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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-05-06 · Heft 19 (6.5.1904) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 19 (6.5.1904)
Date
1904-05-06
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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Realgymnasium und die Oberrealschule in Mainz berufen, woselbst ihm sofort ein Ordinariat übertragen wurde. i. München, .26. April. Am 24. d. M. wurde auf dem israelitischen Friedhöfe, an der Seite seiner Gattin, einer, geborenen Kaulä, der im Alter von 71 Jahren verstorbene Hofrat und praktische Arzt Dr. A. Wertheimber zur Erde bestattet. Zur Erweisung der letzten Ehre hatte sich eine stattliche Trauerversammlung eingefundeü. Rabbiner Dr. Werner widmete dem Verstorbenen einen tief empfundenen, hoch ehrenden Nachruf. Er schilderte ihn als das Musterbild eines edlen Menschen und tüchtigen Arztes, als einen vornehmen, charakterfesten, zugleich bescheidenen und zartsinnigen Mann, wie als einen für seinen Berus besonders prädestinierten Arzt, der in einer ausgedehnten, bis in die höchsten Kreise sich erstreckenden Praxis mit hingebender Opserwilligkeit unermüdliche Geduld, namentlich in seiner , Eigenschaft als Kinderarzt, vereinigte. Besondere Würdigung fand die segensvolle Tätigkeit, die der Dahingeschiedene zurzeit der großen Typhusepidemie entfaltete, wie auch sein rastloser Forschereiser, der in wissenschaftlichen Vorträgen und Fachschriften zum Ausdrucke kam. a. Gailingen, 15. April. Das sechste Betriebsjahr zeigt das hier bestehende Friedrichsheim für israelitische Sieche und arme Greise in ungestörter Fortentwicklung. Zu den 20 Pfründnern, welche es beim Jahresbeginne bewohnten, sind fünf neu hinzugetreten. Durch zwei Austritte und das Ausscheider: einer Frau, welche für ein Vierteljahr versuchsweise Aufnahme gefunden hatte, hat sich die Zahl auf 22 und durch einen, fast am Jahresschluß erfolgter: Todesfall auf 21 (4 Männer und 17 Frauen) herabgemindert. Die Zahl der Mitglieder ist um 24 gestiegen, die Spenden und auch die Verpflegungsbeiträge etwas höher geworden. Die ihrem Wesen nach mannigfach wechselnden Grundstocksgaben blieben hinter denen des Vorjahres zurück. Obschon von einer bemerkenswerten Zunahme an Mitteln nicht gesprochen werden kann, zeigt sich der Aufschwung darin, daß die alten Freunde fast alle treu geblieben sind, und immer neue geworben werden. Die Einnahmen betrugen 19792,61 Mark. Die Ausgaben deckten sich ungefähr mit diesem Betrag. Das Vermögen beträgt 125170,28 Mark. Den Gesamtvorstand bilden die Herren: Rabbiner Dr: Lewin, Vorsitzender; Ludwig Weil, Schriftführer, Freiburg; Heinrich S. Epstein, Kassierer, Eichstetten; Jacob Bernheimer, Gailingen; Ernst Carlebach, Heidelberg; Julius Ettlinger, Mannheim; Anwalt Dr. Friedberg, Karlsruhe; Daniel Guggenheim, „zum Schloß"; Leop. Jos. Guggenheim, Samuel Josef Guggenheim, Gailingen; Bened. Herzberger, Breiten; Fritz Hamburger, Karlsruhe; JsaacLang, Altdors; Rabbiner Dr. Löwenstein, Mosbach; Louis Marx, Bruchsal; Ludwig Rothschild, Gailingen; Dr. Rothschild, Randegg; Anwalt Dr. Staadecker, Mannheim; Emanuel Strauß, Osterburken; .Moritz Strauß, Tauberbischossheim, Leo Wertheimer, Bühl; Joses . Zimmern, Mannheim. Möge das Friedrichsheim immer mehr zu einer Landesanstalt werden, indem es Pfründnern aus allen Teilen des Landes seine Pforten öffnet, und von allen Gemeinden gefördert wird. OesterreLch-Anssrn. LH Wien, 2. Mai. Der Allgemeine Oesterreichisch - Israelitische Bund ist ein Veilchen, das im Verborgenen blüht. Nur aus dem Jahresbericht des „Bundes" hört man von seiner Existenz. Darin wird über die Tätigkeit des Bundes nach allen Richtungen \ folgendes gesagt: „Die unaufhörliche, unter allen Vorwänden und mit allen Mitteln gegen uns betriebene Hetze, die Ungeniertheit, mit der jeder, auch der unsinnigste Anlaß in der antisemitischen Presse und in öffentlichen Vertretungen ausgebeutet wird, um unsere Glaubensgenossen in ihrer Ehre zu kränken, in ihrer wirtschaftlichen Existenz zu behindern, macht die Ausgestaltung einer umfassendenzielbewußten Organisation zu einer stets wachsenden Notwendigkeit. Als eines der wichtigsten Mittel hierzu schwebt uns unausgesetzt das Ziel vor Augen, durch unsere Vereinigung — der schon heute die meisten Kultusgemeinden, viele jüdische Vereine und Korporationen, dann als Einzelpersonen die Vorsteher von Kultusgemeinden und jüdischen Vereinen, wie auch Persönlichkeiten, die sich durch hervorragende Verdienste um das Judentum auszeichneten, als Mitglieder angehören — vorbereitend ein Organ zu schaffen, welches durch eine künftige Gesetzgebung als die legale Repräsentanz der österreichischen Judenschaft anerkannt oder als Substrat zur Kreierung eines solchen angesehen werden könnte. Dadurch wäre dann in weiterer Konsequenz auch, nach voranzugehender finanzieller Fundierung, jenes Zentralorgan gegeben, welches — bei völliger Anerkennng der Autonomie der Kultusgemeinden — in erhöhtem Maße für.die Hebung und Belebung jüdischer Institutionen, und dann fernerhin für die Versorgung ihrer Funktionäre, Beamten und Diener Sorge trägen könnte." — Einer der verdienstvollsten, angesehensten Männer unserer Kultusgemeinde, Emanuel Baumgarten, der sich durch seine tätige Anteilnahme an heimischen und auswärtigen Wohltätigkeits- Bestrebungen und durch literarische Arbeiten weit über der: Bereich unserer Stadt und Monarchie hinaus einen klangvollen Namen erworben hat, ist am 23. v. M. im Alter von 73 Jahren gestorben. Von ihm rührt die erste deutsche Uebersetzung des Chobot Halebabot von Bachja (1854) her. Außerdem hat er wertvolle historische Werke ediert. Baumgarten war mehrere Jahrzehnte hindurch im Vorstand der Kultusgemeinde und im niederösterreichischen Landesschulrat. Ueberall entfaltete er eine rührige und gedeihliche Wirksamkeit. Sein Name ist mit der Geschichte der Gemeinde unzertrennlich verbunden. (Auch unserem Blatte war Baumgarten ein treuer Mitarbeiter. Wir verlieren in ihm einen bewährten Freund und Genossen, dessen Andenken wir stets in Ehren halten werden. Die Red.) — Der Vorstand der Kultus gemeinde Prag hat eiye Verfügung gegen den Zionismus erlassen. Die Generalversammlung des israelitischen Landeslehrervereins in Böhmen hatte nämlich den Antrag angenommen, „den Zionismus in der Schule zu betätigen." Der Prager Vorstand sah darin eine Tätigkeit zur Förderung einer vielfach bestrittenen, das politische Gebiet berührenden Idee, erklärte diese Tätigkeit für gesetzwidrig und drohte, mittels Zirkular allen Lehrern die Disziplinaruntersuchung an, die sich dabei beteiligen. Von Ssh und Fern. ----- Rabbiner Professor Dr. May bäum feierte am 29. d. M. 'seinen 60. Geburtstag. Aus diesem Anlaß hatten sich seine früheren und jetzigen Schüler zusammengetan, um ihrem verdienten Lehrer eine besondere Freude zu bereiten. Es wurde ihm von Herrn Dr. Eschelbacher jr. ein Photographiealbum mit über 100 Photographien seiner Schüler überreicht. — Die Akademie der Wissenschaften hat Herrn Professor Dr. Leopold Cohn in Breslau zu einer Reise nach Rom zum Zwecke der Vergleichung einer Philo-Handschrift 850 Mark bewilligt. — Zum Geheimen Sanitätsrat wurde Sanitätsrat Dr. Julius Hirschseld und zu Sanitätsräten wurden die praktischen Aerzte in Berlin Dr. Jakob Cassel, Dr. Siegfried Igel, Dr. Wilhelm Lublinski, .Dr. Wilhelm Wechselmann, Dr. Eugen Arendt ernannt.— In Flatow wurde Rechtsanwalt Dr. Pick einstimmig zum Stadtverordnetenvorsteher wiedergewählt. — Der Kaiser hat dem Chefredakteur Julius Katz in Karlsruhe den Kronenorden III. Klasse verliehen. — Dr. A. Schweitzer ist zum Rabbiner in Weitersheim gewählt worden. — Beim österreichischen Mai-Av an dement ist der bisherige Oberst- Schiffbauingenieur der österreichisch-ungarischen Kriegsmarine Siegfried Popper zum General-Schiffbauingenieur ernannt worden. Popper ist der erste Schiffbauingenieur der österreichisch-ungarischen Marine, den: der Generalsrang verliehen wurde, und der erste Jude, der in der österreichischen Armee den Generalsrang bekleidet. Er ist ein gebürtiger Prager und hat an den technischen Hochschulen in Prag und Karlsruhe studiert. Im vorigen Jahre gehörte er der österreichischen Flottenabordnung an, die nach Berlin zum Kaiser entsendet wurde.— In Bu dapest ist am 14. d. M. der Generalsekretär der Ungarischen Geologischen Gesellschaft, Dr. Moritz Staub, Mitglied der Akademie der Wissenschaften, im Alter von 62 Jahren gestorben. — Dem Vorsteher der Gemeinde Malmö, Rittergutsbesitzer Jacob Lachmann, ist der Danebrog-Orden verliehen worden. ,— Der dritte Kischinewer Prozeß findet an den Tagen vom 20. bis 30. April a. St. in Kischinew statt. Die Zahl der Angeklagten ist diesmal 22. Die Verhandlung findet unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. — Der Generalgoüverneur von Moskau, Großfürst Sergei, hat den Befehl gegeben, daß den jüdischen Soldaten seines Rayons das Tragen eines Arbekanses streng verboten sei. Was der Mann für Sorgen hat!

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