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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-05-27 · Heft 22 (27.5.1904) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 22 (27.5.1904)
Date
1904-05-27
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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L Frankfurt a. N^, 13. Mai. Gestern fand dahier im Hotel Neuhosdie erste Mitgliederversammlung der jüdisch-Liter arischen G e sei lsch aft ft ci tt. Die zahlreich erschienenen. Mitglieder nahmen mit großer Befriedigung den vom Vorsitzenden, Direktor Lange, erstatteten Geschäftsbericht entgegen. Die Gesellschaft wurde im Januar 1902 konstituiert und hat alsbald eine vielseitige Tätigkeit begonnen. Sie hat namhafte Subventionen an Gelehrte verteilt, um dieselben in den Stand zu setzen, ungestört ihren wissenschaftlichen-Arbeiten leben zu können, anderen durch Gewährung von Beihilfen die- Drucklegung ihrer Werke, die/eine Förderung der jüdischen Wissenschaft bedeuten, ermöglicht bezw. erleichtert. Das anfangs dieses Jahres erschienene Jahrbuch hat zustimmende und anerkennende Beurteilungen erfahren. Die als Lösung der Preisausgaben eingereichten Arbeiten konnten leider nicht als befriedigend erkannt und preisgekrönt werden, der Vorstand hat vielmehr eine Verlängerung der Einlieserüngssrist beschlossen und wird demnächst näheres darüber veröffentlichen. — Im vergangenen Winter hat vor einer zahlreichen Versammlung, zu der die Jüdisch-Literarische Gesellschaft ihre Mitglieder in Frankfurt a. M. und dessen Umgebung eingeladen hatte 'und zu der sich auch viele andere eingefunden hatten, Professor Barth aus Berlin einen mit ungeteiltem Beifall aüfgenommenen Vortrag über „Der Monotheismus und die Ausgrabungen" gehalten, dessen Veranstaltung dem, Vorstande allseitige Anerkennung brachte. Das zweite Jahrbuch ist bereits in Vorbereitung, es wird wiederum Beiträge bedeutender Gelehrter enthalten und voraussichtlich etwas früher als das vorjährige, vor Schluß des Jahres erscheinen. — In Hamburg hat sich im abgelausenen Jahre ein Lokalkomitee gebildet, an dessen Spitze Herr Oberrabbiner Hirsch steht, und das mit großem Erfolg die Propaganda in Hamburg und Altona betätigt hat. Andere Lokalkomitees sind in der Bildung begriffen; inzwischen ist aber auch, ohne daß die persönliche Propaganda bisher ausgenommen werden konnte, die Zahl der auswärtigen Mitglieder weiter gewachsen. Demgemäß lieferte auch der vom Kassierer erstattete Bericht ein im allgemeinen erfreuliches Bild guter Entwicklung. Immerhin ist aber die bisher geleistete Arbeit, wie beide Berichterstatter betonten, erst der Anfang dessen, was der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft als Ziel ihres Strebens gesetzt ist, und bedarf dieselbe zur Lösung der umfassenden Arbeiten auch eine Steigerung der finanziellen Kräfte. Die Diskussion ergab die Zustimmung der Versammlung. Eimge Anregungen aus deren Mitte betreffs äußere Ausstattung des Jahrbuches wurden vom Vorstand dankend entgegengenommen und ihre Berücksichtigung zugesagt. Der geschäftliche Teil schloß mit der Wahl der Revisoren. — Dem geschäftlichen Teil war satzungsgemaß ein wissenschaftlicher Vortrag vorausgegängen. Herr Rabbiner Dr. Bond i aus Mainz sprach über, den Siddur des Gaon Saadia. --- Straßburg i. E.,! 24. Mai. In der, letzten Sitzung des Lnndesausschusses für Elsaß-Lothringen gelangte eine, Petition des Ausschusses des elsaß-lothringischen Rabbiner-Verbandes, betreffend anderweite Regelung der Gehaltsverhältnisse der Rabbiner zur Verhandlung. In derselben wurde ersucht, daß der Landesausschuß für die Rabbiner das System der Dienstalters stufen von 6 zu 6 Jahren bis zum 30. Dienstjahre um je 200 Mark steigend durch das Etatsgesetz für 1904 einführeu möge, mit der Maßgabe, daß diese Bestimmung für diejenigen Rabbiner keine. rückwirkende Kraft haben solle, welche schon, jetzt ihres hohen Alters wegen ein höheres Gehalt beziehen, als das infolge der vorgeschlagenen Neuregelung ihnen zukommende. Der Vertreter dex Regierung erklärte, daß. letztere gegen die Tendenz des Gesuches nichts einzuwenden habe, unter der Voraussetzung^ daß einerseits die Konsistorien diesen Vorschlägen zustimmen und andererseits keine Mehrbelastung des Etats aus dieser Neuregelung erwächst; letzteres sei wohl nur dadurch zu erreichen, daß eine Reihe etatsmäßiger Rabbinerstellen, welche.zurzeit nicht besetzt seien, zur Einziehung gelangten. Die Kommission -erklärt sich mit diesen Ausführungen einverstanden und schlägt vor, die Petition der Regierung zur Kenntnisnahme zu überweisen. Im Anschluß daran wurden zwei Petitionen des Oberlehrers,Dr..Heinrich Lewy-Mülhausen beraten. Derselbe richtete an den Landesausschuß die.Bitte, bei der Landesregierung dafür eintreten -zu wollen, daß die Stipendien für israelitische Theologie-Aspiranten '(Kapitel 42 Titel 7 des Landeshaushaltsentwurfs) künftig nur an solche verliehen ^werden, die sich rechtsgültig verpflichten, vor Antritt eines Amtes das Rabbiner- Diplom an einem deutschen Rabbiner-Seminar zu.erwerben, andernfallsdie vom Staate erhaltenen Beträge zurückzuzahlen. Die Kommission beschloß,, die Petition der Negierung zur Prüfung und Erwägung zu überweisen. Das zweite Gesuch ging dahin, daß 1. auch für die israelitischen Kandidaten Religionslehre als Gegenstand der allgemeinen Prüfung eingeführt, 2. auch israelitische Neligionslehre als Gegenstand der Fachprüfung zugelassen, 3. auch den angestellten Rabbinern und den von einem deutschen Rabbiner-Seminar mit dem Rabbinatsdiplom entlassenen Kandidaten die Erlangung einer Lehrbefähigung erleichtert werden. Der Vertreter der Regierung bemerkte, daß die Verhältnisse hierzulande ebenso wie in Preußen liegen, dessen- Prüfungsordnung in allen wesentlichen Stücken, in Elsaß-Lothringen angenommen sei. Diese Prüfungsordnung sehe eine Prüfung in israelitischer Religion nicht vor. Es liege in dieser Beziehung in der Tat für israelitische Kandidaten eine Lücke in der Prüfungsordnung vor. -Erwägungen über Ausfüllung dieser Lücke seien bis jetzt nicht angestellt worden, da ein Bedürfnis in Elsaß-Lothringen noch nicht eingetreten sei. Die Kommission schlug, da ein praktisches Bedürfnis zur Aenderung des derzeitigen Zustandes nicht vorhanden sein dürfte, vor, über die Petition zur Tagesordnung überzugehen. . Gesterreich-Anssrn. □ Wien, 23. Mai. Auch hier wurde' am 11, d. M. ein Bureau für jüdische Statistik in Oesterreich begründet. Die hervorragendsten Männer haben sich bereits angeschlossen. Die/konstituierende Versammlung verlief in sehr angeregter Weise. Dr. Bloch, Herausgeber der „Oesterreichischen Wochenschrift", machte die interessante Mitteilung, daß die österreichische Regierung seit einigen Jahren spezielle,. die jüdischen Gemeinden und ihre Institute betreffende Erhebungen veranstalten lasse, welche sie dem - Bureau für jüdische Statistik zweifellos nicht nur zur Einsicht, i sondern auch zur Veröffentlichung zu überlassen geneigt sein würde. — In Krakau ist der Präsident der Kultusgemeinde Hirsch Landau plötzlich gestorben. Die Urteile über die Leistungen dieses jedenfalls sehr rührigen Mannes gehen weit auseinander, und sein Charakterbild ist von der Parteien Gunst und Haß noch zu sehr entstellt, um aus der Ferne ein objektives Bild zeichnen zu können. In jedem Falle hat der Mann viel getan und unermüdlich gewirkt. Ob alles zum Güten der Sache war, ist freilich eine andere Frage, die ich nicht zu entscheiden den Mut habe. — Zwei große österreichische Gelehrte, Hofrat Go mp erz und Professor Dr. Ignaz Goldzieher, wurden zu Ehrendoktoren der Universität Cambridge ernannt. Frankreich. r. Paris, 19. Mai. Am -15. d. M. fand in dem neneingerichteten Bibliotheksaale der Ecole Normale Israelite Orientale, die General versammlung der.Alliance Israelite Universelle statt. Der Generalsekretär Herr Jacques Bigart erstattete Bericht über die Wirksamkeit der Allianz im verflossenen Jahre. Zunächst faßte er mit kurzen Worten die Greueltaten von Kischinew und Homel zusammen und wies ans die Sammlungen hin, die von der Allianz veranstaltet wurden, um den Notständen der jüdischen Bevölkerung wirksam zu steuern. Sodann kam er auf unsere Glaubensgenossen in Rumänien zu sprechen und konstatierte, daß sich ihre Lage im ab gelaufenen Jahre kaum verändert hat. Dementsprechend, mußte die Allianz ihre Hilfsaktion fortsetzen, namentlich durch Unterstützung der Vorschnßkassen, die sich als sehr wohltätig erwiesen und: daher in letzter Zeit vermehrt wurden; ferner wurden in den jüdischen Volksschulen Mittags-Freitische geschaffen; auch wurden Subventionen für Heizung, Schulgelder rc. bewilligt. Gegen die falsche Anklage des Ritualmordes zu kämpfen, ist das Zentralkomitee stets bestrebt, und dank der Vermittelung seiner Vertreter gelang es ihm namentlichin . Aegypten im Laufe des Jahres 1903 zwei dieser ungeheuerlichen Anschuldigungen zunichte zu machen. Die Verhältnisse der Juden in Marokko waren besonders mißlich, und die Allianz mußte den von Räuberbanden ins Elend gestürzten- Juden, namentlich in Etat, Demnat, Seffrou,. ihre moralische und materielle Hilfe an gedeihen lassen. Weiter berichtete Herr Bigart über das Schulwerk der Allianz, das jetzt 120 Elementar- und Gewerbeschulen umfaßt mit einer Ge-

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