zum Vorsitzenden gewählt.' Auch die Wiederwahl der turnusmäßig ausgeschiedenen Rabbiner Dr. Eschelbacher, Dr. Hirsch Hildesheimer, Professor Dr. L. Landau und Dr. M. Sobernheim erfolgt per Akklamation. --- Berlin, 3. Juli. Wie wir erfahren, hat Herr Dozent Rabbiner Dr. Wohlgemuth an den Vorstand des Religionsvereins Oranienburger Vorstadt folgendes Schreiben gerichtet: „Einem wohllöblichen Vorstande des Religionsvereins Oranienburger Vorstadt (Ohel Jizchak) teile ich ergebenst mit, daß ich mein Amt als Rabbiner Ihres Vereins niederlege. Auf Wunsch bin ich jedoch bereit, bis zur Wahl eines Nachfolgers die Funktion eines Schulleiters weiter zu versehen. Es bedarf wohl kaum der Hervorhebung,, daß ich Ihrer Berufung, so ehrenvoll sie auch für mich gewesen ist, niemals Folge geleistet hätte, wenn ich hätte voraussehen können, daß Ihrem Religionsvereine Unannehmlichkeiten daraus erwachsen würden." d. Königsberg, 1. Juli. Der Hilfsverein für kranke russische Juden hat auch im verflossenen Jahre für seine Aufgaben mehr Mittel in Anspruch nehmen müssen, da die ihm in reichlichem Maße zugeflossenen Beiträge abermals absorbiert wurden, ohne daß er sich in der Lage befunden hätte, überall den Ansprüchen gerecht zu werden. Die Zahl der ordentlichen Mitglieder und der Beitragsleistungen derselben ist weiter gewachsen, die der ersteren auf 281, die Summe der Beiträge auf 4062 Mark. Der Frauenverein für israelitische Krankenpflege und Beerdigung ist mit 360 Mark, dem größten regelmäßigen Jahresbeiträge, den wir verzeichnen, unser Mitglied geworden, wogegen wir die Anliegen, welche bisher an den Frauenverein seitens unserer Kranken herangetreten sind, zu berücksichtigen haben. Die Eingänge aus dem Getreidegeschäft, der Hanf- und Flachsbranche und aus den Beiträgen der Kranken verringerten sich im ganzen um 1121,70 Mark, wogegen eine Steigerung derjenigen aus dem Herings- und Holzgeschäfte um im ganzen 397,92 Mark eingetreten ist. Die Spenden haben sich um 619,71 Mark erhöht. Den bedeutendsten Beitrag des verflossenen Jahres mit 616,65 Mark verdanken wir der wohlwollenden Freundlichkeit der Ostpreußischen Holz-Kommandit-Gesellschaft Abrecht und Lewandowski, hier, welche diesen Betrag aus dem von ihr betätigten Holzeinkäusen zu gunsten des Vereins eingezogen hat. Die Gesamthöhe der Ausgaben beläuft sich auf 16 473,12 Mark und verbrauchte demnach die ganzen Einnahmen, so daß keine Rücklage gemacht werden konnte, deren der Verein zur Sicherung des Bestandes auch in ungünstigen Zeitläuften so sehr bedarf. Der Vorstand richtet deshalb die dringenden Bitte an alle edlen Menschenfreunde um wirksame Unterstützung. Sämtliche Kliniken und Krankenhäuser der Stadt werden gewiß dem Verein das Zeugnis geben, daß nur durch sein Wirken vielem, sonst trostlosem Elend und Unglück abgeholfen wird. Der Vorstand besteht zurzeit aus den Herren George Marx, Vorsitzender, Louis Löwenstein, Kassierer. Max Arendt, Simon Eger, Hehmann Ginsburg, M. Grodsensky, CH. Hurwitz, N. Landsberger, A. I. Lewin, L. Smoira, stellvcrtr. Vorstandsmitglieder: I. Klatzko, W. Lewinsohn. - Kp. Aus der Provinz Posen, im Juli. Kürzlich ist im Alter von 75 Jahren der Buchdrnckereibesitzer I. Joachim in Pleschen gestorben. Derselbe war eine Reihe von Jahren Stadtverordnetenvorsteher, zuletzt Magistratsmitglied und auch Vorsteher der dortigen Synagogengemeinde. — In Grätz sind die Kaufleute S. Birk und Jablonski zu Vorstandsmitgliedern der Synägogengemeinde daselbst gewählt worden. — Neulich schlug der Blitz in die Synagoge zu Ostrowo und beschädigte den einen Turm derselben sowie das Dach und eine Seitenwand in erheblichem Maße. — Der kürzlich in Berlin verstorbene Rentier Glaser, ein Kind hiesiger Stadt, hat der Synagogengemeinde Hierselbst 400 M. als Geschenk testamentarisch hinterlassen. —? Kommerzienrat Adolf Kantorowicz in Posen hat für das dort zu errichtende Taubstummenheim 200 Mark gespendet. — Bei der neulich in Pinne stattgehabten Wahl von Repräsentanten, der dortigen Synagogengemeinden wurden einstimmig die Herren Adolf Lippmann, Adolf Abraham, S. Nachmiel, G. Lewy, A. Baruch, S. Salomonsky und Martin Marcus gewählt. C. B—ch. Breslau, 3. Juli. Am 28. Juni begingen Rabbiner Dr. Guttmann und Gemahlin das Fest der silbernen Hochzeit, und fand die wohlverdiente Liebe und Verehrung, deren sich das Jubelpaar allseitig zu erfreuen hat, in außerordentlich zahlreicher: Ovationen beredtesten Ausdrück. — Am frühen Morgen bereits brachte der Synagogenchor ein Ständchen, dem sich durch viele Stunden hindurch folgende Deputationen anschlossen: Die erste, zweite und dritte Brüdergesellschaft, vertreten durch die Redner Eugen Ehrlich, Rudolf Daniel und Herm. Heilborn. Rabbiner Dr. Rosenthal sprach im Namen des Israelitischen Mädchenheims, Professor Dr. Badt als Deputierter der Vereine: Israelitischer Lehrer für Schlesien und Posen sowie „Zur Förderung der Interessen der Synagogengemeinde". Die Glückwünsche der Lessingloge überbrachte deren- Präsident Rechtsanwalt Bilewsky; auch der Frauenverein dieser Loge, 'welchem die Jubilarin als Vorstandsmitglied angehört, war durch ihre Kolleginnen vertreten. Der Vorstand der Synagogengemeinde entsandte Stadtrat Pringsheim, die Repräsentanten Direktor Lyon und das jüdisch-theologische Seminar Dr. Horwitz. Die Ansprache für die Kommission der Neuen Synagoge, Krankenverpflegungsanstalt und Altersversorgung hielt Eduard Sachs; Dr. Reich für das Schwesternheim und den liberalen Wahlverein. Es folgten nun die Reden der Herren: Siegfried Laqueur, namens der Israelitischen Volksküche, des Vorstands der Industrieschule, des Israelitischen Hilfsvereins, und Moritz Marck für den Verein „Esra". Der Verein für Jüdische Geschichte und Literatur ist durch Dr. Braun würdig repräsentiert worden, im Namen des Israelitischen Waisenhauses sprach Jul. Hehmann. Von der Studentenverbindung Thuringia erschienen Chargierte in Wichs; auch die jüdisch-theologischen Verbindungen Amicitia und Literaria waren verteten. Den Schluß bildeten Deputierte des Israelitischen Lehrerinnenheims (Fräulein Landsberg), der Religionsschule (Dr. Fabian), Haushaltungs- und Kochschule (Rechtsanwalt Hirschberg), des Israelitischen Frauenbundes (S. Cohn). Tiefbewegt dankte Dr. Guttmann für die ihm dargebrachten Ehrungen. — Außer den Korporationen erschienen die persönlichen Freunde und Gönner in überaus stattlicher Zahl und bekundeten auch durch kostbare Präsente sowie herrliche Blumenarrangements das Interesse und die herzliche Zuneigung für das Jubelpaar. — Der Abend vereinte beim zwanglos fröhlichen Festesmahle in den Räumen der Lessingloge einen intimen Kreis um das Silberbrautpaar. Neustadt a. d. W., 4. Juli. In der hiesigen jüdischen Gemeinde fanden innerhalb von 5 Monaten zwei Vorstandswahlen statt. Gegen die erste Wahl am 12. Februar wurde Protest erhöhen und die Wahl eines Formfehlers wegen für ungültig erklärt. Infolgedessen fand am 3. Mai wiederum eine Wahl statt. Es wurden in derselben der Kaufmann S. Senger als Vorsitzender, H. Tuch als stellvertretender Vorsitzender, Salo Lewin, A. Stroheim und M. Schrimmer gewählt. Auch gegen diese Wahl wurde von derselben Seite Protest erhoben, indem man geachtete und angesehene Gemeindemitglieder fälschlich anschuldigte. Nach angestellten Ermittelungen seitens der Königlichen Negierung in Posen wurde der Protest sofort zurückgewiefen und gleichzeitig verfügt, daß die gewählten Herren in ihr Amt einzuführen sind.