Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 23 (3.6.1904)
- Date
- 1904-06-03
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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68. Jahrgang. No. 23. > Berlin, 3. Juni 1904. Veilsge zur „Allgemeinen Leitung de§ Judentums". Lorrrkpondenzm und Kachrichtm. Deutschland. 8. Berlin, 20. Mai. Zum geschäftlichen Teile der heutigen Repräsentanten-Versammlung lag ein Schreiben der vereinigten Schochare-Hatob und B'ne Brith-Gemeinde vor/worin diese sich über die sie kompromittierenden Berichte aus der vorigen Repräsentanten- Versammlung beschwert und ein authentisches Protokoll der Sitzung verlangt. Diesem Ersuchen konnte nicht entsprochen werden, weil gar kein ausführliches Protokoll gesührt wird. Der Vorsitzende, Geheimrat Blumenthal, erklärte jedoch auch das Ersuchen sür ungewöhnlich Und fügte hinzu, daß die Zeitungen die in der Sitzung gegebenen Tatsachen vollständig korrekt wiedergegeben hätten; im übrigen sei ja auch die Versammlung nicht für die Zeitungsberichte verantwortlich. Vor Eintritt in die Tagesordnung beklagt noch Geheimrat Blumenthal, daß der Gemeindevorstand zu der Sitzung des heute tagenden Ausschusses des „Verbandes der deutschen Juden" keinen Delegierten entsandt habe. Gemeindeshndikus Lilienthal erwidert, daß dem Vorstand über die heutige Sitzung des Ausschusses nichts bekannt sei: der Vorstand könne sich auch noch gar nicht an den Vorarbeiten beteiligen, da noch kein Beschluß über die Mitarbeit au den Geschäften des Verbandes vorliege. — Eine Zuwendung der Frau Franziska Ginsberg geb. Sachs an das Krankenhaus im Betrage von 3000 Mark wurde genehmigt; die Stiftung hat bereits über ein Kapital von 25 000 Mark zu verfügen. ProfessorBaginsky erkundigt sich bei dieser Gelegenheit über den Bauplan des neuen Krankenhauses. Wenngleich auch Herr Louis Sach steine derartige Interpellation für statutarisch unzulässig erklärte, so gab doch Herr Vorsteher Iacobh die Antwort, daß vom Magistrat noch kein offizieller Bescheid über die Hergabe des Bauterrains eingetroffen sei und sofort nach Eingang desselben die Vorlage an die Versammlung erfolgen werde. Mit der Verlängerung des Mietsverhältnisses bezüglich des Saales der Logenbaugesellschaft — als Mietspreis werden diesmal 600 Mark (gegen 500 Mark im Vorjahr) bewilligt — erklärt sich die Versammlung einverstanden. In einer dringlichen Vorlage wird gleichzeitig bekannt gegeben, daß das Gebäude des-Handwerkervereins in der Sophienstraße in den Besitz der Firma A. Wertheim übergegangen ist und somit der dort bisher bestehende Festgottesdienst sortfällt. Zum Ersatz dafür hat die genannte Firma der jüdischen Gemeinde zwei Säle, und zwar Viebigs Saal in der Ackerstraße und Hotel de Rome ä 600 und 400 Personen, zur Verfügung gestellt und sich erboten, die Differenz des Mietspreises zu tragen. Der Gemeindevorstand hat dieses Abkommen zur Annahme empfohlen. Herr Aron Hirsch möchte den Saat des Handwerkervereins noch für dieses Jahr erhalten wissen, schon um feststellen zu können, wieviele der Dortigen Platzinhaber die Synagoge Rykestraße nunmehr besuchen würden, und bittet, in eine nochmalige Verhandlung mit. der Firma, welche ja nur drei Tage die Bauarbeiten zu sistieren brauche, einzutreten. Vorsteher I a c o b i erklärt jedoch diese Forderung für inkulant; den inzwischen gestellten Vertagungsantrag bittet er abzulehnen, da noch in der laufenden Woche Bescheid gegeben werden muß. In der Abstimmung wird der Antrag des Vorstandes mit allen gegen eine Stimme (Herr Hirsch) angenommen. — Die Erneuerung des Mietsvertrages betreffs des Saales im Langenbeckhaus wird gutgeheißen. — In der Philharmonie werden in diesem Jahre drei Gottesdienste abgehalten werden und zwar im großen Saal und im Beethoven-Saal Hauptgottesdienste für Erwachsene und im Oberlichtsaal, der 700 Personen faßt, ein Jugendgottesdienst. — Der Rechnungsabschluß über die diesjährige Mazzotverteilung ergibt eine Mehrausgabe von 152,75 Mark, die Speisung am Pessachfeste einen Minderverbrauch von 24 Mark, die Speisung Gefangener am Pessachfeste ebenfalls einen Minderverbrauch und zwar in Höhe von 88 Mark. — Der Neudruck von 3000 Exemplaren von Jugendgottesdienst-Agenden für die hohen Festtage wird nach kurzer Debatte genehmigt. Der Referent, Herr Aron Hirsch, hebt hervor, daß er gezögert habe, für die Vorlage des Gemeindevorstandes einzutreten, weil die bisherige Agende nicht sür die Kinder derjenigen Eltern geeignet sei, welche diese nach althergebrachter Weise die Gebete verrichten lassen wollen. Er erinnert, daß die Agende für einen konservativen Jugendgottesdienst durch Herrn Rabbiner Dr. Eschelbach er umgearbeitet werden sollte, und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß diese Umänderung noch in diesem Jahre fertig gestellt würde. Er empfiehlt namens des Ausschusses die Annahme der Vorstandsvorlage, beantragt aber, in einer Resolution den Gemeindevorstand zu ersuchen, in diesem Jahre bereits einen Jugendgotkesdienst nach konservativen! Ritus einzurichten. Justizrät Lilienthal erwidert, daß der Gemeinde- Vorstand schon seit Jahren dieser Angelegenheit sein Interesse zuwende. Die von Herrn Dr. Eschelbacher verfaßte Agende sei bereits an den Vorstand gelangt, welcher demnächst darüber Beschluß fassen werde. Professor Blaschke verzichtet vorläufig, sich über den neueinzuführenden Jugendgottesdienst zu äußern, da er noch nicht wisse, wie weit man in der Abänderung der bisherigen Agende gehen wolle. Sein Standpunkt sei aber nach wie vor, daß es von der größten Gefahr sei, einen Zwiespalt in die Jugend hineinzubringen. Es liege außerdem in der Tat gar kein Anlaß zur Abfassung einer besonderen Agende vor, da Bedenken über die bisherige Form des Jugendgottesdienstes aus den Kreisen der Gemeindenntglieder bisher noch nicht geäußert worden seien. Herr Louis Sachs bittet, mit Rücksicht aus die Erklärungen des Gemeindevorstandes die Resolution zurückzuziehen. In der Abstimmung wird der Neudruck /einstimmig gutgeheißen, die Resolution des Herrn Hirsch wird mit 6 gegen. 6 Stimmen angenommen. Die Stimme des Vorsitzenden gab für die Annahme den Ausschlag, Herr Sieskind stimmte gegen die Resolution. — Zur Reparatur der Heizungsanlage der Synagoge Kaiserstraße werden 1354,67 Mark bewilligt, zur Schaffung eines zweiten Wasserzuleitungsrohres auf dem Friedhof in Weißensee 700 Mark. — Die Art der Verlegung des Sängerchors in der Kaiserstraße, wozu bereits 1200 Mark jüngst bewilligt worden waren, hat lebhaften Widerspruch unter den Standinhabern hervorgerufen. Nach diesem Modus sollte eine Anzahl von Frauenplätzen kassiert werden. Der Shnagogenvorstand hat in einem neuerlichen Antrag nunmehr vorgeschlagen, 10 Männerplätze zu beseitigen und hierdurch einen ausreichenden Raum für 30 bis 33 Sänger zu beschaffen. Die Versammlung erklärt sich hiermit einverstanden. — Die Vorlage betreffend Bewilligung einer Ausgabe zur Anschaffung von Büchsen auf. dem Friedhof in Weißensee wird, da der zuständige Kommissar des Gemeindevorstandes nicht anwesend ist, zurückgestellt. Der Ausschuß hat die geplanten Stockbüchsen als unzweckmäßig bezeichnet und die Ablehnung der Vorlage beantragt. — Für die bereits im Jahre 1900 erfolgte Aufstellung von Gasapparaten in der neuen Synagoge werden dem Lieferanten 1000 Mark als Entschädigung zugesprochen. Im Juni dieses Jahres erhält bekanntlich die neue Synagoge elektrische Beleuchtung. — In die Subventionskommission würde Herr L. Salinger gewählt. Zum Kantor der Synagoge Rykestraße wurde Herr Max Sacher gewählt; ihm wurde gleichzeitig, da er das Examen als Religionslehrer bestanden hat, die Verpflichtung auferlegt, gegen das übliche Honorar Religionsunterricht zu erteilen. Der Posten des Kastellans für die Synagoge Rykestraße wurde unter Zubilligung eines Gehalts von 1500 Mark Herrn Süßkind übertragen. Damit schloß die öffentliche Sitzung, der eine kurze geheime Sitzung folgte. s. Berlin, 30. Mai. Gelegentlich des hier vom 12. bis 18. Juni tagenden internationalen Frauenkongresses ist die Gründung eines deutsch-israelitischen Frauenbundes geplant. Derselbe bezweckt den Zusammenschluß der jüdischen Frauenvereine Deutschlands zum Zweck gegenseitiger Anregung und gemeinsamer Arbeit. Es ist beabsichtigt, am 13. Juni in Berlin, Hotel Prinz Albrecht, 4 Uhr nachmittags eine Vorbesprechung abzuhalteu, bei welcher Ver-