Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-07-01 · Heft 27 (1.7.1904) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 27 (1.7.1904)
Date
1904-07-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3228581-3228609--60928-3274723
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

, Jahrgang. No. 27. Berlin, I. J«li 1904. Vellage zur „Allgemeinen Leitung de^ Judentums" lkorrelponÄkn?m unÄ Mgchrichtm. Veutschiand. 8. Berlin, 26. Juni. Die heutige Repräsentanten-Versammlung hat, obwohl sie eine sehr reichliche Tagesordnung hatte, die große Zahl der noch vor Eintritt der zweimonatlichen Ferien zu erledigenden Vorlagen nicht schaffen können. Es ist deshalb noch eine Sitzung erforderlich geworden, welche auf nächsten Sonntag anberaumt ist. Zum geschäftlichen Teil liegt heute ein längeres Schreiben des Vorstandes der vereinigten Schochare hatob und B'ne Brith-Gemeinde vor. Unter scharfer Zurückweisung aller der in der betreffenden Nepräseutantensitzung erhobenen Einwendungen wird eine Subvention von 4500 Mark als gerade nur ausreichend erachtet, um die bescheidensten Ansprüche zu decken; mit den bewilligten 2500 Mark könne der Verein nicht weiter geführt werden, weshalb die Auslösung desselben beschlossen worden sei. Die Synagogenbesuchcr würden mit aller Dringlichkeit daraus bestehen, Synagogenplätze in allernäch ster Nähe zu haben. Der Gemcindevorstand, dem ein gleichlautendes Schreiben zugegangen ist, hat, wie Justizrat Dr. Lach mann angibt, noch keine Gelegenheit gehabt, die Angelegenheit zu beraten. Rechtsanwalt Dr. Cohn empfiehlt, die Angelegenheit nicht auf die Spitze zu treiben; den nicht sehr fairen Ton des Schreibens will er den verärgerten Mitgliedern des Vereins nicht übel gedeutet wissen. Er beantragt, den Genwindevorstand zu bitten, die Angelegenheit nochmals in Erwägung zu ziehen. Eine etwaige Weiterführung der Debatte wird durch die Herren Louis Sachs und Kommerzienrat Friedländer verhindert, welche auf die geschäftsordnungsmäßige Unzulässigkeit der Besprechung einer nicht auf der Tagesordnung befindlichen Vorlage Hinweisen. — Frau Erna Pakscher hat der dritten Altersversorgungsanstalt in der Exerzierstraße zur Vergrößerung die stattliche Summe von 120 000 Mark zur Verfügung gestellt. Zwei zusammenhängende Zimmer sollen als Stiftungszimmer verwendet werden und die Aufschrift tragen: Zun: Andenken an M. M. Silberstein und dessen Gattin. Das Recht der Belegung dieser beiden Zimmer hat sich die Stifterin Vorbehalten. Der Referent der Vorlage, Professor Vlaschke, hebt die aufopfernde Tätigkeit der Wohltäterin, welche ja, wie bekannt, die dritte Altersversorgungsanstalt durch eine große Schenkung ins Leben gerufen hat, hervor und spricht ihr für die neuerliche Zuwendung den herzlichsten Dank namens des Ausschusses aus. Auch Herr Manheimer weist auf den unermüdlichen Eifer der um das Gedeihen der Altersversorgungsanstalt hochverdienten Stifterin hin. Die Schenkung wurde einstimmig angenommen. — Eine Zuwendung der Rentier Kreuter'schen Eheleute an die Altersversorgungsanstalt wurde ebenfalls genehmigt. Der Wert des Nachlasses des Ehepaares beträgt 3808,58 Mark. Nach Abzug des für die gewünschte Grabeserhaltung erforderlichen Ablösungskapitals von1200 Mark und verschiedener Kosten verbleibt einNettoüberschuß von 1772,58,Mark, den die Altersversorgungsanstalt mit der Verpflichtung übernommen hat, die Sterbetage der Erblasser in üblicher Weise dauernd zu begehen. — Die Pflege zweier Erabstellen der Familie Perls wird gegen Stellung des erforderlichen Ablösungskapitals übernommen. Nach Absetzung dreier noch nicht vorberatener Vorlagen von der Tagesordnung werden die Ausgaben für einige Reparaturen debattelos bewilligt; 5400 Mark für das Neichenheimfche Waisenhaus, 719,65 Mark für die alte und neue Synagoge und 435,35 Mark für die Synagoge Kaiserstraße. Die Verlängerung des Vertrages bezüglich der zum Festgottesdienst benutzten Kellerschen Festsäle wird gutgeheißen. Der Mietspreis, der bisher nur auf 1500 Mark sich belief, soll in diesem Jahre 3000 Mark, für die Jahre 1905 bis 1908 nur 2400 Mark betragen. Der Gemeindevorstand soll sich das Recht Vorbehalten, gegen eine noch festzuftellende Konventionalstrafe von den: Vertrage zurücktreten zu können. — Die Herstellung, des Gebetbuches für die Neue Synagoge ist nunmehr laut Kontrakt der Buchdruckerci Jtzkowski übertragen worden, der bisherige mit der Firma Sittenfeld bestehende Vertrag soll zum 1. Juli 1905 gekündigt werden. Nach Mitteilung des Gemeindevorstandes werden am I.Juli in ausreichender Zahl Exemplare des Gebetbuches vorhanden sein, sodaß in der Nebergangszeit ein Mangel völlig ausgeschlossen ist. — Der Luisenstädtische Brüderverein Ahawath Reim ist um eine Subvention von 3000 Mark vorstellig geworden. Im letzten Jahre sind diesem Verein 1600 Mark bewilligt worden; polizeilicherseits ist er zur Vornahme mehrerer Anlagen gezwungen worden, die Herstellung eines würdigen Zuganges zur Synagoge ist veranlaßt worden und in der Kasse ist ein Defizit von 2338 Mark entstanden. Der Berichterstatter der Subventionskommission, der sich über die Zustände innerhalb des Vereins lobend ausspricht, befürwortet die in Aussicht genommenen Bauten. Nach Prüfung der Bücher haben sich die Einnahmen als zu niedrig bemessen und die Ausgaben als zu hoch angesetzt herausgestellt. Die Subventionskommission hat deshalb die Gewährung von 2000 Mark für die Dauer der Etatsperiode und eine einmalige Beihilfe von 500 Mark als ausreichend erachtet. Der Gemeindevorstand hat gegen die Höhe der Subvention keinen Widerspruch erhoben, dagegen den einmaligen Zuschuß nur auf 300 Mark bemessen. Der Ausschuß ist diesem Votum beigetreten, die Versammlung erklärte sich ebenfalls damit einverstanden. — An die Vorlage betreffs Errichtung eines Verwaltungsgebäudes und Anlage eines Quellbades auf dem Grundstücke Rosenstraße 2 und Heidereutergasse 4/5 schließt sich eine sehr lange Debatte an. Der Referent, Herr Hirsch, befürwortet die Vorlage, vor allem die Errichtung eines der Würde der hiesigen Gemeinde entsprechenden Quellbades, für welches bereits in die Etats der früheren Jahre 30000 Mark eingestellt waren. Für die Aufführung des ganzen Baues, in welchen: auch die Arnienkommission, Friedhofskommission und Baukommission Unterkunft finden sollen, sind 170000 Mark veranschlagt. Die Vorlage ist vom Genwindebaumeister Hoeniger sehr eingehend ausgearbeitct worden. Maurermeister F r a e n k e l teilt mit, daß die Waukommission den: Projekte zugestimmt hat; er spricht sich ebenfalls für die Vorlage aus, wenn er auch gern gesehen hätte, daß die Gemeinve die beiden Nachbargrundstücke zugekauft hätte. Professor- Geiger hält die Vorlage nicht für spruchreif und ist erstaunt über die große Beschleunigung derselben, während im Gegensatz hierzu beim Bau der Mädchenschule nur durch die langdanernden, eingehenden Vorbereitungen etwas Mustergültiges geschaffen worden sei. Er empfiehlt, in den zu errichtenden Neubau noch die' erste Neligivnsschule, die bisher in einer städtischen Gemeindeschnle untergebracht ist, dann aber auch die Gemeindebibliothek zu verlegen, deren Kontrakt in den bisherigen Mietsräumen noch drei Jahre läuft und deren Räume sich als durchaus unzureichend erwiesen hätten. Er würde sich freuen, wenn die Gemeindebibliothek, welche ja nicht ganz schlecht behandelt würde, aber doch ein rechtes Lieblingskind des Vorstandes nicht sei, etwas n:ehr in der Gunst des letzteren steigen würde. Justizrat Dr. La chm a nn erwidert, daß dem Gemeindevorstand alle Kommissionen gleich lieb seien, und bezeichnet es als unmöglich, auf den: gegebenen Terrain auch die Religionsschule unterzubringen; selbst unter Hinzunahme der beiden Nachbargrundstücke, deren Erwerbung an den: sehr hohen Kaufpreis gescheitert sei, wäre der Plan unausführbar. Dagegen bestände die Möglichkeit, die Bibliothek dort unterzubringen. Die Vorlage sei sehr eingehend vorberaten und habe die Zustimmung aller vier beteiligten Kommissionen, erhalten, ein praktischerer Ban als der vorgeschlagene sei nicht denkbar. Professor Baginsky erklärt die Vorlage auch nicht für spruchreif; bei so bedeutenden Plänen müsse den Mitgliedern genügend Zeit zur Informierung gegeben werden. Die Einrichtung der Bibliothek in den noch disponiblen Räumen des Baues, nämlich — horribile clictu! — in der vierten Etage, hält er für eine sehr unglückliche Idee. (Mit Recht!) Herr Netter weist den von-Professor Baginsky hervorgehobenen Mangel im Ban unter Darlegung der tatsächlichen Verhältnisse zurück; die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.