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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-03-25 · Heft 13 (25.3.1904) · p. Seite 152

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 13 (25.3.1904)
Date
1904-03-25
Page
Seite 152 (sequence 8)
Language
German
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- ■ " : - -1:52 mir, hat er ein Stück gewidmet; Stoff und Titel: „Esther", ein historisches Schauspiel, nicht besser, aber aüch gewiß nicht schlechter als sehr viele andere. Es gab darin auch komische Szenen; diese waren die besten, denn sie waren — wirklich komisch. Während ich in Bern war (von 60 bis 66), hatte er Berlin verlassen. Aus Amerika, Philadelphia, dann Newyork, erhielt ich von ihn: eine Zeitung mit Beiträgen von ihm, etwa ein Jahr später eine andere, als deren Redakteur, wiederum eine, als deren Besitzer er zeichnete. Dann war er für mich verschollen. Er wird Wohl bald verstorben, an Rastlosigkeit zugrunde gegangen sein; denn rastlos schon in Berlin, kann man sich denken, wie er es in Amerika getrieben haben wird. Mehr weiß ich nicht." . . Einige biographische Nachrichten über den humoristischen Sylvius habe ich noch von einigen älteren Berlinern zusammengebracht. Professor K a r l Fr e nz e l teilt mir mit: „Der Infanterist von Spanien" hat mich sehr interessiert, da ich nur noch dunkle Erinnerung an das Puppenspiel hatte. 1851 wurde viel davon geredet. Ahnungslos und unbewußt bin ich also oft mehrere Jahre mit seinem Verfasser zusammengekommen. Der junge Logier, der Sohn des Buchhändlers in der Friedrichstraße, war mein Schulfreund, und. ich war wiederholt in dem Buchladen." Und Dr. Alexander Meyer, der bekannte Parlamentarier und ausgezeichnete Kenner von Alt-Berlin, teilt sogar einige Verse mit, die ihnr in: Gedächtnis geblieben^sind. Er schreibt mir: „Ich kamrte diesen Don Carlos itn Puppentheater, er wurde schließlich aufgehüngt, und die Königin Elisabeth widmete ihm das elegische Schlußkouplet: „O Traurigkeit! O Herzeleid! Da hängt nrein Carlos lang und breit. Gern ging ich hin und schnitt ihn ab, Aber '§ geht nicht, weil ich kein Messer Hab' . . Und über Louis Weyl, nach den: die Prchpentheater- Aufführung irr dem Prograurnr bezeichnet ist, gibt mir Dr. Meyer folgende tragikomische': Reminiszenz zum Besten: „Weyl schrieb unter derrr Namen „Weil-Liew", — er >var ein köstlicher Humorist, der irr feinem Berufe gestorben ist — er hat sich über seine eigenen Witze tot gelacht. Er hatte einen Polterabendscherz gedichtet, den seine Tochter vortragen sollte, und während der Probe ergriff ihn ein krampfhaftes Lachen, so daß ein Erstickung san fall seinenr Leben ein Ziel setzte ..." Als dritter unter den geborenen Berlinern erfreute rrrich noch der inzwischen leider Heimgegangene bekannte ausgezeichnete Botaniker Pros. Dr. Ferdinand Asch er so n mit einer Zuschrift, in der es heißt: „Sylvius Landsberger besaß um 1846 eine'.kleine Buchhandlung in Gleiwitz, war also vermutlich ein Schlesier. Ich besitze die „Flora von Gleiwitz" von Hermann Kabath, deren Verlagsvermerk lautet: Gleiwitz 1846, Verlag von S. Landsberger." - Hinzugesügt sei noch, daß die Berliner Wohnung unseres Humoristen Klosterstraße 41 gewesen ist, wo er gleichfalls eine Verlagsbuchhandlung besaß. Unter seinen auf dem Umschläge des Puppentheaters angezeigten Verlagswerken befindet sich: „Dr. Rüdel, Louis Napoleon und der Staatsstreich vom 2. Dezember", ferner, wie eine Parodie hierauf, ein Heft von dein bekannten Berliner Humoristen Albert Hopf: „Brenneckes Reise nach der Republik Frankreich und sein Besuch beim Präsidenten Louis Schnappoleon, oder diel beiden Staatsstreiche." Hopf hat unter dem Pseudonym Brennecke zahlreiche humoristische Flugblätter, Satiren und Broschüren geschrieben, gab auch als wenig gefährliche Konkurrenz für den bekannten Klädderadatschkalender einige Jahre lang einen „Brennecke-Kalender" heraus. Aber auch . eine „ernste" Komödie und das ist der Humor davon — hat Sylvius Landsberger - der deutschen Literatur hinterlassen: es ist das Esther-Stücks von denr Lazarus in seinem Briefe spricht: „I u d e n. D r a m a t i s ch e Dichtung in fünf Aufzügen, von Silvius Landsberg. (Bühnen-Manuskript.) Berlin 1853. Verlag von C. Davids Buchhandlung. (R. Nesselmann.) Das Büchlein ist „Herrn Doktor Lazarus und Frau Gemahlin freundschaftlich zugeeignet." In der Vorrede heißt es: „Es hilft Ihnen nichts, Sie müssen sich meine „Juden" widmen lassen./ Aber das geschieht Ihnen schon ganz recht; warum haben Sie sie früher einmal gelobt? — Jetzt werden Sie dafür auf so grausame Weise beim Wort gehalten! Ich wollte Ihnen diese Dedikation eigentlich in Versest schreiben: indes ich habe in meinem noch so jungen Leben — fürchb ich —, ohnehin schon mehr Verse geschrieben, als ich jemals werde verantworten können — und so wollen wir's denn für dieses Mal lieber sein lassen. Das Stück spielt in Krakauin der Mitte des vierzehnten Jahrhunderts, zur Zeit des Königs Casimir.von Polen, der eine jüdische Favoritin, Esther, besitzt. Diese wird aber außerdem noch von dem früheren Hofnarren des Königs, seinenr derzeitigen Rat Starvst von Zarnowicz augebetet.. Weitere Juden am Hofe des Königs sind Baruch ben Mordechai, ein reicher Handelsherr, Sara, seine Gemahlin, und Abraham, Baruchs Geschäftsfreund, der „intiur mit Sara" ist, wie es inr Personenverzeichnis heißt. Ein junger Günstling des Königs ist der junge Goldschmied Ladislaus, ein Christ, der Lea, die! vermeintliche Tochter des armen Handelsmannes Jsack ben Gedalje liebt, sich aber schließlich als ihr Bruder entpuppt. Es handelt sich um ein Herrschsucht- und Ränkespiel der Esther, deren Machinationen schließlich aufgedeckt werden, so daß sie sich in Verzweiflung vom Balkon stürzt. Im allgemeinen ein gespreiztes, wortreiches Drama, das von Reminiszenzen an klassische. Stücke wimmelt. Die besten Figuren sind der alte jüdische Diener Aron in Baruchs Hause, ein kouüscher Raisonneur, und ein Gärtner, der sich in allerlei Wortwitzen und burlesken Uebertreibungen ergeht. Trotz mancher poetischen und seinen 'Wendung ist das Drama doch sehr unbeholfen und reicht auch in seinen humoristischen Einschlägen an die schlagend witzige Drastik des Puppenspiels nicht heran. Uebrigens ist der Stoff König Casimir und die Juden bis heute auf der polnischen Bühne populär. Erst im Januar dieses Jahres erschien in einen: Berliner Blatt, die Schilderung einer Aufführung in Posen im dortigen polnischer: Theater: „Casimir der Große und Esther" von Stanislaus Koslowski, einen jüngeren Dramatiker." Die letzten Nachrichten über Silvius Landsberger erhielt ich, wie Pros. Lazarus, aus Amerika. Mein erster Hinweis aus das Puppenspiel in der National-Zeitung war — nach bekannter räuberischer Gewohnheit der mnerikanischen Herren Redakteure — in die Newyorker Staatszeitung übergegangen. Daraus erhielt ich von einen: Herrn Dr. Edward Frankel eine Zuschrift, in der es heißt: „Silvius Landsberg, pseudonym Livius Sandberg, kan: zu Ende der fünfziger Jahre nach Newyork, woselbst er! lebte, bis er vor drei Jahren starb. Er versuchte es zuerst n:it einer Parodie: „Anton in Amerika", die keinen Anklang fand. Dann schrieb er Aufsätze und hielt Vorträge in Anlehnung an Ludwig Büchner's Kraft und Stoff. Dann versuchte er, gleichfalls ohne Erfolg, die Herausgabe „Jüdischer Unterhältungsblätter". Auch schrieb er tiefgründige, ernste Aufsätze über Finanz-und Geldwesen, Bankreforn: re. Nebenbei trieb er I Handel mit billigen, bunten Glasscheiben, wurde dann Lebens-

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