Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-04-22 · Heft 17 (22.4.1904) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 17 (22.4.1904)
Date
1904-04-22
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3228581-3228599--60761-3274546
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

üt WDHF^MNMMWNNW^MWW8MWWWW^^WUWW^KWMKWMWZEWMWMDWUNWWWH^MM erreicht hat. Als Vorsitzender des Schulrats dankte Stadtrat ä, D. Horkheimer für all diese Zeichen der Anerkennung und Dankbarkeit "und überreichte den: früheren langjährigen Leiterß'er Anstalt, Direktor Dr. Bärwald, die für ihn allein in Gold geprägte Iubiläümsdenkmünze. Vonlebhaftem Beifall begrüßt, erschien der greise Direktor auf der Rednerbühne, nur tiefergriffen seinen Dank mit Segenswünschen für die Anstalt zu verbinden. Gegen 1 Uhr schloß Herr Fritz Auerbach die erhebende Feier mit einem begeistert aufgenommenen Kaiserhoch, worauf die Festversammlung unter Orgelbegleitung die Kaiserhymne sang. AM folgenden Tage fand die musikalische Feier statt. Diese wurde durch einen stimmungsvollen Prolog von Alfred Auerbach eingeleitet. Dann folgten verschiedene Vorträge von künstlerischem Interesse, die allgemeinen Beifall fanden. ' - : : Gesterretch-rlnsarn. □ Wien, 18. April. Habemus Papam! Die schwere, vorsteherlose Zeit ist vorüber und unsere Gemeinde hat wieder einen Führer, und zwar den würdigsten Mann, der für diesen schwierigen Posten gewählt werden konnte, nämlich den bisherigen zweiten Vorsitzenden Dr. Alfred Stern. Derselbe war früher hier Advokat, steht gegenwärtig im 72. Lebensjahre und war durch fünfzehn Jahre einer der Vertreter des ersten Wahlkörpers der Leopoldstadt im Wiener Ge-- meinderäte, aus welchem er, als mit dem Gesetze vom März 1900 die bekannten Aenderungen des Wiener Gemeindestatuts und der Wahl- ' ' ordnung erfolgten, austrat. Man kann mit vollem Rechte sagen, daß die Lücke seither nicht ausgefüllt, daß eine derartig wissenschaftlieh , und mit eingehender Sachkunde geführte Behandlung der Voranschläge. Rechnungsabschlüsse und aller großen finanziellen Trans; aktionen der Gemeinde und der Wiener Ratsstube, wie solche in der^ bekannten Reden des Dr. Stern, der unter der liberalen Aera als: Budgetreferent fungierte, in den letzten vier Jahren nicht gehörk wurde. Es bot sich das eigentümliche Schauspiel, daß selbst dich antisemitische Partei den gegen ihre Wirtschaft gerichteten, auf volley; Sachkunde beruhenden Angriffen Gehör und Beachtung schenken", 'müßte, daß beispielsweise ein ebenso, wichtiges und ungeschicktes! Referat des antisemitischen Stadtrates, betreffend die Besteuerung von Gemeindeanleihenkupons, unter den Angriffen, die Dr. Stern gegen dasselbe richtete, förmlich zusammenbrach und zurückgezogen wurde, worauf ein neues Referat erstattet werden mußte und so die Gemeinde vor großer Schädigung bewahrt wurde. Stern, der seit fünfzehn Jahren Mitglied des israelitischen Wiener Kultusvorstandes ist, hat nun als sein Altenteil das Präsidium der Kultus gemein de erwählt, und in der Rede, mit welcher er dasselbe übernahm, unteranderem erklärt, daß er von nun ab jeder anderen Betätigung im öffentlichen Leben entsage. Ein trauriges Zeugnis unserer öffentlichen Zustände, wenn denselben solche Männer den Rücken kehren.; Zum ersten Vizepräsidenten wurde Dr. Gustav Kohn, zum zweiten der kaiserliche Rat Moritz Hirsch gewählt. — Auch in der „Oesterreichifch-Israelitifchen Union" ist eine Krise ausgebrochen. Infolge prinzipieller Meinungsverschiedenheiten mit den anderen Vorstandsmitgliedern hat Herr Maximilian Paul-Schiff sich veranlaßt gesehen, das Präsidium des genannten Vereines niederzülegen und aus der Vereinsleitung auszutreten. Unternommene Versuche, ihn zur Zurücknahme der Demission zu bewegen, blieben erfolglos. — In dieser Woche hat hier eine Sitzung des „großen Aktionskomitees" der Zionisten stattgefnnden. in der die inneren Streitigkeiten zwischen den hiesigen und "russischen Zionisten zur Sprache kamen. Schließlich wurde-doch der Friede wiederhergestellt, auf Grund folgender Resolution: „Das' große Aktionskomitee nimmt mit Befriedigung Kenntnis von den fortwährenden Bemühungen des engeren Aktionskomitees für Palästina. Das große Aktionskomitee setzt voraus, daß das Aktionskomitee im Sinne der Beschlüsse des VI. Kongresses für die Absendung der Afrika-Expedition Sorge tragen wird. Da jedoch über die Frage der Kolonisation Ostafrikas an sich erst auf dem VII. Kongresse zu entscheiden sein wird, so bleibt die ' Diskussion über diese Frage wie über alle schwebenden Fragen über-; Haupt gemäß den bisherigen Gepflogenheiten frei." — Der Generalstabsarzt der Reserve Dr. Michael Waldstein Edler von Heilwehr ist am 10. d. M. im Alter von 81 'Jahren verschieden. Der Entschlafene hatte Generalsrang und nahm die höchste militärärztliche Charge ein. Von Kah und Fern. ---- Du phil. et med. Hugo Liepmann, Privatdozent' der j Psychiatrie an der Universität Berlin und Arzt an. der städtischen | Irrenanstalt in Dalldorf, ist zum Professor ernannt worden. — Am I 15. d. M. feierte der Rentier Adolf Salomon seinen 70,-Geburtstag. Die Freunde dieses auf dem Gebiete gemeinnütziger Bestrebungen segensreich wirkenden Mannes benutzten die Gelegenheit, um ihn: viele Beweise der Anerkennung darzubringen. — Der hiesigen Pelzfirma E. Schmidt (Inhaber Jonas und Bernhard Wolfs)ist aus der „Deutschen Kürschnerausstellung" in Leipzig die goldene Medaille für Pelzneuheiten zuerkannt worden. — Dem Rechtsanwalt und Notar, IustizratJacobson hier und dem Rechtsanwalt, Iustizrat Seligmann in Kob lenz ist der Königliche Kronen-Orden III. Kkasfe verliehen worden. — Bei der Wahl des Vorstandes der D anzig er Shnagogengemeinde wurden folgende Herren gewählt: Kaufmann Philipp Simson an Stelle des verstorbenen Davidsohn zum Vorsitzenden, Sanitätsrat Dr. Wallenberg zum stellvertretenden Vorsitzenden, Iustizrat Steinhardt zUm Schriftführer, Kaufmann Martin Kadisch zum Kasfenvorsteher und Kaufmann Adolf Eisen zum Kassenkontrolleur. Zum Vorsitzenden; des Repräsentantenkollegiums wurde Rechtsanwalt Behrendt und zu dessen Stellvertreter- Konsul Meyer gewählt. — Am letzten Sonntage versuchten Bauern in Neusta dt bei Schirwindt Ausfchreitugen gegen die Israeliten ins Werk zu setzen. Dank dem Eingreifen des dortigen Landrats und der Polizei wurden, den „Ostd. Grzb." zufolge, die Exzesse sofort im Keime erstickt. — In Görlitz ist am 12: b. M. in ihrem 78. Lebensjahre Frau Kommerzienrat Henriette Ephraim., eine der angesehensten und besten Frauen der Stadt und Gemeinde, nach langem Leiden verschieden.- Ehre ihrem Andenken! — Der Gesetzentwurf betreffend die Regelung der Verhältnisse ber. israelitischen Religionsgemeinde Sachsens ist von der Ersten sächsischen Kammer in der Sitzung vom 7. b.° M., der auch der Kronprinz Friedrich August von Sachsen beiwohnte, 'mit einer ziemlichunwesentlichen Aenderung des § 6 mit allen gegen eine Stirnn^e zur Annahme gelangt. — In Frankfurt a. M. ist am 8. d. M. nach schwerem Leiden der bekannte Buchhändler und Antiquar Chaim M.Horowitz gestorben: — Wie seinerzeit mitgeteilt wurde, ist eine vom Bildhauer Osterrieder ausgegebene sogenannte Künstlerpostkarte, welcheeinen angeblichen Ritualmord aus alter Zeit darstellte, in München mit Beschlag belegt worden. Nun hat der Staatsanwalt die Eröffnung des Hauptverfahrens beantragt. — Ein jüdisches Blatt bringt folgende Ernennungen ans Frankenthal.- „Der erste Staatsanwalt Herr Joseph Gießen wurde zum Landgerichtsdirektor am hiesigen Landgericht befördert. Ebenso sind die Herren zweiter Staatsanwalt Ludwig Fell und Amtsrichter Her m. Alexander zu Landgerichtsräten befördert worden." Kein einziger der Genannten ist ein Jude! Alexander kommt auch als christlicher Name in der Pfalz vor. — Der israelitische Landes- Afylverein für Württemberg gedenkt in Sontheim ein israelitisches Landesasyl zu errichten; kommenden Herbst wird Mit den Grab arbeiten begonnen werden. — In Butten Haufen fand die Einweihung der Bernheimer'schen Realschule statt. Der Philanthrop Adolf Bernheimer in Newyork stiftete seiner Heimatgemeinde die Mittel zur Errichtung des Gebäudes, wie auch zur Besoldung des Lehrers. — Frau Emma Herwegh geb. Siegmund, die jüngst verstorbene Gattin des berühmten Dichters, war längst nicht mehr Jüdin, wie verschiedene Blätter zu glauben scheinen. — Zum Rabbiner in Antwerpen wurde Dr. Wiener-Pfalzburg mit 76 Stimmen gewählt; 73 entfielen auf Rabbiner Felix Meyer-Valenciennes. — Der Vorsitzende der israelitischen Gemeinde zu Kopenhagen, Etatsrat Jos. Glückstadt, ist anläßlich des königlichen Geburtstages zum Geheimen Etatsrat ernannt worden. — Lord Wandsworth hat zum Andenken an seine verstorbenen Eltern, Baron und Baronin Stern, ein großes Gebäude für ein jüdisches Altersheim in London geschenkt. — Herr Dr. S ally Daiches, Hörer des Rabbinerseminars zu Berlin, ist von der Old Hebrew Congregation in Hüll zum Rabbiner gewählt worden. — Rabbiner Dr Niemirower in. Jassy hat einen Ruf nach Galatz erhalten, diesen jedoch abgelehnt. —Andrew Carnegie, der bekannte amerikanische Millionär, hat der Jewish Eclucational Alliance in Newyork 25000 Dollars geschenkt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.