Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 13 (25.3.1904)
- Date
- 1904-03-25
- Page
- Seite 148 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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148 Vorkämpfer der Antialienbewegung, bezüglich des projektierten Einwanderungsgesetzes, dahin beantwortet, daß er hoffe, die „Femdenbill" werde ohne Verzögerung vorgelegt werd en. Wahrend somit das gegenwärtige Kabinet mit Balfour an der Spitze ganz offen für die Einführung der einschränkenden Bill Partei nimmt, scheint auch die Partei, die vielleicht in nächster Zukunft in England ans Ruder kommen wird, nämlich die liberale, die Freihändler mit Sir Campbell Bannermann an der Spitze, dem Gesetze gleichfalls nicht abgeneigt zu sein. Indes das ist nur eine Vermutung, die noch sehr der Bestätigung bedarf. Lur Erinnerung an Len Grsken TÄslLerlee. n allen Nekrologen auf den Heimgegangenen General? feldmarschall wurde seiner humanen, echt religiösen Gesinnung ehrend gedacht. Zeugnisse dieser Gesinnung sind auch die nachfolgenden, an den rühmlichst bekannten Hamburger Tempelprediger Dr. Davi d Leimdörfer gerichteten Briefe des Grasen Waldersee, die in einer Zeit, wo man von gegnerischer Seite die Stellung der Juden im Heere wieder in so häßlicher Weise angegriffen hat, .doppelt interessant und erfreulich wirken müssen. Sie haben folgenden Wortlaut: Brief, datiert Hannover, 11. 5. 99. Hochgeehrter Herr Dr. Leimdörfer! Empfangen Sie meiner Frau und meinen herzlichen Dank für das so freundliche Gedenken unserer silbernen Hochzeit, für die daran geknüpften guten Wünsche und für den Ausdruck uns ebenso erfreuender als ehrender Gesinnnngen. Wir haben den Tag in der Stille am Ufer des Gardasees gefeiert und fern von dem Geräusch der Welt uns dem Danke an die Vorsehung, die uns so reich gesegnet hat, hingeben können. Schon längst war es mein Wunsch, mich für -die Zusendung Ihres Psalter Ego zu bedanken. Da ich es in der Ruhe lesen wollte, mannigfaltige Störungen dann aber dem entgegentraten, ist eine geraume Zeit darüber hingegangen. Sie werden von mir eine Kritik nicht erwartet haben, ich bin zu einer solchen ja auch nicht befähigt, gestatten Sie mir aber zu sagen, daß Ihre Forschungen mich in hohem Maße interessiert haben. Oft lese ich Psalmen und erquicke mich an ihnen, ich wähle mir dann die aus, welche in die zeitige Stimmung oder die vorliegenden Verhältnisse passen, hatte die Gesamtheit aber nie durchgelesen und in ich möchte es. nennen Gedankenlosigkeit, mich weder mit Ursprung noch Zusammenhang eingehend beschäftigt. Das ist nun anders geworden, und muß ich Ihnen auch dafür danken. Ich zweifle nicht, daß in weiteren Kreisen Ihre Schrift Anerkennung finden wird und zu weiteren Forschungen und damit auch zu größerer Wertschätzung der herrli.chen Gesänge führen wird. Indem ich die Bitte ausspreche, ein freundliches Andenken mir auch ferner bewahren zu wollen, und mit besonderen Wünschen für Ihr Wohlergehen verharre ich als Euer Hochwürden ganz ergebenster A. Waldersee, Generaloberst. Brief, datirt Hannover, 10. 5. 1900. Geehrter Herr Dr. Leimdörfer! Für das so freundliche Gedenken meines Dienstjubiläums itnb die dabei zum Ausdruck gebrachten, mich sehr ehrenden Gesinnungen sage ich meinen aufrichtigen Dank. Ich kann in der Tat auf eine von Glück selten getragene Laufbahn znrücksehen, und sind nur dafür Anerkennungen in reichem Maße zu teil geworden. Das beste bleibt doch aber, daß der liebe Gott nnch mit guter Gesundheit und mit fröhlichem Sinne gesegnet hat und daß in meinem Hause Glück und Zufriedenheit - herrschen. Für die freundliche Zusendung Ihrer neuesten Arbeit verbindlichsten Dank. Die Durchsicht muß ich ans eine, ruhigere Zeit, die .ich im Juli zu finden hoffe, verschieben. In besonderer Hochachtung Ihr ganz ergebenster ' A. Waldersee, Feldmarschall. Brief, datiert Neverstors, 8. 9. 1901.- Hochgeehrter Herr! Ihre so überaus freundliche Begrüßung bei uwiner Rückkehr aus China hat nnch sehr erfreut und ich sage meinen herzlichsten Dank. Von den vielen Auszeichnungen, die mir geworden, lege ich auf die Verleihung __ des Ehrenbürgerrechts von Hamburg einen ganz besonderen Wert. Wenn es mir in China auch gut ergangen, so bin ich doch froh, wieder zu Haus zu sein, und pflege nunmehr hier am Ostseestrande der Ruhe. In besonderer Hochachtung A. Waldersee, Feldmarschall. Brief, datiert Hannover, 19. 3. 1903. Hochgeehrter Herr Dr. Leimdörfer! Als der Babel- und Bibelkampf begann, war ich nicht im Zweifel, daß Sie die Delitz'schen Auffassungen mit Entschiedenheit bekämpfen würden. Es war mir daher eine wahre Genugtuung, Ihren freundlichen Brief vom 14. d. M. und damit die beiden Exemplare Ihrer Schrift zu erhalten. lAnmerk. d. Red.: „Der JHWH $imb von Babel in der Bibel." Von Dr. Leimdörfer. Hamburg, I. Boysens Verlag.) Ich danke aufrichtig dafür und bitte versichert zu sein, daß mich Ihre Ausführungen sehr gefesselt haben, und wünsche denselben weite Verbreitung. Ich finde nicht das Geringste dagegen einznwenden, daß Sie die Schrift Seiner Majestät dem Kaiser senden, und rate Ihnen, dies direkt in einem frankierten Briefe zu tun. Derselbe gelangt zunächst an den Chef des Zivilkabinets und konnnt durch diesen zum Bortrag. Am 1. April finde ich vielleicht Gelegenheit, mit Seiner Majestät über den Gegenstand zu sprechen. Mit besten Wünschen für reiche Anerkennung in besonderer Hochachtung Feldmarschall A. Waldersee. Dr. Leimdörfer übersandte die Schrift dem Kaiser, erhielt sie aber durch die preußische Gesandtschaft in Hamburg zurück, da es nach den bestehenden Grundsätzen nicht tunlich sei, sie dem Kaiser zu überreichen. Dr. Leimdörfer gab von dieser Antwort dein Grafen Waldersee Kenntnis. Dieser erwiderte in folgendem Briefe. Hannover, 18. April 1903. Geehrter Herr Dr. Leimdörfer! Ihr freundliches Schreiben vom gestrigen Tage erhielt ich richtig. Es tut mir leid, daß Ihre interessanten Aussührnngen jetzt nicht zur Kenntnis Seiner Majestät gelangen konnten. Vielleicht bietet sich mir im Laufe der nächsten Monate eine Gelegenheit, in geeigneter Weise auf ihre Ansicht hinzuweisen, vielleicht glückt es mir dann, Ihren Wunsch in Erfüllung zu bringen. Mit besinn Gruß verbleibe ich Ihr ergebener A. Waldersee, Feldmarschall. lörirk aus Vrltrrreich. Mitte Mürz. erhard Hauptmann wurde eine von ihm gewiß nicht geahnte Ehre angetan: aus dein Burgtheater wurde er hinausgeworfen, und in unserem Parlament, dern von einigen Politikern sogenannten Kasperl-Theater auf dem Franzensring zu Wien, hat er seine „fröhliche Urstend" gefeiert. Und da sage man noch, Oesterreich sei nicht das Land der Unwahrscheinlichkeiten. Wie das kam? Die Sache ist eigentlich ganz einfach zugegangen. Eine sehr hohe Frau fühlte sich, als sie einer Aufführung von „Rose Bernd"- beiwohnte, sehr unangenehm berührt. Daß auf dem geheiligten Boden des Vurgtheaters solche Dinge sich abspielen, wie die zwischen dem Erbscholteibesitzer und Rose, ist wirklich nicht zu billigen., Was können unsere jungen Komtessen da Gutes lernen? In der Vorstadt, z. V. im Josefstädter- oder Volkstheater, findet man diese natürlichen Dinge ganz begreiflich; von der „Burg" aber hält man zu weit gehende, im Erlengebüsch sich abspielende Verhältnisse fern. Die jungen Komtessen mögen sich also „Rose