Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 17 (22.4.1904)
- Date
- 1904-04-22
- Page
- Seite 202 (sequence 10)
- Language
- German
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NWWFWAWMWWWzMWWWWM soll, die Bearbeitung von Kupfer und Eisen zugeschrieben wird, obwohl in dieser frühen Zeit kein Mensch das Eisen und wahrscheinlich auch niemand das Kupfer kannte, kommt das Wort ^2, welches Zinn bedeuten soll, auch in Jesi 1, 25 in einem Zusammenhänge vor, wo es kaum diese Bedeutung haben kann, vielmehr lediglich unedles Metall bedeutet, jedenfalls besser aus Blei Passen würde, welches. heißt und verschiedene Male neben ^12 genannt wird. Beide Metalle besitzen ja in ihrem Aussehen einige Ähnlichkeit mit einander und werden in alter Zeit, wo lediglich das äußere Ansehen eines Körpers zu dessen Erkennung diente, wohl oft genug mit einander verwechselt worden fein. Was Wunder also, daß die Verfasser der einzelnen Bibelteile, die doch sicherlich nicht eigentliche Sachverständige auf metallurgischem Gebiet gewesen sind, für die Stoffe, welche sie meinten, nicht immer die zutreffenden Bezeichungen gewählt haben. Wie gesagt, waren den Juden zur Zeit der Bibelabfassung sechs Metalle bekannt. Aber diese Metalle führten ihnen die Phönizier zu. In Palästina gab es keinen Bergbau. Gold und Silber und zum kleinen Teil Kupfer kommen in der Natur in metallischem Zustande vor. Die beiden ersteren, die Edelmetalle, brauchen nur gereinigt, geläutert zu werden, um der weiteren Verarbeitung zugänglich zu sein. Die Läuterung der Edelmetalle aber und namentlich deren Trennung von den unedlen Metallen müssen die Juden verstanden haben, denn wiederholt werden nn den verschiedensten Teilen der Bibel der Schmelzofen und die bei der Läuterung abfallenden Schlacken, welche d^D heißen, erwähnt. Dagegen konnnen Kupfer zum größten Teil, ferner alles Eisen, Zinn und Blei in chemischer Verbindung mit Sauerstoff oder Schwefel in der Natur vor und müssen in eigentümlichem Prozeß in den metallischen Zustand übergeführt werden. Diese Darstellung der Metalle aus ihren in der Natur vorkommenden Verbindungen geschah nicht in Palästina, sondern in den Ländern, wo diese Verbindungen bergmännisch gewonnen wurden. Und hier sind es gerade die Phönizier, welche nicht nur in den verschiedenen Ländern die Erze gewannen und auf Metalle verarbeiteten, sondern auch nach den verschiedensten, am Mittelländischen Meer belegenen Ländern in ihren Schiffen verfrachteten. Es ist Ihnen allen aus der Bibel bekannt, daß König Salomo in Ezion Geber, der Hafenstadt am Meer, Flotten ausrüstete, um aus Ophir, welches in Südostafrika gelegen gewesen ist, Gold und Elfenbein re. zu holen. Aber die Schiffe wurden von phönizischen Schiffbauern gebaut, und phönizifche Kapitäne und Matrosen waren es hauptsächlich, welche dem Könige die Schätze Afrikas zuführten, wie ausdrücklich hervorgehoben ist. (I. Kön. 9, 27). Außer aus Ophir kam Gold aus Uphas nach Tyrus, Silber gewannen die Phönizier in Spanien, ebenso das Blei und das Eisen, Kupfer stellten sie in Chpern dar, und Zinn brachten sie aus Britannien heim. War es so für die Israeliten unmöglich, die damals bekannten Metalle selbst darzustellen, so konnten sie auch in der Bearbeitung der Metalle zu einer höheren Stufe nicht gelangen. Denn ihnen fehlte die mächtigste Anregung zur Entwicklung der Metallbearbeitung, nämlich die Herstellung kunstvoller Bildnisse oder skulpturenreicher Geräte zu religiösen Zwecken, vielmehr war ihnen ja die Schaffung von Bildnissen streng untersagt. Im salomonischen Tempel wurden die verschiedenen kupfernen und bronzenen Geräte von dem lyrischen Künstler Hiram hergestellt. Wir gelangen nun zu einem zweiten Punkt, zu der Frage nämlich, wie weit die Israeliten es verstanden haben, für Wohnung und Kleidung zu sorgen. Auch hier sind es nur schwache Andeutungen, welche uns auf ihr Können einen Schluß gestatten. Zur Zeit, als die Genesis niedergeschrieben wurde, verstanden sie nicht nur Ziegel zu formen, und sie wie es in ältester Zeit gebräuchlich gewesen war, lufttrocken zu verwenden, sondern sie zu brennen, um sie hart zu machen. In der Erzählung vom Turmbau zu Babel heißt es in einem in hebräischer Sprache durch den Gleichklang der Worte schönen Wortspiel, das in der Uebersetzung nicht wiederzugeben ist: „Wir wollen Ziegel streichen und sie brennen, da ward ihnen der Ziegel zun: Stein, und der Asphalt ward ihnen zum Mörtel!" Es gibt drei hebiMsche Bezeichnungenfür Ton, nämlich ED, welches etwa unserem deutschen Wort Lehm entspricht und die rohe, nicht unmittelbar zu verwendende, weiche, schmutzende, wenig wertvolle Masse bedeutet, dann ,*Ü2^, der Ziegelton, und ‘"ibn, der Töpferton, der eigentlich bildsame, zur Herstellung der verschiedensten Geräte benutzte Ton. Ich möchte nicht verfehlen, darauf hinzuweifen, daß N52^, welches eigentlich die weiße Masse bedeutet, also den weißen Ton, ausschließlich zur Herstellung von Ziegeln benutzt worden ist, während ‘non, die rote Masse, also der rote Ton, als das edlere Material galt und in höherer Schätzung stand. Wir halten jetzt den weißen Ton, namentlich den, der auch beim Brennen weiß bleibt, für erheblich wertvoller; es ist der reine Ton, der Porzellanton, während der rötliche Ton seine Farbe dem Gehalt an fremden Stoffen, namentlich Eisenverbindungen, verdankt. Aus welchen Gründen die Israeliten den weißen Ton nur zur Herstellung von Ziegeln benutzt haben, ist nicht mitgeteilt; wahrscheinlich war der damals in Palästina vorkommende für ihre einfachen Mittel nicht bildsam genug, um Töpsergeräte daraus herzustellen. Dieser rötliche Ton, der lEn, war anscheinend auch das einzige Material, aus welchem sie formenreichere Gegenstände herzustellen vermochten. Denn der Töpfer heißt das heißt Bildner, Former schlechtweg, derjenige, der eine Gestalt hervorbringt. Das heißt doch nichts anderes, als daß sie nur den Ton zu verschiedenen Gestalten zu formen Pflegten. Alle anderen Materialien, welche dafür verwendbar sind, Holz und Elfenbein, Steine, Marmor, Metalle konnten oder mochten sie für diesen Zweck nicht verwenden. Ob ihnen zur- Zeit der Bibel die Töpferscheibe, das älteste Hilfsmittel zum Formen des Tons, bekannt gewesen, ist recht fraglich. In Jeremias Kap. 18, Vers 3 heißt es: „Ich ging in das Haus des Töpfers, und er arbeitete auf den beiden Steinen." Das sind die beiden, auch in der Handmühle zum Mahlen des Getreides benutzten beiden Steine, die doch nur zum Kneten, aber nicht zum Formen des Tons dienen konnten. Nicht nur zur Herstellung von Töpferwaren, sondern auch als Mörtel haben sie den rötlichen Ton, den .HEn benutzt, obwohl es nicht unwahrscheinlich ist, daß sie den eigentlichen Mörteh die Mischung von gelöschten! Kalk mit Sand, kannten. Denn in Jesaias Kap. 27 Vers 9 heißt es: „daß er alle Steine des Altars wie Steine von Kalk setzet, welche zerfallen." Wenn das dort gebrauchte hebräische Wort richtig mit Kalk übersetzt ist, so müssen die Israeliten das Brennen des Kalks gekannt haben. Denn in der Natur kömmt der steinharte und hart und -fest bleibende Kalkstein und der Marmor vor,' beide ebenso wie Kreide eine Verbindung von Kalk mit Kohlensäure. Durch starkes Erhitzen, durch Brennen wird der kohlensaure Kalk zersetzt, die Kohlensäure entweicht, und es bleibt der gebrannte Kalk zurück. Dieser aber nimmt beim Liegen an der' Luft allmählich Feuchtigkeit und Kohlensäure wieder aus und zerfällt dabei. Beim Uebergießen mit Wasser verbindet sich der gebrannte Kalk unter starker Erhitzung und unter Aufblähen mit Wasser zu gelöschtem Kalk. Wenn also Jesaias