Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 23 (3.6.1904)
- Date
- 1904-06-03
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 denn der Gastwirt Chain: Bittmann wurde im Keller seines Hauseswo er seine Habseligkeiten retten -wollte, durch den Rauch erstickt. Die Brandkatastrophe hat am meisten die jüdische Bevölkerung geschädigt, denn der abgebrannte Stadtteil war fast ausschließlich von Juden bewohnt. Der Brand zerstörte auch die Kanzlei des Landesadvokaten Dr. Andermann, der nur mit schwerer Mühe die Kanzlciakten zu retten vermochte. Bei den: großen Elend und der allgemeinen Not ist die Hoffnung der ganzen Bevölkerung darauf gerichtet, daß man sich ihrer auch außerhalb Galiziens erbarme- und ihr Hilfe und Rettung zu teil werden lasse. — Eine besondere Auszeichnung wurde dem Universitüts-Skriptor Dr. Frankfurter zu teil, der vom Kaiser bei Gelegenheit der Eröffnung des Carnuntum-Museums durch eine huldvolle Aeußerung geehrt wurde, die sich aus die Autorschaft Frankfurters als Verfasser des Carnuntum- Führers bezog. Portugal. H. Lissabon, 19. Mai. Gestern Abend wurde hier die neue Synagoge unter Leitung des Großrabbiners von Gibraltar feierlich eingeweiht. Der Bau des Gotteshauses ist insofern von historischer Bedeutung, als es die erste Synagoge seit der Vertreibung der Juden aus Portugal im Jahre 1495 ist. Die hiesigen Juden sind überwiegend in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts aus Marokko, Gibraltar und den Azoren eingewandert und nehmen zum größeren Teile geachtete Stellungen hier ein. Die Kosten der Synagoge wurde durch Sammlungen unter den Israeliten Lissabons, Gibraltars, Marokkos und Englands in verhältnismäßig kurzer Zeit aufgebracht. (Wir erinnern uns, daß vor einigen Jahren schon die Notiz durch die Blätter ging, daß in Lissabon eine Synagoge, die die- Aufschrift trug: Schaare Ha-tikwah, eröffnet wurde. Damit verstehen wir obige Mitteilung nicht in Einklang zu bringen und wir würden dem Einsender derselben für eine Aufklärung dankbar sein. Die Red.) Suszland. L. T. Moskau, 30.. Mai. Am 12./25. d. M. starb hier im hohen Alter von 83 Jahren der bekannte Philantrop Wolf I. Wysotzki. Sein großes Teegeschäft besteht seit einer Reihe von Jahren in der alten Zarenstadt und hat Filialen in vielen Städten des russischen Reiches; es hatte in der letzten Zeit einen.jährlichen Umsatz von mehr als sechs Millionen Rubel. Mit der Entwicklung des Geschäftes vergrößerte sich das Kontingent der Angestellten, auch beschäftigte dasselbe eine große Anzahl von Arbeitern. Es hat große Handelsbeziehungen mit dem fernen Osten und mit China. Der Verewigte war außerordentlich wohltätig. Er tat sehr viel zugunsten seiner armen Glaubensgenossen. Der Kolonisation seiner Mitbrüder in ihrer alten Heimat, in Syrien und Palästina, herzlich Erfolg wünschend, und trotz seines hohen Alters und seiner großen Unternehmungen, ging er persönlich nach Palästina, um an Ort und. Stelle mit den Bedingungen der Kolonisation sich bekannt zu machen, und hierauf etablierte er dort aus seine Unkosten einige. intelligente jüdische Familien aus Rußland als erste Pioniere. Aus seinen Mitteln wurden viele Bildungsanstalten in Rußland erhalten; zu gunsten vieler wohltätiger Institute deponierte er in der Reichsbank bedeutende Summen auf ewige Zeiten. Auf seine Rechnung wird eine Klasse in der jüdischen Schule zu Jaffa erhalten, und die wissenschaftliche Zeitschrift „Haschiloach" in hebräischer Sprache in Rußland wurde ebenfalls auf seine Unkosten herausgegeben. Er spendete viel zu der „Alliance israelile universelle“ für Volks- und höhere Bildung der Juden. Vor 3 Jahren schenkte er einen Betrag von 60000 Rubel zum Bau eines Hauses für eine Handwerkerschule in Bialystok. Der Heimgegangene versagte niemals jemandem, der sich an ihn um Unterstützung wendete. Er ließ ein bedeutendes Vermögen und eine ziemlich große Familie zurück. — Friede seiner Asche! Ehre seinem Andenken! Von Rah und ssern. ----- Zum Oberlehrer am Lessing-Gymnasium ist der Lehrer Dr. Siegfried Jaffe und zum Oberlehrer an der 13. städtischen Realschule der wissenschaftliche Lehrer Dr. Victor Lowinsky ernannt worden. — In Johannisburg i. O. feierte der allgemein beliebte Vorsteher der Chewra Kadischa, Herr M. Borchardt, mit feiner Gattin am 3. d. M. unter allgemeiner Teilnahme von Stadt und Gemeinde sein 50jähriges Ehejubiläum. Deputationen des Magistrats, der Stadtverordneten, des Gemeindevorstandes, der Chewra brachten ihre Glückwünsche dar. Möge dem frommen und wohltätigen Paare noch ein langer und heiterer Lebensabend beschieden fein! — Eine Aufschrift, die das allgemeine Aufsehen erregt, hat der Gutsvorftand der königlichen Domäne Julienfelde bei Wissek uuf großen Holztafeln am Anfänge der zum Dominium führenden Wege anbringen lassen. Dieselbe lautet: „Handelsjuden, Reisenden rc. ist der Zutritt zu dem Hofe bei Strafe verboten. Der Gutsvorstand." — In der letzten Sitzung des Preisgerichts für die Erbauung einerneuen Synagoge in Posen wurde das Projekt der Architekten Cremer & Wolffenstein, nach welchem die Synagoge nunmehr zur Ausführung kommen wird, prämiiert. — Der unlängst verstorbene Rentier Josef Gotthelf vermachte der Stadt Breslau 300000 M., der Synagogengemeinde 200000 M. zum Bau billiger Wohnungen für Arme, sowie 100 000 M. zu Stipendien für arme Studierende. — Seitens der Gemeinde Dresden wurde den Gemeinden des Königreichs Sachsen der Vorschlag zur Gründung eines Gemeindeverbandes unterbreitet. Die meisten sächsischen Gemeinden stehen diesen: Plane durchaus sympathisch gegenüber und haben demgemäß auch ihr Votum abgegeben. — Dr. Leopold Stein von der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums ist zum Religionslehrer und stellvertretenden Rabbiner der israelitischen Religionsgemeinde Dresden gewühlt worden. — Das neu erbaute, herrlich an der Nordsee gelegene jüdische Kinderhospiz in Duhnen bei Kuxhaven wird nunmehr seiner Bestimmung übergeben werden. Das Hospiz bietet Raun: für 130 Kinder, entspricht allen hygienischen Anforderungen und steht unter erfahrener Leitung und ärztlicher Aufsicht. — Am 17. d. M. feierten Dr. S. Apfel und seine Gattin Rahel, geb. Bürger in Köln ihre Silberhochzeit. Weite Kreise in und außerhalb Kölns nahmen den wärmsten Anteil an diesem schönen Familienfeste eines Paares, das durch seinen religiösen Sinn, durch seine Teilnahnie an allen jüdischen und allgemeinen humanen Bestrebungen, durch seine geistige Regsamkeit aller Liebe und Achtung gewonnen hat. Möge diesem edlen Paare noch viel Glück auf seinen ferneren Lebenspfaden immerdar erblühen! — Kommerzienrat Berolzheimer spendete seiner Vaterstadt Fürth gemeinsam mit seinen in Newyork lebenden Söhnen 160 000 Mark zur Errichtung eines Volksbildungsheims. — Die Stadtvertretung in Haigerloch (Hohenzollern) hat beschlossen, die jüdische Schule auf den Gemeindeetat zu übernehmen, wie dies seit dem 1. April d. I. auch mit der evangelischen Schule der Fall ist. — Am 25. Mai d. I. feierten in Berlin Professor Rabbiner Simonsen und Frau aus Kopenhagen das Fest ihrer silbernen Hochzeit. — Der französische Staat hat das im „Salon" ausgestellte Gemälde von Felix Borchardt aus Berlin: Bildnis eines deutschen Herrn im Jagdanzug für das Luxemburg-Museum angekauft. Dies ist seit Jahren wieder die erste Erwerbung eines deutscher: Werkes durch die französische Regierung. — Nach der „Fr. Ztg." hat ein aus reichen englischen Juden bestehendes Komitee 5 Millionen Mark zusammengebracht,-um im Bezirke Enfield für die armen Eingewanderten gesunde Wohnhänser und Werkstätten zu erbauen. Man will hier zunächst für 1000 Familien Platz schaffen, dann aber auch in andere Stadtteile gehen und.mit einem Aufwand von insgesamt 20 Millionen Mark den Juden des Ostends menschenwürdige Unterkunft schaffen. — Der Minister des Innern, Plehwe, brachte im Reichsrat ein Gesetz ein, welches den Juden das bisher verbotene Wohnrecht auch innerhalb der 50-Kilometerzone an sämtlichen russischen Reichsgrenzen gestattet. — Der Generalgouverueur von Kiew, General Kleigels, hat durch eine Verfügung den Einwohnern in den Städten und Städtchen des Südwestgebietes das Tragen von allen Arten von Waffen und Messern strenge verboten. Diese Verfügung bezieht sich auf die Juden, welche aus Furcht vor Judenexzessen sich mit Waffen versehen, um im Notfälle sich verteidigen zu können. — Der Vorsitzende des Vereins zur Verbreitung von Bildung unter den Juden in Rußland erhielt die offizielle Mitteilung, daß Juden, welche Handelsschulen absolviert haben, unbeschränktes Wohnrecht im ganzen Reiche eingerähmt werden soll. — Der Stadtrat von Odessa beschloß, sich bei der Regierung zu verwenden, damit die Juden im Gemeinderat nach Maßgabe ihrer Zahl vertreten werden.