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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-04-22 · Heft 17 (22.4.1904) · p. Seite 201

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 17 (22.4.1904)
Date
1904-04-22
Page
Seite 201 (sequence 9)
Language
German
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; Wkrnkmwipmm^m 201 auch die von ihm begründete Stipendienstistung zu Gunsten jüdischer Philologen, Theologen und Seminaristen. Am 22. September 1899 legte Dr. Bärwäld die Leitung des Philanttzropins, die er 31 Jahre mit unermüdlicher Pflichttreue geführt, nieder. Er genießt seitdem in Frankfurt sein wohlverdientes otium cum dignitate. Zu seinem Nachfolger war vom Schulrat der Rektor der Mädchenschule der jüdischen Gemeinde zu Berlin, Dr. .S alo Adler, gewählt worden, der am 24. April 1900 feierlichst in sein Amt.eingeführt wurde und dessen Bedeutung ich nicht zu rühmen brauche. Unter ihm als dem jetzigem Direktor war eine Erweiterung des Lehrziels der Anstalt durch Begründung eines Fachkursus in den Handebswissenschasten versucht worden. Da sich indes Frankfurt jetzt einer städtischen Handels-Hochschule erfreut, konnte der Fachkursus im letzten Schuljahr eingehen. So hat das Philantropin ein Jahrhundert hindurch das Ziel, das seine Begründer ihm gesteckt haben, verfolgt, „für Aufklärung und Humanität zu wirken, die Jugend zu geistig erleuchteten und -sittlich veredelten Männern und Frauen zu erziehen, die die Fähigkeit und den Trieb in sich fühlen, dazu mitzuwirken, daß die Summe des Guten auf Erden sich mehre und die Leiden und. Nebel des irdischen Lebens sich mindern." Möge es der Anstalt vergönnt sein, im zweiten Jahrhundert diese hehre Aufgabe immer erfolgreicher zu erfüllen! Chemisches aus der Mbrl. Vortrag zum Besten des Stipendienfonds der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, gehalten am 21. März von Pros Dr. A. Pinner. - Meine verehrten Damen und Herren! ls ich die ehrenvolle Aufforderung erhielt, zum Besten des Stipendiensonds der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums einen Vortrag aus meinein Gebiete zu halten, bezeichnete ich das Thema als: Chemisches aus der Bibel. In den öffentlichen Anzeigen ist daraus: „Die Chemie in der Bibel" geworden. Das ist freilich zu viel. Denn in der Bibel ist kein Platz für die Chemie, selbst wenn in den längst vergangenen Zeiten, in welche die Abfassung der einzelnen Teile der Bibel fällt, die Chemie eine größere Rolle gespielt hätte, als es tatsächlich der Fall war. Rur ganz wenige und ganz oberflächliche Andeutungen sind es, welche einen Schluß zu ziehen erlauben auf das, was die Israeliten von dem damals kleinen Wissensschatz aus chemischem Gebiet etwa besaßen. Ich werde deshalb auch nur herzlich wenig Ihnen mitzuteilen in der Lage sein. Im allgemeinen wird ja die Chemie als eine der jüngsten Wissenschaften aufgefaßt, und in der Tat sind die Anschauungen, welche wir jetzt über die chemischen Umwandlungen der Stoffe besitzen, vor kaum mehr als-einem Jahrhundert begründet worden. Aber schon in den ältesten Zeiten haben die ägyptischen Priester sich mit chemischen Ausgaben befaßt und haben namentlich versucht, die Metalle in einander zu verwandeln, z. B. Kupfer in Silber oder Gold. Auch der Name „Chemie" bedeutet nichts anderes als ägyptische Kunst oder ägyptische Wissenschaft, nämlich die.Kunst der Hammiten - oder Chammiten, d. h. der Aegypter. Jedoch haben die ägyptischen Priester ihr Wissen bekanntlich auf allen Gebieten sehr geheim gehalten, damit das Volk nicht zu sehr aufgeklärt würde, und von dem wenigen, was sie selbst im Laufe der Zeit über chemische Dinge kennen gelernt hatten, wird wohl kann: etwas ins Volk durchgefickert und Allgemeingut geworden sein. Deshalb dürfte selbst zu der Zeit, wo die Israeliten in regem Verkehr mit Aegypten standen, also zur Zeit der Könige, von dem chemischen Wissen der ägyptischen Priester so gut wie gar nichts nach Palästina gedrungen sein. Wir müssen also auch aus diesem Gründe daraus verzichten, irgend etwas Bedeutendes aus dem Gebiete der Chemie in der Bibel zu finden, abgesehen davon, daß die Bibel kein wissenschaftliches Lehrbuch sein will. Nun kommt noch hinzu, . daß die Israeliten zur Zeit des jüdischen Staates ein rein agrarisches Volk, ein Volk von Kleinbauern waren, und daß sie keine Gelegenheit hatten, eigene Erfindungen aus chemischem Gebiet zu machen. Die beiden mächtigsten und wesentlichsten Förderer von Kunst und Wissenschaft, nämlich Handel und Industrie, konnten in Palästina nicht gedeihen, weil es den Juden zu keiner Zeit gelungen ist, das Gestade des Mittelmeers zu gewinnen. Es ist Ihnen allen /bekannt, daß zwischen dem Staat der jüdischen und israelitischen Könige und dem Meere ein langgestreckter schmaler Saum sich befand, der von den Phöniziern und von den Philisterndie vielleicht beide mit einander identisch sind, bewohnt war. Die Philister zu unterwerfen gelang nicht. Schon vor der -Zeit der historischen jüdischen Könige haben.Kämpfe mit ihnen stattgefunden, wie aus den Erzählungen über Simsvn zu schließen ist. Auch der erste König, Saul, hat hauptsächlich gegen diese Feinde, welche die Entwicklung des jüdischen Gemeinwesens verhinderten, seine Kriege gerichtet. Aber seine beiden Nachfolger sind leider seinem Beispiele nicht gefolgt. Sowohl David als auch Salomvn, also gerade die Herrscher, welche die Zeit der höchsten Blüte des jüdischen Staates repräsentieren, waren eng liiert mit dem hervorragendsten phönizischen Fürsten, mit Hiram, und haben ihr Reich nach Norden und Süden zu erweitern gesucht, nicht nach Westen. Und später, als der mächtigste Stamm, Juda, sich von dem eigentlichen Reich trennte, und zwei Zwergstaaten entstanden, die ihre Kräfte in gegenseitigen Eifersüchteleien vergeudeten, war an eine Eroberung der Meeresküste nicht mehr zu.denken. ' Was dieses Versäumnis bedeutete, sehen wir an der imponierenden Machtentfaltung der beiden Küstenstädte Sidon und Tyrus. Kunst und Industrie haben damals bei den Israeliten auf tiefer Stufe gestanden. Als König Salonw für sich einen Palast und den Tempel bauen wollte, fand er im eigenen Lande dafür die geeigneten Kräfte nicht'. Sowohl die Architekten als auch die Steinmetzen mußte er von seinem Freunde Hiram aus Tyrus sich erbitten, ebenso wie zur Ausschmückung der beiden Staatsbauten Lyrische Holzschnitzer und lyrische Erzgießer herangezogen werden mußten. Und noch drei Jahrhunderte später, zur Zeit des Ezechiel, haben die Juden nichts als landwirtschaftliche Rohprodukte aus den Weltmarkt zu bringenvermocht, keine Jndustrieerzeugniffe, noch weniger Kunsterzeugnisse, denn -Ezechiel führt in seiner Weissagung -gegen Tyrus (Kap. 27) die verschiedensten Völker an, die den Weltmarkt zu Tyrus mit ihren Landesprodukten beschicken, und nennt auch Juda und Israel. Und was können diese für den Weltmarkts liefern? Weizen, Honig, Oel und zwei, verschiedene Harze öder Balsame von Luther mit Balsam, und von Luther mit Mastix übersetzt, lediglich Naturprodukte. Was war ihnen nun an Produkten der chemischen Industrie bekannt? Zunächst einige Metalle: , Gold, Silber, Kupfer, Eisen, Blei und Zinn. Freilich muß man mit der Erklärung der hebräischen Bezeichnungen für einige Metalle vorsichtig sein-. Auch wenn wir davon absehen, daß z. B. in Genesis IV dem Tubal-Kain, der lange vor Noah gelebt haben

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