Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 17 (22.4.1904)
- Date
- 1904-04-22
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3228581-3228599--60760-3274545- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
von ihm herausgegebene jüdische Gesangbuch „Schir Zion" (2 Bände 1845, 1868) ist das grundlegende und unentbehrliche Lehr- und Handbuch für alle Vorbeter geworden. Herr Kantor Birnbaum, der sich mit Stolz einen Schüler Sulzers nennt und sowohl von Beuthen, dem Orte seiner ehemaligen Wirksamkeit, wie noch von Königsberg aus alljährlich bis zu Sulzers Tode nach Wien reiste, um sich dort von dem großen Lehrer neue Anregungen und Bereicherungen seiner Kenntnisse zu holen, hat dessen Andenken auch durch eine interessante Sulzer-Ausstellung, die von heute ab bis Sonnabend im Lesesale der Synagoge zu besichtigen ist, in pietätvoller Weise geehrt. Es sind außer verschiedenen Handschriften, persönlichen Erinnerungen und Reliquien, Bildnissen k. hauptsächlich die Originalausgaben sämtlicher Werke des Gefeierten, worunter sich natürlich auch einige weltlichen Charakters befinden. Alle Stücke der wertvollen Sammlung, unter denen sich manches Unikum befindet, stammen aus dem Privatbesitz des Herrn Kantors Birnbaum (der übrigens am 1. Mai selbst aus eine 25jährige Wirksamkeit in der hiesigen Gemeinde zurückblickt), der sie für diese besondere Gelegenheit zur Anregung für alle Kenner und Freunde dieses Spezialgebiets mit dankenswerter Sorgfalt und Liebe zusammengestellt hat. r. Breslait, 17. April. Der Rentier Eduard Sachs, ein angesehener Bürger unserer Stadt, Vorstandsmitglied der Synagogengemeinde und erster Vorsitzender der israelitischen Krankenverpflegungsanstalt, feierte gestern seinen 70. Geburtstag. Aus diesem Anlaß wurde für den Jubilar, der sich große Verdienste unr die ihm nahestehenden Institute und Körperschaften erworben hat, eine Reihe von Ovationen gebracht. Zunächst gratulierte für die hiesige Synagogengemeinde Stadtrat Pringsheim namens des Vorständes und Bankdirektor Lyon namens der Repräsentantenversammlung. Die Kommission der neuen Synagoge ließ einen silbernen Becher überreichen. Für den Frauenverein brachte Stadtrat Marck dem Geburtstagskinde eine Adresse, und die Glückwünsche des Schwesternheims sprach Landgerichtsrat Wollstein aus, während Rabbiner Dr. Rosenthal für das hiesige Rabbinat gratulierte. Die israelitische Krankenverpflegungsanstalt ließ ihrem ersten Vorsitzenden durch Reedereidirektor Mugdan die Urkunde über die ihm verliehene Ehrenmitgliedschast der Anstalt aushändigen und Sanitätsrat Dr. Sandberg überbrachte die Glückwünsche der Anstaltsärzte. 'Die Gesellschaft der Freunde und einige andere Vereine ernannten den Jubilar zu ihrem Ehrenmitgliede oder i'lberreichten Gratulationsadressen. t. Frankfurt a. M., 17. April. Die Hundertjahrfeier des Philantropins ist programmäßig und in sehr würdiger Weise verlaufen. Der Mittelpunkt derselben bildete die akademische Feier am 14. d. M. im Saalbau. Unter den Ehrengästen sah man u. a.: Stadtkommandant Exzellenz v. Stülpnagel, Polizeipräsident Scherenberg, Eisenbahnpräsident Thome, Oberlandesgerichtspräsident Dr. Hägens, Oberbürgermeister Dr. Adickes, sowie zahlreiche Stadträte, ferner Provinzialschulrat Dr. Kaiser, als Vertreter des Provinzialschulkollegiums und endlich viele hiesige und auswärtige Schulleiter,, Lehrer und Lehrerinnen rc. Der akademische Festakt wurde mit der von Schülern und Schülerinnen des Philantropins gesungenen „Dreistimmigen Motette" von Sattler eingeleitet. Sodann hielt der Vorsitzende des Zentralausschusses, Herr Fritz Auerbach, die Begrüßungsansprache. Er hieß, die Ehrengäste, speziell den Vertreter des Provinzialschulkollegiums, den Herrn Oberbürgermeister, die Spitzen der staatlichen,' Zivil- und Militärbehörden, Direktoren, Rektoren, die Lehrerdeputationen der hiesigen Anstalten, die Mitglieder des Ausschusses der. israelitischen Gemeinde, den Schulrat, die Vertreter der Handelskammer, die früher an der Anstalt tätigen Lehrer und Lehrerinnen und schließlich alle früheren Schüler und Schülerinnen, die von nah und fern zur Feier herbeieilten, herzlich willkommen. Bei der heutigen Feier treten auch Gedanken wehmütiger Art hervor, viele Lehrer und Schüler sind dahingegangen. Die Anstalt hatte vorwiegend die Heranbildung zum kaufmännischen Beruf im Auge, aber sie befähigte ihre Schüler, auch für das große Ganze zu wirken. Generationen hat die Schule die Richtung für das Leben, gegeben. Die Anstalt ist durch ein Jahrhundert ihrer. Devise: „Für/Aufklärung und Humanität" treu geblieben. Der Erfolg ihrer Arbeit zeigte sich in unserer Stadt und weit über deren Grenzen hinaus. Die heutige Festesstunde legt Zeugnis davon ab, daß diese Arbeit nicht vergeblich war. Möge das heutige Fest den Aelteren zur Erinnerung, den Jüngeren zur Nacheiferung und allen zur Erhebung dienen. (Beifall.) Direktor Dr. Adler hielt sodann die Festrede. Leider sind wir nicht in der Lage, diese nach Form und Inhalt gleich bedeutende und gewichtige Rede im Wortlaut veröffentlichen zu können, wie gern wir dies auch täten. Der Eindruck war ein tiefer und nachhaltiger. Nachdem der Schülerchor „Psalm 150" von Lewandowski gesungen hatte, begannen die Begrüßungsreden Namens des Provinzialschulkollegiums überbrachte Provinzialschulrat Dr. Kaiser die wärmsten Glückwünsche. Er führte u. a. aus: Der Vorsitzende des Provinzialschulkollegiums, der Herr Oberpräsident, ist durch anderweitige dienstliche Inanspruchnahme zu seinem Bedauern verhindert, hier zu erscheinen, aber er. wie alle anderen Mitglieder der Körperschaft nehmen warmen, herzlichen Anteil an dieser Feier. Das Provinzialschulkollegium weiß, ein wie wichtiges Glied das Philantropin in der Reihe der höheren Schulen Frankfurts bildet. Welche Ideen die Schule verfolgte und welche wechselnden Geschicke die aus kleinen Anfängen hervorgegangene Anstalt durchmachte und welche Wandlungen im Lehrplan eintraten, das alles ist bereits gesagt worden. Redner verbreitet sich weiter über die Ziele des Philantropins, das seine Schüler zu deutschen Bürgern erziehe. Deutscher Sinn, deutsche Bildung und deutsche Sprache sollten gefördert werden. Zu dem Gebrauch der gesunden Vernunft gehöre die gläubige Gottesfurcht, wie es die Anstalt gelehrt habe. Die Ideen des Philantropins waren glücklich verkörpert in den Mitgliedern des Lehrkollegiums und des Schulrats, und das gute Einvernehmen zwischen ihnen und der staatlichen Aufsichtsbehörde sei nie gestört worden, was letztere ebenso wie die umsichtige Tätigkeit des Schulrats anerkenne. Auch der Kaiser j sei der gleichen Ansicht wie die staatliche Aufsichtsbehörde und er habe! dem Vorsitzenden des Schulrats, Stadtrat a. D. Horkheimer, und i seinem Stellvertreter, Herrn Kaufmann Max Dann, den Königlichen! Kronenorden vierter Klasse verliehen. Ferner erhielten Direktor Dr. Adler und Oberlehrer Dr. Epstein den Roten Adlerorden vierter Klasse, Volksschullehrer Scherer den Königlichen Kronenorden vierter Klasse und der Schuldiener Olesch das Allgemeine Ehrenzeichen. Redner schloß mit den besten Wünschen für die weitere Entwicklung der Anstalt. Oberbürgermeister Dr. Adickes überbrachte die herzlichsten Glückwünsche des Magistrats und der Stadt Frankfurt aus. Namens der israelitischen Gemeinde sprach als Dritter Rechtsanwalt Dr. Blau und kündigte an, daß die Gemeinde zu dieser Feier der Schule ein Bild des Kaisers gestiftet und ihrem Wunsch nach Anj schaffung eines Harmoniums entsprochen habe. Die Glückwünsche j der Direktoren der höheren Lehranstalten Frankfurts überbrachte der i Leiter des Goethe-Gymnasiums, Geheimer Regierungsrat Dr. Rein- | hard, wobei er daran erinnerte, daß an der Wiege des Philanthro-! Pins auch die Leiter der beiden einzigen damaligen höheren Schulen! Frankfurts, der alten Latein- und der Musterschule, standen. Die! Direktoren der Muster- und der Elisabethenschule, Walter und Keller, i überbrachten als Dank für die zu ihrer vorjährigen Hundertj jahrfeier ausgesprochenen Glückwünsche ein Gedenkblatt. Direktor I Dörr von der Liebig - Realschule sprach der ältesten Schwester-! anstatt die Glückwünsche der übrigen Realanstalten . aus, Herr Wilhelmy die der Handelskammer. Weiter , sprachen Rektor Hinkel für die Rektorenvereinigung, Lehrer Ries für den Lehrerverein, Rektor Cuhn für die allgemeine Lehrerversammlung, Fräulein Rausenberger , für den Verein dee Lehrerinnen und Dr. Mehler für den Verein ehemaliger Schüler des Philantropins. Direktor Dr. Philippsohn,, der j zwölf Jahre lang am Philanthropin wirkte und jetzt die Iacobsohn-! schule in Seesen (Harz) leitet, war persönlich erschienen.um.seine und l seiner Anstalt Grüße zu überbringen. . Schriftliche oder telegraphische Grüüe und Glückwünsche lagen in-großer Zahl vor, u. a. vom Kultusminister, von dem früheren und dem jetzigen Oberpräsidenten der Provinz, Grafen Zedlitz-Trützschler und Von .Windheim, von dem Regierungspräsidenten von Hengstenbeeg, dem kommandierenden General von Lindequist, dem Ministerialrat Eisenhut > (Darmstadt) im Namen des hessischen Ministeriums re. i Namens des Ausschusses für den Jubiläumssonds teilte Herr Eduard | Goldschmid mit, daß diese Stiftung, an der sich mehr als tausend | frühere Angehörige der Schule aus nah und fern (selbst in Newyork I und San Fraiciseo) beteiligt haben, die Höhe von 100 000 Mark