Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 13 (25.3.1904)
- Date
- 1904-03-25
- Page
- Seite 151 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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hier Posa. Auch dieser kommt hier an Philipps Hof, um den König. undden Staat aus seiner Geldklemme zu befreien. Kasper macht den König auf den Ankömmling aufmerksam, der dem König bereits von Domingo als blutiger Revolutionär denunziert worden war. Carlos, als der Freund Posas, war eingesteckt worden, doch das Volk tobt: „Den Jnfanten freigeben! Schlagt die Mönche tot! Nieder mit Domingo!" Kasper: Det is' erfunden, un erlogen von den Pfaffen. Ick kenne . den Markus — Markts. — von Deutschland her. So'n Politiker gibt et in janz Spanien nich, wie der is. Den sollen Sie blos kennen lernen, Herr Sire. Vorzüglich Wat die Finanzoperationen anbetrifft, — da is er Meester druf. König: Was sagst Du? Er versteht sich auf. Finanzen? — Mir fehlt jetzt gerade ein Finanzminister. Da kam' er ja wie gerufen. . . Der König fingt hierauf ein Kuplet nach der Melodie des Aschenliedes aus Raimunds „Bauer als Millionär", wo das echt berlinische Wort „Asche" für Geld sehr gut angewendet wird: Nichts Schlimm'res auf der Weld, Als wenn's uns fehlt an Geld, Und niemand kreditiert, Dann ist man rein blamiert. Der Rothschild ist zwar da, Er pumpt auch wohl, nun ja. Doch tut man's höchstenfalls, Steht's Messer uns am Hals, . Denn macht er nicht damit. Gehörig seinen Schnitt, So spricht er allsogleich: Wie heußt? — ich gebe Euch Keine Asche! Das Volk — o jemine! Ist auch so schrecklich zäh. Regiert will es wohl sein, Doch zahlen? — Nein, ach nein. Spricht man von Steuern bloß, Ist gleich der Teufel los, Und alles wird geschwind Gewaltig schlecht gesinnt. Mein Schatz sieht aus — 's ist arg, Wie Tomaschek sein Sarg, Man sucht von ihm die Spur, Find't alles, aber nur Keine Asche! Und in der Audienzszene zwischen dem König und Posa wird die Geldoperativn Perfekt: - Posa Geben Sie Gedankenfreiheit, (singt): Denn das ist dem Volk 'ne Neuheit. Lehren wir's erst selber denken, Sonst läßt sich's von Wühlern lenken. Philipp: Sonderbarer Schwärmer Du, Laß' mich doch damit in Ruh. Gibt man die Gedanken frei, Denkt das Volk gleich allerlei! Posa: Woll'n Sie das nicht, nun alsdann Schaffen Sie Papiere an; Darauf druckt man extrafein: Das soll bare Münze sein. Philipp: Das Papier muß ich erst pumpen, Posa: Oho, es fehlt hier nicht-an Lumpen. Philipp: Ja! — hahaha! hahäha! Der Gedanke war nicht schlecht, Kommt mir heute eben recht. Bin just etwas derangiert, Kreuzerschein' werden eingeführt!_ ' Unser Augenmerk sei also vorzüglich auf. die Papierfabrik gerichtet, und da glaub' ich, ist die. Hauptsache,, daß wir keine Lunchen aus dem Lande, lassen. Posa: Keiner Ihrer Granden darf einen Auslandspaß erhalten. König: So sei es. — He! Kasper! — Sage meinen Ministern, daß sie die Lumpenausfuhr verbieten sollen. Kasper: Die Minister sind eben selber ausgefahren - Ein wahrheitsgetreues Bildchen aus den achtundvierziger Tagen, wie wir es in zahlreichen Memoiren und Erinnerungen aus jener Zeit finden, entrollt das folgende Duett zwischen Posa und Kasper: - Und Pauke hielten im polit'schen Klub? ' Wo Preußen wir in Deutschland einverleibten, - ' Bis der November uns brachte auf den Schub? Kasper: Ich denk' daran, indessen nur sehr selten, Weil Denken überhaupt beschwerlich ist. Ich denk' mitunter auch noch an die Zelten, Damit man doch nicht alles ganz vergißt. Posa: Denkst Du daran, wie oft wir demonstrierten, Rehberger vorgeschoben, Kopf an Kopf! Als wir zum Kreuzberg all' hinaus marschierten Mit einem großen Farbentopf? Kasper: Ich denk' daran, wie bald es wär' geschehen, Und rot gestrichen war das Monument; Doch ließen sich verschiedene Blaue sehen, Und — sauve qui peut,! — ist alles weggerennt! Posa: Denkst Du daran, wie wir uns hoch verschworen: „Kein Bürgerwehrmann gibt den Kuhfuß weg!" Mir dröhnt es heute noch in beide Ohren: „Nur über meine Leiche führt der Steg!" Kasper: Wenn Wort und Handlung ich von da vergleiche Erfüllte sich der Schwur — was will man mehr? Es war ja doch von Anfang an 'ne Leiche ,, Mit unsre ganze deutsche Bürgerwehr!^ Alle Versuche, über den Autor dieses immerhin ganz gelungenen Stückleins Berliner Humors Näheres zu erfahren, waren zuvörderst vergeblich. Kein Nachschlagebuch oder „Gelehrtes. Berlin" aus jener Zeit gab Nachricht über ihn. Ich wandte mich daraus (April 1902) an Geh. Rat Lazarus nach Meran, wo er damals in stiller Zurückgezogenheit an der Ausarbeitung seiner Lebenserinnerungen beschäftigt war, und erhielt nach wenigen Tagen ein längeres, sehr gütiges Schreiben von ihm, worin es heißt: „Es hat mich gefreut, wieder einmal ein Lebenszeichen von Ihnen zu empfangen, obgleich ich dies also nur dem braven, schnurrigen, gewiß längst seligen Sylvins verdanke. Dieser S. Landsberg war um die Mitte des vorigen Jahres in der Buchhandlung von Logier (Friedrichstraße, zwischen Linden und Vehrenstraße) Geschäftsführer, Prokurist, Faktotum; als Kunde verkehrte ich dort oft, um die Novitäten zu studieren. So lernte ich ihn dann bald und immer näher kennen: ein strebsamer, alles lesender Autodidakt, Witzling und schöpfungsdurstig bis auf die Knochen; deshalb machte er sich nach wenigen Jahren frei, wurde ein kleiner Verleger uttbein großer Dichter von possenhaften Dramolets (von denen mir leider nur noch ein Titel erinnerlich ist: „Katze, Ratze ■ Zipperlein"), die er mit politisch-satirischem Senf gewürzt hat. Die scherzfrohe — in der damaligen Reaktionszeit — zahlreiche galgenhumoristische Gemeinde der Lacher hatte ihn schnell entdeckt; er stieg hoch empor und wurde der— Dramaturg des jener Zeit auf seiner größten — und letzten — Höhe stehenden Puppentheaters. Nicht im Vogtlande oder der Frankfurter Allee, sondern im Westen, ul kallor, in einem großen Hotelsaale in der Mohrenstraße, wurde gespielt; dort habe ich selbst mit meiner Frau den „Don Carlos" gesehen, dessen Titel Sie richtig zitieren. Aber, auch um ernsthafte Dichtung hat unser Sylvius sich bemüht und wenigstens in . dem Asyl für Obdachlose auf dem Parnaß seine Unterkunft gefunden. Uns, meiner Frau und