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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-04-29 · Heft 18 (29.4.1904) · p. Seite 207

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 18 (29.4.1904)
Date
1904-04-29
Page
Seite 207 (sequence 3)
Language
German
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nach Gründung des Verbandes nun das gesamte Judentum die Verantwortung für die Maßnahmen des Ausschusses tragen solle. Abgeordneter Dr. Cohn-Dessau hält bei der sprichwörtlichen Uneinigkeit der deutschen Juden den zahlreichen Besuch der Versammlung schon für einen großen Erfolg für die Sache des Verbandes, der das sein werde, was aus ihm gemacht würde. Wenn man freilich mit vorgefaßten Meinungen an die Gründung herantrete und tausendfache Rücksichten auch hier walten lassen wolle, so werde der Verband nur ein Verein wie die anderen sein. Wenn wir aber lernen vom Bund der Landwirte, vom Katholikentag, vom Handwerkertag, so werde auch bald eine Macht hinter dem Verbände stehen; denn das Judentum mit seinen wirtschaftlichen und geistigen Intelligenzen sei eine Macht, die man nur zu gebrauchen wissen müsse. Es sei irrig zu sagen, Schreien und Agitation helfe nichts, wenn nicht eine Macht dahinter stehen. Schreien schaffe Macht und nur dadurch könne die Macht der Partei wachsen. Allerdings könne der Verband nur Erfolge erringen, wenn er auf deutschen Nechtsboden bleibe; die Grenzlinie zwischen Antisemiten und Juden solle nicht verstärkt werden. Eine zentrale Instanz der Juden müsse geschaffen werden, deren Fehlen bei den Vorgängen in kanten, in Könitz so schmerzlich empfunden worden sei. Die Lage der Juden könne nicht schlimmer werden als sie schon sei. Im öffentlichen wie im gesellschaftlichen Leben würden die Juden zurückgesetzt, als Menschen zweiter Klasse betrachtet, die wenigen Ausnahmen seien um so beschämender und diejenigen, die Ehrenbezeugungen erhalten, sollten sie vielmehr zurückweisen. (Sehr richtig!) Wer gebe ein Recht dazu, die Juden, die doch Deutsche seien, erzogen in deutscher Sprache, Gesittung und Bildung, schlechter zu behandeln als die Andersgläubigen! Der Verband müsse begründet werben, alle Juden Deutschlands müssen sich ihm anschließen, kleinliche Bedenken zurückgestellt werden. Mit den Maßnahmen des Ausschusses werde man sich, wie zu hoffen stehe, mit Stolz solidarisch erklären können. Nicht gegen die politischen Parteien solle angekämpft, nur ein schneidiges Organ solle geschaffen werden, eine blanke Wehr zur Verteidigung. Wenn sich dem Verband alle anschließen, so werde dieser ein Segen werden für die Juden in Deutschland. Rechtsanwalt Dr. Holz-Königsberg hält es für die Ausgabe des Verbandes, schnellstens Bayern und Württemberg zum Anschluß zu gewinnen. Der Verband könne^ nur dann eine Bedeutung gegenüber den Negierungen haben, wenn er sich auf den Gemeinden aufbaue, den gesetzlichen Vertretungen der Juden; durch die Berufung von sogenannten Notabeln stehe ein Pairsschub zu befürchten. Der Vorsitzende Dr. Horwitz stellt sachlich fest, daß die Zahl der zu delegierenden Einzelpersonen auf eine Quote der sonstigen Vertreter beschränkt und damit genügende Vorkehrung gegen einen Pairsschub getroffen sei. Auf Antrag von Justizrat Geiger-Frankfurt wird alsdann die Redezeit auf fünf Minuten beschränkt. Rabbiner Dr. May bäum gibt für den Rabbinerverband die freudig aufgenommene Erklärung ab, daß dieser sich der Gesamtorganisation anschließen werde. Dr. Bodenheimer-Köln begrüßt die Schaffung des Verbandes als ein neues Mittel zur Hebung der Selbstachtung und des Selbstbewnßtseins der Juden. Ihm scheint auf der einen Seite die Aufgabe des neuen Verbandes zu eng gefaßt, wenn man es prinzipiell ablehnen wolle, sich mit den Zuständen der Juden außerhalb Deutschlands zu befassen, und er bittet, in der Behandlung dieser Dinge die Grenze für den Verband nicht so eng zu ziehen. Auf der anderen Seite erscheine die Aufgabe zu weit gefaßt, wenn alle Dinge, die in Deutschland passieren, den Regierungen durch Petitionen und Eingaben zur Kenntnis gebracht werden sollen, eine Ausgabe, die der Zentralverein bisher geleistet habe. Die allgemeine Unterdrückung und die unwürdige Behandlung der Juden solle vielmehr deutlich in einer Kundgebung von hervorragender Bedeutung den Regierungen zur Kenntnis gebracht werden. Zu den Verhandlungen der Delegierten müsse die größere Oeffentlichkeit zugelassen werden. Redakteur Klausner-Berlin wünscht, daß die den Juden bisher zu Unrecht vorgeworfene Solidarität sich nun endlich geltend machen sollte. Das Judentum biete als hinter ihr stehende Macht das moralische Gewicht, denn es vertrete nicht Interessen, sondern die Sache der Gerechtigkeit, für welche der Sinn im deutschen Volke noch nicht erstorben sei. Die Frage der Behandlung der Juden in den Handelsverträgen sei absolut eine Machtfrage, und der neue Verband werde in dieser Beziehung gerade Rußland gegenüber schwerlich etwas ändern. Als wesentlichste positive Aufgabe habe der Verband noch eine wirklich staatlich anerkannte Organisation der Juden vorzubereiten. Habe der Verband die staatliche Organisation geschaffen, so dürfe er sich sodann re bene gesta auflösen. Nachdem alsdann die schriftlich eingegangenen Erklärungen aus München und Stuttgart betreffs der ablehnenden Haltung der Juden Bayerns und Württembergs verlesen wurden, legt Justizrat Dr. Fuchs- Berlin noch einmal die Aufgaben des Verbandes dar. Es handle sich im Gegensatz zu der negativen Tätigkeit des Zentralvereins beim Verbände um eine mehr positive Tätigkeit in allen denjenigen Fragen, wo die verschiedenen Verbände Zusammengehen können, um die positive Fortentwicklung des Judentums. Da der Staat die Organisation nicht gebe, so wolle der Verband mit seinen freien, autonomen Männern sie sich geben. Er erkenne kein politisches oder juristisches Momentan, das die Bayern und Württemberger hindere, dem Verband beizutreten. Es könne nirgends bestimmt fein, daß die jüdischen Gemeinden nicht das Recht haben .sollten, mit anderen jüdischen Gemeinden im Interesse des Judentums zusammenzugehen. Wie die deutschen Ingenieure, die deutschen Juristen, wie der Evangelische Bund, obwohl die evangelische Kirche nicht landesgesetzlich geregelt sei, sich zusammenfinden, so sollten sich auch die deutschen Juden zusammenfinden. Mit Rücksicht auf die noch nicht angeschlossenen Gemeinden bitte er, zunächst die Notabeln nicht aus den Statuten zu streichen, obwohl es logisch richtiger wäre, die Organisation nur auf den großen Verbänden aufzubauen. Das Wesen des Verbandes solle stille Arbeit sein. Erst solle der Verband unter Dach und Fach gebracht werden, das Uebrige werde sich schon finden. „Arbeiten Sie an dem Ausschuß mit, dann werden wir die geistige Zusammenfassung des Judentums haben, die wir brauchen nicht bloß, weil wir nicht mehr Offiziere werden können, sondern weil wir Juden sein und bleiben wollen." Ein Antrag auf Schluß der Generaldebatte wird sehr unwillig ausgenommen und abgelehnt, dagegen ein Antrag auf Schluß der Rednerliste zu dieser Debatte angenommen. Stadtrat Hamburger-Karlsruhe ist beschämt, nur als einziger Vertreter aus Süddeutschland anwesend zu sein. In Baden habe man keinen Anlaß, sich einer Organisation anzuschließen. Er halte es aber für die Aufgabe aller Juden, dahin zu wirken, daß auch in den übrigen Staaten Organisationen geschaffen werden. Er glaube erklären zu können, daß auch die übrigen badischen Gemeinden es als eine Ehrenpflicht erachten werden, dem Verbände beizutreten. Dozent Dr. Baneth-Berlin bezeichnet als Hauptziel des Verbandes die innere Stärkung des Judentums, und dieses Ziel werde sicher erreicht werden. Herr Benjamin Hirsch-Halberftadt hält die Frage der Notwendigkeit des Verbandes als gelöst, nachdem die im Dienste der Gesamtheit stehenden Zentralverbände für diese Idee eingetreten seien. Da nur aus formalen Gründen einige noch beiseite stehen, so könne die Organisation ruhig als Verband der deutschen Juden bezeichnet werden. Er sei nicht dafür, das Ziel des Verbandes zu eng zu stecken, der Ausschuß werde vpn Fall zu Fall richtig entscheiden. Dr. Klee-Berlin mahnt zur Einigkeit. Das Judentum müsse noch lernen Disziplin und Unterordnung unter die selbst und frei gewählten Führer. Der Segen vor allen Dingen'werde darin liegen, daß in Hunverttausenden deutscher Juden das jüdische Bewußtsein und Solidaritätsgefühl gestärkt werde, der Abfall aus unseren Reihen schwinde. Rabbiner Dr. Eppenstein- Briesen hält es an der Zeit, die bleiche Furcht fallen zu lassen uni) begrüßt die Gründung des Verbandes als eine erlösende Tat. Dr. Ehren berg-Stettin erklärt den Beitritt der Stettiner Gemeinde, die sich bisher ablehnend verhalten habe. Prof. Philippson stellt zur Vermeidung von Mißverständnissen fest, daß seine Bemerkung betreffs der geringen Erfolge der liberalen Abgeordneten für die Sache des Judentums nur in der Schwächung des Liberalismus im Parlament liege, daß man zu der Tätigkeit der liberalen Abgeordneten aber das größte Vertrabenhabe. Rechtsanwalt B e h r en d - Danzig erklärt, daß er auchfürden westpreußischen Provinzialverband, derbisher abseits gestanden habe, den Beitritt erwirken werde. In dem neuen Verbände werde der Weg für eine staatliche Organisation gewiesen werden. Herr Max Elb - Dresden steytzur tatsächlichen Berichtigung fest, daß entgegen der Meinung vieler das neue

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