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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-04-29 · Heft 18 (29.4.1904) · p. Seite 212

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 18 (29.4.1904)
Date
1904-04-29
Page
Seite 212 (sequence 8)
Language
German
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Veth Chadasch (Bach): MHK fWJO 1 b'ZX rvtew nw2 rnn» D'tWK ‘■[‘Tt jw ''mow ^nia i?öt»jai2 OMN. „Auch wenn blos eine Frau bei dem Bade zugegen war, ist der Tauchakt anzuerkennen, wie aus mehreren Erzählungen der Gemara hervorgeht; denn es ist nicht Wohlanständig,^daß Männer zugegen seien, wenn Frauen baden." Wir hätten uns vielleicht dennoch nicht der Mühe unterzogen, all solche selbstverständliche Wahrheitenan einen Einzelsall zu knüpfen, wenn wir es mit einer Einzelerscheinung, vielleicht einem Zusammentreffen mehrerer unglücklicher Momente zu tun hätten. Aber das wäre weit gefehlt. Es handelt sich bei jener Familie um eine schematische Verfolgung, die heute diesem, morgen aber jedem anderen hamburgischen Glaubensgenossen passieren kann, der nicht überall mit den ortsüblichen Rabbinatssiegeln beklebt ist. So ist es Tatsache, daß demselben Vater vor einigen Jahren die Namengebung seiner Tochter an der Thora gelegentlich des ersten Ausganges der Wöchnerin versagt ward. Ein verweigerter Segen also. Welche ein Abgrund von Lieblosigkeit eröffnet sich hier, welch' erschreckendes Bild düsteren Fanatismus, der seine Schwingen über die wichtigsten Augenblicke des Familienlebens breitet! - Und das alles soll in der Gutgläubigkeit geschehen, dem echten, wahren Judentum zu nützen? Wir glauben, selbst die Geduld der Hamburger wird einmal erschöpft sein; auch ihnen werden die Augen ausgehen. Gerade in Ehesachen möchten wir aus innerstem Interesse vor weiteren Rigorositäten warnen; sonst könnte ein Rückschlag erfolgen, der gewiß keiner Partei erwünscht wäre. - Wer weiß es z. B. nicht, zu welchen Auftritten die Forderung der Chaliza führt, mit der endlich gründlich aufgeräumt werden müßte. Und wer hätte noch nie das Befremden bemerkt, daß bei der Trauung jedesmal die Verlesung der im Gelbveigleinhebräisch abgefaßten Ketuba, wo sie noch üblich ist, erregt, und die wenigstens das Berliner Haupte rabbinat durch eine deutsche Urkunde ersetzt hat! Die Giltigkeit jüdischer Ehen auch ohne jene veralteten zivilrechtlichen Ehepakten mit ihren Museumsmünzen kann doch nur bestreiten, wer sich über den Sinn von dina de malchussa dina im Umklaren befindet. Aber der Fanatismus ist eben taub; der verknöcherte Formalismus unbelehrbar. Möge er sich aber nicht darüber täuschen, daß seiner Macht sehr enge Schranken gesetzt sind. Die Blitze ans dem verkohlten Hamburg-Wandsbeck -Altonaer Krater zünden nicht einmal in nächster Nähe mehr. Es macht einen üblen Eindruck drinnen wie draußen, wenn man dort von der Kanzel herab predigt: Seid einig, einig, einig! und selber die Wirrnisse in Israel vermehrt, sich das allein echte Judentum vindiziert und die Maßnahmen anderer Rabbinatskollegien für null und nichtig erklärt. Was soll der einfache Mann davon denken, was sollen die lauernden Gegner dazu sagen? Es gibt nur ein Mittel, den üblen Folgen vorzubeugen; das Hamburgische Oberrabbinat und seine Gesinnungsverwandterb müssen einlenken; sie sollten sich ähronidischer Mittel befleißigen, Frieden stiften im Familienrecht, und den stürmischen Anforderungen der Zeit Rechnung tragen, wie es die einsichtsvollen Lehrer derMischnaund der ganze ältere Rabbinismus immer getan, zur währen Förderung des Judentums. Sonst dürsten ihre morschen Stühle bedenklich ins Wanken, geraten und schneller, als sie gedacht, zusammenbrechen. . . ■ :: Lhrmilchrs sus der Mbel. Vortrag zum Besten des Stipendienfonds der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, gehalten am 21. März von Prof. Dr. A. Pinn er. "Vür den Chemiker interessant ist eine Stelle in Jeremias Kap. 2, \3 Vers 22, welche lautet: „Denn wenn Du Dich wüschest mit ‘inj und Dir hinzufügest Tr>-D, so bleiben doch Deine Sünden als Flecken vor mir." Was ist Neter, was ist Borit? Jedenfalls müssen sie intensiv wirkende Reinigungsmittel gewesen sein. Luther übersetzt die Stelle: „Und wenn Du Dich gleich mit Laugen wüschest, und nähmest viel Seife dazu, so gleißet doch Deine Untugend desto mehr vor mir." Es würde also Neter „Lauge" und Borit „Seife" bedeuten. Aber Seife haben die alten Israeliten ebenso wenig gekannt wie die alten Griechen; die Bereitung der Seife ist viel später, wahrscheinlich von den Germanen, erfunden worden. Das Wort „Neter" kommt noch einmal in der Bibel irr recht interessantem Zusammenhang vor, wo der erste Vokal etwas geändert ist und es statt heißt. Aber bekanntlich haben in der alten Zeit die Vokale wenig Bedeutung gehabt. In den Sprüchen Sälomonis Kap. 25, Vers 20 heißt es: „Das Gewand ausziehen am kalten Tage, Essig auf Rater, ist der Lobgesang aus ein böses Herz". Hier übersetzt Luther das Wort Rater mit Kreide, also ganz anders als an der vorhergehenden Stelle. Trotzdem hat Luther den Sinn dieses Satzes ziemlich richtig erfaßt. Denn es soll in diesenr Satze das verkehrte, widersinnige Handeln charakterisiert werden. Wenn man Essig auf Kreide gießt, so entsteht ein Aufbrausen, wie Ihnen allen bekannt sein dürfte, es schwindet allmählich der saure Geschmack des Essigs, und die Kreide löst sich auf. Beide werden für ihre Zwecke unbrauchbar gemacht, verdorben. Das Wort Neter oder Nater ist sehr alt und existiert noch heute. In Aegypten und an der Nordküste Afrikas, namentlich in Tunis, also dort, wo ehedem die Tochterstadt oder die „Neustadt" von Tyrus, Karthago, ihre Herrschaft ausgebreitet hatte, kommen zwei äußerlich einander ähnliche und vielfach mit einander verwechselte Stoffe vor, welche bei den griechischen und römischen Schriftstellern bald Natron, bald Nitron genannt werden. Wahrscheinlich ist das Wort ägyptischen Ursprungs. Der eine dieser beiden Stoffe ist identisch mit dem Chilisalpeter, der jetzt in großen Massen aus Chili, an dessen Nordgrenze er in einem ungeheuren Lager aufgefunden worden ist, -nach Europa gebracht wird und hauptsächlich als Düngemittel Verwendung findet. Man hat ihn, als man ihn endlich von dem andern Stoff unterscheiden gelernt hatte, als Nitrum bezeichnet, nannte aber dann auch den von ihm nur sehr wenig verschiedenen eigentlichen Salpeter Nitrum. Der zweite der beiden in Nordafrika vorkommenden Stoffe, der namentlich beim jährlichen Austrocknen vieler zur Regenzeit sich bildenden flachen Seen, der sogenannten Schotts, als auswitternde Salzkruste sich findet, ist das eigentliche Waschmittel, das „Neter". Es ist als Natron bezeichnet worden und ist der Hauptsache nach nichts anderes als unsere Soda. Wir nennen es chemisch kohlensaures Natron oder kohlensaures Natrium, während der Chilisalpeter chemisch salpetersaures Natrium heißt. Selbstverständlich waren es die Phönizier, welche den Israeliten das Neter oder Natron aus Afrika brachten. — Uebrigens ist dieses Natron auch während des ganzen Mittelalters aus Afrika nach Europa gebracht worden, nur haben die Berber, welche es sammelten, seinen Namen verstümmelt, indem sie die beiden Silben umkehrten und es statt Natron — Trona nannten. Jetzt, wo man in allergrößtem Maßstabe

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