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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-06-03 · Heft 23 (3.6.1904) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 23 (3.6.1904)
Date
1904-06-03
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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darstellung einer heiligen Lade und eines Almemors, Paroches Thorarollen, Wimpeln, Thoramäntel und Aussätze, in großer Auswahl Thorakronen, Schilde und Zeiger, Altarleuchter, Kidduschbecher und Tafeln, zahlreiche Besomimbüchsen, Esrogdose, Schofars, Kanne und Handtuch für die Priester, Megilloth, handschriftliche Gebetbücher, Gebetbucheinbände, Mesusotky Sabbat- und Sederschüsseln, zahlreiche Chanukalampen, Amulette, Beschneidungsgegenstände, Ketuba, Brautschleier. Almosenteller, Medaillen, Bilder usw. Dubletten sind nicht ausgenommen; auch da, wo Gegenstände in mehreren Exemplaren vertreten sind — z. B. 10 Thoraschilde, 10 Thorazeiger, — sind nur solche Stücke eingereiht, die sich in der Ausführung charakteristisch von einander unterscheiden. Aus der Fülle derselben ragen eine ganze Anzahl von besonderem Kunstwert hervor, z. B. Wimpeln aus der Mitte des 18. Jahrhunderts mit vortrefflichen Seidenstickereien, Thorakronen und Thoraschilde in den eigenartigsten Formen und Größen, Thorazeiger aus verschiedenartigem Metall und Gestein, künstlerisch schöne Chanukahleuchter, alte Sabbat- und Sederschüsseln aus graviertem Zinn oder aus bemalter Majolika, zwei kostbare Megilloth italienischer Arbeit, die eine mit Malereien, die andere mit Federzeichnungen geschmückt. Ganz besonders treffliche Filigranarbeiten finden sich in fast allen Rubriken. Herr Gieldzinski hat sich durch seine Sammlung ein bleibendes Verdienst um die jüdische Kunst erworben; möge es ihm vergönnt sein, seine Stiftung, wie er es beabsichtigt, noch weiter vergrößern und ausbauen zu dürfen. d. Licgnitz, 17. Mai. Am 12. d. Mts. wurde Herr I. Stahl, eines der ältesten. Mitglieder unserer Gemeinde, im 88. Lebensjahre zur ewigen Ruhe bestattet. In ihm ist ein Mann dahingegangen, dessen Name infolge seines langjährigen und uneigennützigen Wirkens zum Wohle der Gemeinde hierorts unvergeßlich sein wird. Im Besitze eines tiefen religiösen Wissens hat er während seiner 40 jährigen Zugehörigkeit zum Gemeinde-Vorstände es verstanden, den Gottesdienst zu einem würdigen und der Zeit entsprechenden zu gestalten und dabei ebenso gewissenhafte Mitarbeit in der Verwaltung der Gemeindeangelegenheiten geleistet. Ueberaus bescheiden und anspruchslos, war er bis zu seinem Ende geistig frisch und rege und wirkte bald belehrend, bald mit seinem von Witz sprühenden Geiste erheiternd. Allgemeine Liebe gewann er durch seinen edlen Charakter und seine Herzensgüte. Er gehörte jeder wohltätigen Institution an und übte außerdem private Wohltätigkeit in reichstem Maße und edelster Weise ohne Rücksicht aus die religiöse Zugehörigkeit des Bedürftigen. — Ehre seinem Andenken! i. Leipzig, 26. Mai. Der neunte Verbandstag des Verbandes der Tierschutz-Vereine des deutschen Reichs hat gestern einen Antrag des Vereins zu Hilchenbach beraten, bei der Reichsregierung wegen obligatorischer Einführung der Betäubung aller Schlachttiere vor der Blutentziehung, die einem Verbot des Schächtens gleichkommen würde, vorstellig zu werden. Da der Verbandstag in Leipzig stattfand und deshalb die sächsischen Vertreter die Mehrheit bilden, war die Annahme des Antrages um so ernsthafter zu befürchten. Es ist darum mit Befriedigung zu begrüßen, daß der Antrag trotz der eindringlichen Begründung des Referenten, Herrn C. Krämer- Hilchenbach, nach sehr lebhafter Debatte abgelehnt worden ist. Wenn zugleich beschlossen wurde, denselben dem nächsten Verbandstage vorzulegen, so bedeutet das nur ein Begräbnis erster Klasse. o. Hannover, J5. Mai. In der letzten Sitzung des Repräsentanten-Kollegiums brachte ein Mitglied eine Interpellation ein, in der darauf hingewiesen wurde, daß der Name sowie der Ausnahmepassus in den Statuten (Dieselben lauten: „§ 1. Der Verein führt den Namen „Jüdische Turnerschast Hannover". Der Zweck der Turnerschast ist, durch regelmäßige Turnübungen im Kreise ihrer Mitglieder die allseitige Ausbildung des Körpers zu erstreben, sowie die Ausbreitung des Turnens unter der jüdischen Jugend zu fördern, dadurch geistige und sittliche Bildung zu heben, und vaterländischen Sinn zu pflegen. § 2. Mitglied kann jeder unbescholtene Jude werden.") der hier nengebildeten „Jüdischen Turnerschast" die schwerwiegendsten Folgen für alle jüdischen Turner Deutschlands nach sich ziehen könnten. Demgemäß beantragte der - Interpellant, das Repräsentantenkollegium möchte gegen den Verein Stellung nehmen. Der Vorsteher der Synago gengemeinde Dr., Hirsch erklärte, das Kollegium sei nicht befugt, über den Gegenstand der Interpellation zu diskutieren, noch weniger aber dürfe es gegen den Turnverein auftreten. Dieser Auffassung trat der erste Vorsitzende des Reprüsentantenkollegiums, Senator Fischer, entgegen und betonte ebenfalls die Gefährlichkeit einer jüdischen Turnerschast für die Gesarntjudenheit Deutschlands. Darauf trat man in die Diskussion ein. Rechtsanwalt Dr. Wolfes erklärte sich mit großer Entschiedenheit gegen einen solchen Verein und bat die Versammelten, dagegen auszutreten. Nachdem die jüdischen Turner von anderer Seite verteidigt wurden, nahm das Kollegium schließlich folgenden Beschluß an: „Das Nepräsentantenkollegium der jüdischen Gemeinde Hannover mißbilligt den Namen und den Aufnahmeparagraphen des neuen Vereins „Jüdische'Turnerschast Hannover". Das Repräsentantenkollegium wird sich mit dem Turnrat. in Verbindung setzen zwecks Aendernng der obengenannten Paragraphen." Dr. Hirsch gab ' daraus zu Protokoll, daß er das Nepräsentantenkollegium nicht für befugt halten einen solchen Beschluß zu fassen. o. Bielefeld, 19. Mai. Gestern vormittag versammelten sich zahlreiche Mitglieder der israelitischen Gemeinde auf dem für die Synagoge bestimmten Platz in der Turnerstraße, um der Feier der Grundsteinlegung beizuwohnen. Die Feier wurde mit dem vom städtischen Orchester unter Leitung des Herrn Königlichen Musikdirektors Ochs vorgetragenen Choral: „Die Himmel rühmen des ewigen Ehre" eröffnet. Danach hielt Rabbiner Dr. Coblenz eine sehr tief durchdachte Rede, der er das Textwort aus dem dritten Buch Mose zugrunde legte: „Sie sollen mir ein Heiligtum bauen, auf daß ich in ihrer Mitte wohne." Dieser Rede folgte ein Gesang. Hieran schloß sich die Ansprache des Vorsitzenden des Vorstandes und des Bauausschusses Moritz Katzenstein und die Verlesung der Urkunde. Der heutige Tag kennzeichnet einen bedeutsamen Abschnitt in der Geschichte der Synagogengemeinde Bielefeld. Die ältesten Mitteilungen der Akten, welche das Vorhandensein jüdischer Familien in Bielefeld ausweisen, reichen nur bis zum Jahre 1750 zurück, indes sollen nach Angaben, die dem Archiv in Münster entstammen, schon im 13. Jahrhundert einzelne jüdische Familien in Bielefeld gelebt haben. Die israelitische Gemeinde hat sich nach den Ausführungen des Redners stetig vergrößert, sodaß mehrmalige Umbauten und Vergrößerungen der Synagoge notwendig wurden. Da das seitherige Gebäude schon seit Jahren nicht mehr ausreichte, entschloß man sich zu einem Neubau, zu dem die Gemeindevertretung im vorigen Jahre 250000 Mk. bewilligte. Die Synagoge wird 800 Plätze erhalten, und somit hinreichend Raum schaffen, um dem religiösen Bedürfnisse auf Jahrzehnte hinaus zu genügen. Er schloß mit dem Wunsche, daß der neue Bau eine Zierde der Stadt und das Symbol der innerlich und äußerlich starken Gemeinde sein möge. Nachdem die Urkunde verlesen und in der Urne geborgen war, erfolgte das Vermauern des Grundsteines, auf welchem die üblichen Hammerschläge ausgesührt wurden. Mit Gesang, Gebet und Musik endete der feierliche Akt. ’ Hieran anschließend wurde in der „Eintracht" das Frühstück eingenommen, an dem der Vorstand, die Repräsentanten und verschiedene Ehrengäste teilnahmen. Während *der Tafel wurden der Bedeutung des Tages entsprechend mehrere Tischreden gehalten. Oesterreich-Ungarn. CU Wien, 30. Mai. Wie ich Ihnen schon berichtete, ist der Magistratssekretär Demel wegen beleidigender Aeußerungen, die er in der Spiritusausstellung gegen die Juden im allgemeinen und speziell gegen den Kaufmann Löbl, der ihn zurechtwies, ausgestoßen hatte, zu 48 Stunden Arrest verurteilt worden. Demel hatte gegen Löbl Widerklage erhoben, weil dieser ihn einen „antisemitischen Lumpen" genannt hatte. Das Gericht.verurteilte Löbl zu 100 Kronen Geldstrafe. Das Gremium der Wiener Kaufmannschaft hat an die Stadtverwaltung die Aufforderung gerichtet, Demel seiner Funktion als Kommissär im Gremium zu entheben. — Aus Delatyn wird über eine große Brandkatastrophe geschrieben: Dem Brande ist fast die Hälfte des Städtchens zum Opfer gefallen. Sämtliche Kaufläden im Zentrum der Stadt mit den angehäuften Warenvorräten sind eingeäschert. 380 Familien und etwa 2000 Personen sind obdach- und brotlos. Das Elend der Abbrändler ist so ungeheuer, daß, wenn ausreichende Hilfe nicht erfolgen wird, sie alle dem Hunger preisgegeben sind. Auch der Verlust eines Menschenlebens ist zu beklagen..

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