Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 25 (17.6.1904)
- Date
- 1904-06-17
- Page
- Seite 297 (sequence 9)
- Language
- German
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16,48 Prozent und bei den Kroaten gar nur 9,22 Prozent. Von den christlichen Landsleuten der jüdischen Immigranten halten die Ruthenen 13,63 Prozent, die Polen 22,44 Prozent und die Litauer 26,37 Prozent solch mittellose Einwanderer. Demgegenüber hatten die Juden 42,526--55,8 Prozent Immigranten ohne Geld. Diese waren — wie wir nochmals betonen wollen — durchaus keine „Paupers", sondern die zahlreichen Familienangehörigen von hochwillkommenen Einwanderern, die nebst ihrer qualifizierten Arbeitskraft ihrer neuen Heimat verhältnismäßig erhebliche Barmittel zugeführt haben. Würde man nun die von den Einwanderern ins Land gebrachten Millionen nicht gleichmäßigunter sie verteilen, sondern die Verteilung nur unter die mit Geld Gekommenen vornehmen, so würde jeder von ihnen nicht 19,27, sondern erheblich mehr, und zwar 25,20 Dollar erhalten. Die Engländer würden auch bei diesem Verteilungsmodus mit 71,24 Dollar an der Spitze bleiben, aber die. Juden würden dabei mit 21,93 Dollar von ihren Landsleuten, welche nur 12,15 Dollar bekämen, weit abrücken. Aber selbst unter dieser Modalität wäre die eigentliche Vermögenslage der jüdischen Auswanderer noch bei weitem nicht genau präzisiert. Um dieses tun zu können, müßte noch berücksichtigt werden, daß die jüdischen Auswanderer für ihre zahlreichen Angehörigen die großen Ueberfahrtskosten zu bestreiten hatten. Aus naheliegenden Gründen lassen sich die Kosten bis zum Auswandererschiffe nicht näher präzisieren, dagegen läßt sich unter Zugrundelegung einer Ueberfahrt von Hamburg nach Newyork der von den Emigranten aus Deutschland, Oesterreich-Ungarn, Rumänien und Rußland für die Fahrt über den Ozean bezahlte Mindestbetrag ziemlich genau angeben. Die Fahrt dritter Klaffe von Hamburg nach Newyork kostet 120 Mark für einen Erwachsenen und 60 Mark für jedes Kind unter 14 Jahren. Aus Grund dessen Hütten nun in den genannten vier Ländern 276 754 erwachsene selbständige Personen ganze und halbe Schiffskarten für 45475 220 Mark gelöst. Aus jede Person entfiel so eine Ausgabe von durchschnittlich 164,31. Mark. Auf den Anteil von 33340 selbstständigen Juden entfielen aber- 7 927 200 Mark, was einer Durchschnittsabgabe von 237,76 Mark allein für die Ueberfahrt gleichkommt. Würden diese Juden nur für eine Durchschnittsfamilie aufzukommen haben, so hätte jeder von ihnen 73,45 Mark sparen und 39,43 Dollar statt wie jetzt nur 21,95 mitbringen können. Umgekehrt würden selbst die Deutschen bei so großen Familien wie - sie die Juden mitführen statt 52,56 Dollar nur 35,85 Dollar, also weniger als die Juden mitbringen. Der Pole reist fast nur mit dem Stock in der Hand und gibt für den Transport seiner Person und seiner wenigen Angehörigen nur 147,25 Mark aus, der Ruthene bezahlt 142,23 Mark und der Litauer 156,55 Mark. Diesen drei Völkerschaften würde, wenn sie solch große Familien wie die Juden mitzunehmen hätten, schon in Hamburg der Atem ausgehen. Zur Bestreitung der Ueberfahrt würden ihnen nicht weniger als dreieinviertel Millionen Mark fehlen, jedenfalls würden sie in die Vereinigten Staaten statt mit 1008 518 Dollar Bargeld mit 767 458 Dollar Schulden anlangen. Die demnächst als Folge des Konkurrenzkampfs des Schifftrusts gegen die Cunardlinie zu erwartende Herabsetzung der Ueberfahrtspreise von 120 Mark aus 40 Mark wird bald zeigen, daß die jüdischen Immigranten nicht zu den ärmsten Einwanderern, sondern, nach den Engländern, mit zu den reichsten gehören. Bestimmungsort. Die schwerwiegende Tatsache, daß der jüdische Auswanderer noch. eine große Familie mit über den Ozean tragen muß, ist einer von den wichtigsten Gründen, weshalb so viele jüdische Einwanderer in Newyork bleiben. Durch die schwere Bürde ist er schließlich so erschöpft, daß er, gleich manchen Zugvögeln, nach ersolgter Durchquerung des Mittelländischen Meeres am Gestade unbeweglich liegen -bleibt. Daher mußten rat Berichtsjahre von 76 203 eingewanderten Juden nicht weniger als 50945 - 66,83 Prozent gleich in Newyork verbleiben, um das große Ghetto auf der Eastside dieser Riesenstadt noch weiter zu vergrößern. Nebst den Bequemlichkeiten, welche das große Ghetto den jüdischen Einwanderern für die erste. Zeit unzweifelhaft bietet, nebst der großen Anziehungskraft, die eine Großstadt wie Newyork mit ihrer Niesenindustrie auf die jüdischen qualifizierten Arbeiter ausüben muß, ist der Mangel an Mitteln, um mit seinen Angehörigen weiter zu kommen, mit., der Hauptgrund, weshalb der Jude das größte Ghetto aller Zeiten errichtet hat und es noch immer weiter zu vergrößern sucht. Angesichts der schwerwiegenden Gründe, welche den Juden zur Nieder-, lassung in Newyork zwingen, ist es noch sehr anerkennenswert, wenn trotz alledem sich noch sehr zahlreiche jüdische Immigranten entschließen, von . Newyork weiter ins Innere des Landes zu gehen. Von den restlichen 25 258 jüdischen Einwanderern gingen 8206 --- 10,76 Prozent nach Pennsylvanien resp. Philadelphia, 4130 --- 5,52 Prozent nach Massachusetts mit der Hauptstadt Boston, 3170 -- 4,15 Prozent nach Chicago im Staate Illinois, 2004 — 2,65 Prozent begaben sich nach New-Jersey, wo in Woodbine sich ein neues jüdisches Zentrum heranzubilden beginnt. Ohio mit seiner Hauptstadt Cincinnati vermochte nur 1521 -- ca. 2 Prozent, Baltimore in Maryland nur 1074 — 1,4 Prozent und der Staat Connecticut nur 1020 — 1,3 Prozent aller jüdischen Immigranten anzulocken. Von den 76 203 jüdischen Einwanderern sind demnach 72 070 --- 94>57 Prozent nach acht Staaten gegangen. Allein der den Juden deswegen gemachte Vorwurf, immer nur bereits -von andern betretene Bahnen zu wandeln, könnte mit fast gleichem Rechte auch den übrigen Immigranten gemacht werden. Nach eben denselben Staaten, welche nahezu 95 Prozent der gesamten jüdischen Immigration ausgenommen haben, 'find außer den Juden noch 532151 nichtjüdische Einwanderer gegangen. Es wandern also auch andere gern auf gutgepstasterten Landstraßen! <Lh. S. Siommski Von Albert Katz. ^^^ie Kunde von dem Hinscheiden eines bedeutenden Mannes, selbst wenn dieser ein noch so hohes Alter erreichte und in den letzten Jahren seines Lebens nur noch als ein Schattenbild einherwandelte, versetzt seine Zeitgenossen doch immer in Schmerz und Trauer und erweckt in ihrem Herzen eine Stimme der Klage über die irdische Hinfälligkeit. Wie mächtig aber auch dies Gefühl der eigenen Schwäche und Hinfälligkeit uns bei solcher Gelegenheit übermannt, so gesellen sich ihm doch in den meisten Fällen auch die Gefühle der Liebe und Verehrung, die wir für den Verstorbenen empfanden, der Respekt vor seinem einstigen Wissen und Können, die Anerkennung und Bewunderung der von chm zum Nutzen seiner Mitmenschen vollbrachten Werke, die uns - selbst demjenigen, der in seinen letzten Lebensjahren nur noch eine wandelnde Ruine darstellte, eine Träne des Abschieds nachweinen lassen. Der am 16. vorigen Monats in Warschau verstorbene Ch. S. Slonimski, dessen Andenken diese Zeilen gewidmet sind, hat die Grenze des Greisenalters längst überschritten gehabt,, war, von der Schwere der Jahre gebeugt, zu