Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-04-08 · Heft 15 (8.4.1904) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 15 (8.4.1904)
Date
1904-04-08
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3228581-3228597--60724-3274507
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

68. Jahrgang. No. 15. DjA (SkNlklll^kÜÜtk. Veilsge zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums lkorrelpündrnHM und Kschrichten. Deutschland. 8. Berlin, 5. April. Der Repräsentantensitzung am 27. v. M., welche für die zweite Lesung des Etats bestimmt war, ging eine zweistündige geheime Sitzung mit allen ihren Mysterien voran. Irr ihr wurden sämtliche Personalfragen erledigt, leider auch der bereits erwähnte von Professor Blaschke gestellte Antrag auf Errichtung einer Orgel in der Synagoge Rykestraße, welcher der Schlußberatung noch einen kleinen Reiz zu geben geeignet gewesen wäre. Eigentümlicherweise war die Verlegung in die geheime Sitzung vom Antragsteller selbst gewünscht worden. Den Antrag erreichte das Schicksal, welches ihn bei einer Präsenz von neun Konservativen und vier Liberalen treffen, mußte: die Bewohner des rauhen Nordens der Stadt müssen auf den feierlichen Orgelklang verzichten! Die öffentliche Sitzung ging nach der langen Dauer der geheimen sehr schnell von statten. In wilder Jagd. wurden sämtliche Positionen mit den dazu beschlossenen Aenderungen en bloc angenommen. Nur einige zu den Titeln gestellte Anträge gaben zu kurzen Debatten Veranlassung. So der'Antrag Weinberg, aus den bisherigen Ueberschüssen 330000 Mark zum Ankauf eines Terrains für eine im Hansaviertel zu errichtende Synagoge zu verwenden. Der Antragsteller ist, wie er angibt, auf dieses Programm gewählt und hat damit seine Pflicht erfüllt. Vorsteher Iacobh versicherte, daß auch der.Gemeindevorstand von seinen Pflichten wohl durchdrungen sei, doch erst komme das neue Krankenhaus, nachdem die Polizei die Schließung des alten angedroht habe. , Nach Erledigung dieser notwendigen Verpflichtung werde man erst in Erwägung eintreten müssen, in welchem Stadtviertel die Errichtung einer Synagoge, zu welcher die Mittel stets vorhanden sein werden, am dringendsten sei. Herr Martin Simon hielt diesem Antrag eine würdigere Grabrede; er behauptete wenigstens von ihm, daß er nach außen einen sehr guten Eindruck mache. Doch warnte er auch aus praktischen Gründen, sich für den Antrag festzulegen, um hierdurch nicht die Terrainspekulation für den erwähnten Stadtteil anzusprechen. Die Herren Dr. Cohn und Bodenstein, welche bei etwaiger Annahme des Antrages die Gefährdung der ganzen Etatsberatnng mit Recht voraussahen, stellten schleunigst den Antrag, den Gemeindevorstand um eine Vorlage betreffs der Errichtung einer Synagoge im Hansaviertel zu ersuchen. Professor Blaschke verwies darauf, daß ini Hansaviertel selbst bis auf ein Hinterland nicht ein einziger Platz für einen Shnagogenbau in Frage kommen könnte, während sich im Stadtteil Moabit sehr viele Gelegenheiten böten. In dem Antrag Cohn-Bodenstein wurde hierauf statt Hansaviertel die Ortsbezeichnung „Nordwesten" eingesügt; mit dieser Aenderung wurde der Antrag einstimmig angenommen. Ein zum Titel Subventionen gestellter Antrag, den: jüdischen Mädchenstift einen jährlichen Zuschuß von 500 Mark zu bewilligen, erfreute sich keines langen Lebens.. Vorsteher Sim on verneinte, daß der Antrag in das jetzige Stadium der Beratung gehöre, Syndikus Minden war der gleichen Ansicht. Eine Resolution Blaschke, die Angelegenheit dem Vorstande zur schleunigen Erledigung zu überweisen, wurde vorn Antragsteller auf die Erklärung hin zurückgezogen, daß der Gemeindevorstand sich bereits mit der Materie beschäftigt habe. Zu einer längeren Debatte kam es nur noch über die zum Etat gestellten Anträge des Gemeindevorstandes. Herr Weinberg bestritt, daß durch die Annahme des Etats auch sämtliche hierzu gestellte Anträge, welche zum Teil gar nicht zur Debatte gestellt seien, angenommen wären. . Vorsteher Simon gibt ihm hierin Recht und empfiehlt der Versammlung en bloe-Annahme der Anträge bis auf den noch nicht beratenen Punkt 25, - welcher, den Blumenthal-Fonds betrifft. Herr Weinberg ist dagegen, daß dieser Fonds (63 800 Mark) zum Pensionsfonds geschlagen wird, der Gemeindevorstand wünscht dies im Interesse der Stärkung des Fonds. In der Abstimmung erklärt sich die Mehrheit für den Vorschlag des Gemeindevorstandes. Mit der Erledigung dieses Antrages war der Haushaltsetat für 1904/07 glücklicherweise unter Dach und Fach gebracht. — Dem Religionsverein Friedrichsberg wurde noch schnell eine Subvention von 2000 Mark zugesprochen, für die israelitischen Strafgefangenen in Insterburg und Kottbns zur Speisung am Pessachseste je 50 Mark bewilligt; dann hatte die öffentliche Sitzung ihr Ende erreicht. s. Berlin, 4. April. Am 3. d. M. fand im Gotteshause der jüdischenResormgemeinde die alljährlich übliche Konfirmationsfeier statt. Es wurden 34 Kinder eingesegnet, 14 Mädchen und 20 Knaben. Zur Sprecherin des einleitenden Gebetes ^wählten die Konfirmanden Anna Salinger, zum Vortrag des Glaubensbekenntnisses Kurt Schlochauer. Die Feier leitete Dr. Lev in mit einer Rede ein, die in Form und Inhalt ein Meisterwerk genannt werden darf. Er legte derselben das Wort der Alten zu Grunde: Auf drei Sälen ruht, der Bau der religiös-sittlichen Welt: auf Wahrheit, Recht und Frieden! Im ersten Teile behandelte er das Verhältnis von Wahrheit zum Glauben; im zweiten Teile das Verhältnis vom Recht zur Liebe; im dritten Teile wurde der Friede auf Erden wie die Seligkeit der zukünftigen Welt als eine Sache der Hoffnung dargestellt. In der Zusammenfassung bildete der Redner den Wahlspruch: Unser Glaube ist die Wahrheit, unsere Liebe ist das Recht, unsere Hoffnung ist der Friede! Als er weiter an die Kinder die Frage richtete: Wollt ihr dem Bunde angehören, der ein Bund der Ewigkeit ist — wollt ihr dem Bundesvolke angehören? Das nicht bloß ein „Volk, der Urzeit", sondern auch ein Volk der Ewigkeit ist —, da wurde auf den Ge- | sichtern eine tiefe Ergriffenheit sichtbar. Als unbefangene Beobachter müssen wir sagen: wie man auch über der: Reformgedanken urteilen mag, eine solche Konfirmationsfeier, die ein Gemeindefest im besten Sinne geworden ist, gehört zu jenen religiösen Veranstaltungen, deren Macht aus die Gemüter sich niemand wird entziehen können, die besonders ihven tiefen Eindruck ans die Jugend machen und diese dem Judentum erhalten müssen. 22 Berlin, 3. April. Die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin publiziert das Verzeichnis der im Sommersemester 1904 zu haltenden Vorlesungen. Dr. Baneth wird lesen : 1. Talmud Babli stat. Kidduschin Kap. II,. 4 Stunden, Montags und Donnerstags 8—10 Uhr. 2. Iore De'a (Tur und Schulchan Aruch, 83—86) 2 Stunden, Montags und Donnerstags 10— 11 Uhr. 3. Eben ha'ezer XVII, 1 Stunde, Donnerstags 11— 12 Uhr. 4. Mischne Tora, V. Buch, 2 Stunden, Montags und Donnerstags 12—1 Uhr. 5. More N'buchim II. 2 Stunden, Dienstags und Freitags 11—12 Uhr. 6. Pentateuch mit alten Kommentaren, 2 Stunden, Mittwochs 11—1 Uhr. 7. Einleitung in den Talmud, 1 Stunde, Montags 11—12 Uhr. Dr. Ellbogen wird lesen: 1. Erklärung des Propheten Iesaia (Fortsetzung), 2 Stunden, Montags und Mittwochs 10—11 Uhr. 2. Die fünf Megillot, 1 Stunde, Sonntags 10—11 Uhr. 2. Talmud Babli curs., Schabbath Kap. VII, 4 Stunden, Sonntags und Mittwochs 8—10 Uhr. 4. Geschichte der Juden in Deutschland vom XII.—XV. Jahrhundert, 2 Stunden, Dienstags 9—10,. Freitags 10—11 Uhr. 5. Geschichte des Synagogenkultus und der shnagogalen Literatur, .Fortsetzung, 2 Stunden, Dienstags und Donnerstags 10—11 Uhr. 6. Judäa unter hasmonäischen und herodianischen Fürsten. (Für Studierende aller Fakultäten.) 1. Stunde, Dienstags' 6—7 Uhr. Prof. Dr. Maybaum wird lesen: 1.' Homiletik, 1 Stunde^ Dienstags 8—9 Uhr. 2. Homiletische Uebungen, 2 Stunden, Freitags 8—10 Uhr. Die Eröffnung des Sommersemesters findet am 19. April um 11 vormittags statt. s Berlin, 27. März. Der hiesige Verein für jüdische Krankenpflegerinnen kann mit Beginn dieses Jahres auf eine zehnjährige Tätigkeit zurückblicken. Im Jahre 1893 wurde mit drei Schülerinnen ein Versuch gemacht, am Ende des Jahres 1903 betrug der Bestand an Schwestern bereits 61 und an Schülerinnen 14. In mühevoller, aber erfolgreicher Arbeit ist der Verein somit von kleinen Anfängen zu einem angesehenen Verbände emporgewachsen dank dem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.