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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-06-24 · Heft 26 (24.6.1904) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 26 (24.6.1904)
Date
1904-06-24
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Schwester jüdischer Konfession hatte, nicht fallen lassen kann. Frau Dr. Stern hat sich bemüht, mich dazu zu überreden — sie meinte, ich kannte die Königsberger Verhältnisse nicht — was ja, da wir erst seit einem Jahr hier leben, sehr begreiflich ist. Ich hatte aber gestern und heute Gelegenheit zu verschiedenen Rücksprachen mit Männern, die seit Jahren hier im öffentlichen Leben stehen, dabei vorurteilsfrei und erfahren sind. Sie bestätigen mir, daß meine Sorge, daß sich unsere neue Krippe in Arbeiterkreisen schwerer einbürgern würde, wenn eine Dame Ihrer Konfession sie leitete, berechtigt sei und das müssen wir natürlich bei einem neuen Unternehmen vermeiden. Ich bedaure furchtbar, daß wir eine so tüchtige Kraft wie die Ihre verlieren, bezweifle allerdings nicht, daß für Sie unsere ärmliche Krippenstelle kein Verlust ist, da Sie wohl bessere Anstellung finden können." Der Vorfall gab natürlich Anlaß zu einer Interpellation im Stadtrat. In der Magistratssitzung gab der Oberbürgermeister Körte der zuversichtlichen UeberzeugUng Ausdruck, daß die Auffassung (seiner Frau) Wohl auch von „unseren jüdischen Mitbürgern" geteilt würde. Hierauf erbat Stadtrat Magnus das Wort und erklärte, „daß er diese Darlegung und Auffassung des Herrn Oberbürgermeisters für durchaus zutreffend halte und daß dieser Ansicht auch von einer Anzahl angesehener Mitglieder der Synagogengemeinde, die er zu sprechen Gelegenheit genommen hat, ausnahmslos beigepflichtet werde. Es entspricht durchaus dem Interesse des neuen wohltätigen Unternehmens „Die Krippe", daß zu dessen Leitung keine zu irgend einer konfessionellen Vereinigung gehörige Persönlichkeit (Schwester) gewählt werde, sondern eine geeignete Pflegerin aus Privatkreisen angestellt werden sollte." — Es darf nicht verschwiegen werden, daß die Voraussetzung, Frau Kirschner, die zurückgewiesene Dame, gehöre einem Schwesternverbande an, nicht den Tatsachen entspricht, und daß deshalb die Erklärung des Herrn Stadtrats Magnus in weiten Kreisen unserer Gemeinde durchaus nicht gebilligt wird. — Grartderrz, 20. Juni. Der erste Rechenschaftsbericht über die Verwaltung des Caspar Lachmann'schen Provinzial-Waisenhauses hier wird sicher in weiten Kreisen Interesse erregen. Der Bericht enthält: I. Die Geschichte, II. die Verwaltung, III. die Chronik des Waisenhauses, IV. den Nachweis des Vermögens, der Einnahmen und der Ausgaben. Die Zahl der Zöglinge beträgt gegenwärtig 19, und zwar 11 Knaben und 8 Mädchen. Der Kassenbericht ergibt einen Vermögensstand' von 246 705,84 Mark; die Einnahmen betrugen 68 637,90 Mark, die Ausgaben 39 750,60 Mark. Den Vorstand bilden folgende Herren: Rechtsanwalt Behrendt-Danzig, Martin Kadisch- Danzig, Stadtrat Belgrad-Graudenz, Paul Herzseld-Graudenz, D. Wolff- Thorn, A. Jacob-Thorn, Stadtrat Löwenstein-Elbing, Siegfried Levy- Elbing, Ari Goldfarb-Pr.-Stargard, I. Lippfeld-Dirschau. ----- Marienburg, 11. Juni. Die diesjährige Versammlung des Verbandes westpreußischer Rabbiner fand am 12. v. M. hier in Kalksteins Hotel statt. Von bemerkenswerten Einzelheiten erwähnen wir nur die eingehende Besprechung über die beste Art der Schulinspektion. Rabbiner Dr. Schück-Zempelburg regte in dankenswerter Weise halachische, gemeinsame Studien (z. B. über das talmudische Eherecht) an. Aus Veranlassung des Verbandes Westpreußischer Synagogengemeinden wurde über die Errichtung von Bezirksrabbinaten verhandelt, und in einer Resulution wurden dem Gemeindeverbandstage die notwendigen Grundlagen zur Förderung des Vorschlages geboten. Dr. Rosenthal-Pr.-Stargard hielt dann einen Vortrag über „Dr. Hoffmanns neuestes Werk und Wellhausen". Dr. Guttmann-Kulm regte eine gemeinsame Form der Vorbereitung zur „Barmizwa" an; damit dieselbe auch wahrhafte Kenntnis des Judentums zur Folge habe. Die Erörterung über diesen Gegenstand wurde, nachdem mehrere Vorschläge gemacht waren, seiner großen Wichtigkeit wegen mit auf die Tagesordnung der nächsten Versammlung (die in Pr.-Stargard im Herbste stattfinden soll) gesetzt. Der bisherige Vorstand wurde wiedergewählt. (Vorsitzender: Dr. Rosenberg-Thorn, Kassenwart: Dr. Guttmann-Kulm, Schriftführer: Dr. Rosenthal-Pr.- Stargard). Anwesend waren außerdem: Dr. Nordheimer - Schwetz, Pick-Straßburg, Levy-Graudenz, Silberstein-Elbing, Weyl-Konitz. Lp. Aus der Provinz Posen, im Juni. Der Stadtrat Hermann Elkeles in Posen ist zum Ehrenmitglied des dortigen Vereins junger Kaufleute ernannt worden. — Kantor Nelson in Briefen ist in gleicher Eigenschaft an die Shnagogengemeinde zu Jnvwrazlaw berufen worden. — Rechtsanwalt Raphael in Kolmar ist zum Magistratsmitgliede daselbst gewählt worden. — Die Shnagogengemeinde in Kolmar läßt im dortigen Gotteshause statt der bisherigen Kerzenbeleuchtung die Gasbeleuchtung einrichten. — In Nogasen ist neulich die Synagoge erbrochen und sind die Opferkästen beraubt worden. — In Posen ist ein Jüdischer Turnverein ins Leben getreten. — In Gr ätz hat ein Einbrecher die Synagoge erbrochen und die Opferkästen beraubt. — Die Repräsentanten in Schönlanke haben den Kaufmann Eugen Mottek daselbst zum ersten Vorsteher der dortigen Synagogengemeinde neugewählt. — Bankier Salomonsohn und Rechtsanwalt Latte in Jnowrazlaw sind zu Stadtvätern daselbst gewählt worden. — Dem früheren Lehrer Hermann Wolf in Wreschen, jetzt in Posen, ist anläßlich seiner Pensionierung der Hohenzollern'sche Hausorden verliehen worden. Derselbe war 40 Jahre, davon 39 Jahre in Wreschen, als Lehrer tätig und ist im Oktober 1901 von der königlichen Regierung pensioniert worden. ----- Magdeburg, 23. Juli. Der Synagogengemeind e - Verband der Provinz Sachsen hat soeben seinen Verwaltungs- Bericht für das Geschäftsjahr 1903/04 herausgegeben. Der Verband, dem 22 Gemeinden als ordentliche Mitglieder angehören, hat an Einnahmen 4071,12 Mark und an Ausgaben 2850,35 Mark, somit einen Kassenbestand von 1220.77 Mark zu verzeichnen. Mit Verbandsmitteln wurde irt. den Gemeinden Burg, Calbe a. S., Gardelegen, Merseburg, Neuhaldensleben, Tangermünde und Zeitz Religionsunterricht erteilt. Aber nicht nur der Religionsunterricht und die mit ihm verbundenen Inspektionen, sondern auch die übrigen von Verbandswegen getroffenen Einrichtungen sind gefördert worden. Mitglieder des Verbandsausschusses sind: Benjamin Hirsch, Halberstadt, Verbandsvorsteher; Rechtsanwalt Lichtwitz, Magdeburg, Stellvertreter; I. Lindenthal, Magdeburg, Schatzmeister; A. Krojanker, Burg b. M., I. Lamm, Erfurt, Ad. Meyer, Stendal, W. Oppenheimer, Nordhausen, Ad. Sernau, Halle, Herrn. Wolfs, Egeln. k. Bruuuschweig, 17. Juni. Auf eine Bemerkung in dem jüngst erschienenen Berichte über den Verein zur Hebung der Sittlichkeit in Dresden auf das Jahr 1903, erstattet von Pfarrer Mätzold, glaube ich an dieser Stelle Hinweisen zu sollen. Auf Seite 7 fordert der Herr Pfarrer eine strengere Zensur dem Theater, insbesondere dem Variete gegenüber. „Gewiß — fährt er fort — erhebt die ganze liberale Presse, erheben Juden und Judengenossen nur zu schnell ein lautes Gezeter und faseln von Vergewaltigung der Kunst, von reaktionärem Wesen, Muckertum, Herrschaft des Büreaukratismus re." Auf wen beruft sich nun der Herr Pfarrer? Lassen wir ihn selbst reden! Auf derselben Seite unten sagt er: . . . setzen wir nun noch das bedeutsame Zeugnis eines Arztes hinzu. Dr. med. Sternthal, Arzt für Hautkrankheiten in Braunschweig, hat kürzlich in dem dortigen evangelischen Männerverein in dankenswerter Weise einen Vortrag gehalten: „Männersittlichkeit und Frauengesundheit", dessen Verbreitung nicht lebhaft genug empfohlen werden kann. Er sagt dort z. B.: „Ich habe es in meiner Sprechstunde oft genug erfahren, daß der Weg vom Brettel zum Bordell für den jungen Mann ganz nahe ist." Herr Dr. Sternthal ist Jude und hat den fraglichen Vortrag im Männervereine der St. Katharinengemeinde Hierselbst aus Wunsch des ersten Predigers dieser Gemeinde, Pastors Stock, im vorigen Winter gehalten. Herr Pfarrer Mätzold konnte das natürlich nicht wissen, er hielt den Arzt, der in einem evangelischen, Männervereine einen Vortrag gehalten, selbstverständlich für einen Christen, führte sich damit aber selbst ad absurdum und lieferte zugleich ein treffendes Beispiel, wie verwerflich es ist, zu verallgemeinern. — Uuitrt, 20. Juni. Von weittragender Bedeutung für die westfälischen Israeliten war die Grundsteinlegung für das hier zu erbauende Altersheim für die Provinz Westfalen. Aus allen Teilen der Provinz waren Gäste herbeigeeilt, um dem feierlichen Akte beizuwohnen. Herr I. Ostwald-Witten, der Vater der Idee, eröffnete die Feier aus den: mit zahlreichen Fahnen festlich geschmückten Baugrundstück mit einer längeren Ansprache.. Er schloß mit den Worten:

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