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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-05-06 · Heft 19 (6.5.1904) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 19 (6.5.1904)
Date
1904-05-06
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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sA&i ständige Religion die Habe aller sei. Eine Rückkehr inderAnschauung' des. Judentums stellt es dar, wenn im Protestantismus' diese Einheit^ der Gemeinde wieder hergestellt Werden soll; aber dieselbe wird hier wieder durchbrochen durch die Bedeutung, die das zu begreifender ° „Wort" enthält, und die Einheit ist nur die äußerliche des Bekenntnisses. Das Judentum erhält eine Einheit durch die Allgemeinheit. des religiösen Ideals, welches alle in gleicher Weise betrifft, bic; einzige religiöse Einheit, die alle umfassen kann. Auf ihr beruht der Glaube; denn wir können nur das glauben, was wir tun. — Aus den auswärtigen Literaturvereinen: In Königsberg spracht Professor Rühl über „Rikolaos von Damaskus, den Kanzler des- Herodes"; in Tilsit Dr. Carleb ach-Memel über „Cäsarea, die. Rivalin Jerusalems": in Frankfurt a. O. der Schriftsteller Herbert Katz über „Moderne soziale Bestrebungen im Judentum"; Referendar Dr. K. Alexander über die „Wirtschaftlichen' Berhältnisfe der. deutschen Juden im Mittelalter"; in Kulm Professor Dr. Horowitz^ Thorn über „Leroh-Beaulieu", Dr. Gu ttmann über „Judentum und Toleranz", Frau Rahmer-Nothmann-Breslau rezitierte „Ernstes und Heiteres"; in Briefen Dr. Pick-Strasburg (Westpr.) über „Nathan der Weise und der Talmud"; Dr. Epp enstein über „Gabirol, ein jüdischer Denker und Dichter"; Dr. Guttmann-Kulm über „Dasjüdische Weib", Dr. med. Wolf über „Gabriel Rießer" und Dr. Nordheimer-Schwetz über „Das Kaddischgebet"; in Schwetz Dr. Rosenthal-Pr.-Stargard über „Psalmen und Weltliteratur" und Privat-- dozent Dr. Georg Huth-Berlin über „Die Juden in Sibirien nach eigenen Reisebeobachtungen und Studien", -Frau Rahmer-Nothmann- Breslau rezitierte „Ernste und heitere Dichtungen"; in B r o m - berg, Jnowrazlaw und Schneidemühl Dr. Niemirower-? Jassy und Dr. M. Friedländer-Berlinüber „DieLage derJudenim Orient"; in Kattowitz sprachen Dr. Löwenthal-Tarnowitz über „Die Juden in der Weltgeschichte", Dr. Braunschweiger über, „Der Dichter Jehuda Halevi", Rabbiner Dr. Cohn „Bibel und- Babel", Dr. Rosen berg „Ein mittelalterlicher Heine"; in T Horn- Dr. Zivi er über „Jüdische Elemente in der russischen Volkspoesi<; in Pleß Dr. Pinn-Berlin über „Die Bedeutung des Judentums für die Erhaltung.und Belebung üer Wissenschaften", Rabbiner Dr." Cohn über „Weseü ünd Inhalt des Talmud", Dr. Emmerich-Tarnowitz über „Hillel und seine Zeit". Im Laufe, dieses Jahre soll eine Bibliothek eingerichtet werden, für die der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens den Grundstock gestiftet hat. In Magdeburggedachte Rechtsanwalt' Ehoyke in besonderer Ansprache des verstorbenen Rabbiners Dr. Rahmer; Dr. Grzhmisch sprach über „Die Ethik des jüdischen Familienlebens"; in Dresden hielt Dr. Ziegler einen Vortrag überden „Größten Geistesrevolutionär des alten Israel", nämlich über den Propheten Ämos; in M.-Gladbach sprachen Dr. C oblenz-Bielefeld über „Zionismus", Dr. Ackermann-Brandenburg über „Christentum und Judentum", Lehrer Fröhlich über „Herder und seine Bedeutung für das Judentum", W. Bambus-Berlin über „Palästina",.' Rabbiner Dr. HoroWitz-Krefeld über „Berthold Auerbach"; in Alzey Dr. David-Bochum über „Jüdische Maler und Bildhauer"; in Mülhausen Divisionspfarrer Dr. Partner über „Die Bibel und. die Denkmäler des Pharaonenlandes" . — Neue Literaturvereine wurden gegründet in Dessau und Rödelheim. ■— seli. Küftrin, 2. Mai. Nachdem der Stadtgemeinde das Recht ' zugesprochen, selbständige Beschlüsse über Erlaubnis oder Verbot des Schächten? in den städtischen Schlachthäusern zu fassen, ist' dieser. Punkt in meist leidenschaftlicher Weise schon von mehreren" Stadtvertretungen, speziell in unserer Provinz ausgeführt worden. Nach Potsdam, wo wohl die Angelegenheit immer noch nicht ganz entschieden, kam Angermünde. Dort ist — wie schon in der vorigen Nummer erwähnt — auch ein, infolge des schon bestehenden Schächtverbots, an den Magistrat seitens der dortigen Synagogengemeinde" gerichtetes Gesuch, betreffend Erlaubnis zum Bau und Betrieb eines eigenen Schlachthauses abschlägig beschieden worden. Auch in unserer Stadt hatten vor kurzem — wie seinerzeit mitgeteilt — die- Stadtverordneten auf Antrag des Magistrats beschlossen, ein Verbot des Schächtversahrens im städtischen Schlachthause zu erlassen. Da inzwischen aber alles beim alten blieb, hoffte man, daß der Beschluß nicht zur Ausführung gelangen würde. Der Antrag wurde aber in der? letzten Sitzung, ngch einmal zur,Beratung , 'gestellt und das Verbot mit 19 gegen 9 Stimmen^ von der Stadtverordnetenversammlung abermals beschlossen. — Dagegen hat die Fleischerinnung in Prenzlau gegen das auch vom dortigen Magistrat beabsichtigte Schächtverbot Einspruch erhoben, weil - sie die Einbuße -fürchtet, die dadurch die Fleischer erleiden würden, wenn die etwa 80 dortigen jüdischen Familien künftig ihren Fleischbedars von auswärts beziehen würden. Die Stadtverordnetenversammlung hat'.sich deshalb auch gegen das Schächtverbot ausgesprochen. ' - .- n. Stettin, 28. April. Der hiesige israelitische Frauen- und Wöchnerinnen-Verein hat schon seit mehreren Jahren sein Arbeitsgebiet bedeutend erweitert, sich nicht nur damit begnügt, Armen, Kranken und Wöchnerinnen seine Unterstützung zu teil werden zu lassen, sondern auch sein Augenmerk darauf gerichtet, die Erwerbstätigkeit der Frauen zu heben und zu fördern, vor allem die Heranwachsenden Mädchen für einen Arbeitsberus ausbilden zu lassen. ' Diese soziale Wirksamkeit ist nunmehr im letzten Jahre noch auf ein anderes Gebiet — auf die Fürsorge für weibliche Angestellte ausgedehnt wordxn. Nachdem vom Vorstande und aus den Vereins.- mitgliedern heraus mehrere Kommissionen gebildet sind, die die verschiedenen Zweige der fürsorglichen Hilsstätigkeit selbständig und doch unter einheitlicher Leitung aussühren — je eine Kommission für Krankenpflege, für,Erziehungsangelegenheiten, für die Veranstaltung von geselligen Vereinsabenden, — ist besonders in der letzten Zeit die von der Kommission für die, den weiblichen Angestellten gewidmete Tätigkeit, durch die Einweihung eines eigenen Klub- und Vereinszimmers hervorgetreten und hat einen erwähnenswerten Fortschritt erzielt. Denn auch hier, wie in vielen großen Städten, ist eine beträchtliche Anzahl von in den kaufmännischen Geschäften Angestellten, die, fremd und ohne Familienanhang am Orte, den Anschluß an eine Gemeinschaft oft sehr vermissen. Obwohl der kaufmännische Verein für weibliche Angestellte der Tendenz nach alle Mitglieder ohne Unterschied der Konfession gleichstellt, so bleibt denn doch den Jüdinnen noch ein besonderes Verlangen übrig, sich ihren Glaubensgenossinnen anzuschließen. Ihnen vertrauen sie sich doch leichter an mit ihren Sorgen und Mühen; von ihnen erhoffen sie Rat, Hilfe und Förderung. Aus diesem Gesichtspunkte heraus hat der israelitische Frauenverein und die dafür gewählte Kommission sich dieser Aufgabe gewidmet. Wie dankbar das Bemühen des Frauen- Vereins, beiden jungen im Berufe. stehenden Mädchen empfunden wurde,» zeigt sich an dem allgemeinen Interesse. Um eine Abzweigung oder eine eigene Vereinsgründüng zu vermeiden, hat der Frauenverein die jungen Mädchen als „außerordentliche Mitglieder" gegen einen kleinen, jährlichen Beitrag ausgenommen. Dadurch ist es möglich geworden, "einen engeren Zusammenschluß aller Mitglieder der verschiedensten Gesellschaftsklassen zusammenzubringen. In mehreren geselligen Vereinsabenden im Lause des letzten Winters hat es sich gezeigt, welch wohltätigen Einfluß dieser Versuch aUsübt, einen gewissen Ausgleich der schroffen Gegensätze zu schaffen und ein Bänd der Gemeinsamkeit herzüstellen. Am letzten Sonntag ist der. Schlußstein — vielmehr der Grundstein — dieses begonnenen Hilfswerkes gelegt worden durch ’trie feierliche Einweihung des Klub- und Vereinszimmers. Ein schöner Chorgesang,-ausgeführt von' mehreren jungen Mädchen, leitete die Feier ein, woraus Dr. Vogelstein in seiner Weiherede Zweck und Ziele dieser bedeutsamen' Einrichtung darlegte, die er als im Geiste der jüdischen Gepflogenheit, sozial zu wirken, bezeichnete. Danach sprach die Vorsitzende des' Komitees. Sie versicherte in warmen Worten und mit liebenswürdiger Herzlichkeit die jungen Angestellten der mütterlichen Freundschaft, forderte sie auf, mit Vertrauen und steter Offenheit an die Kommissionsmitglieder heränzutreten, versprach das kleinste und größere Anliegen mit eifrigem Wohlwollen zu berücksichtigen. Der schöne Anfang ist gemacht. Die Erwartung, daß die Einrichtung sich segensreich bewähren werde, ist wohl berechtigt! — Nunmehr wäre noch zu wünschen,; daß die seinerzeit vom Stettiner israelitischen Frauenverein in dieser Zeitung gegebene Anregung, einen Zusammenschluß aller israelitischen Frauenvereine zu einem Bunde zu veranstalten, ausgeführt würde. Der israelitische Hilssverein Frankfurt und der Hümänitätsverein Hamburg hatte damals bald die Idee ausgegriffen und gedruckte Aufforderungen zu einer Verbindung

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