Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-07-01 · Heft 27 (1.7.1904) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 27 (1.7.1904)
Date
1904-07-01
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3224737-3228581-3228609--60929-3274724
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Idee betreffs der Unterbringung der Bibliothek versucht er etwas weniger unglücklich zu gestalten, indem er mitteilt, das; das Gebäude über den; Souterrain nur drei Stockwerke hat und einen durch das ganze Gebäude führenden Lift mit ständiger Bedienung aufweisen wird. Die disponiblen Räume sollen jedoch nach dem bisherigen Vorschläge für die Baukommission reserviert bleiben. Professor Bla sch ke verwirft den Plan betreffs der Bibliothek für die vierte Etage und ist dafür, durch die Herausnahme einer der Verwaltungskommissionen für die Bibliothek Platz zu schaffen. Für die Verlegung der Neligionsschule nach dem neuen Gebäude vermag er sich nicht zu erwärmen, da nach seinen Informationen der Betrieb der elektrischen Straßenbahn dort ungemein störend aus den Unterricht wirken soll. Iustizrat Lach mann bestätigt letzteres durch den Hinweis, daß nur wegen der großen Störung durch die Straßenbahn die Verlegung der Mädchenschule dringend erforderlich geworden sei. Professor Geiger hält demgegenüber die Störung für eine Religionsschule, die nur am Nachmittag und Sonntag Vormittag Unterricht erteilt, nicht für so erheblich. Er beantragt, die Vorlage einer Sonderkommission zur Vorberatung zu überweisen. Herr Manheim er bittet, die Geigerschen Wünsche nicht mit der Vorlage zu verquicken, und weist aus das durch die Verlegung des Jüdischen Krankenhauses frei werdende große Terrain hin, das zur Aufnahme der Religionsschule sowie der Bibliothek vorzüglich sich eignen werde. Herr Louis Sachs tritt für die unveränderte Annahme der Vorlage ein, an der durch eine Vorberatung nichts gebessert werden könne. Vor allem müsse dem unwürdigen Zustand der jetzigen Behausung der Armenkommission ein schnelles Ende bereitet werden. In der Abstimmung fällt der Antrag Geiger mit allen gegen zwei Stimmen (Geiger, Bagmsky); der Ausschußantrag wird unverändert angenommen. — In schneller Aufeinanderfolge werden dann die nachstehenden Vorlagen diskussionslos erledigt. Zur Einrichtung maschinellen Waschbetriebes inr Hospital, wird eine Ausgabe bis zum Betrage von 5000 Mark bewilligt, zur Anschaffung je eines Flügels für die Lehrerbildungsanstalt wie für die Mädchenschule werden je 1400 Mark bereit gestellt. — In die jüngst beschlossene gemischte Deputation zur Beratung einer Agende für den Jugendgottesdienst nach altem Ritus werden aus dem Repräsentantenkollegium die Herren Löwenberg, Rechtsanwalt Cohn, Professor Blaschke und Hirsch entsandt; außerdem werden zweiAeltefte dieser Kommission angehören. Nach Annahme der Dringlichkeit der Vorlage werden noch 700 Mk. bewilligt zum Ankauf von Thorarollen für die Synagoge Rhkestraße. In den Vorstand dieser Synagoge wurden gewählt als Gemeindemitglieder die Herren Plachta, Rentier Urbach und Heinrich Bock, aus dem Repräsentantenkollegium Rechtsanwalt Dr. Cohn; den Vorsitz wird Landgerichtsrat Loewe übernehmen. — In den Vorstand der Synagoge Kaiserstraße wurde Herr Feibel gewählt. — Schließlich verliest der Vorsitzende Geheimrat Vlumenthal noch folgende von Professor Blaschke gestellte Interpellation: 1. Beabsichtigt der Gemeindevorstand Kurse einzurichten, in denen. akademisch gebildete Lehrer und Studenten zur Erteilung des jüdischen Religionsunterrichtes an öffentlichen Lehranstalten vorbereitet werden? 2. Wenn diese Frage verneint wird, beabsichtigt der Gemeindevorstand einen. Beitrag zu den Kosten der Kurse, die der Deutsch-Israelitische Gemeindebund einrichtet, zu leisten? Der Vorsitzende will diese Interpellation auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung stellen, doch erklärt sich der Interpellant auch mit der Beantwortung der Anfrage nach den Ferien einverstanden. 8. Berlin, 15. Juni. Zu der Delegiertenversammlung des „Verbandes für jüdische Wohltütigkeitspflege" hatte sich gestern Abend ein zahlreiches Publikum von Damen und Herren im Repräsentantensaale eingefunden. Herr Justizrat Breslauer gab seiner Freude über den imposanten Besuch in warmen Worten Ausdruck. Nachdem die turnusmäßig ausscheidenden Vorstandsmitglieder durch Zuruf wiedergewählt worden waren, ergriff die anläßlich des Internationalen Frauenkongresses hier weilende Miß Sadie American, die Sekretärin des Oouneii of Jewish Women, das Wort zu ihrem Vortrage über den Verband jüdischer Frauen in den Vereinigten Staaten von Nordamerika. Die einstündigen fesselnden Ausführungen der temperamentvollen Rednerin wurden wiederholt von lebhaftem Beifoll unterbrochen, der zum Schluß zu begeisterten Bravorufen an- I schwoll und sich erneuerte, als der Vorsitzende mit herzlichen Worten des Dankes die Anwesenden aufsorderte, sich zu Ehren-der Vortragenden von den Sitzen zu erheben. Sodann erstattete Justizrat Breslauer Bericht über die Tätigkeit des Verbandes während des abgelaufenen Jahres. Gleich dem amerikanischen Frauenbund bezwecke auch der Verband nicht unmittelbare Wohltütigkeitsarbeit, sondern die gegenseitige Förderung der angeschlossenen Vereine durch den Austausch von Erfahrungen; nur. über Prinzipien werde verhandelt und an der Hand der gewonnenen Grundsätze die moderne Ausübung der Wohltätigkeit angestrebt. Bereits manche Besserung sei ^ruf dem Gebiete rationeller Wohlfahrtspflege erzielt worden. Im letzten Jahre sind 14279 Anfragen an die vom Verbände geschaffene Zentralstelle für jüdische Wohltätigkeitspflege ergangen und 14 339 Berichte an dieselbe erstattet worden. Seit Errichtung des Verbandes gingen 91803 Anfragen und 96 689 Berichte ein. ^Jn der Mehrzahl der Fälle konnten die Bittsteller wirksamer als früher unterstützt werden, weil durch die genaue Prüfung der Gesuche die Zahl der unverschämten Petenten von Jahr zu Jahr sinkt. Die Zentralstelle ist im letzten Jahre mehrfach auch seitens der Aeltesten der Kaufmannschaft, der Auskunftsstelle der Gesellschaft ~ für ethische Kultur und der städtischen Stiftungsdeputation um Auskunft über Bittsteller ersucht worden. In den Delegierten - Versammlungen hat der Verband sich mit seinen Mitgliedern über verschiedene Fragen prinzipieller Natur ausgesprochen. In den letzten beiden Sitzungen der Frauenvereine sind von 24 zur Besprechung gestellten Fällen 18 erledigt worden. Die vom Verbände organisierte Wöchnerinnenunterstützung zeitigt ebenfalls erfreuliche Resultate. Im verflossenen Jahre sind von 309 Personen 482 Gesuche (im Vorjahre 709 von 343 Personen) eingegangen. Im großen und ganzen konnten auch größere Summen, in vielen Fällen bis zu 65 Mark, bewilligt werden. Sehr, bedauerlich sei es, daß sich bisher noch kein Verein gesunden hat, der die Mütter unehelicher Kinder unterstützen will, deren Gesuche vorläufig noch an die Armenkommission abgegeben werden müssen. Alle drei Abteilungen der Wöchnerinnenunterstützung haben in diesem Jahre 8680 Mark gegen 7608 Mark im Vorjahre ausgegeben. Während also die Zahl der Gesuche erheblich zurückging, ist der Betrag der Unterstützungen um 1000 Mark gestiegen, woraus folgt, daß durch bessere Organisation bessere Hilfe geleistet werden kann. In der anschließenden Diskussion berichtete zunächst Fräulein Epstein-Frankfurt a. M. über die in der vorigen Woche erfolgte Konstituierung des jüdischen Frauenbundes in Deutschland und dessen Ziele. Derselbe habe gleichfalls die Förderung des jüdischen Gemeinschaftsbewußtseins in sein Programm ausgenommen, während die Pflege der Religion bei uns anderen Faktoren überlassen bleiben muß. Ein ferneres Ziel des Bundes solle die .Reform der Armenpflege sein, die auf einem falschen Wege begriffen sein muß, wenn es noch Vorkommen kann, daß die Kinder von Unterstützten wiederum unterstützt werden müssen. Auf eine diesbezügliche Anfrage des Oberlehrers Dr. Schäfer gab alsdann die Referentin Miß American noch nähere Auskunft über die innerhalb des amerikanischen Bundes bestehende Unterrichtssektion. In kleinem Kreise (6 bis 10 Frauen) kommen sie alle zwei Wochen zusammen, um einen Teil der Bibel zu lesen und darüber zu diskutieren; einige Frauen studieren unter Leitung eines Lehrers. Wenn sie weiter vorgeschritten sind, wird ihnen von den verschiedenen Rabbinern alle vierzehn Tage ein Vortrag gehalten. Unter den 10 000 Mitgliedern des Bundes sind 2000, welche wirklich gutes leisten und schon acht Jahre alle 14 Tage in sogenannten Zirkeln zusammenkommen, um weiter zu studieren. Es sei mit aufrichtiger Freude zu begrüßen, daß der deutsche Frauenbund auch ohne Anregung seitens der Amerikanerinnen, welche mit diesem Aufträge entsandt worden sind, zustande gekommen ist; es wäre nur zu wünschen, daß der deutsche Bund neben den Fragen der Wohltätigkeit doch auch der Pflege der religiösen Weiterbildung seiner Mitglieder nach dem Beispiele der amerikanischen Vereinigung sich mehr widmen möge. Mit nochmaligen Dankesworten an die Rednerin des Abends schloß hierauf der Vorsitzende die Versammlung. 8t. Königsberg,24.Juni. Die Krippenangelegenheit erfährt in dem folgenden Schreiben eine andere Beleuchtung: Als jüdischer Stadtverordneter und Mitglied der Reprüsentantenversammlung

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.