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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-04-29 · Heft 18 (29.4.1904) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 18 (29.4.1904)
Date
1904-04-29
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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' beleidigen, indem sie sagen „er habe sich den Ausführungen des An.-''! geklagten angeschlossen.". Man darf darauf»gLspannt".'^ein^'-welcherl^- Erfolg eine Berufung haben wird. . ----- Arigerrnüude, 21. April. Nachdem die -hiesige Shnagogengemeinde aus dem Wege des Verwaltungsstreitverfahrens die <Aus- -- Hebung des Verbots der ri tuellen S chächtun g im städtischen - Süllachthause nicht hat erlangen können, hat sie am 8. Oktober 1903 beschlossen, ein eigenes Schlachthans zu errichten, und bittet die' städtischen Behörden, dem Gemeindebeschluß von 1903, der die Einführung des Schlachtzwanges in Angerinünde anordnet, folgenden Zusatz zu geben: Das Verbot der Benutzung anderer als der im städtischen Schlachthause befindlichen Schlachtstätten findet keine Anwendung auf das von Per Shnagogengemeinde Angermünde im hiesigen Gemeindebezirk zu errichtende Schlachthaus. Der Magistrat: hat von der Petition Kenntnis, aber keine Veranlassung genommen, eine Aenderung des betreffenden Gemeindebeschlusses vorzunehmen, da kein Bedürfnis zur Errichtung des Schlachthaus es vorliege. Die Versammlung schloß sich einstimmig der Ansicht des Magistrats (in-- Damit iift aber die Sache noch lange nicht zu Ende. o. Liegnitz, 12. April. Sein 25jähriges Amtsjubiläum feierte heute der Vorsitzende des Vorstandes der hiesigen Shnagogengemeinde,' Herr Heinrich Cohn, der zugleich auch Stadtverordnetenvorsteher' ist. Schon im Laufe des Vormittags erschienen in der Wohnung des Jubilars Abordnungen der jüdischen Gemeindekörperschaften, um diesen zu beglückwünschen/ Namens des Vorstandes gratulierte mit herzlichen Worten der zweite Vorsteher Herr Ludwig Danziger,' während der Vorsitzende des Repräsentantenkollegiums, Kaufmann I. Elkusch, unter Ueberreichung einer künstlerisch ausgeführten Urkünde seinem Glückwunsch die Mitteilung anschloß, daß die Gemeindekörperschaften in dankbarer Anerkennung des hohen Verdienstes des Jubilars um das Gemeindewesen beschlossen haben, die bereits bestehende Heinrich Cohn-Stiftung um einen^ namhaften Betrag zu verstärken. Es folgten weitere Gratulationen durch Rabbiner'' Dr. Peritz, den Israelitischen Frauenverein, den Vorstand derChebra Kadischa, deren Ehrenmitglied Herr Cohn ist, und die hiesige Silesia-' Loge. Auch der Oberbürgermeister Oertel und der Stadtverordnetenvorsteher-Stellvertreter Kaufmann Peikert sprachen persönlich ihre Glückwünsche aus und bekundeten damit, daß Herr Cohn nicht allein für unsere engere Glaubensgemeinschaft, sondern auch als Bürger und Mitglied der städtischen Verwaltung, welcher er ebenfalls seit ca. 30 Jahren angehört, seine reiche Begabung und unerschöpfliche Arbeitskraft stets gern in den Dienst des Allgemeinwohls gestellt hat. Herr Cohn dankte mit warm empfundenen Worten für alle diese Ehrungen, welche ihn mit aufrichtiger'Freude erfüllten. Am Abend fand im - Schießhaussaale ein gemeinschastliches Festbankett statt, wobei die Verehrung, welcher sich der Jubilar erfreut, durch den zahlreichen Besuch deutlich zum Ausdruck kam. Selbst die Filialgemeinden hatten hierzu Vertreter entsendet. Die Reihe der Festredner eröffnete Rabbiner Dr. Peritz mit dem Kaisertoast, hierauf feierte Herr Stadträt Sochaczewski mit treffenden Worten die Verdienste, welche »sich Herr Cohn in seiner seit 30 Jahren^dem Gemeinwohl gewidmeten, ehrenamtlichen Tätigkeit erworben hat. Der Jubilar dankte für die ihm erwiesene Ehrung, welche er in seiner bekannten Bescheidenheit als in so reichem Maße kaum, verdient bezeichnete. Im weiterem Verlauf des Abends brachte Stadtverordneter Elkusch das Hoch auf die Familie des Jubilars aus, während Bankvorsteher Frankel und Fabrikbesitzer Beer ans die mannigfachen Verdienste des Jubilars toasteten. Im Namen der Familie dankten die Söhne des Jubilars, Dr: med. Hahn-Berlin und Rechtsanwalt Hahn-Charlottenburg, indem ersterer sein Glas aus Vorstand und Repräsentanten der Shnagogengemeinde Liegnitz leerte, ' während der letztere sein Hoch den Damen widmete. Der ganze Ver- '• lauf der Feier war ein überaus würdiger. Wir schließen mit dem Wunsche, daß Herr Cohn noch lange Jahre in ungetrübtem Wohlbefinden seines Amtes walten möge! o. Leipzig, 25. April. In der hiesigen Stadtverordneten- - Versammlung rief der Punkt der Tagesordnung, einen Beitrag * von 600 Mark an die israelitische Gemeinde zu gewähren, eine längere Debatte hervor. Der Berichterstatter Herr Vizevorsteher Reh- ' woldt wies zur Begründung auf die von der israelMschest Gemeinde'.! für ihre Mitglieder geübte Wohltätigkeit hin, wodurch die Armen-' ausgaben -der Stadt ' vermindert werden. ' Rechtsanwalt Schnauß sagte, der Antifemitismus^se? durchaus nicht gegen die Jüden gerichtet, aber für die Bewilligung könne er nicht sein, weil die israelitische Gemeinde ' viele ausländische Juden, unterstütze, die dadurch hier -.Meibenmnd-- so>den-hiesigen>.Einwohneim^Konkurrenr>.-machten-..-?^Herr Bürgernreister Dr. Dittrich. betonte, daß nicht die israelitische Gemeinde-nach der ersten Ablehnung .an den Rat herängetreten sei, sondern letzterer habe'-aus eigenem Antriebe remonstriert. Herr Seifert war, wie früher, wieder gegen die Gewährung der . Beihülfe. Herr Vorsteher Dr. Junck: Eine Ablehnung des geringen Betrages von 600 Mark werde immer eine Unfreundlichkeit gegen den israelitischen Teil der Bürgerschast aüssehen; einer solchen Auslegung wolle er sich nicht aussetzen. Herr Goerger erklärte, daß er sein Mandat immer in paritätischem Sinne ausznüben gedenke Und demgemäß für die Bewilligung stimmen werde. Nach weiterer Debatte wurden die 600 Mark mit 32 gegen 24- Stimmen bewilligt. ---- Bocholt, 18. April. Der seit 14 Jahren hier bestehende Hilssverein Esraß K'fufim hat sich auch in den letzten Jahren gedeihlich entwickelt. In der letzten Vorstandssitzung konnte der Vorstand, drei Gesuchen, in welchen zinsfreie Darlehen im Gesamtbeträge von 3360 Mark gewünscht wurden, die Genehmigung erteilen, während zwei Anträge, die nicht in den RahMen der Satzungen paßten, leider ' abgelehnt werden mußten'. Nach der Aufstellung des Rendanten empfingen bis zum Februar d. I. 68 Personen zinsfreie Darlehen im Beträge von 32 339,15 Mark unter der Bedingung der Rückzahlung in verhältnismäßig kleinen Raten. Von diesen haben 26 Empfänger die ihnen verabreichten Summen mit 8690 Mark voll und ganz, 39 einen Teil ihrer Darlehen mit 9331 Mark und drei von den im letzten Jahre bewilligten Beträgen 500,10 Mark unserer Kaffe wieder Angeführt. So ergab die ganze Summe der zurückerstatteten Darlehen 18531 Mark, d. i. mehr als die Hälfte der aus geliehenen Gelder. . Ein Beweis für die Anerkennung der segensreichen Wirksamkeit des' Vereins ist in der erfreulichen Tatsache zu erkennen, daß die Anzahl der Mitglieder von 261 im Vorjahre auf 278 im laufenden Jahre sich erhöht hat, wodurch der Kasse ein Beitrag von 1390 Mark erwuchs. Eine Erweiterung der Wirksamkeit wurde dadurch geschäffen, daß die Zinsen der Ersparnisse nebst den eingehenden Spenden und sonstigen Zuwendungen auch zu anderen wohltätigen Zwecken verwandt werden dürfen. So wurden einer unbemittelten Braut als Beihilfe zur Anssteuer 300 Mark und zu wohltätigen Werken 250 Mark verwendet. Die Einnahmen des letzten Verwaltungsjahres belaufen sich auf 11 084 Mark, denen an Ausgaben 10 954,20 Mark gegenüberstehen. Das Vereinsvermögen ist auf 20 194,43 Mark angewachsen. Der Vorstand besteht aus den Herren : I. Spier, Vorsitzender; Max Weinholt, stellvertretender Vorsitzender; A. Wehl, Rendant; L.' Ostberg, Schriftführer, Bocholt; Herm. Rann, Mülheim a. d. Ruhr; C. Benjamin, Wesel; S. L. Franken, Emmerich, Beisitzer. ----- Frankfurt a. M., 25. April. Der 7. Jahresbericht des Vereins „Kindergarten für Israeliten" konstatiert, daß das in Frankfurt a. M. bestehende Institut in seiner günstigem Entwicklung gute Fortschritte gemacht hat. Im Jahre 1903 betrugen die Einnahmen 19 314,28 Mark, die Ausgaben.18426,41 Mark. In beiden Jahren betrug die Anzahl der Zöglinge etwa 60, der durchschnittliche. Besuch 55. Der Wunsch, ein eigenes Heim zu schaffen, konnte bis jetzt noch nicht erfüllt werden; indessen ist Grund zu hoffen, daß in nicht ferster Zeit dieser Wunsch sich verwirklichen wird. Am 30. Dezember 1902 verstarb Herr Aron Meyer, der seit Gründung des Kindergartens - dem Vorstände desselben angehörte und viele Jahre sein Vorsitzender war. Ein nicht minder schwerer Verlust war der Heimgang des Rechts- .anwalts Julius Plotke, der am 28. September 1903 erfolgte. Dieser Mann des edlen Herzens und der reichen, hilfsbereiten Tätigkeit, die überall eingriff, wo es galt, gedrückten und verfolgten Juden auf dem weitest Erdenrunde zu helfen, darf der Gründer unseres Kindergartens genannt werden. Der Vorstand und die Verwaltung des Vereins „Kindergarten für Israeliten" bestehen jetzt aus den Herren : Professor Dr.' A. Sulzbach, Vorsitzender; Leo Holzmann, Kassierer; Dr. med. Heinr. Mayer, Schriftführer; Sally Löwenick, stellvertretender Vorsitzender und Oekonom; Jacques Schwarzschild,' Gegenschreiber; Dr. Gustav Levi, Dr. Ludwig Mehler, Anstaltsärzte; Rechtsanwalt Ad. FulV, Eduard Cohen, Avals Stern, Beisitzer. "

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