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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-04-01 · Heft 14 (1.4.1904) · p. Seite 162

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 14 (1.4.1904)
Date
1904-04-01
Page
Seite 162 (sequence 6)
Language
German
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- IC,2 7 Sittsanikeit, Zartheit, Innigkeit und Frömmigkeit, und was I die Mutter gesprochen, erschien dem Manne bedeutsam, dem j Sohne heilig. In der jüdischeil Familie wurde Pietät gegen 1 die Eltern und die Religion in gleicher Weise gewahrt, das 1 Haus selbst glich einem Heiligtume, und der Schwerpunkt der Religion wurde nicht nach der Synagoge verlegt. Der Festgottesdienst, wie er am Pessach-Abend an der Familientafel abgehalten wurde, war heiter und innig, erhebend und heilig, und gottesdienstlich war hierbei wie Haggada und Hallel, so auch Speise und Trank, Scherz und Gesang."- Hoffentlich findet sich ein Verleger, der beim Verfasser die Erlaubnis erwirkt, einen Sonderabdruck dieses ausgezeichneten! Vortrages Herstellen zu dürfen, um denselben weiten Kreisen zuführen zu können. Auch wäre es zu wünschen, daß jede jüdische Familie am Sederabend neben unserer altehrwürdigen Haggada diesen Vortrag zum besseren Verständnis derselben als Kommentar benützte. ‘ Bit Ntligionslchult und die wtiblicht Jugtnd. Von Rabbiner Dr. Siegm. Feßler, Halle a. S. . j inem Kranken diätetische Winke geben, bedeutet zwar noch nicht, ihn für alle Zeiten von allen möglichen Krankheitserscheinnngen befreien, ebenso wenig wie einem zu Verfehlungeir disponierten Menschen das Vorlesen des Strafgesetzbuches nutzt, um aus seiner Rühe die Gefahr zu bannen, einen Diebstahl zu begehen. Aber das Unkraut aus der Umgebung einer Pflanze , ausjäten, heißt doch, ihr Säfte zuführen, und demjenigen, der i da glaubt das Recht zu haben, über das an ihn: begangene! Unrecht klagen zu dürfen, belehren, daß er selbst gar oft das Recht verletzt hat, kann in gewissem Sinne die Bedeutung haben, als hätte man ihnr einen Teil seiner Forderung zurückgegeben. Wer daher gewissen schädlichen Faktoren in der Gesellschaft entgegentritt oder auf dieselben nur hinweist und ihren Einfluß zu beschränken sucht, der hat sich kein geringeres Verdienst um die Menschheit erworben als derjenige, der uns in die Geheimnisse einer neuer: Weltanschauung einführt. Wenn in der Gegenwart so viele Frauenrechtlerinnen und Frauenrechtverteidiger ihre Stimrne gegen das vernreintliche Unrecht erheben, dem das schwache Geschlecht bislang preisgegeben war; wenn es gleichsam das Erfordernis des guten Tones geworden zu sein scheint, mit aller Schärfe geistiger Waffen auf die alte, und wie man glaubt auch veraltete Erziehungsmethode, die ehedenr bei der rveiblichen Jugend in Anwendung gekommen ist, loszuschlagen, so sollte man doch billig sich dessen erinnern, daß man mit der Unterschätzung und der Mißachtung des Gegners diesen noch nicht besiegt hat. Nicht alle, die der Frauenemanzipativn entgegentreten und mit größtem Skeptizismus der „Frau der Zukunft" entgegensetzen, sind ausgesprochene Weiberfeinde, und nicht etwa weil ihnen das Weib als zweitklassiges, unfreies Wesen gilt, fordern oder wünschen sie, daß es von all den Berufsgebieten ferngehalten werde, auf. denen bis jetzt nur Männer sich bewährt Haben, sondern, weil das Weib auf dem Boden — sagen wir unweiblicher Berufe — seine Weiblichkeit vollständig einbüßt, und weil es sich eben dadurch an der. Natur versündigt. Man mag welcher Weltanschauung immer huldigen, so bleibt ja doch das Dichterwort „Der Mann muß'hinaus in's feindliche Leben ... Drinnen waltet die züchtige Hausfrau, die Mutter der Kinder", für alle Zeiten das'Ideal, dem das Weib nachzustreben hat. Dieses Dichterwvrt, den: das Wort unserer Alten in Mosel i-luischaua 31 „das Weib kann keinen, naturgemäßeren, aber auch keinen heiligeren Beruf haben, als zur Verschönerung aller Lebensverhältnisse, sei es als Gattin, sei es als Mutter beizutragen," sich würdig an die Seite stellen kann, hat die Bestinunung des Weibes genau, aber sein „Glück nicht eng'begrenzt". Wer könnte wie das Weib, und wer sollte wie es das Oel der Beschwichtigung in die aufgeregten Gemütswellen gießen, die des Lebens Stürme aufzuwühlen Pflegen? Wir haben daher mit großer Befriedigung von beiit im „Berliner Tageblatt" jüngst veröffentlichten Bericht Kenntnis genonuuen, daß der Fröbel-Verband eine Eingabe an das preußische Unterrichtsministerium gerichtet hat, deren Inhalt von allgenreinem rrnd hohen: Interesse ist. Der genannte Verband hebt hervor, daß die Ausbildung der Mädchen zur Mutter und Hausfrau für unsere Volkserziehung von unberechenbarem Segen sein würde. Da der allgemeine Frauenberuf, in den die überwiegende Zähl der jungen Mädcheu später einmal eintritt, und auf den jedes einzelne sich richten muß, der der Gattin, Hausfrau und Mutt er ist, muß jedes Mädchen hierfür vorbereitet werden. Die heutige Mädchenschule gibt zwar dem Manne eine gebildete (?) Frau, aber dafür, daß dieselbe auch ihre Hausfrauen- und Mutterpflichten erfüllen kann, sorgt die Schule noch sehr wenig.! Nicht ohne eine gewisse Beklemmung haben wir diese Anj regung gelesen, denn wir haben uns gefragt, ob denn nicht auch die Religionsschule ihrerseits ein gut Teil beitragen kann und beitragen muß, um die Mädchen für ihren künftigen Beruf besser als wie es jetzt geschieht, vorzubereiten? Sind wir doch der Ueberzeugung, daß neben der wahren religiösen Durchbildung, neben der sittlichen Grundlage, die jeden: Menschen gegeben werden muß, es auch erforderlich ist, die Winke zu beachten, die der Religionsunterricht, namentlich aber der Unterricht' in der biblischen Geschichte, gibt und für die weibliche Jugend in dem angedeuteten Sinne nutzbar zu machen. Wir sind weit entfernt die Ansicht zu teilen, die Sienkiewicz in „Ohne Dogma" ausspricht: „Die Weiber rc. spielen im Leben der arbeitenden Menschheit, bei Leuten, die ein ernstes Ziel haben, bei weitem nicht solche wichtige Rolle. Der Bauer heiratet, weil es hergebracht ist und seiner Wirtschaft fronnnt. Der Mann der Wissenschaft, der Beamte, der Politiker schenkt den: Weibe nur einen geringen Teil seiner Existenz. Eine herrschende Stellung nimmt das Weib ausschließlich in den Kreisen der rechten Müßiggänger ein und füllt ihr Leben ganz aus." Wir glauben im Gegenteile, daß bei allen Berufsklassen die „edlen Müßiggänger" - nicht ausgenommen, das Weib von entscheidendem Einflüsse ist und daß unsere sozialen Schäden zum großen Teile auf Unterlassungssünden in der Erziehung der weiblichen Jugend zurückzuführen seien. Muß doch wohl ein jeder dem beipflichten, was der geniale Josef d.e Maistre i sagt: „daß die Frauen keine Meisterwerke, keine „Jliade", kein j „befreietes Jerusalem" geschrieben haben, daß sie keine „Peterskirche" gebaut, daß sie keinen „Messias" komponiert, keinen „Apoll von Belvedere" geschaffen ... aber unter ihrer Aufsicht sind rechtschaffene :md tugendhafte Männer und-Frauen — „die vorzüglichsten Erzeugnisse dieser Welt" — hervorgewachsen!" - ■ühM

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