Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 22 (27.5.1904)
- Date
- 1904-05-27
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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Bestehens der Anstalt.Die Anzahl der Zöglinge betrüg Mitte Februar 1903 47 Lehrlinge, 39 Schüler, zusammen 86; Mitte Februar 19.04 44 Lehrlinge, 47 Schüler, zusammen 91. Aus der Schülerabteilung (Kinder bis zu etwa 14 Jahren) finb seit Bestehen der Anstalt' 67 Zöglinge entlassen; sie ergriffen folgende Berufe: 17 wurden Gärtner ' und Landwirte, 31 Handwerker verschiedener Art, 16 Kaufleute, 8 Lehrer. * In der Lehrlingsabteilung sind bis jetzt im' ganzen 93 Lehrlinge ausgebildet worden. Darunter befinden sich 3 junge Leute, die außerdem noch ein Lehrerseminar besuchten, und infolge der bei uns erworbenen' praktischen Kenntnisse gute Anstellungen in den Kolonien der I. C. A. fanden; 2 Zöglinge wurden Tischler. Von diesen 93 sind in Tätigkeit: 37 in Deutschland, darunter 1 Tischler, 2 besuchen die Königl. Gartenbau-Lehranstalt Dahlem, 5 in Oesterreich, darunter 1 Lehrer, Im Frankreich, 1 in der Schweiz, 1 in Rumänien, 1 in Rußland, 13 in Amerika, darunter 1 Tischler,' 2 Lehrer in Argentinien, insgesamt 59. Von den übrigen 34 ist zu berichten: 1 ist verstorben, 10 genügen ihrer Militärpflicht, 11 haben ohne Nachricht gelassen, 12 haben einstweilen einen anderen Beruf ergriffen. Das Mädchenhaus wurde am 1. Dezember 1902 eröffnet; an diesem Tage traf ein 15jähriges Mädchen ein, dem im Laufe des Monats weitere 6 folgten. Mitte Februar 1904. zählte diese Abteilung 25 schulpflichtige Mädchen und 10 Haushaltungslehrlinge. Der Volksschulunterricht der Knaben wurde wie bisher gehandhabt. Das Mädchenhaus ist, wie schon erwähnt, am 1. Dezember 1902 eröffnet und am 24.- Juni 1903 feierlich eingeweiht worden. Die Zöglinge der Mädchenabteilung stehen im Alter von <3 bis 18 Jahren und rekrutieren sich aus allen Gegenden Deutschlands. Ausländerinnen zählt die Anstalt nur zwei. Unter den 36 Mädchen befinden sich einige, die, aus nicht unbemittelten Familien stammend, von ihren Angehörigen,, zürn Teil cius Gesundheitsrücksichten, . hierher gesandt wurden. — Die Gärtnerei Hatte im laufenden Jahre nicht nur die Schäden auszubessern, welche in der Bewirtschaftung durch verkehrte Maßnahmendes vorigen gärtnerischen Leiters herbeigeführt waren, sondern sie hatte auch durch die Ungunst wer Witterung, die besonders für einige -unserer Kulturen sehr . schädlich war, zu leiden. Die Bäckerei erwarb sich eine Anzahl weiterer Freunde in der Stadt Hannover. Insgesamt vereinnahmte die Anstalt an einmaligen Spenden rund 16 000 Mark (1902: außer den größeren Spenden für den Bau des Mädchenhauses 11 000 Mark). Die jährlichen Beiträge haben 1903 rund 19 000 Mark betragen (1902: 17 300 Mark). Von dem Gesamtbeträge der Jahresbeiträge und einmaligen Spenden in Höhe von rund 35 000 Mark .konnten nur 4000 Mark dem Stiftungsfonds zwecks Deckung der Kosten von Neuanlagen und dergl. zugeführt werden; rund 31 000 Mark dagegen müßten.als Zuschuß zur Deckung der laufenden Ausgaben für den Unterhalt und den Unterricht der Zöglinge nebst den sonstigen Unkosten verwendet werden. Der Vorstand der Anstalt besteht aus den Herren: Konsul Ä. M. Simon, Vorsitzender; Sartorius Rheinhold, Stellvertreter des Vorsitzenden; Handelsschuldirektor Manfred Berliner, Schriftführer; .Rechtsanwalt Dr. Wolfes, Stellvertreter des Schriftführers; Gustav Cohen, Arnold Daniel, Rechnungs- und Kaffenführer; Senator a. D. Julius Friedberg, Sellh Meyerstein, Gutsbesitzer Jul. Seckel, M. Zuckermann. k. U. Hamburg, 12. Mai. Von dem Hamburger Deutsch- Israelitischen Waisen-Jnstitut ist jetzt der Jahresbericht pro 1903 erschienen. Aus demselben ist ersichtlich, daß auch in dieser, wegen ihrer Opferwilligkeit so gerühmten Gemeinde — der zweitgrößten Deutschlands — die Bedürfnisse des Instituts nicht voll gedeckt werden können und die Verwaltung an eine erhöhte Opferwilligkeit appelliert. Tatsächlich zählt Hamburg eine große Anzahl von Vereinen und Vereinchen, die von ihren Mitgliedern Beiträge erhalten, deren Verwendung nicht immer als zweckmäßig erscheint. Es wäre sehr zu wünschen, daß auch in Hamburg eine Konzentration der Wohltätigkeit in die Wege geleitet würde. Am meisten zu bedanken sind entschieden, die Anstalten, welche es sich zur Aufgabe machen, Personen zu erhalten, die noch nicht oder nicht mehr für ihre eigene Lebenserhaltung sorgen können. Das wären also in erster Reihe: Waisen-', Alten-., siechen-, und Krankenhäuser. Wenn die Verwaltung des Waiseninstituts in dem großen Berichte sagt: „es stehen die uns zufließenden Mittel bedauerlicherweise nicht im Verhältnis zu der Größe der uns gestellten Ausgabe"- und das Gewinn- und. Verlust-Konto mit einenr Verlust-Saldo Von 6617,82 Mark abschließt, das seit 1766 bestehende Institut in seiner Bilanz nur eine Aktivsumme von ^277341 Mark'aufweist, so ist damit wohh.der Beweis erbracht, daß die Opfevwilligkeit der Gemeindeglieder nicht so berühmt ist, als man allgemein außerhalb Hamburgs glaubt, oder es fehlt an Konzentration. Was der Jahresbericht sonst noch veröffentlicht, ist, daß das Waiseninstitut von dem seit 1891-dort amtierenden Herrn Plocki und dessen Frau in zufriedenstellender Weise geleitet wird und daher die Erfolge recht befriedigend sind.. So erlangen jetzt, im Gegensatz zu früher, die Knaben zum großen Teil die Berechtigung zum Einjährig- Freiwilligen-Dienst, ja. werden auch,, was. früher nie der .Fall gewesen, dem Gymnasium zugesührt. Bei -Beginn des Berichtsjahres zählte das Institut 26., am Schluß des Jahres, ,23. Zöglinge. Für- Beköstigung wurden in 11122 Verpflegungstagen -8095,75 Mark, für weiteren Haushalt noch. 5926,26 Mark ausgegeben, sodaß der Unterhalt pro Tag. und Kopf, auf 1,26 Mark zu stehen kommt. Eine Unterstützüngskasse, die in erster Reihe, durch die Kaddisch-Stiftungen unterhalten wird, bezweckt, den entlassenen Zöglingen während ihrer Lehrzeit Beihülse zu. gewähren, -was umso notwendiger ist, als die Unterbringung der Lehrlinge in Stellungen, die ihnen die Heilighaltung der Sabbate ermöglichen,.sehr erschwert wird. Die Verwaltung besteht.aus fünf Direktoren und.acht Deputierten.. Präses des Vorstandes ist Herr Moritz Marburg, Seniorchef der Firma M. M. Marburg & Co. 8. Gotya, 19. Mai. Am 11. d. wurde unsere neue Synagoge in wahrhaft feierlicher Weise eingeweihl Anwesend waren der Oberbürgermeister Liebetreu mit Mehreren Vertretern des Stadtrats und der Stadtverordneten, Oberhofprediger Scholz, der Pfarrer der katholischen Kirche, Unkraut, der Geistliche der englischen Gemeinde, Hubbard, ferner Vertreter der Nachbar-Gemeinden. Im Namen der Regierung war Staatsminister Hentig erschienen, der folgende Ansprache hielt: „Im Namen Sr. Durchlaucht des Regenten und der Herzoglichen Staatsregierung danke ich zuvörderst für die freundliche Einladung zur heutigen Feier. Jede neue Stätte, die dem Gottesdienst errichtet wird, ist ein ragendes Zeichen für die Unvergänglichkeit des religiösen Sinnes in der menschlichen Natur, "ein Denkmal des sortlebenden Idealismus, der nicht aufhört, nach dem Höchsten zu suchen und den irdischen Menschen im tiefsten und innersten Zusammenhang mit dem Ewigen zu denken. Solcher Sinn kann nur im Frieden der Religions-. gemeinschaften untereinander gehütet und gepflegt werden. In unserem Lande ist uns dieser Frieden bisher beschieden gewesen; er Wird, f'o hoffe und wünsche ich, auch für ferne, unabsehbare Zeit gewahrt bleiben. Indem ich im Höchsten Aufträge die Wünsche Seiner Durchlaucht des Regenten zur Vollendung ihres Werkes der kleinen, aber opferfreudigen Festgemeinde, die treu den Glauben ihrer Väter bewahrt, überbringe, schließe ich mich diesen Wünschen von Herzen an." Mit einer poetischen Widmung überbrachte sodann ein junges Mädchen aUf seidenem Kissen den Schlüssel des Gebäudes dem leitenden Architekten, Herrn Klepzig, der ihn dem Herrn Staatsminister überreichte mit der Bitte, das Gotteshaus in den Schutz des Staates und der Stadt zu übernehmen und den Befehl zur Eröffnung zu geben. Der Minister gab den Schlüssel an den Herrn Oberbürgermeister Liebetren weiter, der ihn mit Worten des Dankes für die Einladung und mit dem Versprechen, stets die Interessen der Gemeinde zu wahren, in Empfang nahm. Hierauf wurden die Pforten des Gotteshauses geöffnet und die Ehrengäste traten ein, von der versammelten Gemeinde mit dem Gesänge des Lorueb lmbo begrüßt. Nachdem Lehrer Noethler den Psalm 30 und dann im Wechselgesang mit dem Chor weitere Psalmen wirkungsvoll vorgetragen, sprach er ein warm empfundenes Gebet für Kaiser, Herzog und Regenten, worauf die bon den Aeltesten der Gemeinde getragenen Thoraröllen unter den religiösen Gesängen in die heilige Lade gestellt wurden. Die Festpredigt hielt Landrabbiner Dr. Prager-Kassel. Der Regent Erbprinz zu Hohenlohe hat auf ein Huldigungstelegramm der Gemeinde folgende Drahtantwort geschickt: „Ich freue mich mit Ihrer Kultusgenieinde der Vollendung Ihres -Gotteshauses und danke bestens für den freundlichen mir übersandten Gruß. Erbprinz Hohenlohe." Das neue Gotteshaus gewährt einen erhebenden, stimmungsvollen Eindruck. Möge es dazu beitragenden religiösen Sinn in unserer ^Gemeinde wach zu erhalten. '