Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 24 (10.6.1904)
- Date
- 1904-06-10
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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WWWWWWWWM 7 Die übrigen Petenten konnten teils in die Pensions-, teils in die 'Hilfskasse aufgenormnen werden. Eine Erleichterung des Beitritts wurde durch die Gründung der Samuel- und Eugen Apolant- Stiftung ermöglicht, über die wir weiter unten berichten. . Diese Stiftung kommt einem offenbaren Bedürfnis entgegen. Frau Justizrat Anna Apolant hat nämlich zur ehrenden Erinnerung an ihren verstorbenen Schwiegervater,, den Prediger Dr. Samuel Apolant und ihren gleichfalls verstorbenen Gatten, Justizrat Eugen Apolant, mit einem Kapital von 10 000 Mark eine Stiftung begründet zu dem Zweck, solchen Mitgliedern, denen bei ihren pekuniären Verhältnissen der Eintritt in die Kasse schwer wird, durch Gewährung von Zuschüssen zu den Beiträgen, den Beitritt zu erleichtern. Im Berichtsjahr sind in die Pensionskasse 2, in die Hilfskasse 3 Mitglieder neu ausgenommen worden, so daß die Anzahl derselben in jener 10, in dieser 11, im ganzen 21 Mitglieder beträgt. In die Pensionskasse sind je ein Mitglied aus Schlesien und Hannover, in die Hilsskasse je eines aus Sachsen-Weimar, aus Sachsen-Meiningen und aus der 9theinprovinz eingetreten. Die Summe der von der Kasse an die „Viktoria" zu leistenden Prämien beträgt gegenwärtig jährlich 2791,50 Mark, wovon die Mitglieder selbst 708.80 Mark aufbringen, so daß die Kasse durchschnittlich 74,6 Prozent zu den Prämien zahlt. Die Mitglieder der Hilfskasse, von denen einigen ein Zuschuß aus der Apolant-Stiftung bewilligt ist, zahlen jährlich 788,40 Mark. K. Berlin, 5. Juni. In der Sitzung der „Wissenschaftlichen Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin" am 7. v. M. wurde über die Leitsätze eines am 7. November vorigen Jahres von dem Vorsitzenden Herrn Rektor Dr. Gutmann gehaltenen Vortrages über Forderungen, die im Interesse eines methodischen und wissenschaftlichen Ansprüchen genügenden Religionsunterrichtes zu erfüllen sind, debattiert. Die Wünsche, die in den Leitsätzen noch einmal zum Ausdruck kamen, entsprechen einem tiefgefühlten Bedürfnisse der jüdischen Lehrer. Handelt es sich doch um die Schaffung guter Bücher für die Hand des Lehrers, beispielsweise um eine praktische Methodik des jüdischen Religionsunterrichtes, um Monographien zu den einzelnen Büchern der Bibel, um eine nachbiblische Geschichte, die ein, wirkliches Bild von der Entwicklung des Judentums gibt, um eine Sammlung von Midraschim und Agadoth zur Belebung und Vertiefung des Religionsunterrichts. Wirklich Brauchbares aus dein Gebiete ist leider so gut wie gar nicht vorhanden. Die Vereinigung betraute eine Kommission mit der Aufgabe, sich nach Kollegen umznsehen, die imstande und dazu gewillt sind, wenigstens die Bücher rein pädagogischen Inhalts 'zu schreiben. Die notwendigen wissenschaftlichen Arbeiten jedoch, das war die Meinung der Versammlung, müßten von jüdischen Gelehrten ausgeführt werden. Zu diesem Zwecke wird wohl der Verein der „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums", von der er sich eine Erfüllung seiner Wünsche verspricht, in corpore beitreten. 8. Berlin, 7. Juni. Die Judenmission feierte in dieser Woche ihr Jahresfest. Prediger Herzka aus Posen hielt die Festpredigt, k. Bieling erstattete den Bericht. Jur Tausunterricht standen 50 Personen; seit der Erstattung des Berichts sind davon 27 getauft worden! Unter den 14 Männern sind ihrem Berufe nach 5 Kaufleute, 3 Handwerker, 2 Bankbeamte, 1 Regierungsbaumeister, 1 stud. med., 1 Schneider. Unter den Frauen befinden sich 1 Schriftstellerin, 1 Seminaristin, 1 Verkäuferin, 1 Hausmädchen und 2 Künstlerinnen, 7 sind ohne besonderen Beruf. Der Kassenabschluß ist nicht günstig, wird auch nicht veröffentlicht. Erwähnt sei noch aus „der Arbeit" in Wien, die dort begreiflicherweise besonders schwierig ist, daß Missionar Löwen zum erstenmal zwei jüdische Taufbewerber unterrichtet hat, von denen der eine bereits getauft ist. In Wien ist der Unterricht für Juden in der evangelischen Kirche fast unbekannt. „An die dortigen Juden heranzukommen, ist auch besonders schwierig," so lautet der offizielle Bericht traurig wörtlich. a. Memel, 4. Juni. Der Rechenschaftsbericht des hiesigen Jüdischen Krankenhauses für 1903 konstatiert einen -stetig zunehmenden Krankenbestand, während die Beiträge leider stark im Rückgänge begriffen waren. Die Anzahl der im verflossenen Jahre aufgenommenen Kranken betrug 140 Personen, 60 männliche und 80 weibliche Individuen. Wie immer entstammten die Kranken zumeist dem benachbarten Rußland oder waren Rückwanderer dorthin, die auf der Durchreise erkrankt waren. Die Zahl der' Verpflegungstage belief sich auf 3569, so daß im Durchschnitt aus jeden Kranken 25,5 Verpflegungstage entfallen. Die Kosten der Verpflegung beliefen sich einschließlich des gesamten Personals auf 86,5 Pfennig pro Tag , und Kops. An Mitgliedsbeiträgen hat der Verein 5312,89 Mark eingenommen (gegen 10 957,41 Mark im Jahre 1900). Der Rechnungsabschluß. balänziert mit 74 751,72 Mark. Es ist dringend zu wünschen, daß weitere Kreise zur Festigung dieser großen Segen verbreitenden und geradezu unentbehrlichen Anstalt, zur Erhaltung des schon seit Jahren zum Heile unserer kranken armen russischen Brüder wirkenden . jüdischen Krankenhauses zu Memel beitragen wollten. Das Kuratorium besteht aus den Herren: S. Ch. Bernstein, Rabbiner Dr. Em. Carlebach, Max Cohn, Dr. med. Pindikowski, Landgerichtsrat Wechselmann. Posen, 6. Juni. Die Kantoren der Gemeinde Posen richten folgenden Aufruf an alle Kantoren und Kultusbeamten der Provinz: „Bei der letzten Generalversammlung des Vereins „Hilfskasse für israelitische Kultusbeamte und deren Witwen und -Waisen in Deutschland" war einer der Unterzeichneten Kantoren zugegen und machte dem Vorstande den Vorschlag, allen Kantoren und Kultusbeamten den Beitritt zu dem Vereine als ordentliche Mitglieder zu gewähren. Damals konnte jedoch der Vorstand diesen Vorschlag aus ganz besonderen Gründen noch nicht annehmen. Es ist dem Referenten eine Statutenveründerung nach dieser Richtung hin in Aussicht gestellt worden. Die Kantoren Posens haben nun beschlossen, einen Zweigverein zu gründen. Zu diesem Zwecke bitten wir sämtliche Kollegen hoflichst, schriftliche Beitrittserklärungen an uns zu Händen des Herrn Oberkantors S. Oswald, Breitestraße 9 zu senden. Wir geben uns der angenehmen Hoffnung hin, daß recht viele Beitrittserklärungen eingehen werden, damit wir uns in die Lage versetzt sehen, eine Generalversammlung behufs Besprechung anberaumen zu können. i. Bochum, 2. Juni. Die Generalversammlung des Zentral- Armenverbandes rheinisch-westfälischer Synagogen - gemeinden fand hier statt und war von Delegierten der Synagogengemeinden folgender Städte besucht: Bochum, Dortmund, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Hagen, Hoerde, Iserlohn, Mühlheim a. d. Ruhr, Steele, Ruhrort, Wattenscheid und Witten. Die Versammlung nahm nach den einleitenden Worten des Vorsitzenden H. Schüler-Bochum den Bericht entgegen, . wonach im ganzen 1470 Personen 1287 Männer, 114 Frauen, 69 Kinder Unterstützung von 3655 Mark von 1529 Personen mit 3788 Mark Unterstützung im vorigen Jahre erhielten. Die Ausgaben betrugen im ganzen 4295,88 Mark. Bochum wurde als Vorort wiedergewählt. Zu Revisoren wurden die Herren Liebenfeld und Blumenthal von neuem gewählt. Für die Verwaltung des Pflegeamtes wurden dem Vorstande der Gemeinde Bochum zur Bestellung eines Pflegers und Rendanten 400 Mark bewilligt. Für die vorzügliche Geschäftsleitung wurde dem Vorstand der Dank der Versammlung ausgesprochen. m. Bom Rhein, im Mai. In Jüchen, Kreis Grevenbroich, wurde kürzlich Herr Rentmeister Oberländer, ein Glaubensgenosse, pensioniert, wie Sie bereits kürz gemeldet haben. Aus diesem Anlasse fand eine Abschiedsfeier statt, die Zeugnis ablegte, welcher Beliebtheit und Hochachtung sich Herr Oberländer erfreute. — Leider ist uns Juden nur selten die Gelegenheit geboten, den Beweis zu liefern, daß wir als staatliche wie kommunale Beamten in nichts den anderen ' Beamten nachstehen. So ist in Viersen, einer Stadt von 27000 Einwohnern, unser Glaubensgenosse, Herr Nathan, als Standesbeamter angestellt und erfreut sich bei seinen Vorgesetzten, Kollegen, wie auch bei den Bürgern allgemeiner Achtung. Es hat noch kein Andersgläubiger Anstoß daran genommen, daß in der Ziviltrauungein Jude die Funktionen vornahm. — Am Rüsttage zum Wochenfeste wurden in München-Gladbach die sterblichen Ueberreste des sel. Abraham Wallerstein zu Grabe gebracht. Bis zu seiner vor 12 Jahren erfolgten Pensionierung war er Hauptlehrer an der jüdischen Volksschule in Krefeld. Er war eine freundliche, sympathische Persönlichkeit, die warme echt jü dische Gemütlichkeit überall verbreitete, wo sie erschien. Sein lauterer Charakter war geschmückt mit goldigem Humor, mit einer wahren Frömmigkeit. Am Grabe gab sein Schwiegersohn, Lehrer Rosenbusch (M.-Gladbach), bei dem er seinen