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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-04-15 · Heft 16 (15.4.1904) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 16 (15.4.1904)
Date
1904-04-15
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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mit .Anpflanzungen Versehens Schulhoff. läßtL es zu,, daß. :vvn jedem einzelnen Sitzplatz der freie Himmel gesehen werden kann, in den von beiden Längsseiten erleuchteten Korridoren sind ausreichende Waschgelegenheiten (kalt und warm) und wie Garderoben in -der Zahl der Zöglinge entsprechenden Umfange nntergebracht. Die Entleerung der Schule geschieht durch die bereits erwähnte Haupttreppe und durch eine sehr geräumige Nebentreppe, so daß also auch in dieser Hinsicht den baupolizeilichen Vorschriften entsprochen ist. Alle Fußböden sind massiv hergestellt, die Korridore und Nebenräume sind'mit Terrazzo, die Schulräume mit Linoleum belegt. Es braucht kaum hinzugesügt zu werden, daß die sonstigen notwendigen Nebenrüume mit den modernsten hygienischen Einrichtungen'versehen sind. Die Turnhalle ist nach den neuesten Erfahrungen hergerichtet und mit allen Zweckmäßigen Apparaten ausgestattet. Die Klassenzimmer haben zweisitzige Bänke nach dem System Zahn, das noch etwas von der Bauleitung modifiziert worden ist; die Schultafeln sind Rolltafeln nach dem Binsky'schen System. Ein Lehrerzimmer, Bibliothekzimmer, Konferenzzimmer und Lehrmittelzimmer sind ebenfalls im Seitenflügel untergebracht. Das ganze Gebäude wird mittels Zentralheizung erwärmt und zwar durch Niederduck-Warmwasserheizung mit getrennter Lüftungsanlage. Sehr zweckmäßig ist die Einrichtung, daß von den Korridoren aüs die Temperatur der Klassenzimmer abgelesen und somit jederzeit reguliert werden kann. Die Beleuchtung geschieht durch indirektes Licht, d. h. die Lichtstrahlen werden erst aus einen an der Lampe befindlichen Schirm geworfen und von dort verteilt, so daß beim Schreiben kein Schatten entstehen kann. Besonders hervorzuheben ist noch das. im Souterrain gelegene ünd elegant ausgestattete Brausebad, in welchem in sechs Zellen zu gleicher Zeit Sitz- und Brausebäder genommen werden können. So präsentiert sich der Neubau äußerlich wie innerlich als ein glanzvoller und stellt der Gemeindeverwaltung für die bereitwillige Hergabe der großen Aufwendungen wie auch der Baukommission und den Baumeistern für die technischen Anlagen ein ehrendes Zeugnis aus. Nicht unerwähnt möchten wir schließlich noch lassen, daß mit der Lieferung von Arbeiten für den . Bau fast durchweg jüdische Firmen betraut worden sind. 1'. Berlin, 30. März. Am 30. Dezember v, I. fand die zweite Jahresversammlung des Vereins jüdischer Lehrer der Provinz Brandenburg hier statt. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde hatte mit dankenswertem Entgegenkommen der Räumlichkeiten des Gemeindehauses Oranienburgerstraße 29 der Versammlung zur Verfügung gestellt. Der Vorsitzende Dr. Fiegel eröffnete um 11V2 Uhr die Sitzung mit einem Hoch auf unseren Kaiser, in das die Anwesenden begeistert einstimmten. Darauf gab Kollege Bellack-Frankfurt a. O. sein Referat über das Verbandsthema: „Welche Gebiete aus der nachbiblischen Geschichte sind für die verschiedenen Schulgattungen vornehmlich auszuwählen?" Da der Referent sich bei der Behandlung des Themas in zu engem Rahmen gehalten hatte, wurde dasselbe Thema zur nochmaligen Behandlung für die nächste Versammlung festgesetzt. Kollege Hirschfeld-Berlin erklärte sich bereit, das Referat zu halten. In Verfolg eines früheren Beschlusses und auf nochmalige Anregung des Kollegen erörterte die Versammlung die Möglichkeit, die Gemeindebibliothek den Mitgliedern des Vereins zugänglich zu machen, und beschloß, bei der jüdischen Gemeinde mit nachstehender Resolution vorstellig zu werden: „Der Verein jüdischer Lehrer der Provinz Brandenburg richtet an den Vorstand der jüdischen Gemeinde das ergebenste Ersuchen, den Mitgliedern des Vereins die Benutzung der jüdischen Gemeindebibliothek zum Zwecke der Fortbildung in den Religionswissenschaften tunlichst erleichtern zu wollen.“■ Im weiteren Verlaufe der Sitzung kamen auch die Angriffe des Herrn Rabbiner Dr. Königsberger-Pleschen gegen eine Arbeit des Herrn Rektor Dr. Gutmann zur Sprache. Die Erörterung dieser Angelegenheit endigte mit der Annahme nachstehender Protesterklärung: „Der Verein jüdischer Lehrer der Provinz Brandenburg sieht in den Angriffen des Herrn Rabbiner Dr. Königsberger-Pleschen eine Unterschätzung' der wissenschaftlichen Selbständigkeit der jüdischen Lehrer; der Verein nimmt für jeden jüdischen Lehrer das Recht in Anspruch, sich nach eigenem Ermessen auf dem Gebiete der Religionswissenschaften zu betätigen und weist deshalb die Angriffe, die Herr Rabbiner Dr.Kouigsberger gegen die Arbeit des Herrn Dr. Gutmann, die Fortbildung der-jüdischen Lehrer betreffend, gerichtet hat, als unberechtig te Bevormundung mit - Entschiedenheit zurück." Hierauf wurden die Kollegen Hauff und Auerbach zu Delegierten für den nächsten Verbandstag. gewählt. ■: Nachdem die Versammlung den bisherigen Vorstand ermächtigt hatte, über seine eigentliche Amtsdauer bis zur nächsten Versammlung die Vereinsgeschäfte zu führen, schloß die Sitzung um 4 Ühr nachmittags. . ~i„ 8*. Berlin,'10. April. Die „Jüdische' Arbeiterkolonie und Asyl" in Weißensee hat jetzt ihren zweiten Rechenschaftsbericht veröffentlicht. Das Berichtsjahr kann als eine Periode stetiger und kräftiger Weiterführung der Aufgaben des Vereins bezeichnet werden, welchem jetzt die Rechte einer milden Stiftung verliehen worden sind und hiermit die wertvolle Anerkennung seiner sozial-ethischen Bestrebungen seitens dex Behörden zuteil geworden ist. Im verflossenen Jahre wurde 324 Personen Aufnahme gewährt, seit Eröffnung der Anstalt sind 512 unglücklichen Glaubensgenossen aus den verschiedensten Ländern Europas die Wohltaten der Kolonie zugute gekommen. Am Schluß des Jahres 1903 war der Bestand 71 Mann, die Höchstzahl der Aufgenommenen betrug 82 Mann. .Abgegangen sind 313 Mann im Jahre 1903, nur 16 Mann mußten auf Grund der Hausordnung unfreiwillig entfernt werden. Die Zahl der Arbeitstage betrug im Berichtsjahr 15 516 Tage, der Brutto-Arbeitsverdienst der Kolonisten 16 327,20 Mark oder pro Mann und Tag 105,6 Pfennige. Die Akkordguthaben der Kolonisten beliefen sich auf 6406,48 Mark, der Akkordüberschuß pro Mann und Arbeitstag 41,03 Mark. Für die Menage wurden pro Mann und Tag im Durchschnitt 46,08 Mark verausgabt. Die Mitgliederzahl des Vereins hat sich nur in geringem Masse vermehrt, die Summe der. einmaligen Zuwendungen ist bedauerlicherweise beträchtlich hinter dem Vorjahre zurückgeblieben. Die Kassenverhältnisse sind leider nicht so günstige, wie sie dem schönen Denkmal werktätigen Menschentums zu wünschen wären. y. Berlin, 2. April. In der „Wissenschaftlichen Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin" hielt am 12. März der Dozent an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums Herr Dr. Ellbogen einen Vortrag über die wichtigsten Gedanken und Strömungen des jüdischen Hellenismus. 'Der Vortragende führte in klarer und anschaulicher Weise aus jener wichtigen Zeitepoche, der Zeit der Entstehung des Christentums, ungefähr den Stoffe vor, den inan den Schülern der oberen Klassen höherer Lehranstaltn bieten könnte. Das Stiftungsfest der Vereinigung fand diesmal am 9. April statt. — Berlin, 10. April. Der Verein zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands macht beim Abschluß des Schuljahres diejenigen jüdischen Eltern, die noch keinen bestimmten Beruf für ihre schulentlassenen Söhne gewählt Haben, darauf aufmerksam,, daß auf dem der Bodenkulturgesellschaft m. b.H. gehörigen Gute Neuhof bei Posen noch einige Zöglinge zur Ausbildung in der Landwirtschaft angenommen werden können. Diese müssen das 15. Lebensjahr überschritten haben und körperlich gesund sein'. Sie haben einen praktischen Kursus von 3 Jahren durchzumachen und werden in dieser Zeit mit allen landwirtschaftlichen Verrichtungen vertraut gemacht. Die Verpflegung ist rituell. Alle näheren Einzelheiten sind von dem Geschäftsführer Herrn Mühlenbesitzer I. Rosenthal, Posen. Wilhelmstr. 25 zu erfahren. 2Q Berlin, 12. April. Der Ausschuß des Bundes der Handwerker hat in seiner ersten Sitzung am. 10. d. M. zum Mißvergnügen der Antisemiten die Bestimmung in den bisherigen, allerdings nur provisorisch festgestellten Satzungen, daß allein „christlich deutsche" Neichsangehörige Mitglieder des Bundes werden können, gestrichen, damit auch die jüdischen Handwerker dem Bunde beitreten können. Wir hoffen zuversichtlich, daß nunmehr alle jüdischen Handwerker dem« Bunde, dessen Programm ein sehr wichtiges, die Interessen des - Handwerks^ förderndes ist, beitreten werden, um auch aus diesem Wege die Insinuationen der Antisemiten zu widerlegen. x. Lissa i. P., im April. Am zweiten Osterfeiertage wurde der siebzigste Geburtstag unseres Rabbiners, Herrn Dr. Bäck, in feierlichster Weise begangen. Als erste Gratulanten erschienen die Mitglieder des Literaturvereins und überreichten ihrem Vorsitzenden, der sich um den Verein so viele Verdienste erworben hat, einen Stock mit silberner Krücke und eingravieter Widmung. Im Namen der

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