Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 19 (6.5.1904)
- Date
- 1904-05-06
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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ergehen lassen; aber über diese vorbereitenden Schritte sind wir bisher nicht hinausgekommem Und doch wäre die Gründung eines israelitischen Frauenbundes von besonderer.Wichtigkeit und Bedeutung für die'Durchführung mannigfacher sozialer Ausgaben, die uns heute obliegen. Abgesehen von der Möglichkeit der gegenseitigen Förderung und gemeinsamen Regelung der Wohltätigkeitsbestrebungen, würden auch die Interessen der in gewerblichen Berufen' arbeitenden Frauen und Mädchen .besser gewahrt werden können, da die Stellenvermittlung beim Ortswechsel hierdurch erleichtert würde. Lp. Aus der Provinz Posen, im April. Frau Rosa Salomon in Schocken beging kürzlich unter herzlicher Anteilnahme der gesamten Bevölkerung daselbst ihren 90. Geburtstag. — Der aus Lobsens' stammende Kaufmann Brasch aus Berlin hat/ seiner Heimatgemeinde den Betrag von 5500 Mark als Stiftung überwiesen mit der Maßgabe, daß die Zinsen an unbemittelte Leute daselbst am. Jahrzeitstage der Eltern ausgezahlt werden, jedoch sollen sich die einzelnen Beträge nicht unter 50 Mark belaufen. — Am 7. d. M. ist in Posen einer der hervorragendsten Vertreter der dortigen Kaufmannschaft, Max Kantorowicz, Mitinhaber der Firma Kantorowicz, im Alter von 61 Jahren gestorben. — Kantor Wittenberg aus Neustadt a. W. ist als Kultusbeamter nach Gollantsch berufen worden. — Dem bisherigen Magistratsmitgliede Henry Levh aus Rogasen ist anläßlich seiner Uebersiedelung nach Berlin von dem Magistrat seines bisherigen Wirkungsortes ein ehrendes Diplom überreicht worden. — Der in München lebende Rentier Arnold Pilz hat seiner Vatergemeinde Ostrowo für den dortigen israelitischen Krankenpflege-' und Leichenbestattungsverein einen Betrag von 300 Mark als Spende überwiesen und dadurch das Recht eines .immerwährenden Mitgliedes des Vereins erworben. — Nach einem Bericht aus der jüngst stattgehabten Generalversammlung des jüdischen Krankenpflegevereins in Grätz zählt der Verein jetzt 63 Mitglieder und verfügt über ein Vermögen von 15 546,37 Mark sowie über Hausgrundstück. Im letzten Jahre hatte der Verein eine Einnahme von 1891,20 Mark und eine Ausgabe von 1787,83 Mark; von dem letzteren Betrage wurde fast ein Drittel zu Armenunterstützungen verausgabt. / s. Lübbecke, 24. April. Am 10. d. M. wurde der in Lehrerkreisen unserer Provinz allgemein geschätzte Lehrerveteran N. Kronenberg-Bünde zu Grabe gebracht. 50 Jahre waltete der Verblichene in Pflichttreue seines ihm allezeit teuren Berufes, wovon 40 Jahre segensreichster Tätigkeit als Lehrer, Prediger und Vorbeter .auf Bünde entfallen. In diesem fast ein Menschenalter umfassenden Zeitraum hatte es der Verklärte verstanden, Liebe und Achtung in sehr hohem Maße bei seiner Gemeinde und der Bürgerschaftsich .zu erwerben. Von letzterem legte die vor 12 Jahren seitens der Stadtbehörde erfolgte Pensionierung des Entschlafenen, der bis zu diesem Zeitpunkte nur an einer Privatvolksschule tätig war, noch besonderes, ehrendes Zeugnis ab. Kronenberg war Mitbegründer des Vereins und der Unterstützungskasse israelitischer Lehrer Rheinlands und Westfalens und hat zur Anerkennung und Hebung des jüdischen Lehrerstandes sein redliches Scherflein beigetragen. Gar manches Jahrzehnt blieb sein Haus der Sammelplatz seiner Berufsgenossen. Seine Menschenfreundlichkeit und sein friedliebendes, bescheidenes Wesen machteix ihn in allen Kreisen geschätzt und beliebt. Den Leichenkondukt bildeten die Behörden der Stadt, die jüdische Gemeinde, die Bürgerschaft in stattlicher Vertretung, jetzige und ehemalige Schüler, hiesige und auswärtige .Kollegen aller Konfessionen. Herr Prediger Liepmannsohn- Minden, der im Trauerhause ein Abschieds- und Trosteswort an den Entschlafenen und an die Seinigen gerichtet, entwarf am Grabe in formvollendeter, von Herzen zu Herzen gehender Rede unter Zugrundelegung des Bibelwortes: „Hilf Herr, ein Frommer ist dahingegangen, es scheiden die Frommen von der Erde!" das Lebens- und Charakterbild des Entschlafenen. Hierauf rief Lehrer Rhein-Rhaden tiefempfundene Abschiedsgrüße dem entschlafenen Freunde und Kollegen ins offene Grab nach. Nachdem sich die Gruft über dem.ehrwürdigen Lehrergreis geschlossen, versammelten sich die Gemeindemitglieder zu einem Trauergottesdienste. Mit dem Gemeindegesang: Was Gott tut, das ist wohlgetan," begann die tiefernste Feier. Dann gedachte Lehrer Lazarus-Lübbecke der Wirksamkeit des Entschlafenen in Schule und Gotteshaus unter Hinweis auf die Bedeutung dieser heiligsten Pflanzstätte menschlicher Wohlfahrt. Den Ausführungen diente das Psalmenwort Davids „Aus, dem Munde der Jugend gründest du dir eine Macht" zum Text. In dem Chorgesang „Wie sie so sanft ruhw" fand die Gedenkfeier ihren erhebenden Abschluß. in. Vom Rhein, 1 Mai. Am. 17. v. M. tagte in Köln der Provinz-Verband rheinischer Synagogen-Gemeinden! Wichtige Fragen harrten ihrer Lösung. Der Vorsitzende, Herr Da Apfel-Köln, begrüßte die Erschienenen und gab zunächst einen Jahresüberblick über die Tätigkeit des Verbandes. Durch seine Beihilfe . wurde in vielen kleinen Gemeinden ein Religionsunterricht eingerichtet. Der Kinderbewähranstalt in Köln, die auch die jüdischen Fürsorgezöglinge aufnimmt, wurde ein Zuschuß gewährt. — Herr Dr. Apfel legte dann seine Bemühungen zum Ausgleich in den Meinungsverschiedenheiten zwischen Rabbinern und Lehrern bezüglich der Inspektion des Religionsunterrichtes dar. Auf seine Veranlassung ist eine Kommission, bestehend aus Rabbinern/ Lehrern und einem Delegierten des Gemeindeverbandes eingesetzt worden, die eine Einigung herbeiführen soll. Eine Reihe von Schulen, die vom Verbände oder! dein Deutsch-Israelitischen Gemeindebund unterstützt werden, wurden inspiziert; die Lehrer an diesen Schulen reichen einen Bericht über die durch genommenen Pensen ein. Auch sonst hat der Verband vielen Gemeinden mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Die Nützlichkeit wes Verbandes gewann ihm immer mehr Anhänger, sodaß Koblenz mit den umliegenden Gemeinden sich zu einem Bezirksverband zusammenschloß, der eine erfreuliche Erweiterung des Provinzverbandes somit bewirkte. Herr Rabbiner Dr. Samuel- Essen hielt ein Referat über den auf dem neunten Gemeindetag in Berlin verhandelten Antrag, Bezirksrabbinate zu bilden, und berücksichtigte besonders die rheinisch-westfälischen Verhältnisse. Nach seiner Meinung sind für die 50000 Seelen dieser Provinzen nicht genügend Rabbiner vorhanden. Er hält es für notwendig, um eine dauernde Besserung in den kleinen Gemeinden herbeizusühren, mehr Rabbinate zu'schaffen und jede Gemeinde einem Bezirksrabbinate anzuschließen. Unbedingte Voraussetzung sei es aber, daß der Kompetenzstreit zwischen Rabbinern und Lehrern vorerst geschlichtet werde. Er empfahl folgende Resolution zur Annahme: 1. Der Provinzialverdand rheinischer Shnagogengemeinden spricht sich für die vom 9.- Gemeindetage geforderte Einrichtung von Rabbinatsbezirken auch in der Rheinprovinz aus, hält jedoch-dafür, daß zur Durchführung derselben die Kreierung von Rabbinatssitzen bei allen dafür geeigneten Gemeinden anzubahnen sei. 2. Er tritt mit dem rheinischen Rabbinerverbande in Verhandlung über die zu entfaltende.Tätigkeit. Bei der nun' folgenden lebhaften Diskussion ersuchte der Vorsitzende wiederholt, die Kompetenzfrage auszuscheiden.' Schließlich wurde folgender Antrag fast einstimmig angenommen: Der Gemeindetag hält'die Bildung von Bezirksrabbinaten im Prinzip für nötig. Der Antrag: Beitritt zur Gesamtorganisation der deutschen Juden fand einen günstigen Boden. Der Vorsitzende wies einleitend mit warmen Worten auf die Notwendigkeit einer solchen Organisation hin, die als eine offizielle Stelle der deutschen Judenheit die gegen uns gerichteten Angriffe energisch zurückweisen könne. Von vielem Rednern wurde der Beitritt nachdrücklich befürwortet und einstimmig auch beschlossen. Nur wurde die Zusammenstellung einzelner Bezirke, wie sie vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebund ausgegapgen ist, von mehreren Delegierten bemängelt und der Wunsch geäußert, Bezirke von je 2000 jüdische Seelen zu bilden. Aus. dem Kassenbericht ergab sich,, daß die Einnahme 2691,97 Mark und die Ausgaben 2449,58 Mark betrugen. — Der Gemeinde Goch wurde durch einen ehemaligen Gocher, der jetzt in Paris seinen Wohnsitz hat, eine Gabe von 20000 Franks zuteil, die kulturellen Zwecken dienen sollen. — In Düsseldorf starb infolge eines Herzschlages der Religionslehrer Loebenstein im Alter von 53Jahren. Er hinterläßt in der Gemeinde, der er lange Jahre seine Dienste gewidmet, ein gutes Andenken. / s. Mainz, 28. April. Das hessische Schulminifterium hat abermals bewiesen, daß es dem jüdischen Lehrerstand reges Interesse widmet. Es hat nicht nur jüngst mehrere Schulafpiranten israelitischen Glaubens an Volksschulen ängestellt, sondern auch den seitherigen allgemein geachteten, tüchtigen Religionslehrer der israelitischen Religionsgemeinde Mainz, Herrn S. Eschelb ach er, einen Neffen des Berliner Rabbiners, definitiv als ordentlichen Lehrer an das