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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-05-20 · Heft 21 (20.5.1904) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 21 (20.5.1904)
Date
1904-05-20
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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sei, welche die Mitglieder aus eigenen Mitteln nicht decken könnten. Die Gemeinde werde zweifellos gern bereit feilt; falls der Religions- Verein sich auflösen werde, die Rückstände zu erledigen. Cr bitte um Annahme des Ausschußantrages, der auch in der Abstimmung mit großer Mehrheit zupr Beschluß erhoben wurde. Für den Antrag Cohn auf nochmalige Überweisung an die Subventionstommission stimmten nur vier Konservative. — Dem Religionsverein Gesundbrunnen wurde debattelos eine Subvention von 2250 Mark zugesprochen. — Die Genehmigung-zur Verlängerung von Mietsverträgen für festgottesdienstliche Veranstaltungen wird erteilt für die Hohenzollevnsäle (Mietspreis 1500 Mark), Saal der Gesellschaft der Freunde (1500 Mark), Saal der Brüdervereins (300 Mark), Beethoven-Saal (1500 Mark), Saal der Brauerei Königstadt (2900 Mark).. Herr .Isidor Sachs bringt hierbei zur Sprache, daß in den Spicherensälen, die im Vorjahre zum Festgottesdienst benutzt, worden waren, jungst eine Pückler-Versammlung stattgefunden hat. Der. Gemeindevorstand hat,, wie Herr Jacoby mitteilt, aus diesem Anlaß von der ferneren Benutzung dieses. Saales Abstand genommen. . Die Zinsen der Zerline Helfft'schen Stiftung, welche ein Kapital von 3000 Mark aufweist, sollen, wie bisher, zu wohltätigen Zwecken dem Fonds für verschämte Arme überwiesen werden. Der Referent Professor Blaschke hebt hierbei den Notstand hervor, daß unter der Fülle vorhandener Stiftungen kein einziges Legat zur Unterstützung armer Schüler in Berlin bestehe, und bittet den Gemeindevorstand, einige hundert Mark Zinsen alljährlich für diesen Zweck zur Verfügung zu stellen. Geheimrat Blumenthal hebt demgegenüber hervor, daß hier ein „Verein zur Unterstützung jüdischer Schüler" bestehe, dessen Vorsitzender er selbst sei. Dieser Verein, welcher das vierteljährliche Schulgeld für arme Schüler so lange bezahle, bis sie Freischule erhalten, mache jedoch leider seit Jahren sehr unbedeutende Fortschritte in der Zunahme seiner Mitglieder und befinde sich in außerordentlich ungünstiger Finanzlage. Der Verein würde es mit lebhaftem Danke begrüßen, wenn ihm der Gemeindevorftand aus den vorhandenen Fonds Geld zur Erreichung der dem Verein gesteckten Ziele zur Verfügung stellen würde. — Auch die Zinsen des Hertelffchen Legates wie die der Jeanette Lissauer-Stiftung sollen in der bisherigen Weise verwendet werden. Das erstgenannte Legat im Betrage von 43 650 Mark ist der jüdischen Gemeinde von dem am 20. August 1846 verstorbenen christlichen Rentier Carl - Eduard Hertel ohne besondere Zweckbestimmung unter der Motivierung vermacht-worden, daß die Juden überall unberechtigte Zurücksetzung erfahren; aus den Stiftungserträgnissen sind seit dem Jahre 1873 dem Verein Amicitia jährlich 300 Mark, der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums jährlich 450 Mark, der Rest der Lehrerbildungsanstalt zugeflossen. Die Zinsen der Jeanette Lissauer-Stiftung .von 20 000 Mark sind bisher der Waisenkommission überwiesen worden. — Zur Reparatur der elektrotechnischen Anlage der Orgel in der Synagoge Lützowstraße werden debattelos 220 Mark bewilligt, der Vaufirma Joseph Fränkelfür die Aufstellung eines nachträglich von der Baupolizei geforderten Gerüstes 1500 Mark als Entschädigung zugesprochen. Es folgen noch vier dringliche Vorlagen. Zur Anschaffung von Inventar für die Synagoge Rykestraße und die dort zu errichtende Religionsschüle werden 33 400 Mark bewilligt, zur Verlegung des Sängerchors in der Synagoge Kaiserstraße, welche polizeilich gefordert wurde, 1200 Marst Die Anstellung des Herrn Alexander Weinbaum als Chordirigent für die Synagoge Rykestraße wurde genehmigt. Herr Weinbaum wirkt in gleicher Stellung seit dem Jahre 1895 in der Synagoge Potsdamerbrücke, ihm stehen ausgezeichnete Atteste von Herrn Professor Gernsheim und dem verstorbenen Professor Breslaur zur Seite. Der Referent Herr Isidor Sachs berichtet gleichzeitig über die Zusammensetzung des Chors in der neuerrichteten Synagoge. Die Bemühungen, einen Knabenchor zusammenzubringen, dürfen als gescheitert angesehen werden; man ist deshalb gezwungen, den Gottesdienst mit einem Chor von 40 Männern, wie es von der musikalischen Kommission auch befürwortet worden ist, zu eröffnen. Der Gemeinde entstehen hierdurch beträchtliche Kosten. Der Referent regt deshalb an, in Erwägung zu ziehen, ob nicht dem Gottesdienste, falls keine religionsgesetzlichen Bedenken entgegensetzen, unter den obwaltenden Umständen ein gemischter Chor (Männer und Frauen) steigegeben werden könne. Zum Schluß der öffentlichen Sitzung gibt Kommerzienrat'Friedländer noch den Bericht über die für die Synagoge Rhkestraße festgesetzten Preise der. Plätze. Es sollen 973 .Männerplätze errichtet werden und zwar 52 ä 24 Mark, 87 ä 20 Mark, 173 a 15 Mark, ■ 160 k 12 Mark, 152 ü 9 Mark, 206 a 8 Mark und 143 ä 3 Mark; für Frauen sind- 1000 Plätze vorgesehen und zwar 40 ä 24 Mark, 92 a 20 Mark, 136;i 15 Mark, 150 ä 12 Mark, 112 a 9 Mark, 286 ä 5 Mark Und 184 ä 3 Mark. In beiden Gruppen sind also in sehr sachgemäßer Weise die Preise annähernd zur Hälfte -über und unter 9 Mark normiert worden. Das Gesamtertragnis aus dem Verkauf aller Plätze stellt sich, auf 20 230 Mark. — Berlin, 15. Mai. Heute Vormittag fand im Sitzungssaale * der „Ressource von 1794" die ordentliche Generalversammlung des Vereins „Lehrlingsheim Pankow" statt. Dieselbe wurde vom Vorsitzenden des Kuratoriums, Kommerzienrat Isidor Loewe eröffnet. Der erste Punkt der Tagesordnung, die'Erstattung des Verwaltungsberichts, fand schnell seine Erledigung, da der gedruckte Bericht zugleich mit der Einladung zur Generalversammlung den Mitgliedern zugegangen war. Auch Punkt. 2, der Bericht der Revisoren und die Beschlußfassung über die Entlastung des Vorstandes nahm wenige Minuten in Anspruch. Die Wiederwahl des Kuratoriums erfolgte durch Zuruf. Es besteht aus den'Herren Kommerzienrat I. Loewe, Rentier Joseph Fränkel, Rechtsanwalt Kraft,Landschaftsmaler Julius Bodenstein, Fabrikbesitzer und Stadtverordneter Dr. I. Ginsberg, Negierungsrat a. D. Dr. Magnus, Verlagsbuchhändler und Rittergutsbesitzer Rudolf' Mosse, Rentier M. D. Feilchenseld, Maurernteister M. Adler, Waisenhausdirektor Dr.Jutrosinski und Waisenhausdirektor Dr. Strelitz. Desgleichen wurden die Revisoren, die Herren Julius Cohn und Emanuel Appel, durch Zuruf wiedergewählt.. Endlich wurde der' Etat ohne Debatte genehmigt. Der Vorsitzende schloß die'Generalversammlung, nachdem er noch die Anwesenden ermuntert hatte, eifrig für den Verein tätig zu sein. S. Berlin, 12. Mai. In einer würdigen Feier beging heute nachträglich der „Verein zur Pflege hebräischer Musik" vor gut gefülltem Auditorium in der Aula des Sophiengymnasiums die hundertste Wiederkehr des Geburtstages Sälomon Sulzers, des verewigten Oberkantors der Wiener israelitischen Gemeinde. In einer kurzen Begrüßungsansprache wies der zweite Vorsitzende des Vereins, Professor Dr. Blaschke, auf die Ziele besserst seit zwei Monaten bestehenden Vereins Hin. Er hob hervor, daß .die heutige erste öffentliche Veranstaltung einen doppelten Zweck verfolge, daß sie einmal dem Andenken des ersten, vielleicht größten Meisters ster synagogalen Musik gelte, dann aber auch das Arbeitsfeld des Vereins zeigen solle, der außer in der Vorführung hebräischer Gesänge -theoretisch den Spuren nachgehen wolle, die zu den bekanntesten hebräischen Gesängen und Melodien, vielleicht auch zu deren Entstehung, führen. Er bat schließlich, die Kritik, die an die Arbeit und das Ziel des Vereins gewendet werde, gerecht, aber auch streng zu üben; denn der junge Verein wolle an der Kritik lernen, ob er die richtige Bahn beschritten habe. In längerer Festrede beleuchtete Herr Dr. Leopold Hirschberg das Wirken Sulzers ' vom musikalischen Standpunkt. Wir können es uns hier versagen, auf den lichtvollen Vortrag, der lebhaften Beifall erntete, näher einzugehen, da wir demnächst denselben in extenso veröffentlichen werden. Zwei ausdem klassischen „Schir Zion" stammende Gesänge Sulzers, „Jigdal" und „Adon Olam", welche das Programm der heutigen Feier bildeten, wurden iri sehr wirkungsvoller Weise vom Chor vorgetragen. Die herrlichen Kompositionen fanden unter der sachkundigen und dezenten Leitung des Kapellmeisters Herrn Albert Kellermann wohlverdienten Beifall und Anerkennung, welche zweifellos ein Sporn sein wird für die ferneren Leistungen des jungen Vereins. Berlin, 17 Mai. Am 13. d. M. ist hier im Alter von 64 Jahren Herr Samuel Hartwig Reinherz gestorben. Derselbe war am 21. April 1840 zu Kalwaria in Russisch-Polen als der Sohn eines hervorragenden Talmudgelehrten geboren, besuchte verschiedene Talmudschulen und widmete sich später dem schriftstellerischen Berufe. Er begründete und redigierte mehrere Jahre hindurch die Zeitschrift „Der jüdische Grenzbote" in Königsberg i. Pr., in welcher er für Kultur und Aufklärung unter den Juden im'Osten mannhaft und erfolgreich kämpfte.. Später übersiedelte er nach Berlim und auch hier hat er sich vielfach schriftstellerisch betätigt. In der „Allgemeinen

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