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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-05-13 · Heft 20 (13.5.1904) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 20 (13.5.1904)
Date
1904-05-13
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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68. Jahrgang. No. 20. Berlin; 13. Mai 1904. Beilage zur „Allgemeinen Leitung ölji Judentums" SorrklponÄrn?rn und Mschrichtm. Deutschland. . §2 Berlin, 8. Mai. In Ausführung des Beschlusses, der j Plenarversammlung des „Vere ins für jüdische -Statistik" wurde! ein Kuratorium zur Verwaltung der dem Verein züfließenden Fonds gebildet. In der konstituierenden Sitzung des Kuratoriums wurde zum ersten Vorsitzenden Sanitätsrat Dr. Maretzki, zum zweiten Vorsitzenden Geh. Sanitätsrat Dr. Blumenthal, zum Schatzmeister Herr \ Benno Braun gewählt. Als Mitglieder gehören dem Kuratorium in - Berlin an: Professor Dr. Martin Philippson, Justizrat Dr: Eugen Fuchs, Professor Dr. Baginsky. Drl Maximilian H'orwitz, Sanitätsrat! Dr. Polläck, Dr. Hirsch Hildesheimer, Rabbiner Dr. Weiße, Justizrat! Dr. Max Fuchs. Der Vorstand des „Vereins für jüdische Statistik"! ist im Kuratorium durch seinen Vorsitzenden Dr. Alfred Nosfig derj treten. Als korrespondierende Mitglieder traten dem Kuratorium die j namhaftesten jüdischen Notabeln in Deutschland und in anderen! Ländern bei. Im Einklänge mit der vom Vorstand des „Vereins für jüdische Statistik" der Plenarversammlung unterbreiteten Vorlage beschloß das Kuratorium, ein Zentralbureau für jüdische Statistik als gemeinsame Schöpfung alter jüdischen Organisationen und Großgemeinden ins Leben zu rufen. Die diesbezügliche Aktion ist bereits in vollem Gange. Von den jüdischen Organisationen hat als erste der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens einen namhaften Beitrag für das zu errichtende Zentralbureau gezeichnet. i Mehrere andere Organisationen haben das Kuratorium bereits verständigt, daß sie geneigt sind, an den Kosten des Zentralbureaus zu partizipieren. Es ist also begründete Aussicht vorhanden, daß in nächster Zukunft ein Institut entstehen wird, - welches die genaue Kenntnis der Verhältnisse aller Gruppen der jüdischen Bevölkerung vermitteln und damit zur rationelleren Gestaltung sämtlicher jüdischen Wohlfahrtsaktionen, vor allem aber des jüdischen Auswanderungs¬ und Ansiedlungswesens wesentlich beitragen wird. --- Berlin, 9. Mai. Die Allgemeine israelitische Allianz hat nn den letzten Wochen in Ost-Deutschland eine rege Propaganda entwickelt. Rabbiner Dr. Riemirower aus Jassy berichtete aus Grund seiner langjährigen verdienstvollen Tätigkeit im Osten über die sozialpolitische Lage und die kulturellen und religiösen Verhältnisse der Juden in Rumänien und in der Türkei. - Er erörterte hierbei die Ursachen, die insbesondere die Juden Rumäniens fortgesetzt zur Auswanderung drängen, schilderte die düsteren Szenen, die sich im Jahre 1900 bei der gewaltsamen Rückbeförderung jener Elenden aus Oesterreich-Ungarn abspielten und beschrieb das große Hilfswerk, das die. Allianz in den letzten Jahren in Rumänien ins Leben rief. - Im Anschluß daran gab Sekretär Dr. M. Friedländer aus. Berlin ein zusammenfassendes Bild der Geschichte und der gegenwärtigen Tätigkeit der Allianz und behandelte namentlich die ideelle Bedeutung ihrer universellen Organisation. Trotz der . vorgerückten. Jahreszeit waren .die Versammlungen oft stark besucht, so in den Gemeinden Thorn; Danzig, Königsberg, Memel, Posen, Kattowitz, Breslau. Die Redner sprachen ferner mit gutem Erfolg in Bromberg, Jnowrazlaw, Schneidemühl, Graudenz, Elbing,. Tilsit, Wreschen, Kempen, Ra.tibor, Gleiwitz, Zabrze. 1. Berlin, 11. Mai. Der Verein Lehrlingsheim Pankow versendet seinen Achten Verwaltungsbericht. Mit diesem wird von neuem der Beweis erbracht, daß der Gedanke, welcher vor 13 Jahren mit der Begründung der Anstalt — dieselbe erfolgte im Jahre 1891, während die Verwaltungsberichte von 1896 zählen, verwirklicht werden sollten, seine vollste Berechtigung verdiene, und der Rückblick aus dieses f Berichtsjahr rechtfertigt vollständig die auch von uns schon früher - wiederholt hier ausgesprochene Ueberzeugung, daß das Lehrlingsheim für die Lösung der sozialen Aufgaben der-Gegenwart ein unentbehrliches Mittel geworden ist, und daß,' wenn die Anstalt nicht schon bestände, ihre alsbaldige Begründung eine unabweisliche Notwendigkeit wäre. Neben seinen allgemeinen Zweck verfolgt der Verein aber auch den besonderen: einen tüchtigen jüdischen Handwerkerstand heranbilden zu helfen; er will durch seine Tätigkeit den Mitbürgern anderen.Glaubens dartun, daß der Jude auch, im Handwerkerstände ebenso tüchtig sein könne als in anderen Berufszweigen und als der Andersgläubige. Wir entnehmen nun dem Bericht, daß diese Zwecke immer, mehr bei unseren Glaubensgenossen Verständnis finden, und daß der Kreis derer, welche die Ziele des Vereins durch Rat und Tat unterstützen, in stetigem Wachsen begriffen sei. Die Zahl der Mitglieder ist auf 850 gestiegen, gegen 781 im Vorjahr. Auch die Einnahmen weisen dementsprechend eine bedeutende Steigerung auf. Die Beiträge zur immerwährenden Mitgliedschaft (einmaliger Betrag von mindestens 500 Mark), die Jahresbeiträge ^jährlicher Beitrag von mindestens 10 Mark) und' Geschenke erlangten im Berichtsjahr eine Höhe von über 36000 Mark, gegen etwas mehr als 20000 Mark im Vorjahr. Hervorgehoben zu werden verdienen: 10.000 Mark aus dem Nachlaß des immerwährenden Mitglieds, des verstorbenen Kommerzienrats Herrn Albert Arons, 10000 Mark aus der Jakob Plaut-Stiftüng, je 3000 Mark von Herrn James Simon und von Herrn Julius Oppenheim, sowie zweimal je 1000 Mark von Frau Frau Franziska Ginsberg, die gleich ihrem' seligen Gatten Herrn Adolph Ginsberg seit Jahren zu den Gönnern des Lehrlingsheims zählt. Als nachahmenswertes Beispiel,- das Andenken an teure Tote, dessen Pflege unseren Glaubensgenossen. ja von Alters her besonders am Herzen liegt, lebendig zu bewahren, ist von dem Mitbegründer des Lehrlingsheim, dem von der vorjährigen Generalversammlung einstimmig zum ersten Ehrenmitglied e gewählten Kurator Herrn Joseph Fränkel, eine neue Stiftung ins Leben gerufem worden Die Zinsen dieser Stiftung, die aus Anlaß des am 2. August v.J. in Karlsbad erfolgten Ablebens der Gattin des Stifters, mit einem Kapital von 6000 Mürk errichtet, Clar a - Fr ä n kel - S ti ftun g genannt wird und deren Satzung der Bericht enthält, sollen, sobald der Grundstock die Höhe von 25 000 Mark erreicht hat, zu den allgemeinen Zwecken der Anstalt Verwendung finden. Daß diese Summe in nicht allzu langer Zeit erreicht sein wird, dürfte bei dem lebhaften Interesse des Stifters und seiner Angehörigen für das Lehrlingsheim, mit großer Sicherheit erwartet werden. — Ausgenommen wurden im Lause des Berichtsjahrs — das ist vom 1. April 1903 bis zum 31. März 1904 — 20 neue Zöglinge, als Gesellen entlassen 16 Insassen mit folgenden Berufsarten: 1 Buchbinder, 1 Chemigraph, 1 Glaser. 1 Gürtler, 1 Klempner, 1 Maler, 3 Mechaniker, 1 Rohrleger, '1 Schirmmacher, 3 Schlosser, 1 Tischler und 1 Uhrmacher. In den Vorjahren sind 48) entlassen worden, sodaß seit Bestehen des Instituts 64 Zöglinge als Gesellen ausgebildet worden sind, Die Anstalts- Bibliothek zählt 902 Bücher gegen 840 im Vorjahr. Die Kosten für einen Zögling beliefen sich bei voller Verpflegung pro Tag auf ungefähr 73.Pfennig, haben sich also auf dem Satz des Geschäftsjahres 1902/03 gehalten, obgleich bekanntlich alle Lebensmittel in- - zwischen erheblich im Preise gestiegen sind. Bei einem Bestand von 44)-bis 50 Zöglingen ist ein Betriebskapital von rund 27 000 Mark erforderlich.' Vernehmen wir nun, daß die Anstalt Raum für mehr als 60 Zöglinge hat, daß ferner seit Begründung des Instituts ein nicht zu bewältigendes Material, nicht nur auS Berlin und seinen Vororten, sondern aus ällett Teilen des Deutschen Reiches, dem ' Kuratorium zur Verfügung ^steht, und daß. endlich Jahr für Jahr 50 bis 60 Prozent der Aufnahmegesuche, im Wesentlichen aus Mangel an Mitteln, abgelehnt werden müssen: so wird es auch begreiflich. - wenn der Bericht mit der dringenden Bitte an unsere mit Glücksgütern gesegneten Glaubensgenossen schließt, bei jeder Gelegenheit dieser gemeinnützigen Anstalt zu gedenken und trotz der 'Fülle von * sonstigen jüdischen Wohlfahrtseinrichtungen dieses Institut en seinem Streben Nach Bildung eines tüchtigen jüdischen Handwerkerstandes ' kräftigst zu unterstützen. Wir unsererseits schließen mit dem Wunsch, daß diese Bitte überall Erhörung finden möge!

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