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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-04-15 · Heft 16 (15.4.1904) · p. Seite 186

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 16 (15.4.1904)
Date
1904-04-15
Page
Seite 186 (sequence 6)
Language
German
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dieser Beschreibung zu ersehen, wie und womit manche dieser jüdischen Täuflinge männlichen Geschlechtes ihre Zeit in dieser Anstalt auszufüllen pflegten. Da ihr Wissen hauptsächlich nur ein talmudisches war, so beschäftigten sie sich den größten Teil des Tages und des Nachts mit talmudischen Diskussionen, dem sogenannten „Pilpul", welche Beschäftigung umsomehr komisch erscheint, wenn man bedenkt, daß sie oft nach dem offiziellen Kirchenbesuch stattsand. — . ■ ■ Das laufende Heft der „levvisb Quarteriy Review' enthält, wie gewöhnlich, verschiedene lesenswerte Artikel, worunter einer sich befindet, der Professor Steinschneider zum Verfasser hat, und besondere Aufmerksamkeit verdient. Der fragliche Artikel hat zur Aufschrift:. „Allgemeine Einleitung in die jüdische Literatur des Mittelalters", und enthält eine größere Anzahl von jüdisch-literarischen Notizen, die der gelehrte Verfasser in einem dazu bestimmten Buche gemacht zu haben scheint. Derselbe drückt da u. a. auch seine Privatmeinung aus hinsichtlich der vorgeblichen Echtheit des hebräischen Originals der vor einigen Jahren von Schechter, Neubauer und andern jüdischen Gelehrten aufgefundenen Ben Sira-Fragmente. Dieselbe lautet wörtlich, wie folgt: „Die Sprache dieses Buches hat auf mich gleich zu Anfang den Eindruck gemacht, als ob ein Nichtjude es geschrieben hätte; wenigstens kein vorchristlicher Jude. Diese Meinung habe ich in meinen Vorlesungen und im sonstigen Verkehr geäußert, und die noch fortdauernden Verhandlungen haben jenen Eindruck nicht verwischt." Schreiber dieser Zeilen hat seinerzeit in einem englischen Journal eine ähnliche Meinung über denselben Gegenstand ausgedrückt,. die somit hier von einer anerkannten Autorität unterstützt wird. Die hmidertjshrkeier des Ohilsntropins. (14. bis 16. April 1904.) Von M. Friedeberg. II. Im Großherzogtum Frankfurt. ©o mußte denn das schöne und auf dem damals geltenden pädagogischen Grundsätzen ausgebaute Projekt der Karlsschule Projekt bleiben, umsomehr, als die in den Freiheitskriegen erfochtenen Siege die napoleonischen Staatengebilde auf das äußerste bedrohten. Dalberg hatte schon am 20. Sep-' tember Frankfurt verlassen. Am 2. November 1813 hatte das Großherzogtum Frankfurt zu existieren aufgehört, der Schulrat sah sich mit der ganzen Fürsorge für das Philantropin auf sich allein angewiesen. Zunächst jagt der Krieg Lehrer und Schüler aus. der Schule hinaus, das Schulhaus wurde in ein Lazarett verwandelt. Es war ein Glück, daß das frühere, dem: Dalbergffchen Kompostell gegenüberliegende Schüllokäl noch leer stand. Das Philantropin wurde hier untergebracht, bis die für die geplant gewesene Karlsschüle bestimmten Räume wieder ' frei waren. Auch in anderen Dingen, namentlich auch in den! finanziellen Verhältnissen, begann jetzt eine trübe Zeit für die j Schule. Am 14. Dezember 1813 war Frankfurt von den Ver-! bündeten als „freie Stadt" erklärt worden. Für die Juden j brachte der in der Bürgerschaft herrschende Geist eine Reaktion j in Gang. Der jüdischen Gemeinde war ein langer Kampf für j ihr Recht auferlegt, der Schulrat geriet in finanzielle Not. Durch einen Aufruf vom 10. Oktober 1814 „An alle Freunde und Beförderer des Guten" wurde eine Subskription eröffnet, um die ohnedies kärglichen Lehrergehälter bezahlen zu können. Gebrüder Bethmann und M. A. Rothschild Söhne zahlten infolge dieser Subskription jährlich 100 fl. Von 1818 bis 1846 zahlten Rothschild Söhne jährlich 250 fl. Beitrag. Der Senat der Stadt Frankfurt war der Schule wohlgesinnt, die seit dein 13. August 1813 „höhere Bürger- und Realschule" hieß. Von dem Projekt der Karlsschule war nur eine sich an die zweite Klasse anschließende Klasse für Handwerker übrig geblieben. In der freien Stadt Frankfurt. Die leitende Seele der Anstalt war immer Michael Heß, der noch in seinem hohen Alter in seiner Schrift „Die Bürgernnd Realschule" uns den Weg geschildert hat, auf dem um die Wende des 18. und 19. Jahrhunderts begabte Talmudjünger zu modern gebildeten Männern geworden sind. Schon 1804 finden wir den ehemaligen Talmudjünger in dem M. A. Rothschildffchen Hause als Lehrer des jüngsten Sohnes Jakob, des späteren Baron James von Rothschild. Im Atter von 24 Jahren war er Hauptlehrer am Philantropin geworden. Heß hat auch den Aufruf zur Gründung' einer Mädchenschule erlassen, an der die Lehrer des Philantropins ebenfalls Mitarbeiten wollten. Der Aufruf, der unterzeichnet war: „die Vorsteher und Deputierten des jüdischen Philantropins" hatte den Erfolg, daß die Mädchenschule am 21. Januar 1810 mit 36 Schülerinnen in drei Klassen eröffnet werden konnte. Ohne jeden religiösen Unterricht waren bis dahin die meisten jüdischen Mädchen aufgewachsen. Als nach der Wiederherstellung der freien Stadt reaktionäre Bestrebungen innerhalb der jüdischen Gemeinde die Anstalt von neuem bedrohten, erließ er einen flammenden Aufruf gegen diese Beschuldigungen. Die Anhänger der alten Talmudschulen aber ließen nicht nach, sie suchten 1819 durch Vorstellungen die Zuweisungen der Stiftungszinsen an die Realschule zu verhindern. In seiner Antwort auf diese Beschwerde hebt der Senat unterm 24. Llpril 1819 hervor, die Schule habe durch ihre wohlgeratenen Einrichtungen in die Judengemeinde eine vorher nie gekannte Bildung gebracht. Von 1819 ab bewilligte die Gemeinde auch einen jährlichen Beitrag von 2000 fl. zunächst auf 3 Jahre.. So war die schlimmste Krisis Überstunden. Waren doch, als die Gehälter 1813 nicht mehr ansreichten, Frau Heß von Juli 1813 ab (bis Ende 1825), Frau Johlson seit April 1814 als Lehrerinnen mit tätig. Der Eintritt der Frauen brachte aber Mißhelligkeiten ins Lehrerkollegium; im Dezember 1816 drohte der Schulrat, „wenn er Kabalieren und Einmischerei der besseren Hälfte der Lehrer ferner bemerken sollte, so feien alsbald alle verheirateten Lehrerinnen ohne weiteres außer Lehrfunktion erklärt und gesetzt." Heß war mit einer Stundenzahl belastet, die ihm die Beaufsichtigung unmöglich machte. Die dem Andenken von Heß, Johlson, Isaak Markus Jost und Michael Creizenach gewidnleten Abschnitte der inter-, esfanten Schulschrift sind von dem jetzt 76 jährigen Nestor der jüdischen Pädagogik, Dr. H. Bärwald, mit einer außerordentlichen Gründlichkeit und eingehendstem Quellenstudium bearbeitet. Ebenso die Biographie des gelehrten Lazarus Geiger von Dr. S. Adler. Bei Josts Leben ist auch das von seinem Mitschüler und Freunde Zunz eigenhändig geschriebene „Buch Zunz" eingesehen, ein Manuskript, welches durch die Güte des Vorsitzenden der Zunz-Stiftung, des Sanitätsrats Dr. S. Neumann, für einige Zeit zur Benutzung nach Frankfurt a. M. gesandt war. Für die allgemeine Geschichte der Juden wichtig erscheint auch die Erwähnung der Arbeiten, mit denen Heß für die politischen Rechte seiner Glaubensgenossen mannhaft ein? trat. 1816 veröffentlichte er seine Schrift „Freimütige Prüfung der Schrift des Herrn Professors Rühs über die Ansprüche der

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