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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-07-01 · Heft 27 (1.7.1904) · p. Seite 324

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 27 (1.7.1904)
Date
1904-07-01
Page
Seite 324 (sequence 12)
Language
German
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324 und persischen Inschriftenkunde ausgiebig zur Erklärung heranzieht, zeigt er in überraschender Klarheit, wie viele scheinbare Schwierigkeiten, besonders in den ersten Kapiteln des Buches Esra, durch die in den gleichzeitigen keilinschriftlichen Denkmälern zu Tage tretenden Anschauungen ihre einfache Lösung finden. Im ersten Abschnitt seiner Arbeit gibt Jampel eine übersichtliche Darstellung der von seinen Vorgängern geäußerten Ansichten über die Zusammensetzung der irr Rede stehenden Bücher, mu dann im zweiten Abschnitt eine Lösung der Widersprüche, besonders auch in dem an Schwierigkeiten reichen Stück Esra IV, 1—23 zu versuchen. Jampel unterscheidet drei Quellschristen : die erste, zeitlich die älteste, umfaßt Esra IV, 24—VI, 18. Das zweite Buch, ein Werk des Chronisten, ist bedeutend jünger und umfaßt Esra I—IV, 22. Das dritte Buch enthält Esra VII, 1 bis Neh. XIII, 31. Die Quellen dieses Buches sind die Memoiren Esras und Nehemias, sowie die XII, 23 genannte Tempelchronik. Die folgenden Abschnitte sind der scharfsinnigen und gelehrten Begründung dieser Aufstellung gewidmet. Die Darstellung der gegnerischen Meinungen im ersten Teile entbehrt nicht einer gewissen Breite, die wohl in der Absicht des Verfassers, nicht nur bei Gelehrten, sondern auch bei Laien Interesse für die vorliegende Frage zu erwecken, ihre Erklärilng und Rechtfertigung finden mag. Wir wollen daher nicht verfehlen, auch weiteren Kreisen das Studium dieser dankenswerten, an neuen Aufschlüssen reichen Schrift nachdrücklichst zu empfehlen, die dem Verfasser bereits die Anerkennung der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums und die Verleihung eines Preises aus der Emil Lehmann-Stiftung eingetragen hat. Wir hoffen, bald wieder einer neuen Leistung seines Fleißes zu begegnen auf einem Gebiete, das er mit einer nur wenigen jüdischen Gelehrten zu Gebote stehenden Sachkenntnis beherrscht. Heidelberg. Dr. Pinkuß. — Das Juni Heft der illustrierten Monatsschrift für modernes Judentum „Ost und West" mit der die Zeitschrift ihr 7. Halbjahr abschließt, bringt wiederum neben vortrefflichen Illustrationen eine Reihe bedeutsamer Aufsätze. Außer den Arbeiten von Georg Hermann über Max Fabian, Mathias Ascher, „Zum westjüdischen Kulturproblem"; Benjamin Segel, „Glück und Schicksal, Leben und Tod in jüdischen Sprichwörtern"; A. Behrendt, „Das Ghetto in Venedig"; Professor Dr. Aug. Wünsche, „Andreas Osianders Schrift über die Blutbeschuldigung"; Dr. S. Bernseld, „Chajjin Selig Slonimski"; H. Pruschanski, „Chaim der Schneider"; I. Giskala „Das jüdische Philantropin zu Frankfurt a. M." verdient besonders hervorgehoben zu werden das Essay von Dr. Felix Perles in Königsberg, der auf Grund eingehendster Quellenstudien mit Offenheit und erquickender Schärfe auf die großen Gefahren hinweist, welche die im tiefsten Kerne antijüdische liberale christliche Theologie für uns birgt; hatte man sich doch in jüdischen Kreisen sehr zu unserem Schaden daran gewöhnt, die christliche liberale Theologie besonders herausstreichen. Auch für die nächsten Hefte, die fortan nicht mehr im Verlage von S. Calvarh & Co., sondern in der G. m. b. H. Ost und West erscheinen, verspricht die Redaktion, in der keine Aenderung eintritt, eine Reihe künstlerischer und wertvoller Beitrüge. -MK-- Sprechsaal. Sehr geehrter Herr Redakteur! ^7n der Besprechung meiner Schrift „Babel und Bibel, Randglossen zu den Vorträgen Friedrich Delitzsch'" in Nr. 22. d. Z., teilt der geehrte Herr Referent u. a. mit: „Nicht anders macht es Delitzsch mit dem Bilde Hammurabis, welches nach ihm den Gott Schamasch darstellen soll, wie er dem Könige Hammurabi das Gesetz gibt. In Wirklichkeit zeigt uns aber jenes Bild bloß den König Hammurabi, die vor ihm stehende Figur ist die Personifikation des gesetzbedürftigen Volkes." Bei der Wichtigkeit des Gegenstandes und in Rücksicht darauf, daß Delitzsch gerade diesem Punkt und dem, was mit ihm zusammenhängt, nahezu 20 Seiten widmet, wollen Sie mir die berichtigende Bemerkung gestatten, daß nach meiner Darlegung nicht nur Hammurabi, sondern ebensowohl Schamasch abgebildet, jener aber als „Stellvertreter des Gottes der Gerechtigkeit auf Erden, dem er seine Huldigung darbringt", gemeint ist. Die Ueberschrift des betreffenden Kapitels: „Hammurabi, König der Gerechtigkeit" scheint Ken Herrn Rezensenten irre geführt zu haben. Ich darf hinzufügen, daß mir eine Reihe namhafter Orientalisten ihr Einverständnis mit dieser Deutung bekundet haben, wie auch der unermüdliche Professor Eduard König-Bonn in seiner, dieser Tage erschienenen, ebenso lehrreichen wie fesselnden Schrift: „Die Babel-Bibel-Frage und die wissenschaftliche Methode. Zugleich Kritik von Delitzsch' III. Babel-Bibel- Schrift" (Runge, Gr.-Lichterfelde-Berlin), sich im wesentlichen meiner Auffassung anschließt. ■ . Mit vorzüglicher Hochachtung Frankfurt a. M., 3. Juni 1904. Dr. Jakob Horowitz. * Geehrter Herr Redakteur! - ^>rn Februarheft des „Vessillo Israelitico“ p. 64 wird über die Ein- Weihung eines neuen Friedhofes in Casale Monferrato berichtet, die daselbst am 11. Februar.stattfand. Nachdem die Leiche eines Mannes von dem alten Friedhofe dahin übertragen worden war, wurde, wie sich das Blatt vorsichtig in hebräischer Sprache ausdrückt, die Zeremonie von bunn rnDpl P2 (s*c!) ntDTUP vollzogen, d. h. es wurde ein, Hahn geschlachtet und auf dem Friedhofe beigesetzt. Der Sinn dieser Zeremonie kann doch wohl nur sein, daß man aus abergläubischer Furcht auf dem neuen Friedhof zuerst einen Hahn als Sühnopfer beisetzt, damit nicht der unbenutzte Friedhof wie ein offenes Grab nach einem neuen Opfer verlange. Das Verbot, ein Grab über Nacht offen zu lassen, scheint ziemlich allgemein zu sein; hingegen ist mir von dem Gebrauche, einen Hahn auf einem neuen Friedhofe beizusetzen, nie etwas bekannt geworden. Der Schulchen Aruch scheint ihn nicht zu kennen, wenigstens ist in Joreh Deal), 368, wo man es 'erwarten sollte, nichts darüber verzeichnet; auch hat Lampronti, bei dem als einem italienischen Rabbiner man die Kenntnis dieses Brauches voraussetzen dürfte, nichts darüber. Unter den Schlagwörtern *?*M*in N^12p und nHSpn-n’S ist darüber nichts gesagt. Eine Notiz im „American Israelite“ vom 17. März hatte den Erfolg, daß der Redakteur des ,VessiIIo" im April- Heft, p. 189 erklärt, von einem Aberglauben könne bei dieser Zeremonie nicht die Rede fein, und die Diskussion mit einem El de hoc satis schließt. Ich möchte denn doch gern wissen, ob ein solcher Gebrauch irgendwo notiert ist. In meinen eigenen Notizen über Friedhofseinweihungen aus neuerer Zeit finde ich nur als einzigen Gebrauch, daß die Kohanim das erste Grab anlegen. Erinnerlich ist mir selbst von Prag, wo die Chewra Kadischa, wie überall in alten Gemeinden, der Hüter alter Traditionen ist, das Hahnenopfer nicht. Vielleicht findet sich unter den Lesern dieser Zeitung jemand, der Aufklärung geben kann. Ergebenst Cincinnati (O.), 15. Mai 1904. G. Deutsch. * Sehr geehrter Herr! der Ausgabe Ihres geschätzten Blattes vom 27. letzten Monats schreiben Sie (Seite 255—56): „Herr Maclean scheint nicht zu wissen, daß neben den englischen und französischen Juden auch die deutschen Juden sich an dem Hilfswerk beteiligt haben." Ich erlaube mir zu bemerken, daß zur Zeit, wo ich an Herrn Maclean einen Beitrag der Anglo-Jewisli Association zufandte, ich erwähnt habe, daß diese Spenden auch 2000 Mark vom Hilfsverein der Deutschen Juden enthielten. Im Briefe, worin Herr Maclean den Empfang der Sendung anzeigte, hat er geschrieben, daß er einen Dankbries bereits dem Hilfsverein abgesandt hatte. London, im Juni. M. Duparc, Schriftführer der Anglo-Jewish Association. Lrirkkaltrn der Aedaktion. A. L. in G. >° Die Verfasserin der Novelle ist Fräulein Clara Behrend-Baumbach in Breslau, Gräbschnerstraße 108. Druck und Verlag von Rudolf Mofse in Berlin. Vera ntwortlich für die Redaktion: Max Vauchwitz in Berlin.

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