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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-04-29 · Heft 18 (29.4.1904) · p. Seite 214

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 18 (29.4.1904)
Date
1904-04-29
Page
Seite 214 (sequence 10)
Language
German
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Spießglanz ist eine Verbindung des Metalls Antimon mit Schwefelwurde im Mittelalter sehr viel als Heilmittel benutzt und hat, weil es häufig stark.arsenikhaltig ist, viel Anheil .angerichtet. Jetzt wird es hauptsächlich dazu benutzt, um das Metäll daraus barzustellen, welches mit Blei zusammengeschmolzen zu. Buchdruckertypen, mit Zinn zusammengeschmolzen unter dem Namen Britanniametall zur Herstellung der verschiedensten Gefäße Verwendung findet. Es hat alsoder Spießglanz heute eine edlere und nützlichere Verwendung als in früheren Zeiten. Dasselbe Wort bedeutet auch einen sehr geschätzten, Edelstein und wird in diesem Sinne in Jesajas Kap. 54, Vers 11 gebraucht, wo es heißt : „Ich werde mit Puch Deine Steine belegen und mit Saphiren Dich befestigen." In der Aufzählung der in der, Schatzkammer Davids befindlichen Gegenstände, werden im 1. Buch der Chronik Kap. 29, Vers 2 ips *02# „Puchsteine" genannte Hier bedeutet das Wort -jedenfalls etwas anderes als Spießglanz. Denn Edelsteine müssen hart und glänzend sein, und an der bezeichneten Stelle in Jesajas sollen die Steine mit Puch belegt werden, damit sie härter und dauerhafter werden. ' Der Spießglanz ist aber wie gesagt leicht zerreiblich. Vielleicht ist hier unter pia dunkler Rauchtopas zu verstehen. Uebrigens kommen ja in der Bibel recht zahlreiche Namen für Edelsteine und recht häufig vor, ohne daß man bei den meisten weiß, welchen Namen sie jetzt führen. Ein sehr wichtiges und das Interesse des Chemikers in hohem Maße in Anspruch nehmendes Kapitel betrifft die Herstellung von Nahrungs- und Genußmitteln. Ich möchte jedoch gerade dieses Kapitel hier nur, ganz kurz streifen, weil es zu sehr mit den religiösen Vorschriften der Bibel zusammenhängt, und es mir selbstverständlich fern liegt, hier irgend welche Kritik anznwenden. Nur einen kleinen Zweig dieser umfangreichen Materie möchte ich berühren, nämlich einige Gährungserscheinungen, welche bei vielen Nahrungsmitteln absichtlich eingeleitet werden oder freiwillig eintreten. Die Herstellung berauschender Getränke haben auch die Israeliten gekannt,, wie überhaupt fast alle Völker bereits in einer sehr frühen Periode ihrer Entwickelung gerade alkoholhaltige Flüssigkeiten zu bereiten gelernt haben. Der Alkohol entsteht nämlich durch die Wirkung eines eigentümlichen mikro- . skopisch kleinen Pilzes (des Hefepilzes) auf Zu cker. Zucker ist aber nicht nur in den Weinbeeren, sondern in noch vielen anderen pflanzlichen Säften enthalten, z. B. im Palmsast, dann in den Blütensästen, welche von den Bienen zu Honig verarbeitet werden usw. In der Lust schwirren in ungeheurer Anzahl die Keime verschiedener Bakterien und Pilze umher, welche, wenn sie auf geeigneten Boden kommen z. B. in eine Flüssigkeit, welche sie zu ernähren vermag, sich entwickeln und die alltäglich zu beobachtenden allgemein bekannten Erscheinungen Hervorrufen. So wird die Milch sauer und gerinnt, weil die Keime des Milchsäurebakteriums in die Milch gelangen und den Zucker der Milch, welchen wir Milchzucker Nennen, in eine stark sauerschmeckende Substanz, die Milchsäure, verwandeln. Durch die Entstehung von Milchsäure wird nicht nur die Milch sauer, sondern eine inder Milch gelöste, Substanz, der Käsestoff, wird durch sie ausgeschiedendie Milch wird dick, gerinnt. Oder: wenn wir Brot feucht an der Lust liegen lassen, fallen-, die Keime des Schimmelpilzes darauf, entwickeln sich schnell, und das Brot bedeckt sich in kurzer Zeit . mit einem Rasen von weißem , oder grünem Schimmel. So fangen sich auch in dem feinen Flaum, der die Weinbeeren bedeckt, unter anderen reichlich die Keime des Hefepilzes, welche beim Pressen der Trauben m den Traubensaft gelangen und nach kurzer: Zeit die Gährung, die Umwandlung des Traubenzuckers in Alkohol, veranlassen. Unter den zahlreichen.Keimen verschiedenartigster Bakterien, welche in der, Luft umherschwirren, scheinen am häufigsten diejenigen der - Fäulnisbakterien-, der Michsäurebakterien, - des Hefepilzes und des Schimmelpilzes zu sein. Welche Bakterienart sich zuerst entwickelt, hängt von der Natur der Flüssigkeit ab.. Zunächst ist es immer diejenige Artwelche am leichtesten gerade in dieser Flüssigkeit gedeiht. So z. B. entwickeln sich in dpr Milch zunächst die Keime der Milchsäurebakterien. Sobald aber eine, kleine Menge Milchsäure entstanden ist, schwinden die günstigen Bedingungen für die weitere Entwicklung dieser Bakterien, die in sauren Flüssigkeiten nicht gedeihen, und nun beginnen die Fäulnisbakterienkeime sich zu entwickeln. Oder im Traubensaft entwickeln sich am leichtesten die Keime des Hefepilzes. Sobald aber der Traubenzucker nahezu verschwunden, also keine Substanz mehr für die bequeme Existenz des Hefepilzes vorhanden ist, beginnen unter sonst günstigen Bedingungen, wenn z. B. der junge Wein längere Zeit warm mit der Lust in Berührung bleibt, andere Keime von Bakterien sich zu entwickeln, welche den Alkohol verändern und ihn in Essigsäure verwandeln. Es sind das die Keime der Essigmutter oder des Essigkahms. Auch der Sauerteig ist nichts anderes als die Brutstätte einer recht erheblichen Zahl verschiedener Bakterien, namentlich des Milchsäure- und des Fäulnisbakteriums. Dagegen ist der beim Keimen des Getreides sich abspielende chemische Vorgang ein anderer, kein Gährungsprozeß. Im Getreidekern ist der Hauptbestandteil Stärkemehl, außerdem sind noch andere, namentlich einige leicht sich verändernde Stoffe, welche wir mit dem gemeinschaftlichen Namen Eiweißstoffe zusammenfassen, enthalten. Wenn der im Getreidekorn vorhandene Keimling sich zum Pflänzchen zu entwickeln beginnt, entsteht aus den Eiweißstoffen in dem Korn eine eigentümliche Substanz, welche die Fähigkeit besitzt, bas Stärkemehl allmählich in Zucker zu verwandeln, der in Wasser leichtlöslich ist und von dem jungen Pflänzchen mit Leichtigkeit zu seiner Ernährung ausgenommen werden kann. Diese Keimung bewirkt man absichtlich bei der^ Darstellung des Malzes aus Gerste. Man hat nämlich gefunden, daß der Hefepilz nur eine Z u ck e r l ö s u n g leicht in Gährung versetzen und in Alkohol umwandeln kann. Es wird deshalb Malz dargestellt, um diesen das Stärkemehl m Zucker verwandelnden Stoff zu gewinnen, und man benutzt das Malz nicht nur zur Bereitung von Bier, sondern auch von Branntwein, indem man Malz mit anderen starkemehlhaltigen Stoffen, wie Kartoffeln vermischt und nun die gesamte Masse des Stärkemehls in Zucker überführt, weil durch das Malz viel mehr Stärkemehl in Zucker verwandelt werden kann, als in dem Gerstenkorn enthalten ist. Es ist nun sicher, daß die Israeliten zwei alkoholische Getränke darzustellen verstanden oder wenigstens gekannt haben, den Wein und den ^2^, der viel berauschender, also alkoholreicher gewesen sein muß, als der Wein, da die Bezeichnungen für - „trunken, Trunkenheit" rc. davon abgeleitet sind. Ob dieses alkoholhaltige Getränk Met, also Honigwein, oder vielleicht Palmwein gewesen ist, wird sich kaum entscheiden lassen, da dieses Wort gewöhnlich neben ‘p Wein vorkommt, nirgend aber eine Andeutung gegeben ist, woraus das Getränk bereitet worden ist. - . Die Bereitung von Bier und folglich auch von Malz hüben sie sicher nicht gekannt. Dagegen ist ihnen selbstverständlich der Essig, und zwar nur der Weinessig, sehr wohl bekannt gewesen. . y

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