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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-06-24 · Heft 26 (24.6.1904) · p. Seite 305

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 26 (24.6.1904)
Date
1904-06-24
Page
Seite 305 (sequence 5)
Language
German
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festgesetzt. Der gedruckt: vorliegendeprovisorische Statutenentwurf wurde auf .Vorschlag - von Frau Direktor' Mah-Berlin und nach warmer Befürwortung von Miß Sadie American, der Sekretärin des Councir of Jewish Women in Amerika, en bloc angenommen. Im Falle genügender Beteiligung seitens der Vereine soll dann eine Konferenz der Delegierten nach Frankfurt a. M. berufen werden, um alle weiteren Schritte in die Wege zu leiten: Zum Schluß dankt Fräulein Pappenheim den anwesenden Damen für das rege Interesse, das -sie an der Sache genommen und brachte in ergreifenden Worten den innigen Wunsch zum Ausdruck, daß die neue Vereinigung ein Segen werden möge für das gesamte Judentum. % Ärbrr dm Arbeitsnachweis. Von Dr. Max Ginsberg. IJp§ ift für ben einzelnen, wie für eine Gemeinschaft stets von Nutzen, Rückblicke auf die eigene Vergangenheit zu werfen; hat dieselbe nichts besonderes gezeitigt, so regt eine solche Rückschau, dazu an, den Ursachen der Stagnation nachzugehen und-sie möglichst zu beseitigen, während im anderen Falle, wenn nämlich Bedeutsames geleistet worden ist, ein solcher Rückblick zum Ansporn dienen wird, sich für andere hohe Ziele einzusetzen und mit Schaffensfreudigkeit - an neue, große Aufgaben heranzugehen. Ueberblicken wir das letzte Jahrzehnt der Tätigkeit der deutschen Logen des Bnei-Briß-Ordens, so sehen wir, daß sie an der Lösung großer sozialer und ethischer Aufgaben erfolgreich und entscheidend mitgewirkt haben. Aber es wäre schlecht mit ihnen bestellt, wenn sie sich damit hätten genügen lassen, und es sind zum Glück im richtigen Augenblick stets Männer aus ihren Reihen erstanden, welche die Logen mit Wort und Schrift aus die Notwendigkeit hinwiesen, aus eigenster Initiative humane Werke ins Leben zu rufen; allerdings liegt die letzte größere Logenschöpfung schon eine Reihe von Jahren zurück, und wenn sie nicht in der Lage sind, mit einer großen Anzahl auf diesem Gebiete aufzuwarten, so können sie doch mit Berechtigung, aus ihre Werke selbst hindeutend, den alten Spruch auf sich anwenden: „Non multa, sed multum“. Aus den mannigfachen Bestrebungen der Logen ragt vor allem eine. Institution hervor, welche das ganz besondere Interesse all er Glaubensgenossen beanspruchen muß, zumal sie mit geringen Mitteln Erhebliches leistet und als Markstein in der Geschichte der hiesigen Logen gelten kann. Ich meine den „Verein für Arbeitsnachweis, begründet von den Berliner Bnei-Briß-Logen." „Arbeit — nicht Almosen" war die Devise, unter der im Jahre 1896 die Berliner Logen eine Organisation schufen, mittels welcher Arbeitsuchenden . entsprechend ihren Kräften und Fähigkeiten Erwerbsgelegenheit kostenlos verschafft werden sollte. Wie segensreich diese Schöpfung für Stadt und Gemeinde nicht weniger als für den einzelnen selbst werden muhte, war von vornherein klar;, nicht nur, daß die -Armenpflege hierdurch wesentlich entlastet wurde, viel bedeutsamer war die Wirkung auf den Aermsten selbst, der durch oder ohne eigenes Verschulden aus der Straße lag, hilflos und ohnmächtig, sich auf ehrliche Weise zu ernähren; so mancher Familienvater, der nicht das tägliche Brot im Hause hatte, würde mit den Seinen zum Almosenempsänger herabgesunken sein oder zu unredlichen Mitteln gegriffen haben, wenn nicht eine Einrichtung dagewesen wäre, welche, ihm Arbeit zuführte, durch die er, vor moralischem und materiellem Verfall bewahrt, sich und seine Familie redlich durchs Leben schlagen konnte. Zur, Charakterisierung der Tätigkeit und Wirksamkeit des Arbeitsnachweises' dienen wohl am besten. statistische Mitteilungen aus dem Vorjahre, wenn auch diese nackten Ziffern verschweigen, welche Umsicht und Mühewaltung erforderlich sind, um solche Erfolge verzeichnen zu können. Im ersten Jahre seines Bestehens gelang es dem Arbeitsnachweis 661 Personen, darunter 93 weiblichen, Arbeit zu verschaffen, während — in immer steigendem Maße — im vergangenen Jahre die Zahl der erfolgreich Untergebrachten, soweit es bestimmt festgestellt werden konnte 3598 betrug, einschließlich 641 weiblichen Stellungsuchenden. Allerdings wurden diese nicht sämtlich in dauernde Stellen, plaziert; aber wenn wir apch von den 1198 Personen absehen, die vorübergehend nur für Wochen oder Monate beschäftigt werden konnten, so bleiben immer noch 2400 übrig, die dauernd üntergebracht worden sind; ziehen wir nun noch in Betracht, daß ein großer Ml dieser Leute Weib und Kind hat, die darbten, und denen der natürliche Ernährer wiedergegeben wurde, so gehen die segensreichen Folgen des Arbeitsnachweises weit über seine, sichtbare Wirksamkeit hinaus. . . . . ' , Erwähnen möchte ich, daß in den beiden ersten Monaten dieses Jahres bereits 441 dauernde und 118 vorübergehende Besetzungen stattgesunden haben, und daß wir bisweilen auch von christlichen Arbeitsuchenden angegangen werden, für welche wir uns ebenfalls interessieren, zumal zeitweise unter den stellenlosen Juden keine geeigneten Bewerber vorhanden sind; Abfragen nach Personal aber dürfen wir nach Möglichkeit nicht ablehnen, um besonders mit den christlichen Firmen, welche in größtem Umfange unsere jüdischen Stellenlosen bei sich ausnehmen, in enger Beziehung zu .bleiben. In steten: Konnex mit vielen großen Geschäftshäusern und in richtiger Beurteilung ihrer Ansprüche ist es dem „Verein für Arbeitsnachweis" im Jahre 1903 geglückt, 70 Prozent aller an ihn herantretenden Nachfragen nach geeigneten Kräften erfolgreich zu befriedigen; einschließlich der kaufmännischen Branche vom Geschäftsführer bis zum Schreiber fanden die Hilfesuchenden je nach ihren Kenntnissen und Fähigkeiten als Handwerker, Arbeiter, Krankenpfleger, Packer rc. Beschäftigung. Selbstverständlich spielt das Alter der Stellungslosen hierbei eine große Rolle, wie es auch naturgemäß leichter ist, jugendlichen Personen durch Arbeit Unterhalt zu verschaffen, als älteren Leuten oder Greisen; trotzdem sind unter den in dauernden Stellungen Untergebrachten alle Altersstufen Vertreter:; es waren im Alter bis: zu 20 Jahren 1344 Personen von 20 bis 30 „ . 792 ' „ 30 , „ 40 , „ 179 „ .,40/., 50 68 „ „ 50 „ 60 „ 15 „ 60 „ 70 } 1 und „ 70 „ 75 . " Wie stellen sich nun die Ausgaben, mit denen der Arbeitsnachweis seine Zwecke erreicht? Während z. B. nach den Mitteilungen aus einer andern großen Stadt jeder Untergebrachte dem dortigen Arbeitsnachweis ca. 13 Mark Auslagen verursacht, betragen die durchschnittlichen Kosten für eine verschaffte Stellung hier nur i,$Ö pro Kopf: Wahrlich! — ein wunderbares Ziel, um einen so: geringen Preis ein ganzes Familienglück zu begründen, so viele Tränen zu trocknen! r Aber auch über seine engeren Ziele hinaus entfaltet der .7; *)■Im „Monat' März er. hat der Arbeitsnachweis 254 Personen . dauernd und 111 Personen vorübergehend Stellung verschafft, in: Monat April 226 resp. 50 Personen.

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