Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 16 (15.4.1904)
- Date
- 1904-04-15
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Gemeinde. brachten.Stadtältester, Stadtrat Jakubowski, dex derzeitige Gemeiudevorstand und Justizrat Wolff alsRepräsentantenvorsteher ihre Glückwünsche dar. Auch : von der Gemeinde - war ein großes Geschenk, gewidmet worden. 1' Als Vorsitzender des Schulvorstandes überreichte Bürgermeister Wollburg dem Jubilar, der zugleich Lokalschulinspektor und Mitglied des Schulvorstandes ist, mit einer längeren Ansprache einen stattlichen Pokal. Der Jubilar dankte aus alle Ansprachen gerührt in tiefen und launigen Worten. Die sonstigen zahlreichen Gratulationen und Geschenke ans allen Schichten der Bevölkerung ohne Unterschied der Konfession zeugten.von der großen Beliebtheit unseres Rabbiners, der jetzt nahezu 4V Jahre hier in seinem Amte ist. Mögen dem Gefeierten noch viele schöne Geburtstage beschieden sein! ‘ Kp. Ans der Provinz Posen, im Apxil. . Dem Regierungsbaumeister Hermann, einem Sohn des Getreidekaufmanns Hermann in Krotoschin, ist unter Ernennung zum königlichen Kreisbauinspektor die Kreisbauinspektion in Bromberg übertragen worden. — Apotheker Salinger ist zum Vorsteher der Synagogengemeinde in Schildberg gewählt und bestätigt worden.— Der Etat der jüdischen Volksschule in Witko wo ist pro 1904 in Einnahme und Ausgabe auf 1300 Mark festgesetzt worden; rs werden 100 Prozent der Staatssteuer als Schulabgabe erhoben. — Der Kostenanschlag des Synagogenumbaues in Lissa ist auf 60000 Mark festgesetzt. Die Arbeiten find bereits den: Baumeister Stein daselbst übertragen worden. — Der Kaufmann Moritz Warschauer in Breslau hat seiner Heimatgemeinde Ostrowo zur Verbreiterung des jüdischen Friedhofsweges eine Spende von 500 Mark überwiesen. — Der Vorstand der Synagogengemeinde Mixstadt hat den Neubau einer Synagoge daselbst beschlossen. Mit dem Bau soll bereits demnächst begonnen werden. — Der Schulvorstand der jüdischen Volksschule in Ostrowo hat beschlossen, im Etatsjahre 1904 als Schulabgaben 45 Prozent der Staatseinkommensteuer zu erheben. — Der Kaufmann Marcus Michel in Buk beging neulich das Jubiläum seiner 25jährigen Zugehörigkeit zum Schulvorstande der jüdischen Volksschule daselbst. Aus diesem Anlässe sind ihm vom Kreisschulinspektor Dr. Lohrer in Grätz sowie vom Schulvorstande in Buk Glückwünsche und Ehrungen zuteil geworden. — Die Vertretung der Synagogengemeinde in Obersitzko hat den Neubau eines rituellen Badehauses sowie den einer neuen Friedhofsumwährung beschlossen. n. Ratibor in: April. Unsere Stadt und unsere Gemeinde ist von einem herben und unersetzlichen Verlust heimgesucht worden. Herr David Hamburger, der sich um die öffentliche Wohlfahrt sehr große Verdienste erworben, ist heute unter der Trauer und der aufrichtigen Teilnahme aller Schichten der Bevölkerung zu Grabe getragen worden. Sein Name wird noch lange in unserem Kreise in Ehren und in dankbarer Erinnerung sortleben. Er war eines der rührigsten Mitglieder der hiesigen, freiwilligen Feuerwehr, seiner Initiative verdanken die meisten Feuerwehren des Umkreises ihre Begründung und Ausbildung. In der Kreiskrankenkasse war er ein namhaftes Vorstandsmitglied, dessen einsichtiger Rat gern gehört und befolgt wurde. So hatte er sich durch sein gemeinnütziges Wirken die Achtung und die. Wertschätzung aller erworben. Das zeigte sich in dem imposanten Zuge, der dem toten Freund und Führer die letzte Ehre erwies: Vor dem Sarge schritten die freiwillige Feuerwehr mit den Deputationen der benachbarten Feuerwehren mit florbehangenen Fahnen, hinter dem Sarge folgte eine unabsehbare Menschenmenge aus allen Ständen und Konfessionen. Die Straßen waren mit Tausenden von Menschen besetzt, die von tiefem Weh festgebannt schienen. Mehr denn 3000 Menschen standen an seinem Grabe, so daß die geräumige Friedhofshalle die Trauernden bei weitem nicht zu fassen vermochte. Dem berechtigten Schmerz und der allgemeinen Trauer der gesamten Bürgerschaft lieh der Rabbiner Dr. Dienemann in seinem Nachrufe beredten Ausdruck. n, Köln, 3. April. Ueber die Stellung der von den Synagogengemeinden als Schächter, beschäftigten Personen hat sich die Strafkammer am hiesigen. Landgericht in einem Urteil von prinzipieller Bedeutung ausgesprochen. Bisher geschah das rituelle Schächten des Viehes im. hiesigen Schlachthause als freier Gewerbebetrieb, in dem die Schächter selbständig ihre Gebühren von den betreffenden Metzgern erhoben. Es entstand hieraus ein unlauterer Konkurrenzkampf, dem aus Grund einer zwischen der Stadtverwaltung und. der. Synagogengemeinde getroffenen Vereinbarung ein Ende gemacht wurde. Die Schächter wurden hiernach seit etwa Jahresfrist als Beamte der Synagogengemeinde angestellt und der Bezug der Schächtgebühren zwischen der. Stadt .und der Gemeinde geregelt, daß nach Abzug von drei Prozent für das Einziehen der Gelder die Gebühren der israelitischen Gemeinde verbleiben sollen, um hieraus die Schächter zu besolden. Infolgedessen wurden letztere vor: der bisher gezahlten Gewerbesteuer befreit, dagegen veranlagte die Stadt nunmehr die Synagogengemeinde zur Gewerbesteuer. Die Zahlung wurde indes verweigert, worauf die Stadt merkwürdigerweise die Angelegenheit nicht im Wege des Verwaltungsstreitverfahrens zum Austrage, sondern den Vorstand bei der Staatsanwaltschaft wegen unterbliebener Anmeldung/des betriebenen Schächtgewerbes zur Anzeige brachte. Von dieser Anklage wurde der Vorstand vom Schöffengericht, bei dem der .Vertreter der Staatsanwaltschaft gegen jedes Vorstandsmitglied eine Geldstrafe von einer Mark beantragt hatte, freigesprochen. Dieses Urteil hat auch die Strafkammer als Nevisionsinstanz mit folgender Begründung bestätigt: Nachdem die Synagogengemeinde die Ausführung des rituellen Schächtens übernommen hat, haben die Schächter die Eigenschaft von fest angestellten Beamten erworben; es kann daher von einem steuerpflichtigen Gewerbebetrieb keine Rede sein, einer Anmeldung dieses Gewerbetriebes hat es daher nicht bedurft. .. e. Krefeld, 8. April. An: 1. September d. I. beabsichtigt unser Oberrabbiner Herr Dr. HoroWitz nach einer 35jähr:gen segensreichen Wirksamkeit Hierselbst aus Gesundheitsrücksichten in den Ruhestand zu treten. Mit großem Bedauern sieht die Gemeinde diesen Mann aus seinem Amte scheiden, der allezeit seine ganze Kraft.freudig in den Dienst der Gesamtheit gestellt, der bei tiefem Wissen, verbunden mit einem milden, bescheidenen Wesen es verstanden hat, sich nicht nur die Liebe seiner Gemeindemitglieder, sondern auch eine hohe Wertschätzung seitens der maßgebenden andersgläubigen Bürger unserer Stadt zu erringen. Biele gemeinnützige Institutionen innerhalb unserer Gemeinde verdanken Herrn Dr. Horowitz.ihr Entstehen bezw. ihre Weiterentwicklung^ Wir brauchen nur auf den so edle Zwecke verfolgenden „Verein zur Förderung und Unterstützung des Handwerks und Schulwesens unter den Israeliten des Krefelder Rabbinatssprengels" hinzuweisen. Die Gemeinde hat der treuen Pflichterfüllung ihres Rabbiners stets Anerkennung gezollt und diese auch jetzt dadurch zum Ausdrucke gebracht, daß sie einstimmig' ein über die vertraglichen Bestimmungen hinausgehendes Ruhegehalt ihm bewilligte. — Wie wir hören, wird Herr Dr. Horowitz seinen Wohnsitz nach Düsseldorf verlegen. Möge es ihm vergönnt sein, eine recht lange Reihe von Jahren in körperlicher und geistiger Frische der wohlverdienten Ruhe sich erfreuen zu können! e. München, 10. April. Nach dem Vorbilde des 1902 in Berlin begründeten Vereins für jüdische Statistik und der 1903 in London gebildeten Society for Jevvish Statistics tourbe auch hier ein derartiger Verein ins Leben gerufen. Ein vorbereitender Ausschuß berief aus den 10. März eine Versammlung ein. zur Konstituierung eines „Vereins für die Statistik der Juden". In der gut besuchten Versammlung legten zunächst die Herrren Dr. Arthur Cohn und Dr. Georg Halpern den Zweck des Vereins dar, der in § 1 der Statuten dahin formuliert ist, daß . der Verein die Erforschung der Massenerscheinungen der Juden, zunächst in Bayern, durch wissenschaftliche Untersuchungen auf statistisches und deskriptiver Grundlage anstrebt. Doch sollen auch die Verhältnisse in den Nachbargebieteu mit hereingezogen werden. Der als Gast anwesende Unterstaatssekretär Prof, v., Mahr begrüßte die Gründung des Vereins, indem er hervorhob, daß die Ziffern der amtlichen Statistik erst durch eingehende Detailgliederung recht nutzbar gemacht werden können und sich zu. dieser Arbeit statistische Gesellschaften besonders eignen. Rabbiner Dr. Werner betonte, wie nützlich die Untersuchungen des Vereins der organisierten jüdischen Wohltätigkeit werden könnten, da erst durch , sie eine gesunde Basis für eine planvolle Tätigkeit der betreffenden Institute geschaffen werde. In die aufliegenden Listen zeichneten sich 60 Herren ein,von denen etwa die Hälfte eine aktive Mitarbeit in Aussicht stellte. Der Vorstand besteht ans den Herren Dr. Arthur Cohen,-1. Vorsitzender (Haydnstr. 5); Rechtsanwalt ... s