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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-05-13 · Heft 20 (13.5.1904) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 20 (13.5.1904)
Date
1904-05-13
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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V. Berlin, 1. Mai. Am 24. v. M. fand in deü hiesigen Lützowstiaßensynagoge ein Konzert statt, welches .'dke^'Hilßsk'asse für., israelitische Kultusbeamte, deren Witwen und Waisen in,' Deutschland" anläßlich des^ 100; .Geburtstages 'des .verstorbenen,- Wiener Oberkantors, Professor . Salomon Sulzer, des genialen.. Regenerators unserer Shüagogenmusik, veranstaltet hattet Der/ materielle Ertrag des Konzerts ist für die Kasse genannter Per-L einigüng bestimmt. Das. versammelte Publikum folgte mit regem Interesse bem Vortrage der zü Gehör gebrachten Kompositionen. /Die Chorgesänge wurden von dem trefflich geschulten Chor der Linden-- straßenshnagoge unter Leitung des verdienstvollen und bewährten 8 Chordirektors Herrn Georg Bloch mit künstlerisch liebevoller Hingabe % und musikalischer Präzision ausgeführt. Es kamen Psalm 111, W'ffeeraw, Adaun äülom in Esdur, Meheroh, sämtlich von Sulzer, ' zum Vortrage. Die in den angeführten Chornummern enthaltenen . Soli wurden von den Kantoren Herren Epstein-Berlin, Stabinski- . Berlin und Ziwi-Elberfeld .mit mnsikalischem Verständnis gesungen. Herr Kantor Schönberger-Potsdam trüg den Psalm 8 von Sulzer - vor und zeigte hierbei, daß er kantorale Routine und einen voluminösen Bariton besitzt. Herr Organist H. Deckert begleitete sämtliche ., Gesänge und trug sodann in vollendeter Weise den Priestermarsch; aus der Orgelsinfonie von Ch. M. Widor vor. Machtvoll und; wuchtig erklangen die Töne des herrlichen Instruments durch das : Gotteshaus, und Herr Deckert hatte wieder einmal Gelegenheit, sich . als Meister der Registrierkunst zu zeigen. Einen besonderen Reiz erhielt das Konzert durch die Mitwirkung des rühnrlichst bekannten Cellomeisters, Herrn Professor Grünfeld.. Daß das „Kol nidre" von; Lewandowski und „Adagietto" von Bizet die Zuhörer ergriff und , vom ersten bis .zum letzten Tone im Bann hielt, ist wohl bei den Leistungen dieses Künstlers nicht verwunderlich. Gleichzeitig sei hier , besonderer Dank dem Vorstande der hiesigen jüdischen Gemeinde,., welcher die Synagoge in gütiger Bereitwilligkeit für das Konzert zur Verfügung, gestellt, sowie. dem hochgeschätzten. Ehrenkomitee, das in . liebevoller. Weise zur Förderung der Sache beigetragen hatte, abgestattet. Nach dem Konzert fand in Cassels Hotel ein Festessen statt, an welchem eine stattliche Anzahl hiesiger und auswärtiger Kantoren sowie der Ehrenvorsitzende der „Hilfskasse", Herr Justizrat Dr. Fedor Stern und Herr Chordirektor G. Bloch teilnahmen. Zu Beginn des Festessens begrüßte der Vorsitzende, Herr Kantor A. Friedmann in herzlichen Worten die Erschienenen und feierte in begeisterten Worten das Andenken Sulzers. Nach ihm ergriff Herr Justizrat Dr. Stern, das Wort zu einem Trinkspr.uch auf die „Hilfskasse". Er ermahnte die Kantoren, sich der Bedeutung ihres Berufes bewußt zu sein. Der Kantor sei von, Rechts wegen der Hauptträger des Gottesdienstes, habe infolge dessen auch ein Recht darauf, daß man ihn achte und beachte.. Es sei wünschenswert, daß der Kantorenstand ein größeres Ansehen genieße, als dies gegenwärtig der Fall. Die Kantoren sollen ihre Interessen energisch nach außen hin vertreten, dann sei zu hoffen, daß eine Wendung zum Besseren eintreten werde. Herr Kantor Schönberger-Potsdam toastete auf denKantorenstand, Kantor Dubowski- Berlin .auf einen gedeihlichen Fortbestand der „Hilfskasse", der Schriftsührer Kantor Kalischer-Berlin auf Herrn Chordirektor Bloch, dem er? für die mustergiltige Leitung des Kpnzerts dankte, Herr Kantor Ziwi- 1 Elberfeld auf den Vorstand der Berliner jüdischen Gemeinde. Weitere j Trinksprüche wurden von den Kantoren. Epstein-Berlin, Gold-Samter, I Blitz gehalten. Sodann wurde ein hon dem Schriftführer der „Hilfsß kaffe", Kantor Kalischer, verfaßtes. Festlied nach der Melodie des Sülzerschen,,Adaun aulom" gesungen, und zum Schluß gemeinsam das Tischgebet verrichtet, das dem Senior der anwesenden Kantoren, Herrn Jaeoby-Pyritz, von den Anwesenden übertragen worden war. In heiteren Gesprächen blieben die Festfeilnehmer noch längere Zeit beisammen und schieden dann von einander, befriedigt von dem schönen, würdigen Verlauf der Feier. Telegramme zur Feier waren aus Elberfeld von Herrn Kantor Wetzstein im Namen der Elberfelder Gemeinde, sowie von Herrn Oberkantor Mnkowski-Odefsa im Namen der Mitglieder, der. russischen Gemeinde, eingegangen. s. Filehne, 2. Mai. Wie ich Ihnen bereits' gemeldet habe, würde heute vor acht Tagen, am 25. w. M. hier im Geburtshaufe des unvergeßlichen Prof. Moritz Lazarus die von der Stadtgemeinde gestiftete Gedenktafel feierlich enthüllt. Am Vormittag 2 — “ .dieses TggM versammelMZIich Magistrat und Stadtverordnete inr Magistratssitzungssaäle" uüd begaben sich von hier "aus nach dem Gebürtshäuse des" Verstorbenen. Zur Feier waren auch Rabbiner Dr. Richter, sowie der Vorstand der jüdischen. Gemeinde geladen und erschienen. Bürgermeister Meifert hielt nun eine feierliche Ansprache, in der er unter anderem sagte: '„Wenn Männer durch hervorragende Leistungen berühmt geworden.sind, . so sucht man ihr Andenken im Volke 'zu erhalten. ' Ein solcher Mann war Geheimrat Moritz Lazarus. Deshalb beschlossen wir, in ehrender, Anerkennung seines Wirkens hier an seiner Heburtsstätte eine Gedächtnistafel anzubringen." Nachdem der Bürgermeister die Entwicklung von Lazarus geschildert, schloß er mit den Worten: „Wir können stolz sein, daß aus unserer Stadt ein Mann wie Prof. Lazarus hervorgegangen ist. Er war ein Held der Wissenschaft und hak' es wahrlich verdient/von seiner Geburtsstädt besonders geehrt zu werden. So falle denn die Hülle! Die TafK aber möge fortdauernd Zeugnis ablegen von den Errungenschaften der Wissenschaft, ihm, dem großen Filehner zu Ehren und künftigen Geschlechtern zur Nacheiferung." Nachdem hierauf die Hülle gefallen, zeigte sich der zahlreich erschienenen Versammlung eine aus Granit gefertigte Tafel in der'Front des ersten Stockwerks mit der Inschrift: „In diesem Hause wurde am 15. September 1824 der Begründer der Völkerpsychologie, Prof. Dr. Phil. Moritz Lazarus, geboren. Gestorben den 13 April 1903 zu Meran." Zum Schluß wurde ein von Frau Geheimrat Lazarus aus Meran abgesandtes Telegramm verlesen: „Für die Ehrung Lazarus' und seines Geburtshauses dankt schmerzbewegt seine Witwe Nah!da Ruth Lazarus." --- Königsberg, 2. Mai. Am 11. v. M, hielt der Verband der Shnagogen-Gemeinden. Ostpreußens seine 20. ordentliche Generalversammlung in Insterburg ab. Die öffentliche Verbandsversammlung wurde durch den Senior des Verbandsausschusses, - H. Eloesfer -Insterburg eröffnet, der die Versammlung auch namens der Jnsterburger Gemeinde begrüßte und dem im vergangenen Jahre '■ verstorbenen, langjährigen und viel verdienten Verbandsvorsitzenden : Isaak Eichelbaum-Jnsterburg einen ehrenden Nachruf widmete. . Die; Versammlung erhob sich zu Ehren des Verstorbenen von ihren Plätzen. Es folgte die Bureauwahl, welche ergab: Rechtsanwalt Schey-Allen- - stein, Vorsitzender, Amtsgerichtsrat Blumenfeld-Jnsterburg, stellver- ' tretender Vorsitzender, Prof. Dr. Lassar-Cohn-Königsberg, Joseph > Simonsohn-Königsberg, H. Eloesfer-Insterburg, S. Jacobh-Osterode? und Waisenhaus-Inspektor Peritz-Königsberg. Den nächsten Punkt der Tagesordnung bildete die Wahl eines neuen Verbandsvorstehers ' an Stelle des verstorbenen I. Eichelbaum-Jnsterburg. Es wurde einstimmig dafür Rechtsanwalt Schey-Allenstein gewählt, der auch; die Wahl mit Worten des Dankes und mit dem Gelöbnis treuer : Hingabe an die Interessen des Verbandes, wie einer versöhnlichen ' und allezeit sachlichen Leitung der Verbandsgeschäfte annahm. Der : Sitz des Verbandes geht damit auf die Gemeinde Allenstein über. ' Der Kassenkurator des Verbandes, B. Holz-Insterburg, erstattete : darauf, den Kassenbericht, der in Einnahme und Ausgabe mit zirka ' 2000 Mark balanzierte und ein Stammvermögen von rund 11500 Mark aufwies. Auf Antrag der Kassenrevisoren M. Barczinsky- Allenstein . und M.. Jacobsberg-Zinten .wurde dem Kassenkurator später die. Decharge erteilt. lieber den Stand und die - Entwicklung der ostpreußischen Pensionskasse berichtete der Schatzmeister. der Pensionskasse, Joseph. Simonsohn-Königsberg. Die Versammlung nahm mit freudigem Interesse von der gedeihlichen Entwicklung, dieses jungen Kaffeninstituts, das in r drei Jahren ein Vermögen von rund 24000 Mark gewonnen und bereits eine segensreiche Wirksamkeit in der Provinz ausübt, - Kenntnis. Den Bericht über, die Religionsschulen der Provinz gab iin Behinderung des zeitigen Vorsitzenden der Schulinspektion " Rabbiner. Dr.. Beermann-Jnsterburg. Die Religionsschul-Verhältniffe der Provinz würden dabei in ausführlicher Weise, besprochen und . mannigfache Anregungen zu einer Besserung der Verhältnisse gegeben. Die Einrichtung von Bezirksrabbinaten wurde schon in der voran- : vorangegangenen Ausschutzsitzung wegen der vorläufig noch ungesestigten , Stellung; der . Kültusbeamten als . zeitig nicht opportun.. erachtet. ■j Waisenhaus-Inspektor Peritz-Königsberg. referierte darauf über- .den von der Schulkommission des Verbandesausgearbeiteten und auch von der Lehrerschaft Ostpreußens bereits im wesentlichen angenommenen MMSMMWMWMWWWUMMWDNNNM^ mmm

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