Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 14 (1.4.1904)
- Date
- 1904-04-01
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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dem Herr Rothstein seit 30 Jahren als Vorstandsmitglied und Rendant angehört, durch seinen Vorsteher/Oekonomierat Goldstein, die Glückwünsche des Vereins unter Ueberreichung eines Geschenks überbracht. Ebenso hatte namens des Lehrerkollegiums und der Religionsschule, — dem der Jubilar als Kurator stets sein besonderes Interesse ent-, gegengebracht — Hauptlehrer Hahur den Wünschen der Lehrer und der Schuljugend Ausdruck verliehen. Gegen Mittag war eine Deputation der städtischen Behörden, an deren Spitze Bürgermeister Ressel, erschienen, um dem langjährigen Mitglied«: des Stadtverordnetenkollegiums die Glückwünsche der Stadt zu überbringen. Der Jubilar dankte sichtlich gerührt und freudig bewegten Herzens auf alle ihn ehrenden Altsprachen. Möge es ihm, der in seiner Jugend dent Thorastudiuut bei dem bekannten Dyhernfurther Rabbi Chaim Kroner oblag, nur sich denr Rabb inerberuf zu widmen und später als Religionslehrer in Rosenberg (Oberschlesien) gewirkt, vergönnt sein, noch lange die ihm liebgewvrdene Tätigkeit in Gemeinde und Stadt fortsetzen zu können! o. Breslau, 25. März. Am 22. d. M. versammelten sich im festlich geschutückten Sitzungszinuner des Vorstandes der Shnagogen- Gemeinde Breslau der Vorstand und die Repräsentanten, um die 25jährige Vorstandszugehörigkeit des um die Gemeinde hochverdientert Stadtrats Fedor Pringsheim zu feiern, der seit ungefähr 13 Jahren Vorsitzender des Vorstandes ist. Nach denr einleitenden Gesänge des Liedes: „Eine Krone ist das Greisenhaupt", vorgetragen vour Chor der Nerren Synagoge, unter Leitung des Oberkantors Cerini, beglückwünschte Landgerichtsrat Wollstein derr Jubilar iru Nanien des Mitvorstandes. Geh. Justizrat Dr. Freund gratulierte für das Repräsentantenkollegitlrn und Rabbiner Dr. Rosenthaf für die Religionsgenossenschast. Seitens der Gemeindekörperschafteu wurde dem Jubilar eine mit Widmung versehene silberne Ehrentafel mit den Reliefbildern der neuen Synagoge und des neuen Gemeindehauses an der Wallstraße überreicht. Stadtrat Pringsheim dankte für die ihm erwiesenen Ehrungen und überreichte dem Vorstand und Repräsentantenkollegium sein lebensgroßes Oelporträt als Gegengabe. Mit dem Psalm: „Der Herr ist mein Hirt" erreichte der festliche Akt sein Ende. — Am Abend veranstalteten die Gemeindekörperschasten zu Ehren des Jubilars in der Lessing-Loge ein Festessen, wozu auch die Beamten der Gemeinde Einladungen erhalten hatten. M. Hamburg, 21. März. Herr Jos. Schönfeld, Senior der bekannten Kaufmannsfirma Schönfeld & Co., zweiter Vorsitzender der hiesigen deutsch-israelitischen Gemeinde, beging gestern seinen 80. Geburtstag. Der Jubilar, der sich noch einer seltenen geistigen Frische und körperlichen Rüstigkeit erfreut, ist seit vielen Jahren in den verschiedenen Verwaltungszweigen der Gemeinde tätig; er bekleidet nicht nur das Amt eines zweiten Vorsitzenden der Gemeinde, sondern ist auch Präses des Tempelverbandes, zu dessen eifrigsten Förderern er stets gehörte. Im Siechenheim, im Waisenhaus und vielen anderen gemeinnützigen Institutionen ist Herr Schönfeld in der Verwaltung tätig. Dem Jubilar, der sich auch in Kaufmannskreisen hoher Achtung und Wertschätzung erfreut, wurden an seinen! Ehrentage reiche Ovationen bereitet. Schon in früher Morgenstunde erschien in der Wohnung des Jubilars der Tempelchor und brachte unter Leitung seines Dirigenten ein Ständchen. Herr Prediger Dr. Paul Rieger hielt hieraus eine herzliche Ansprache, in der er die segensvolle Tätigkeit des Herrn Schönfeld um die Entwicklung des Tempelverbandes und um die Förderung des Gottesdienstes schildert; er sprach den Wunsch aus, daß es dem greisen Jubilar vergönnt sein möge, noch viele Jahre in ungetrübter Kraft zu wirken. Jetzt reihte sich Deputation an Deputation. Herr Gemeindepräses L. Lion überbrachte die Glückwünsche des Gemeindevorstandes, der zugleich ein kostbares Blumenarrangement überreichen ließ. Die Mitglieder der Tempeldirektion erschienen vollzählig und überreichten ihrem Präses ein Ehrengeschenk, bestehend aus einer massiv silbernen Tafel, auf der die äußere Ansicht-des Tempels mit entsprechender Widmung kunstvoll eingraviert ist. Es erschienen noch Deputationen -des Reprüsentantenkollegiums, des Synagogenverbandes, des Paülinenstiftes, des Siechenheims und vieler anderen Gemeinde- und Wohltätigkeitsinstitutionen, die Glückwunschadressen und Ehrengeschenke überreichten. t. Ans Westfalen, int März. Wie Sie bereits gemeldet haben, ist in dem-am 18. d. stattgehabten unglücklich verlaufenen Gefecht bei Owikokoreo auch der Leutnant der Reserve, jüdischen Glaubens, Josef Bendix, gefallen. Er war ein Sohn der roten Erde. In: vorigen Jahre war er im Austrage der Firma Arthur Koppel in Berlin — aus dem Staatsdienst beurlaubt — nach Swakopmund gegangen, um an der Leitung des Bahnbaus zwischen Swakopmund und Otavi, den die genannte Firma übernommen hatte, mitzuärbeiten. Kurz vor Ausbruch der Unruhen ließ er sich durch ein glänzendes Anerbieten bewegen, den inzwischen abgelaufenen Vertrag mit der Firma Koppel zu erweitern. Alle, die Bendix kannten, rühmen seine Fähigkeiten, die ihn zu den stolzesten Hoffnungen berechtigten, und sein biederes, liebenswürdiges Wesen, das ihm überall Sympathien erwarb. Er war Soldat im vollen Sinne des Wortes. Der Bahnbau mußte infolge der ausgebrochenen Unruhen eingestellt werden und Bendix wurde als Pionieroffizier zur Fahne gerufen. Freudig bewegt folgte er dem Rufe. Seine Berliner Freunde erhielten Ansichtskarten von ihm, auf denen er ihnen mitteilte, daß er zur Truppe eingezogen und nun auch mit denr Schwerte auf exponierten! Posten denr Vaterlande zrr dierrerr berufen sei. Es war ihm auf Station Karibik, das Kommando über eine 180 Mann starke Abteilung übertragen, dem die Aufgabe zugefallen war, die Bahnverbindung Karibib-Jäkobswater aufrecht zrr erhalten. Die Kugel eines Herero traf feilt Herz und setzte denr hoffnungsvollen jungen Leben ein Ziel. — Herr Isidor Goldschmid-t in Dortmund» ist zunr Handelsrichter beim Landgerichte in Dortnrund ernannt worden. — Das von der Genreinde Dortmund für Synagoge und Schüler herausgegebene Gesangbuch, das bereits von zahlreichen Gemeinden des Verbandes der Synagogengemeinden Westfalens eingeführt ist, wurde von der Königl. Negierung zu Arnsberg unter Journal-Nummer B IL 1451 vom 9. März d. I. zur Einführung in den Unterrichtsgebranch der jüdischen Schulen des Regierungsbezirks genehmigt. j. Frankfurt a. M., 25. März. Der Jahresbericht derAchawa ist soeben erschienen. Die Zahl der von dem Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrerwitwen und -Waisen in Deutschland im verflossenen Jahre unterstützten Pensionäre hat sich von 102 auf 107 erhöht. Darunter befinden sich 40 durch Altersschwäche oder.sonstige Gebrechen dienstunfähig gewordene Lehrer mit größerer oder kleinerer Familie, ferner 9 Witwen mit 12 unmündigen Kindern, sowie 58 alleinstehende Witwen. Außerdem wurden' in besonders dringenden Fällen an 18 Parteien unserer aktiven Mitglieder auch außerordentliche Unterstützungen aus dem Reservefonds in: Betrage von 1280 M. bewilligt. Ferner gelangten auch diesmal die Zinsen des Spezialreservefonds im Betrage von 160 M. an einige Töchter früherer aktiver Mitglieder, die sich in bedrängten Verhältnissen befanden, zur Verteilung. Die Summe der diesmaligen Jahresunterstützungen betrügt 19 575 M., in 1307-2 Teilen zu je 150 M., und mit Hinzufügung der aus beiden Reservefonds bewilligten außergewöhnlichen Unterstützungen im Betrage von 1440 M., ergibt sich für das Jahr 1903 eine Gesamtausgabe von 21051 M. gegel! 19 860 M. im verflossenen Jahre. Das Vereinsvermögen beträgt jetzt nach Abzug der zur Verteilung kommenden Sunnne 284 054,64 M. gegen 275 351,35 M. im vorigen Jahre. Die Zahl der aktiven Mitglieder betrug Ende des Jahres 1902 375. Ausgetreten ist ein Mitglied, dagegen ist ein Zuwachs von 11 neuen Mitgliedern zu verzeichnen. Die Zahl der aktiven Mitglieder beträgt Ende des Jahres 1903 379, während die Zahl der Ehrenmitglieder sich durch die Bemühungen einiger aktiven Mitglieder in erfreulicher Weise auf etwa 1200 erhöht hat. Der Vorstand besteht aus den Herren: Konsul Adolph Baer-Goldschmidt, Vorsitzender; Philipp Schiff, stellvertretender Vorsitzender; Oberlehrer Dr. Alfred Löhren, Schriftführer; Alfred Rosenthal, Kassierer; Julius Goldschnridt, Gegenschreiber; Jacob Scherer, Reallehrer; Karl Marx, Lehrer in Alsheim (RheinHessen); Heinrich Frei, Lehrer in München; M. Steinhardt, Lehrer in Magdeburg. Oesterreich-Ungarn. ' 42 Wien, 28. März. Die Sulzer-Feier hat hier in sehr würdiger Weise stattgefunden. Am letzten Sabbat wurden int Sitzungssaals des österreich-ungarischen Kantorenvereins die auswärtigen, in großer Zahl erschienenen Kantoren durch den Vizepräsidenten Oberkantor Bauer begrüßt. Abends fand im Seitenstetten-