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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-05-27 · Heft 22 (27.5.1904) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 22 (27.5.1904)
Date
1904-05-27
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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HWKW 11 y- M sgmtzahl von 33 0.00 Schülern. Er betonte nlit besondorenl^Nachdruck, den segensreichen Einstiche dieser. Schulen in Persien, wo die jüdische Bevölkerung aus einen: niedriger: kulturellen Niveau stehe. Die. bloße Anwesenheit emos Schuldirektors der Allianz bedeute dort eine Bürgschaft fürdie Sicherheit unserer oft bedrängten Glaubensgenossen. Zum Schluß gab er den Mitgliedern bekannt, daßvor kurzem vom Zentralkomitee -der Ankauf s eines Landgutes in-der Nähe von Algier beschlossen: , wurde, dessen Gesamtfläche 1800 Hektar beträgt. Es ist zur Pacht bestimmt für ehemalige Zöglinge der von der Allianz in Tunis und im Orient unterhaltenen Ackerbauschulen. Sodann erstattete der Schatzmeister Bericht über Einnahmen und Ausgaben.! Er beklagte es, daß die Zahl der Mitglieder der Allianz nicht zrmehme,: und erklärte es als erforderlich, die Propaganda wieder aufzunehmen. Herr Konsul Simon aus Hannover sprach einige Worte des Dankes: an die Allianz für ihre eifrige und segensvolle Tätigkeit zugunstender unglücklichen und kulturell zürückstehenden Juden und brachte in: ergreifender Weise die Anerkennung zum Ausdruck, die die Gesellschaft ihrem Präsidenten Herrn Narcisse Leven schuldet; auf den Vorschlag des Redners erhob sich die ganze'Versammlung voller Begeisterung zu Ehren Herrn Levens, der seit 40 Jahren hingebungsvoll für die Allianz'wirkt. Amerika. B. Newyork, im Mai. Die -Jewish Voice“, ein St. Louiser: Wochenblatt, enthält in ihrer Nummer vom 15. v. M. folgende Notiz:' „Autorität? Unsinn! Wie kann man eine Autorität zitieren, wenn - keine Autorität anerkannt wird? Ein Freund schreibt uns am * 8. April: „Am letzten Dienstag Abend, wenn Sie und ich Pessach-; Gottesdienst abhielten, vollzog Dr. Emil G. Hirsch aus Chicago die Trauung eines Juden und einer Christin in Clinton, Illinois. Und er gilt als ein großes Kirchenlicht des Judentums!" Die einzige Antwort, die wir unserem Freunde geben können, ist: Was wollen d Sie dagegen "tun?" — Das „Chronicle" von St. Louis enthält in der: Nummer vom 15. April folgenden Artikel, der für die Leser der „Allgemeinen Zeitung. des Judentums" wohl von Interesse sein dürfte. In einem persönlichen Briefe an die Mitglieder seiner Gemeinde sagt Dr. Leon Harrison, Rabbiner der Gemeinde Temple Israel, daß von 600 Personen, welche den Gottesdienst am Sonntag Morgen besuchten, nnr 60 Juden waren. Er weist nach, daß die Vernachlässigüng des Synagogenbesuches seitens der Juden die Entmutigung des Predigers und den endlichen Ruin der Gemeinde bedeute und, zugleich eine öffentliche Schmach für Juden und Judentum sei. Weiter sagt Dr. Harrison: Ich fühle den Schmerz und das Erniedrigende' solcher Zustände zu tief, um Sie dafür verantwortlich zu niachen. Es' ist klar, daß eine solche Gemeinde keine jüdische Gemeinde mehr ist und ein solcher Gottesdienst, kein jüdischer Gottesdienst mehr ist. Der Sonntagsgottesdienft kann so nicht sortdauern. Mein Eifer für meinen Beruf kann nicht sortdauern. Ich muß sagen, daß ich ganz entmutigt bin, und wenn Sie mir nicht zur Seite stehen, werde ich kein Herz für meine Arbeit haben." — Am 22. v. M. starb hier im Alter von 74 Jahren Frau Eliza Men des, geborene De Scsia. Sie war die Witwe des Rev. Abraham Pereira Mendes, der zuletzt Benefiziat der Juda Touro-Stiftung in Newport, Rhode Island, war und vor etwa 10 Jahren starb. Ihre Söhne sind die Rabbiner Frederick de Sola Mendes von der Shaare Tefilla-Gemeinde und Henry Pereira Mendes von der portugiesischen Gemeinde in Newyork.' Ihr Vater war der Hazan der portugiesischen Gemeinde in Londons- David Aaron de Sola und ihre Großväter die Londoner Hahamim Aaron de Sola und Rafael Meldola. So war* die Dahingeschiedene ein Ueberbleibsel der immer seltener werdenden sefardischen Familien, die zumeist durch Ehelosigkeit oder durch Mischehen verschwinden. Einer der Pioniere dieser Art war der vor einigen Monaten nn Montreal verstorbene Iesse Joseph, der, in Kanada geboren, ein Nachkomme der ältesten jüdischen Ansiedler der Provinz war. Er starb unvermählt in hohem Alter. — Der „Evening Star"- von Washington vom 4. Mai meldet die Ernennung des Herrn Adolf Grant Wolf als Mitglied bes obersten Gerichtshofes von Portorico. Wolf-ist der Sohn des bekannten Rechtsanwalts, und. Staatsmannes Simon Wolf, des gegenwärtigen Präsidenten 'des U. Ö. B. B., über dessen. Earriöre sie kürzlich' einen Artikel* veröffentlichte. Er ist 85 Jahre alt, hat seine' Studien teils in Baltimore Washington ltub - Berlin absolviert und ist seit zehn 'Jahren Rechtsanwalt in selsier Vaterstadt. Sein Vorgänger, Herr Louis Smlzbacher, der kürzlich zum Richter am Bundesgericht im Jndianerterritörirnn ernnunk wurde ist ebenfalls Jude. " < Von Sah und jfem. -- Das Erholungsheim, das der Freiwillige Erziehungsbeirat für schulentlassene Waisen soeben in Miersdors bei Zeuthen eröffnet "hat, hat seine Entstehung in erster Linie der Frau Geheimrat Liebermann sowie Rittergutsbesitzer Israel und Frau zu verdanken. Letztere haben ihr Herrenhaus zu Miersdorf mietefrei überlassen. — Der Bankier Alexander Meyer Cohn hat das Ritterkreuz des sächsischen Albrechtsordens, der Ingenieur und Fabrikbesitzer Richard Gradenwitz das Ritterkreuz des württembergischen Friedrichsordens erhalten. — Am 19. d. M. ist in Schönlanke der weit bekannte Rabbiner Salomon Wäldler im 74. Lebensjahre gestorben. Derselbe war wegen seiner großen talmudischen Gelehrsamkeit und seines biederen Charakters allgemein hochgeschätzt. Ehre seinem Andenken!— Auf Gr. Briefen bei Kottbus^ist am 17. d. M. der Freiherr v. Wackerbarth gestorben, der 1.880 den Sturmlauf gegen den Talmud unternommen hat.—— In Jüchen ist der Rentmeister Leopold Oberländer in den "Ruhestand getreten. Er erhielt aus diesem Anlasse den Kronenorden IV. Klasse. — In Bielefeld wurde am 18. d. M. die Feier der Grundsteinlegung zur neuen- Synagoge begangen. — Nach zweijähriger' Abwesenheit ist Dr. Gottfried Merzbacher von seiner Forschungsreise in das Thianschan-Gebirge wieder in München eingetroffen. Die Ergebnisse der langen, an Mühen und Entbehrungen reichen. Expedition sind für die Wissenschaft von sehr großer Bedeutung und werden die bisher geltenden Vorstellungen von diesem Riesengebirge in erheblicher Weise verändern. Ein vorläufiger Reisebericht wird schon demnächst erscheinen. -- In Warschau ist am 15. d. M. CH. S. Slonimski, der bekannte gelehrte Mathematiker und Astronom, der Begründer und jetzige Mitinhaber der „Hazesirah", im Alter von 95 Jahren an Influenza gestorben. Das Leben, und Wirker: dieses greisen Nestors der hebräischen Literatur wird noch ausführlich besprochen werden. — In Kischinew wurde in dem Prozeß wegen Ausschreitungen gegen die Juden im April vorigen Jahres am 18. d. M. das Urteil gefällt. Zwei Angeklagte wurden wegen Straßenunrühen zu acht Monaten Gefängnis mit Verlust einiger Rechte, zwei wegen schwerer Verletzungen an Juden zu 1 Jahr schwerer Haft und zwei wegen Mordes zu 4 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Sechs des Mordes Angeklagte wurden freigesprochen, die Zivilforderungen wurden als unbegründet zurückgewiesen. — Das Unterrichtsministerium hat verfügt, daß künftighin die Erteilung von Erlaubnisscheinen an Melamdim zur Eröffnung vonjüdischen Schulen (Cheder) nicht ohne vorheriges Befragen der Verwaltungsbehörde über die politische Zuverlässigkeit der um den Erlaubnisschein ansuchenden Melamdim erfolgen darf. — Zu den Städten, in denen Juden nicht wohnen dürfen, gehören nun auch Nikolajew, Sewastopol und Jalta. Die in Nikolajew erscheinende Zeitschrift „Juschnaja Rossija" (Südrußland) spricht ihr Erstaunen darüber aus, daß die Stadt Nikolajew nunmehr als für die Juden verbotener Wohnort gilt, wiewohl sie durch die Verfügung des Senats von: 25. November 1866 und durch kaiserlichen Ukas von 1866 dem russischen Niederlassungsrayon einverleibt wurde. — Zur Gründung einer Darlehnskasse in der Gemeinde Bakau (Rumänien), die sich ihrerseits zu dem gleichen Beitrag verpflichtet hat, hat die Allianz 2000.Franken bewilligt. — Das Komitee der A. I. U. beschloß, die Domäne La Reghaia. 30 Kilometer von Algier entfernt, zu erwerben, um dort Zöglinge der Ackerbauschüle der Allianz, namentlich ans der Ackerbauschule von Djedeida, ansässig.zu machen. Die Domäne umfaßt 1780' Hektar. — In Philadelphia ist am 2. b. M. Simon A. Stern, der Vorsitzende der Beethoven-Gesellschaft, ein Musiker von großem Ansehen, gestorben.' Derselbe hat auch Heine, .Auerbach u^ a. ins Englische übersetzt. — In Indien leben nach der .letzten Volkszählung 18 228 Juden gegen 17 194 Juden, die dort 1881 gezählt wurden. , -. - ' - '-

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