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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-04-22 · Heft 17 (22.4.1904) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 17 (22.4.1904)
Date
1904-04-22
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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■'-. ■■’, \' " ■—:; 2 -^—■ gobens weist Kommissar Simon darauf hin, das; bereits in zwei' jüdischen Zeitungerr ein ausführlicher Bericht gestanden habe, daß man einen Bericht noch in die Tagespresse bringen und auch in dem Jahresbericht der Verwaltung Ausführlicheres berichten könne, vergebens war auch sein Appell, die großen Kosten zn berücksichtigen. Die Herren Professor Baginsky und Professor V laschte, ,Dr. Minden, Professor Geiger und Weinberg betrachten die Anregung als sehr fruchtbar, versprechen sich eine große werbende Kraft davon für die Schule und wollen keine Kosten gescheut wissen: nach ihrer aller Ansicht erfahren die Gemeindemitglieder viel zu wenig von den Leistungen der Verwaltung. Professor Blaschke hält es übrigens für die Pflicht eines ehrlichen Mannes, zu erklären, daß er sich mit manchen in diesen Reden ausgesprochenen Gedanken nicht einverstanden erklären könne; auch Herr Simon regt an, erst genau zu prüfen, ob. der gesamte Inhalt der Reden in die Oeffentlichkeit gebracht werden könne. Mit der einstimmigen Annahme des Antrages auf Druck der Broschüre schloß die öffentliche Sitzung. Berlin, 17. April. Die Lehranstalt für Wissenschaft des Judentums veröffentlicht soeben ihren 22. Bericht. Die Zahl der Hörer betrug im Sommerhalbjahr 1903 42 (33 Deutsche, 9 Ausländer), im Winterhalbjahr 1903/04 44 (32 Deutsche, 12 Ausländer), die Zahl der Hospitanten betrug 5 bezw. 7. Außerdem nahmen an den Vorlesungen für Studierende aller Fakultäten 30 Studierende aller Fächer teil. Neben reinen Spezialvorlesungen wurden folgende Vorlesungen allgemeiner Natur gehalten: „Die Religion der Pharisäer", „Judentum und Urchristentum irr ihren gegenseitigen Beziehungen". Der Lehranstalt sind im Laufe des Berichtsjahres verschiedene Zuwendungen gemacht worden. Das Vermögen der Moritz Lazarus-Stiftung beträgt zurzeit 24 200 Mark. Frau Justizrat Apolant hat eine Samuel und Eugen Apolant-Stiftung mit einem Kapital von 15 000 Mark errichtet. Rittergutsbesitzer N. Bernstein hat der Lehranstalt eine Schenkung von 100 000 Mork behufs Erwerbung eines eigenen Hauses gemacht. Zum Andenken an ihren dahingeschiedenen Gatten errichtet Frau Geheime Kommerzienrat Jda Simon einen Louis Simon'schen Lehrstuhl für Geschichte und Literatur bezw. für die Ethik und Religiosphilosophie des Judentums. Die Einnahmen der Anstalt im Jahre 1903 betrugen 31 389 Mark (darunter 12 064 Mark jährliche Beiträge). Dazu kam noch ein Kassenbestand von 15 688 Mark. An Honoraren wurden verausgabt 12 825 Mark, für Miete 1729 Mark, an allgemeinen. Verwaltungskosten 2061 Mark usw. Der Kassenbestand, beträgt 8304 Mark. Der eiserne Fonds beträgt 208 190 Mark. In der wissenschaftlichen Beigabe des Berichts behandelt Dr. I. Elbogen „die Neligionsanschauungen der Pharisäer" mit besonderer Berücksichtigung der Begriffe Gott und Mensch, ein Thema, das gerade jetzt von höchstem Interesse ist, und das durch die Behandlung, die ihm Elbogen zu teil werden ließ, in vielfacher Beziehung in ganz neuem Lichte erscheint.—In derheutigen Generalversammlung der Wohltäter der Lehranstalt wurde zunächst der Verwaltungsbericht sowie der Bericht der Revisoren entgegengenommen. Sodann wurden die nach dem Turnus ausscheidenden Herren Dr. Paul Meyer und Professor/Dr. Gustav Oppert wiedergewählt und die Herren Geheimer Rat Professor Dr. Hermann Cohen und Justizrat Dr.Hermann Veit Simon kooptiert. Der Antrag des Kuratoriums auf immerwährende Ehrenmitgliedschaft des verstorbenen Professor Dr. M. Lazarus wurde einstimmig angenommen. — Berlin, 18. April. Durch einen Irrtum oder Druckfehler ist in dem Bericht über die Generalversammlung des „Vereins zur Abwehr des Antisemitismus" die Zahl der Mitglieder grundfalsch angegeben worden. Der Verein hat nicht, wie behauptet wurde, nur 100, sondern vielmehr ca. 20000 Mitglieder, Juden und Christen, in allen Gegenden Deutschlands. Der Druckfehler hat natürlich den antisemitischen Blättern, voran der „Post", willkommene Gelegenheit zu hämischen Ausfällen geboten. Indes, die „Post" darf ruhig sein. Der „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" hat in jedem Falle dreimal so viel Mitglieder — als die „Post" Abonnenten. Auf die übrigen Angriffe noch weiter einzugehen, verlohnt auch diesmal wahrhaftig nicht der Mühe. ----- Berlin, 14. April. Dem Vorstande des'Vereines zur Pflege hebräischer Musik gehören nunmehr an: die Herren Dr. Paul Rosenberg, Professor Dr. Blaschke, Bureaudirektor Budwig, Louis Plvnsker, Dr. Georg- Loewenberg, Dr. Benno Mühsam, Willibald Loewenthal, Kapellmeister Kellermann (musikalischer Leiter), sowie die Damen: Frau Maurermeister Adler, Frau Plonsker, Frau Feig. Beitrittserklärungenfür singende und nichtsingende Mitglieder (2 Mark Eintrittsgebühr und 8 Mark Jahresbeitrag) nehmen sämtliche Vorstandsmitglieder entgegen. / §§. Frankfurt a. L>., 11. April. Nun ist sie-endlich vorüber die „rabbinerlose, die schreckliche Zeit", nachdem Rabbiner Dr. Hochseld am 1 September v. I. unsere Gemeinde verlassen. Denn am 1. Pessachtage hat Rabbiner Dr. Bergmann, bisher inKarsruhe — ein Schwiegersohn des Rabbiners Dr. Rosenzweig-Berlin — sein Amt als Prediger und Seelsorger angetreten. In seiner Autrittspredigt dankte er zunächst der Gemeinde, resp. deren Vertretern, für das in ihn gesetzte Vertrauen durch seine Berufung, und legte, anknüpfend an einige auf das Fest bezügliche Sätze aus der heiligen Schrift, in eindrucksvoller und formvollendeter Weise seine Auffassung der Pflichten eines Lehrers und Seelsorgers in Israel dar. Auf einen seitens des Regierungspräsidenten v. Dewitz seinerzeit in dem Bestätigungsschreiben für den Rabbiner Dr. Bergmann geäußerten Wunsch, denselben auch persönlich kennen zu lernen, machte dieser alsbald nach seinem Amtsantritt seine Aufwartung. In der Unterhaltung zeigte sich der Präsident über verschiedene jüdische Angelegenheiten sehr unterrichtet.- — In den „Zwischenfeiertagen" halten stets die hiesigen Wohltätigkeitsvereine ihre statutenmäßigen Generalversammlungen ab. Während nun diejenige des vor etwa 40 Jahren begründeten „Ahawasre'im (Brüder-) -Vereins" wegen ungenügender Beteiligung nicht abgehalten werden konnte, fand am folgenden Tage die Generalversammlung des seit 1793 bestehenden Vereins ^Uiseb'enes l'en aunim* („Gesellschaft der Brüder z. g. 1t.") statt. Dieser Verein zählt zur Zeit etwa 117 Mitglieder. Die statutenmäßig diesmal ausscheidenden Vorstandsmitglieder, L. Broh, Vorsitzender des Vereins und Herrmann Herzberg als Vertrauensmann, sowie die beiden Revisoren M. Feilchenfeld und Leo Herzberg wurden wiedergewählt. Aus dem Kassenbericht ist zu erwähnen, daß der Verein ein Vermögen von ca. 13 000 Mark hat und u. a. jährlich 15 Mark für das Kurhospital in Kolberg zahlt. Nach längerer Debatte wurde beschlossen, auf ein Gesuch der israelitischen Badearmenkasse in Bad Kissingen zur Errichtung eines Kurhospitals für arnre jüdische Kranke daselbst 30 Mark jährlich bis auf Widerruf beizusteuern. Der § 2 Absatz 7 der Statuten wurde infolge Meinungsverschiedenheiten irr letzter Zeit über die genaue Auslegung desselben, dahin festgelegt, daß, sobald ein Vereinsmitglied „Owel" (Leidtragender) wird, der Vorstand drei Wagen für das Leichenbegängnis zu stellen hat. Nur von einer Generalversammlung des seit über 90 bestehenden israelitischen Frauenvereins hört man schon seit zwei Jahren nichts. Wahrscheinlich weil in der Zwischenzeit sein bisheriger Rendant, Kaufmann Alexander, zunächst andauernd kränklich war und vor einigen Monaten verschieden ist. Und ein geeigneter Nachfolger ist anscheinend noch nicht gefunden. — Unsere Repräsentanten fitz ungen werden vielleicht bald nach dem Beispiel größerer Gemeinden öffentlich abgehalten werden, wenn die vor kurzem revidierten und der königlichen Negierung eingereichteu Statuten die Genehmigung erhalten. o. Königsberg, 14. April. Der hundertjährige Geburtstag von Salomon Snlzer, dem hochverdienten Schöpfer und Regenerator des neueren jüdischen Kultusgesanges, dessen Gedächtnis bei dieser Gelegenheit von allen größeren Synagogen in Deutschland und Oesterreich entsprechend gefeiert worden ist, ist auch in unserer hiesigen Synagogengemeinde mit der gebührenden Aufmerksamkeit geehrt worden. Beim Festäbendgottesdienst am 6. d. M. waren nicht nur sämtliche zum Vortrage gebrachten Gesänge von der Komposition des berühmten Altmeisters der Shnagogenmusik, sondern auch Herr Rabbiner Dr. Vogelstein lenkte das Thema seiner Predigt über „das Fest der Lieder" bald auf eine Beleuchtung der in ihrem Gebiet epochemachenden und bleibenden Verdienste des verstorbenen Wiener Kantors, der selbst ein außerordentlicher, die Herzen tief bewegender Sänger, auch durch seine Editionen hebräischer Hymnen und Kultusmusiken teils älteren Ursprungs teils eigener Arbeit das Ziel einer schönen und erhebenden Gestaltung des jüdischen Gottesdienstes ins Auge faßte und zu seiner Lebensaufgabe machte. Das

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