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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-04-15 · Heft 16 (15.4.1904) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 16 (15.4.1904)
Date
1904-04-15
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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Dr. Holländer, II. Vorsitzender; Dr. Holpern, I. Schriftführer (Frledrichstr. 1); Dr. Epstein, Arzt, II. Schriftführer; Bankier Krämer, Schatzmeister; ferner den Beisitzern Konsul. Ballin, Rechtsanwalt Dr. Blumenstein, Justizrat Ofner, Arzt Dr. Sielmann, Rechts- Praktikant Dr. Elias Strauß, Rabbiner Dr. Werner. Oesterretch-Nngarn. Wien, 11. April. Eine sehr interessante Mitteilung über Pie Motive der Entlassung des Fürstbischofs Dr. Kohn bringt das hochoffiziöse hiesige „Fremdenblatt". Als Gewährsmann wird ein hervorragender Prälat in Rom bezeichnet, der ein intimer Freund des Staatssekretärs Mery del Val ist. Aus der Mitteilung geht unzweifelhaft hervor, daß Kohn gehen mußte, weil er ein Nachkomme des „Volkes der Geschichte" ist. Der Freund des Staatssekretärs ließ sich sogar die höchst seltsame Bemerkung entschlüpfen: „Der Papst gab ihm (Dr. Kohn) zu verstehen, daß sich um seinen Namen zu viel Kämpfe entspannen hatten und das es ihm infolge dessen unmöglich sein werde, sein hohes Amt in Olmütz mit Erfolg auszuüben." Wenn es aber noch eines Beweises bedürfte, um die Gegner zu zeigen, die gegen den Erzbischof mit so großartigem Erfolge agitierten, so sei ans eine Nachricht hingewiesen, die von den antisemitischen Blättern mit großem Behagen veröffentlicht wurde. In dieser Notiz wurde erzählt, daß Dr. Geßmann — der christlich-soziale Generalstabschef — einen Vortrag in Olmütz hielt, welchem nebst dem Generalvikar Weinlich auch noch eine stattliche Anzahl von Olmützer Domherren beiwohnte. — Am 3. b. M. ist hier der älteste jüdische Advokat Dr. Gustav Freund in hohem Greisenalter gestorben. Er war ein alter Achtundvierziger, der für die Ideale seiner Jugend im Kerker gesessen hat. Bei der Beerdigung sprachen Oberrabbiner Dr. Güdemann und der Schriftsteller Balduin Groller. — Sigmund L. Breitner in Budapest, dem verdienstvollen Präsidenten der Wohltätigkeitssektion der Pester israelitischen Gemeinde, wurde in Anerkennnung seiner Verdienste auf dem Gebiete des Handels und der Wohltätigkeit das Offizierkreuz des Franz Joseph-Ordens verliehen. — Dr. Beruh. Alexander, der bekannte ungarische Aesthetiker und Philosoph, ist zum ordentlichen Professor an der Budapester Universität ernannt worden. Schweden. N. Gothenbnrg im April. Wie Sie bereits kurz mitgeteftt, verschied am 19. v. M. Hierselbst der emer. Rabbiner Dr. Moritz Wolfs im Alter von nahezu 80 Jahren. Geboren in Meseritz als Sohn des dortigen Rabbiners Rabbi Arje Leb Wolff-Meseritz widmete er sich schon in jungen Jahren dem talmudischen Studium bei seinem Vater, der als Talmudist einen Namen hatte. Bei seinem Tode 1857 hinterließ Reb Arje Leb Wolff einen handschriftlichen Kommentar in 12 Foliobänden zmn Talmud, dieser Kommentar ist jedoch abhanden gekommen, vielleicht auch unter .einem andern Namen schon längst gedruckt. Seine wissenschaftlichen Studien betrieb Moritz Wolff an der Universität in Leipzig, wo er zu den begabtesten Hörern des Orientalisten Fleischer gehörte. Diesem seinem Lehrer hat der Dahingeschiedene bis zuletzt seine Liebe und Zuneigung bewahrt. Als Rabbiner kam Moritz Wolff zuerst nach Culm in Westpreußen, von wo er im Jahre 1857 einer. Berufung nach hier Folge leistete. 42 Jahre lang bis zum Herbst 1899 wirkte der Verblichene in treuer, hingebungsvoller Weise als Rabbiner hiesiger Gemeinde. Welche Achtung, welche Beliebtheit Dr. Moritz Wolff, der ein Mann des Friedens war, in dieser Zeit sich hier bei allen erworben hatte, davon legte besonders die Leichenfeier Zeugnis ab. Die Synagoge, seine 42 jährige Wirkungsstätte, in der die Trauerfeier stattsand, war bis auf den letzten Platz von Andächtigen gefüllt. Aber auch schon bei Lebzeiten, bei seinem 25 jährigen Amtsjubiläum, seiner goldenen Hochzeit, hat er mehrfache Beweise der Dankbarkeit, Liebe und Anhänglichkeit seiner Gemeinde erfahren und auch jetzt rüstete man sich allgemein zur feierlichen Begehung seines 80 jährigen Geburtstages'. Doch diesen Ovationen hat er, dessen größte Tugend die Bescheidenheit war, sich bescheiden durch den- Tod entzogen. Sein ganzes Leben hat er der Erziehung seiner 6 Söhne, worin er von seiner ihm vor 3 Jahren im Tode vorausgegangenen Gattin treu unterstützt wurde, dem Wohle seiner Gemeinde und wissenschaftlichen Studien geweiht'. Zahlreich sind die von ihm veröffentlichten Arbeiten aus die Gebiete der jüdischen Religionsphilosophie, speziell über Maimonides.. und Philo; noch einige Monate vor seinem Tode hat er. sein Buch „Musa Maimuni's 8 Kapitel" in zweiter, vermehrter und verbesserter Auflage herausgegeben. An seiner Bahre standen trauernd seine 6 Söhne, die er alle zu tüchtigen Männern erzogen, und mit ihnen vereint in Trauer um den Dahingeschiedenen die ganze hiesige Gemeinde. Sein Andenken wird nie untergehen, Moritz Wolff gehörte zu den Gerechten, von denen es heißt, daß sie auch nach dem Tode noch sortleben. Von MH und ssrrn. — Nach den letzten statistischen Ermittelungen waren 1902 von allen überhaupt abgeschlossenen Ehen etwas über %o derselben religiös ungemischte Ehen; die Eheleute waren bei 272 489 Heiraten beide evangelisch, bei 140191 beide katholisch und bei 3915 beide israelitisch. Mischehen wurden insgesamt 39 763 (8,7 Prozent) eingegangen, davon waren 37 957 Ehen zwischen Evangelischen und Katholiken, 161 zwischen Evangelischen und Israeliten und 128 zwischen Katholiken und Israeliten. — Der Rentier D. M. Feilchenfeld feierte am 8. d. M. seinen 70. Geburtstag. Aus diesem Anlaß wurden dem durch seine menschenfreundliche Hilfstätigkeit bekannten und geschätzten Manne vielfache Beweise der Anerkennung gegeben- — Herr Wil - Helm Heimann in Bingen ist zum ersten Kantor und Lehrer in Gr. - Gl og au gewählt worden. — Am 9. d. M. ist in Ziegenhals der Stadtälteste Josef Frankel im 82. Lebensjahre gestorben. — Der bekannte Augenarzt Professor Dr. Hermann Cohn in Breslau ist zum Geheimen Medizinalrat ernannt worden. — In Siegen feierte am 31. v. M. der Gemeindevorsteher M.L. Steun seinen 70. Geburtstag unter allgemeiner Teilnahme. Vorstand und Repräsentanten brachten ihre Glückwünsche dar und der Lehrer S. Grünwald hielt eine , längere Ansprache, in der er die Verdienste des Jubilars um Gemeinde und Schule gebührend würdigte. — Der Oberstleutnant Strauß vom Geniekorps ist zum Oberst, der Bataillonschef Bloch zum Oberstleutnant, der Hauptmann Lipmann zum Eskadronchef, der Oberstleutnant Borchard zum Direktor der Artillerieschule ernannt. Alles natürlich in Frankreich! — Londoner Telegramme meldeten eine grausame Verfolgung der Juden in Lompalanka (Bulgarien), wo angeblich drei Juden gekreuzigt wurden. Nun wird aus Sofia berichtet: In Lompalanka fanden wohl Exzesse statt, die aber unblutig verliefen. Durch Zerstörung und Plünderung von Häusern wurde wohl viel Schaden angerichtet, aber es wurde kein Jude getötet oder verwundet. — Von 67 Aerzten, die am 20. v. M. Warschau verlassen haben, um ihrem Vaterlande im fernen Osten zu dienen, waren 50 Juden und nur 17 Christen. Einer der tüchtigsten jüdischen Aerzte, Dr. Oppenheimer ist bereits als Opfer des russisch-japanischen Krieges gefallen, und zwar noch bevor er auf dem Kriegsschauplätze angelangt war. Im Waggon sind ihm die Füße erfroren und'bald darauf ister im Hospital gestorben.— In Lipowitz, einem kleinen Städtchen des Gouvernements Kiew, wurde an einem Sonntag in der einzigen Synagoge wie in den beiden Kirchen des Ortes eine Sammlung für das Rote Kreuz veranstaltet. Die Sammlung in der Synagoge brachte 102 Rubel, die in den beiden Kirchen ganze 3 Rubel und 93 Kopeken ein. — Die hebräischen Zeitschriften „Hameliz" und „Hasman" in Rußland sind eingegangen. — Seit einigen Jahren droht den Juden der Stadt Kutais am Kaukasus eine ganz eigenartige Gefahr. Die Polizei möchte nämlich den Juden die Häuser zerstören, weil sie angeblich baufällig sind. Es handelt sich um etwa 100 Häuser. — In der irischen Stadt Limmerick dauert die Judenhetze fort. Es ist über die dortigen Juden ein förmlicher Boykott verhängt und 15 Familien sind bereits dadurch brotlos geworden. — Die Zahl der Juden in NeusüdWales beträgt etwa 6500, von denen der größte Teil in der Hauptstadt wohnt. Diese bilden eine einzige große ungeteilte Gemeinde und besitzen nur eine Synagoge, ein Umstand, der es bei den ungeheuren Entfernungen innerhalb der Stadt den religiösen Mitgliedern aus den fernen Distrikten unmö glich macht, an Festtagen und an Sabbathen das Gotteshaus zu besuchen. Die Gemeinde setzt sich aus den heterogensten Elementen zusammen. Da finden sich hohe richterliche Beamte, Parlamentsmitglieder und führende Handels- Herren und daneben Handwerker, Hausierer und Angehörige der Arbeiterklasse.

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