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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-06-03 · Heft 23 (3.6.1904) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 23 (3.6.1904)
Date
1904-06-03
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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treterinnen jüdischer Frauenvereine und. sich dafür interessierende jüdische Frauen willkommen sind. -/V Berlin, 29. Mai. Von den „Mitteilungen vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde" ist soeben Nr..62 erschienen. Au der Spitze steht folgende Mitteilung: Verschiedene , Umstände, vor allem die zeitraubende Erledigung der Beschlüsse der letzten Tagung, haben den Ausschuß verhindert, schon in diesem Jahre einen neuen Gemeindetag abzuhalten. Da wir hoffen, daß dieses Hindernis im nächsten Jahre beseitigt sein wird, hat der Ausschuß beschlossen, den X. Deutsch-Israelitischen Gemeindetag für die Osterzeit 1905, und zwar voraussichtlich nach Frankfurt a. M. einzuberufen. Bereits befindet sich eine liebenswürdige Einladung seitens dieser Gemeinde in unseren Händen. Als Beratungsgegenstände hat der Ausschuß einstweilen in Aussicht genommen: die Frage des Religionsunterrichts und des jüdischen Handwerks, die Beschlußfassung wegen eines Gesamtarchivs der jüdischen Gemeinden Deutschlands und der Einführung aus freiwilliger Organisation beruhender Bezirksrabbinate, Fürsorge für geistesschwache Kinder, sowie Satzungsänderungen formaler Natur. Der Ausschuß hofft auch, daß bis zum genannten Zeitpunkt ein wichtiger Teil der von Herrn Geheimen Hofrat Professor Dr. Rosin in Freiburg i. B. übernommenen Ausarbeitung eines deutschen bezw. preußischen Judengesetzes vorliegen wird, so daß er als Grundlage für eine Beratung dieses höchst wichtigen Gegenstandes dienen könnte. — Die Nummer enthält außerdem noch folgende Artikel: Allgemeines Archiv der deutschen Juden. — Friedrich-Wilhelm-Viktoria-Stistung: Aufgeben und Beleihen von Policen. — Fortbildungskurse für Kantoren. — Petitionen betr. den Religionsunterricht. — Personalia. — Kleine Mitteilungen. — Erhöhung der Jahresbeiträge. — Kassenrevision. — Vermögen des Gemeindebundes. — Rechnungsbericht für 1908/04. — Einnahmen und Ausgaben der Stiftungen. — Bemerkungen zum Rechnungsbericht.— Kassenbericht für 1908 der Deutsch-Israelitischen Darlehnskasse für Frauen und Jungfrauen in Leipzig. — Kassenbericht für 1903 des Moses Mendelssohn-Stifts in Dessau. — Zum D.-J. G.-B. gehörige staatliche und freiwillige Gemeindeverbände. — Bundesgemeinden. — Stiftergemeinden. — Persönliche Mitglieder. — Beamte des Gemeindebundes. — Von den einzelnen Mitteilungen dürften die folgenden besonderes Interesse in Anspruch nehmen. „Am 29. Dezember v. I. ist dem Herrn Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten eine Petition unseres Ausschusses eingereicht worden, in der die Durchführung des jüdischen Religionsunterrichts durch alle Klassen der höheren Lehranstalten und die Erteilung einer Note in das Abiturienteuzeugnis erbeten wird. Am 26. Januar folgte eine zweite Petition an denselben Herrn Minister betr. das den jüdischen Gemeinden zu erteilende Aufsichtsrecht über den jüdischen Religionsunterricht an öffentlichen Schulen. Eine Bescheidung der beiden Gesuche liegt zurzeit noch nicht vor. Doch wissen wir, daß sie von der hohen Behörde in wohlwollende Erwägung gezogen sind." — Am 11. April d. I. hat unter der bewährten Leitung der Herren Musikdirektor William Wolf und Hauptkantor A. Friedmann der diesjährige Fortbildungskursus für Kantoren begonnen und dauert bis zu Beginn der Sommerferien im Juli. Es beteiligen sich acht Herren, die den gestellten Vorbedingungen entsprechen. — Das Kuratorium der Baronin von Cohn-Oppenheim-Stiftung der israelitischen Kultusgemeinde zu Dessau hat dem D.-J. G.-B. für das Kalenderjahr 1904 eine Zuwendung von 1000 Mark gemacht. Außerdem stellt das Kuratorium einen Jahresbeitrag von 300 Mark für das zu begründende „Gesamtarchiv" zur Verfügung. — Eine vom Bureau des D.-J. G.-B. bearbeitete Denkschrift unter dem Titel: Was ist, .will und leistet der Deutsch-Israelitische Gemeindebund? stellt sich die Aufgabe, ein übersichtliches Bild des vielverzweigten Arbeitsgebiets des Bundes zu geben. s. Berlin, 29. Mai. Der Liberale Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde versendet soeben Heft 19 seiner Mitteilungen. Zur Kennzeichnung der reaktionären Bestrebungen der neuorthodoxen Partei innerhalb unserer Gemeinde werden noch einmal die Gutachten der hiesigen Rabbiner betreffs Einführung einer Orgel in der Synagoge Rykestraße in vollem Wortlaut veröffentlicht. In einem zweiten Artikel wird der Liberalismus in Synagoge und Schule behandelt und dargelegt, wie von ihm j allein die MögUchteit zu erwarten steht, das Berliner Judentum auf seiner Höhe zu erhalten, es.vor Stagnation und Entartung zu bewahren. Voraus geht ein Aufruf an alle Gemeindemitglieder, den leidigen Jndifferentismus aufzugeben und zum Kampfe für die liberalen Ideen, zur Abwehr der rückschrittlichen Bestrebungen sich zusammenzuschließen und bei den im Herbst stattfindenden Neuwahlen zur Repräsentantenversammlung tatkräftig mitzuwirken. — Berlin, 29. Mai. In dem Hause Gipsstraße Nr. 3, das im Zentrum Berlins und doch abseits von dem geräuschvollen Großstadtleben liegt, hat der Verein „ErsterJsraelitischer Volkskindergarten und Kinderhort" ein eigenes Heim errichtet, das heute in Gegenwart der Ehrendamen, Stifter, Gönner und Freunde von Herrn Rabbiner Dr. Blumenthal eingeweiht und feiner Bestimmung übergeben wurde.. Als Einleitung zu der erhebenden Feier sang ein gemischter Chor das von Lewandowski komponierte Gebet: „Wie schön sind deine Zelte, Jakob", worauf die Weih- und Festrede folgte. Mit zu Herzen gehenden Worten pries der Geistliche die Gnade Gottes, der allein das Gelingen dieses humanen Werkes zuzuschreiben sei, und wies auf die hohen Ziele hin, die der Verein seit seinem Bestehen verfolgt und nunmehr zu erweitern beabsichtigt. So sollen die der Obhut des Vereins anvertrauten Kleinen von nun ab nicht bloß durch Spiel und Gesang unterhalten, sondern auch in Gartenbau und Handfertigkeit unterrichtet und in echt jüdischem Sinne für daS spätere Leben erzogen werden. Mit Bezugnahme aus die Worte des Psalmisten: „Aus dem Munde der Kinder und Säuglinge ist Gottes Macht zu vernehmen" hob der Festredner das Verdienstvolle dieses zur Ausgleichung der sozialen Gegensätze begründeten Instituts hervor und flehte Gottes Segen auf all' die Männer und Frauen herab, die in so uneigennütziger Weise ihre Zeit und Kraft in den Dienst dieser Bestrebung stellten und stellen. Alsdann begrüßte Herr Louis Rosenbaum Namens des Vorstandes die zahlreich Erschienenen und dankte einem ungenannt sein wollenden Wohltäter für seine hochherzige Spende, zur Erwerbung des Grundstückes (der Name des betreffenden ist, wie uns später mitgeteilt wurde, Justizrat Rosenheim) sowie Herrn Maurermeister Weile und allen anderen Wohltätern, die in wahrhaft humaner Weise zum Gelingen des Werkes beigetragen haben. Mit besonders warmen Worten gedachte er des Herrn Hermann Abraham als eigentlichen Begründer des Israelitischen Volkskindergartens. Leider sei er durch den ihm zugestvßenen Zufall verhindert, der heutigen Feier beizuwohnen, aber er habe sein Interesse auch für' das neue Heim durch Ueberweisung einer namhaften Spende bekundet. Das Andenken des verstorbenen Sanitätsrats Ehrenhaus, der ein treuer Freund der Bestrebungen dieses Vereins war, ehrte die Versammlung durch Erheben von den Sitzen. Den Beschluß der nach jeder Richtung erhebenden Feier bildete der vom Chor meisterhaft vorgetragene Psalm: Gott gedenke unser, segne, segne/ das Haus Israel. — Danzig, 29. Mai. Der Katalog der in der Neuen Synagoge aufgestellten alten jüdischen Kunstgegenstünde — Gieldzinski- Stiftung — ist nunmehr erschienen und bietet eine von sachverständigen Händen ausgearbeitete, treffliche Beschreibung der einzelnen Ritualien. Die Sammlung umfaßt augenblicklich 827 Nummern und entstammt fast gänzlich der berühmten großen Kunstsammlung des Herrn Lesser Gieldzinski, die mit Recht alseine der Hauptsehenswürdigkeiten „des nordischen Venedig" gilt und z. B. auch von Ihrer Majestät der Kaiserin regelmäßig bei ihrem Hiersein mit großem Interesse besichtigt wird. Einer glücklichen Anregung folgend sonderte Herr Gieldzinski die jüdischen Kunstgegenstände, die er während seiner langen Lebenszeit in aller Herren Länder gesammelt hatte, aus den übrigen Kunstschätzen aus und überwies sie anfangs dieses Jahres an seinem 75. Geburtstage der hiesigen Synagogengemeinde. Diese wandelte eine Seitenkapelle des herrlichen Tempelgebäudes zu einem würdigen und passenden Aufnahmeraum um und ließ daselbst. die Sammlung dem Wunsche des Stifters entsprechend zur ständigen öffentlichen Besichtigung aufstellen. Die kleineren und kostbareren Gegenstände sind in eigens konstruierten Glasschränken untergebracht, die größeren frei aufgestellt; alle sind zusammenhängend, geordnet und mit Nummern versehen, so daß die Orientierung eine sehr -leichte ist. Der Katalog gibt außerdem noch eine eingehende Beschreibung jedes einzelnen Stückes. Die Sammlung umfaßt danach Miniatur-

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