Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 28 (8.7.1904)
- Date
- 1904-07-08
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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zur Annahme. — Eine etwas kürzere Debatte schloß sich am die Subvention für den Religionsverein ^ciass LebUiun. Persönlich schickt hier der Referent Professor Blaschke voraus, daß er bei allen derartigen Vorlagen in der Subventionskommission ohne irgend welche Rücksicht auf Person oder .Institution gesprochen und gestimmt habe und lediglich seiner innersten Ueberzeugurg gefolgt sei. Dem Verein Adass Jeschurun, bei; bisher 1000 Mark erhalten hatte, -sind mit einstimmigem Beschluß in der Subventionskommission 1200 Mark zugesprochen worden. Die Motive für die Erhöhung sind bei den einzelnen Mitgliedern verschieden gewesen. Die einen.wünschten die Erhöhung zur Anstellung neuer Lehrkräfte für die Religionsschule des Vereins, die anderen waren der Ansicht, daß die Religionsschule wegen des Won der Gemeinde' eingerichteten, in der Nähe befindlichen. Religionsunterrichts keine Berechtigung hat und die Erhöhung zur Deckung des 750 Mark betragenden Defizits dienen soll, da der Fortbestand des Vereins sehr in Frage gestellt ist. Der Gemeindevorstand hat dem Verein eine Subvention von nur 1000 Mark auf ein Jahr bewilligt mit dem Zusatz, daß nach dieser Zeit infolge der inzwischen stattfindenden Eröffnung der Synagoge Rykestraße eine Subventionierung nicht mehr erfolgen solle. Der Ausschuß III ist für 1200 Mark auf ein Jahr eingetreten; hier überwog die Meinung, die Bestimmung hinzuzufügen, daß von 1905 ab „voraussichtlich" die Subventionierung desWereins nicht mehr stattfinden solle. Syndikus Lilienthal ist gegen die Abschwächung des Gemeindevorstandsbeschlusses durch das Wort „veraussichtlich"; gerade im Interesse des Vereins, der sich alsdann hiernach richten könne, sei die Annahme der Fassung des Vorstandes dringend notwendig. Der Verein verliere zweifellos nach der Eröffnung der in nächster Nähe befindlichen Synagoge Rykestraße seine Existenzberechtigung. Die Anstellung noch zweier neuer Lehrkräfte für die Religionsschule, welche nur von 31 Kindern besucht werde und deren Fortbestand alsdann auch in Frage stehe, sei nicht gerechtfertigt. Eine Erhöhung der Subvention für das letzte Jahr des Bestehens des Vereins sei nicht erforderlich. Im übrigen sei ja der Vorstand weder durch den einen noch den anderen Beschluß rechtlich gebunden, da, falls andere Verhältnisse einträten, im nächsten Jahre wieder eine neue Bewilligung ausgesprochen werden könne. Rechtsanwalt Dr. Cohn hält es nicht für angängig, schon heute einen Beschluß für das nächste Jahr zu fassen. Selbst wenn der Verein die Erhöhung nicht zur Anstellung neuer Lehrer brauche, werde er sie'zur Deckung seines Defizits verwenden müssen. Durch den Zusatz des Wortes „voraussichtlich" solle doch nur der Verein gemahnt werden, vorsichtig zu wirtschaften. Auf Antrag Louis Sachs erfolgt die Abstimmung über die Erhöhung und die. Klausel getrennt. Mit 10 gegen 7 Stimmen wird die Erhöhung aus 1200 Mark, mit 9 gegen 8 Stirnmen der Zusatz -angenommen, daß die Subventionierung „voraussichtlich" im nächsten Jahre rricht mehr stattfinden werde. — Der Verein Ahawat torab hat bisher 1000 Mark als Subvention erhalten, er ist nunmehr zur Deckung seines Defizits um einen Zuschuß von 2000 Mark eingekommen.-. Nach dem Referate des Rechtsanwalts Dr. Cohn hat sich die Subventionskommission auf. Grund sehr eingehender Beratungen für.die Beibehaltung des bisherigen Zuschusses entschieden. Die Synagoge des Vereins in der Brunnenstraße wird sehr spärlich besucht, dagegen werden die Leistungen der beiden dem Verein gehörenden Religionsschulen sehr gelobt. Auch der Ausschuß ist für 1000 Mark pro 1904/05 eingetreten. Die Versammlung stimmt diesem Beschlüsse zu. — In dringlicher Vorlage werden dem Religionsverein Steglitz, wie im Vorjahre, 1300 M. als Subvention zugesprochen. — Die Antwort auf die in unserer vorigen Nummer im Wortlaut gegebene Interpellation Blaschke wird bis nach den Ferien vertagt. D)ie Wahl eines Mitgliedes in den Schul- und Talmud-Thora-Vorstand wird in die geheime Sitzung verlegt. — Ein zum Nachlaß der im Jahre 1870 errichteten Kaufinann Bendix-Stiftung gehöriges Grundstück am Kottbuser Ufer ist jetzt für den Preis von 115 300 Mark verkauft worden. Von dem Erlös sind bereits 30000 Mark zur Verteilung gelangt, von der überfchießenden Summe muß bestimmungsgemäß das Hospital 3/10 — 15 993,75 Mk. erhalten. Die Zuwendung wird angenommen. — Zur Erhöhung der Sicherheit des Tresors der jüdischen Gemeinde werden auf Grund eines Berichtes der Baukommission 1400 Mark erfordert und debattelos bewilligt. Ein Legat des Herrn Abraham Gumpert im Betrage. von 300 Mark zur Grabeserhaltung wird angenommen. — Eine Ersatzwahl für den neuerdings gewählten Vorsteher der' alten Synagoge wird vom Vorstand selbst nicht für erforderlich gehaltem da die Zahl der Mitglieder völlig ausreicht, Die Versammlung beschließt deshalb, von einer Neuwahl abzusehen. — Damit schloß die öffentliche Sitzung. Wie uns noch aus der geheimen Sitzung mitgeteilt wird, ist in den Schul- und Talmud-Thora-Vorstand Ober- : lehrer- Dr. Türk gewählt worden. -' Berlin- 3. Juli. Im Krankenhause der jüdischen Gemeinde ist eine gynäkologische Anstalt mit dem heutigen Tage eröffnet worden, deren Leitung dem Frauenarzt Dr. Wolff übertragen,wurde. Die Klinik ist in der Zeit von 81/3 bis 9l/2 Uhr vormittags geöffnet. — Damit ist der bewährten Anstalt ein neues Institut angegliedert worden, dessen Errichtung infolge der starken Frequenz des Krankenhauses zur Notwendigkeit wurde. Wir begrüßen die Einrichtung dieser Spezialabteilung als einen dankenswerten Fortschritt der aufstrebenden Anstalt, deren Leitung und Verwaltung sich mit diesem Schritt die Anerkennung weiter Kreise sichern dürfte. ■A. Berlin, 4. Juli. Der Jahresbericht des Vereins zur Bekleidung armer jüdischer Kinder für das Jahr 1903, der erste seit Bestehen des Vereins in seiner jetzigen Gestalt, kündet uns, daß dieses für denselben von reichem Segen gewesen ist. Der junge Verein hat sich kräftig fortentwickelt. Im Juni 1903 mit ca. 80 Mitgliedern gegründet, kann.der Verein heute aus eine Mitgliederzahl von 225 blicken. Die Tätigkeit für diejenigen, die Hilfe erbaten, war eine recht ausgedehnte. Galt es doch jedes eingehende Gesuch zu prüfen, bei den betreffenden Petenten aufs genaueste zu recherchieren und über dieselben Erkundigungen einzuziehen. Dieser, sehr oft mit vielen Unannehmlichkeiten verknüpfter Arbeit unterzogen sich in dankenswertester' Weife die Vorstandsdamen. Im ersten Jahre konnten schon 224 Kinder vollständig bekleidet und ausgerüstet : werden. Allerdings bedarf es noch bedeutender Mittel, denn es wurden bis jetzt für 224 Kinder 2260,02 Mark ausgegeben, das heißt pro Kind 10,09 Mk. durchschnittlich, und wenn man bedenkt, daß mindestens ebensoviel Kinder abgewiefen werden mußten, dann erhellt daraus am besten, welche Mittel noch fehlen, um allen heran-; tretenden Anforderungen gerecht werden zu können. Die Einnahmen; des Vereins betrugen 3242,24 Mark, die Ausgaben 2963,94 Mark. 1 Der Vorstand besteht aus folgenden Herren und Damen: Siegbert; Würzburg, Vorsitzender, Frau Minna Cohn, 1. Schriftführerin, Frau : Olga Feilchenseld, 2. Schriftführerin, S. Lefeber, Rendant, Frau F. Buchholz, stellvertretende Rendantin, Frau Hedwig Blumenreich,; Dr. Düsterwald, Arzt, Dr. Feilchenseld, Arzt. Moritz Fleischer, Fabrikant, Max Hahn, Kaufmann, Frau Elise Perlbach, Georg Prinz, : Rechtsanwalt, Frau Harriett Rosenthal, Fräulein Dr. Samter, Oskar; Schäfer, Dentist, Frau Ella Schäfer, Frau L. Wolssberg, Frau Rosa; Würzburg. f. Berlin, 1. Juli. Am 26. v. M. fand in Cassels Hotel unter lebhafter Beteiligung hiesiger und auswärtiger Delegierten die dies- ' jährige ordentlicheGeneralversammlung desVereins„Esra" statt. Der Vorsitzende, Herr Moritz Dorn, erstattete den Bericht über das ' verflossene Geschäftsjahr und teilte mit, daß' der Verein in 260 Gemeinden Deutschlands 4010 Mitglieder und Spender aufweist, welche j zusammen über 15000 Mark für die Zwecke des Vereins beigesteuert haben. Auch in diesem Jahre hat der „Esra" seine Tätigkeit haupt- | sächlich auf die transjordanische Kolonie Bneh Jehuda konzentriert, deren Bevölkerung er auf 32 Familien zu bringen hofft. Eine solche große Kolonie würde ihre Gemeindeausgaben leichter bestreiten und auch den benachbarten Arabern mehr imponieren können. Herr Konsul Friedemann erstattete den Kassenberricht und hob hervor, daß ' der Verein im Berichtsjahre den natürlichen Verlust an Mitgliedern durch Austritt und Todesfälle, durch Zuwachs in Breslau, Hamburg; und anderen Orten reichlich ersetzen konnte. Neu hinzugekommen sind die sächsischen Gemeinden Chemnitz und Annaberg. Rechtsanwalt Dr. Sternfeldt-Stettin bittet um Zusendung von Rednern für : die einzelnen größeren Lokalkomitees. Herr Goldschmidt-Hamburg verliest ein längeres Referat des Vorsitzenden des Hamburger Lokalkomitees, Moritz S. Wolff, über 'die Ursachen des Rückgangs des Vereins „Esra" in den beiden vorletzten Jahren, in dem ein Teil der Verantwortlichkeit dafür dem Zentralkomitee zugeschoben wird. Das-